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Xbox One künftig mit Maus & Tastatur – eine Meinung

Alles eine Frage der Fairness?

| von Florian Holzbauer

Microsoft Xbox One S im Review

So langsam will Microsoft ernst machen und tatsächlich hochoffiziell Maus & Tastatur für die Xbox One als zulässige Eingabegeräte etablieren. Während man auf der einen Seite jubelt, sind andere stinksauer und wollen die Redmonder noch aufhalten. Aber Moment, gehen wir mal einen Schritt zurück – und erlauben Sie uns eine Meinung.

Ein Meinungsbeitrag von Florian Holzbauer

Microsoft: “Maus & Tastatur für Xbox One kommt”

Was Microsoft seit Jahren ohne konkretes Ergebnis immer wieder mal anspricht, soll (diesmal wirklich) schon bald umgesetzt werden: Maus- und Tastatur-Steuerung für eine Spielekonsole, konkret: für die Xbox One. Das hat zumindest Xbox-Designer Mike Ybarra bei einem Diskussionspanel auf der US-amerikanischen Messe PAX West von sich gegeben. Darüber hinaus bekräftigte Ybarra, dass Microsoft sehr smart sein müsse, in welcher Form man dieses Feature ausrollt. Viele Leute hätten ihm per Twitter geschrieben, das dies nicht ging – der Fairness wegen. Und er verstehe diese Einwände auch. Es gäbe ja zahlreiche Möglichkeiten, die Fairness weiter beizubehalten – beispielsweise Spielern die Wahl zu überlassen, in kompetetiven Multiplayer-Spielern gegen die gesamte Spieler-Basis anzutreten oder Maus-Tastatur-Gamer auszuklammern. Wie dem auch sei: Der Plan sei, dass man schon bald ein erstes Spiel mit Maus- und Tastatur-Support veröffentlichen wolle und auch anderen Entwicklern selbige Option zu geben.

Schon bald könnten Tastaturen wie diese an der Xbox One für Games genutzt werden.

Zwei Welten prallen aufeinander

Wenn ich 3D-Shooter an der Konsole spiele, wie aktuell zum Beispiel Destiny 2, kommt mir regelmäßig das kalte Grauen. Nicht etwa, weil mir die Grafik nicht passt oder weil die Lüfter der PS4 unüberhörbar aufdrehen. Ich kann es einfach nicht leiden, First-Person-Action mit einem Gamepad zu spielen. Ich bin mit PC-Shootern aufgewachsen und habe die extrem präzise Maus-Tastatur-Steuerung verinnerlicht. Zielhilfen? Bitte, wer braucht denn sowas? Ganz offenbar eine Menge Konsolenspieler. Denn viele Action-Games bieten an, dass mein Zielkreuz die letzten Zentimeter um meinen Gegner selbständig justiert, sodass ich nicht ein paar Dutzend Schuss sinnlos in die Wildnis ballere. “No skill!” werden jetzt viele sagen – und in vielen Fällen haben sie damit Recht. In überwältigenden, unübersichtlichen oder überraschenden Situationen verfüge ich nicht über den Skill, den rechten Thumbstick präzise-schnell zu platzieren. Mit Maus und Tastatur? Absolut kein Problem.

Deshalb kann ich persönlich den Schrei nach Maus und Tastatur an der Konsole vollkommen verstehen. Und es spricht ja auch eine ganze Menge dafür. Mit PC-Peripherie öffnet Microsoft die Xbox One für bisher ungeahnte Genres. Echtzeit-Strategie, Aufbau-Simulationen und komplexen Online-Rollenspielen wäre der Weg auf die Konsole geebnet. World of Warcraft, Civilization und Total War könnten ihre schnöde PC-Exklusivität endlich hinter sich lassen. Außerdem könnte man Hardcore-PC-Fans zu einer preisgünstigen Alternative bringen. Denn die Xbox One S gibt’s im Bundle schon häufig für wenig mehr als 200 Euro. Einen vergleichbar günstigen Spiele-PC gibt es nicht. Punkt. Und am Ende des Tages ist ein solcher Schritt aus Microsoft-Sicht auch konsequent. Bereits jetzt führt das Unternehmen den Windows-10-PC für Spieler und die Xbox One ganz nah zusammen, überwindet damit künstliche Grenzen und läutet mit dem Prinzip “Pay once, play anywhere you want” eine neue Denkweise bei Videospielen ein.

Sehen so bald Mäuse für die Xbox One aus?

Die Xbox-Maus: Warum ich es trotzdem nicht gut finde

Obwohl ganz objektiv sicherlich Einiges für das neue “Feature” spricht, kann ich dem nicht abgewöhnen. Maus & Tastatur werden das feine Balancing von zahlreichen Spielen, die das Feature unterstützen werden, schlichtweg vernichten. Machen wir uns nichts vor: In praktisch allen Multiplayer-Shootern wird ein Maus- und Tastaturspieler bei ähnlichem Skill-Level immer überlegen sein. Klar kann Microsoft dem Spieler selbst überlassen, ob er überhaupt gegen Maus-Spieler antreten will – aber gilt das auch umgekehrt? Kann ich dann, umgekehrt, auch Gamepad-Spieler links liegen lassen? Als wäre die Spaltung durch die beiden bislang nur in Ausnahmefällen Cross-Play-kompatiblen Plattformen nicht ohnehin schon genug, muss man jetzt innerhalb einer Plattform nochmal spalten? Ich glaube nicht, dass sich Microsoft damit wirklich einen Gefallen tut. Mir ist bewusst, dass in einem Xbox-Besprechungsraum in Redmond die Alarmglocken seit Jahren schrillen – aber die eigene Basis zu gefährden, um Sony vielleicht doch nochmal angreifen zu können, ist dann des Guten zu viel.

Ich glaube trotzdem, dass dieses Feature kommen und in der Xbox-Gemeinde Einzug halten wird. Deshalb bleibt nur zu hoffen, dass Microsoft seinen First- und Third-Party-Entwicklern entweder klare Regeln vorgibt oder ihnen zumindest ausreichend ins Gewissen reden wird. Ansonsten geht der Schuss nach hinten los und treibt nur noch mehr Gamepad- und Couch-Fans zur Konkurrenz.