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WRC: Rallye Finnland Sensations-Sieg durch Lappi

— 30.07.2017

Sensations-Sieg durch Lappi

26 Jahre alter Finne gewinnt beim erst vierten Start in einem World Rally Car. Ausfall für Weltmeister Sébastien Ogier. Spannung im WM-Kampf.

Sensation in Finnland. Der dortige WM-Lauf gilt als eine der schwierigsten Rallyes der Welt. Und doch zeigte ausgerechnet auf den ultraschnellen und mit extrem vielen Sprüngen gespickten Schotterpisten rund um Jyväskylä ein Greenhorn den alten Hasen den Auspuff. Toyota-Pilot Esapekka Lappi (26) gewann sein Heimspiel mit vergleichsweise großem Vorsprung von 36 Sekunden vor Elfyn Evans (30) im Ford
Dabei ist es nur wenige Monate her, dass Esapekka Lappi (26) zum ersten Mal eine WM-Rallye in einem World Rally Car (WRC) bestritt. Der Aufstieg aus dem 100 PS schwächeren Skoda Fabia R5, mit dem er 2016 die Weltmeisterschaft der Kategorie WRC2 gewonnen hatte, scheint ihm keine Probleme bereitet zu haben.

„Man muss das realistisch sehen. Die Rallye Finnland kenne ich sehr gut, auf diesen Straßen habe ich Rallyefahren gelernt“, blieb Lappi bescheiden, der erst im Alter von 20 Jahren vom Rundstrecken- in den Rallyesport wechselte. „Wenn ich irgendwo schon das Tempo der Weltspitze mithalten kann, dann hier.“Juho Hänninen (36) vervollständigte auf Rang drei das starke Mannschaftsergebnis von Toyota. Der Finne, der 2016 den Großteil der Testarbeit für das damals neue Team erledigt hatte, war vor dem Start der letzten Wertungsprüfung sogar Zweiter. Auf der Zielgeraden wurde er dann aber noch von Ford-Pilot Elfyn Evans abgefangen. Winzige 0,3 Sekunden trennten die beiden nach 314 Kilometern Wertungsprüfungen.

Zeitweise belegten Toyota-Piloten sogar die ersten drei Ränge. Einziger Störfaktor war der Finne Teemu Suninen (23) im privaten Ford. Lange sah es danach aus, als könnte der junge Finne bei seiner erst zweiten Rallye in einem WRC eine ähnliche Sensation landen wie Lappi. Ein Highspeed-Dreher am Sonntagmorgen, nach dem Suninen nur mit Riesenglück sein Auto nur wenig beschädigte, beendete allerdings dessen Hoffnungen auf einen Platz auf dem Podium. Am Ende belegte er den undankbaren vierten Rang.

Noch mehr Pech hatte Lappis Teamkollege Jari-Matti Latvala (32). Der dreimalige Finnland-Sieger war sogar schneller als sein junger Landsmann und führte zur Halbzeit. Doch ausgerechnet auf der legendären Wertungsprüfung Ouninpohja starb der Motor plötzlich ab. Verdächtigt wurde ein Ventil in der Benzinzufuhr. Hektisches Gewackle an allen möglichen Kabeln und Steckern brachte das 1,6-Liter-Turbotriebwerk nur für ein paar Sekunden zurück ins Leben – Latvala musste auf den Abschleppwagen warten. „Das ist wirklich frustrierend. Zum Glück habe ich mir dieses Mal nicht selbst etwas vorzuwerfen“, sagte der sensible Finne, der am Sonntag neu startete und mit Rang vier auf der abschließenden Powerstage zwei magere Punkte retten konnte.

Lappi ist der große Sieger von Finnland

Latvala verpasste damit wohl die letzte Chance, vielleicht doch noch in den Titelkampf eingreifen zu können. Denn die beiden in der Tabelle vor ihm platzierten Sébastien Ogier (33, Ford) und Thierry Neuville (29, Hyundai) spielten dieses Mal keine Rolle. Ogier flog schon am Freitag so heftig ab, dass Beifahrer Julien Ingrassia (37) kurz bewusstlos war, mehrfach zum Check ins Krankenhaus musste und von den Ärzten schließlich den Rat erhielt, sich mindestens 15 Tage von jedem Rallyeauto fernzuhalten.
Rechtzeitig zur Rallye Deutschland (17. bis 20. August) sollten die amtierenden Weltmeister wieder fit sein. Dorthin kommt Ogier mit exakt derselben Punktezahl wie Neuville. So spannend war die Rallye-WM schon seit mehr als zehn Jahren nicht mehr.

Neuville haderte in Finnland vom Start weg mit der Motorleistung seines i20 WRC. Die Ingenieure checkten das Triebwerk bei jeder sich bietenden Gelegenheit, konnten allerdings nichts finden. Auch Veränderungen bei Fahrwerk und Kraftübertragung brachten Neuville nicht den erhofften Speed. Nur weil die Konkurrenz so zahlreich patzte, wurde der Belgier schließlich auf Rang sechs nach vorne gespült.

Erneut nur eine Nebenrolle spielte auch das Citroën-Werksteam. Vorjahressieger Kris Meeke (38) war sogar langsamer als Nachwuchsmann Craig Breen (27), der Fünfter wurde. Außerdem sorgte Meeke für Ärger mit öffentlicher Kritik an der Taktik von Teamchef Yves Matton (50), der den Nordiren nach einer Serie von Unfällen bei der zurückliegenden Rallye Polen hatte pausieren lassen. Prompt flog Meeke erneut von der Piste.

Stark schlug sich dagegen Julius Tannert (27) bei seiner persönlichen Finnland-Premiere. Der einzige Deutsche am Start tastete sich im Gegensatz zu einigen Konkurrenten in der Junior-WM von unten ans Limit heran. „Ich habe anfangs viel am Fahrwerk herumexperimentiert“, erzählte der Sachse. „Dabei ging’s allerdings erst in die falsche Richtung.“

Durch einen Reifenschaden wuchs der Rückstand auf den Gewinner der Klasse, in der mit technisch identischen Ford Fiesta (Dreizylinder-Turbomotor, rund 190 PS, Vorderradantrieb) gefahren wird, auf über drei Minuten an. Am Ende blieb Rang vier, womit Tannert festigte damit Platz fünf in der Junior-WM festigte.