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WhatsApp: China blockiert Messenger vor KP-Parteitag

In China wird der Messengerdienst WhatsApp nun weitestgehend blockiert und Nachrichten erreichen nur noch ausnahmsweise ihr Ziel. Die Behörden verstärken damit weiter ihre Kontrolle, Nutzer werden wohl zu überwachbaren Alternativen gedrängt.

Wenige Wochen vor Beginn des 19. Parteitags der Kommunistischen Partei hat die chinesische Staatsführung den Messenger WhatsApp nun offenbar komplett blockiert. Wie die New York Times und andere Medien übereinstimmend berichten, ist die Blockade seit Montag komplett. Zuvor hatten Nutzer vermehrt über Schwierigkeiten geklagt, aber Textnachrichten waren immer noch teilweise zugestellt worden.

Experten vermuteten, dass WhatsApp für chinesische Nutzer noch in einigen Fällen funktionieren könnte. Chinas Behörden wenden demnach eine bereits erprobte Taktik an: Unerwünschte Internetdienste werden, wenn nicht komplett blockiert, zumindest so stark verlangsamt, dass Nutzer von selbst auf Alternativen ausweichen, die besser funktionieren, aber überwacht werden.

Mit der WhatsApp-Blockade verliert gleichzeitig der Internetgigant Facebook sein letztes Standbein in dem so lukrativen chinesischen Markt. Mark Zuckerbergs Konzern hatte den Messenger 2014 für 19 Milliarden US-Dollar gekauft, zwei Jahre später war – nicht zuletzt wegen der NSA-Enthüllungen von Edward Snowden – Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aller Nachrichten eingeführt worden. Chinesischen Behörden mit ihren Überwachungs- und Kontrollbemühungen ist das ein Dorn im Auge. Im Zuge der verstärkten Zensur im Vorfeld des Parteikongresses war der Schritt wohl nur eine Frage der Zeit. Der Parteitag beginnt am 18. Oktober und Chinas Staatsführung will rund um das Ereignis jegliche Berichterstattung und öffentliche Debatte kontrollieren. Gegen große Unternehmen wurden laut CNBC nun Strafen verhängt, weil verbotene Inhalte nicht ausreichend gelöscht würden.

Bei WhatsApp waren im Verlauf des Sommers schon verschiedene Funktionen für chinesische Nutzer nicht mehr verfügbar. So konnten keine Videos und Dateien mehr versendet werden, weil der Dienst hierfür auf bekannte und damit leichter zu blockierende Internetprotokolle setzt, wie die New York Times erklärt. Kurz vor dem Parteikongress haben die Behörden nun wohl herausgefunden, wie sie auch das ungewöhnlichere Format der Textnachrichten erkennen und blockieren können. Auch wenn WhatsApp in China bei weitem nicht so beliebt ist wie etwa WeChat, hätten sich schon viele Nutzer über die Blockade beschwert. Während einige WhatsApp etwa für politische Arbeit benutzten, benötigten andere die App für Kontakte ins Ausland, erklärt die Zeitung.


(mho)