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Youtube-mp3 vs. Musikindustrie: Streamripping-Dienst wird offenbar eingestellt

Youtube-mp3 vs. Musikindustrie: Streamripping-Dienst wird offenbar eingestellt


Axel Kannenberg

(Bild: Screenshot)

Das Ende des Streamrippers Youtube-mp3.org ist wohl nahe: Laut einer Einigung in einem US-Rechtsstreit wird die zugehörige Domain an die Musiklobby übergehen. Und der deutsche Betreiber verpflichtet sich, künftig die Finger von Streamrippern zu lassen.

Im von US-Musiklobbyverbänden gegen Youtube-mp3.org angestrengten Rechtsstreit scheint eine Einigung erreicht zu sein – die das Ende des beliebten Streamrippers einläutet. Gemäß dem Anfang September bei Gericht eingereichten Kompromiss (siehe unten) würde die Musikindustrie in allen Punkten Recht bekommen. Teil der Beilegung ist auch, dass die Domain Youtube-mp3.org an eine der klagenden Parteien übergeben wird. Ebenfalls verpflichtet sich der persönlich beklagte Betreiber Philip Matesanz, ein Informatiker aus Hannover, darin, künftig keine vergleichbaren Streamripper mehr anzubieten sowie eine Zahlung in ungenannter Höhe zu leisten. Bislang hat der Vergleich noch keine richterliche Zustimmung erhalten.

Die Vertreter der Musikindustrie hatten ihre Klage im September 2016 an einem US-Bundesbezirksgericht eingereicht und schweres Geschütz aufgefahren: Für jeden einzelnen Fall von Urheberrechtsverletzung verlangten sie einen Schadenersatz von 150.000 US-Dollar, das nach US-Gesetzen maximal Mögliche. Neben der Urheberrechtsverletzung wurde Youtube-mp3 auch vorgeworfen, technische Vorkehrungen Youtubes gegen das Streamripping umgangen zu haben. Youtube-mp3 bietet Nutzern die Möglichkeit, sich die Tonspur aus Youtube-Clips in eine DRM-freie MP3-Datei umwandeln zu lassen und diese dann kostenlos herunterzuladen.

“Berüchtigte Pirateriemärkte”

Indirekt Schützenhilfe bekam die Musikindustrie auch durch den US-Handelsbeauftragten Michael Froman. In seinem Bericht über “berüchtigte Pirateriemärkte” vom vergangenen Dezember bezeichnete er Youtube-mp3.org als Beispiel für die “wachsende Bedrohung”, die Streamripper “für Musiker, Plattenlabels und digitale Musikvertriebsmodelle” darstelle. Mit 4,8 Milliarden Besuchen im Jahr 2015 entfielen rund 40 Prozent in diesem Bereich auf das Portal. Die Musikindustrie schätze, dass der Hannoveraner Betreiber Philip Matesanz darüber pro Monat mit Werbung hunderttausende US-Dollar einnehme.

Es ist nicht der erste Rechtsstreit, den Matesanz mit seiner werbefinanzierten Ripping-Seite auszufechten hatte: 2014 erwirkte er eine einstweilige Verfügung gegen den Bundesverband Musikindustrie (BVMI). Dieser hatte zuvor Unternehmen aufgefordert, keine Werbung bei dem Online-Dienst zu schalten, weil dieser illegal sei. Auch mit dem Youtube-Eigner Google lag Matesanz bereits im Clinch.

Philip Matesanz war für eine Stellungnahme bislang leider nicht erreichbar. Genauere Details der Einigung mit der Musikindustrie sind noch nicht bekannt. Zur Stunde ist Youtube-mp3.org noch online; laut Whois-Eintrag läuft die Domain am 13. September aus. Ein Versuch, Youtubestreams zu konvertieren, brachte die Fehlermeldung: “Derzeit finden Wartungsarbeiten statt. Unsere Server sind nicht verfügbar. Bitte versuche es während der nächsten Stunde noch einmal.”

Das Verfahren heißt UMG Recordings v. PMD Technologie UG d/b/a YouTube-mp3 und ist beim US District Court, Central District of California, anhängig (16-cv-07210).


(axk)