/WEC: Senna, Prost und Piquet junior “Wir teilen uns sogar die Frauen”

WEC: Senna, Prost und Piquet junior “Wir teilen uns sogar die Frauen”

— 30.08.2017

“Wir teilen uns sogar die Frauen”

Ayrton Sennas Neffe Bruno, Alain Prosts Sohn Nicolas und Nelson Piquets Sohn  Nelson junior fahren am Wochenende gemeinsam in der WEC in Mexiko für Rebellion LMP2.

Herr Piquet, Herr Senna, Herr Prost – Sie haben alle Familienmitglieder, die mehrmals Formel-1-Weltmeister waren. Wer war denn der Beste aller Zeiten?
Bruno Senna (33) Michael Schumacher (lacht) …
Nicolas Prost (36): Mein Vater hat immer von drei Fahrern erzählt, die verdammt schnell gewesen sein sollen. Das waren Niki Lauda, Ayrton Senna und Nelson Piquet.
Nelson Piquet (31): Mein Vater war auch ein großer Lauda-Fan. Ich denke, man kann die einzelnen Epochen nicht miteinander vergleichen. Ayrton ist zu einer Zeit gefahren, die sehr ähnlich zu der heutigen ist. Da sind einfach alle Fahrer verdammt schnell. Zu Zeiten von meinem Vater – auch wenn das nur ein paar Jahre früher war – musstest du zwar auch schnell sein, aber das primäre Ziel war, das Rennen zu überleben. Er hat seine Titel gewonnen, weil er sein Auto genau kannte, jedes Geräusch zuordnen konnte. Ganz ehrlich: Heute hätte er keine Chance, andersrum denke ich aber auch, dass Ayrton in den 70er-Jahren nicht so erfolgreich gewesen wäre wie in den 90ern.

Wie sehr haben Ihre Vorfahren Sie zum Rennsport getrieben?
Piquet: Meine Eltern waren ja geschieden, und meine Mum hat eine Wette verloren, deshalb bin ich für ein paar Jahre nach Brasilien zu meinem Vater gezogen. Er hat mich nie zum Rennsport gedrängt, hat mich aber immer unterstützt und alles Mögliche fahren lassen. Mit acht Jahren habe ich auf unserer Farm schon die wildesten Traktor-Touren hingelegt.
Senna: Gute Wette für dich! (lacht)
Prost: Meine Mutter war Lehrerin. Deshalb musste die Schule oberste Priorität haben. Ich bin noch Ski gefahren und habe Golf gespielt. Selbst als mir Jarno Trulli, der für meinen Vater in der Formel 1 gefahren ist, ein Kart geschenkt hat, habe ich dem nie Beachtung geschenkt. Ich war schon längst erwachsen, als ich bei einem Formel-Renault-Test Blut geleckt habe.

Wie sehr wurden Sie von Ihren Familien unterstützt?
Prost: Gar nicht! Mein Vater war nie da. Erst jetzt in der Formel E habe ich mehr mit ihm zu tun, weil er da mein Teamchef ist …
Piquet: Mein Vater hatte die verrücktesten Ideen. Er hat einfach mal so ein Formel-3- und ein GP2-Team für mich gegründet. Das wäre heute undenkbar, war aber schon damals am Limit. Aber es hat sich ausgezahlt. Ich habe gelernt, dass ich mich nicht in ein Topteam wie ART oder Arden setzen kann und da nur die Erfolge nach Hause fahren muss, sondern dass ich mir meinen Erfolg mit einem nicht so starken Team selbst erarbeiten muss. In der Formel 3 hatte ich damals nur zwei Mechaniker – einer war schon mein Gokart-Mechaniker. 

Mit dem LMP2-Prototypen sind Senna, Prost und Piquet nur unwesentlich langsamer als die LMP1-Flitzer

Herr Senna, Ihr Onkel ist in Imola tödlich verunglückt. Sie alle drei wurden durch Ihre Vorfahren mit schweren Unfällen konfrontiert. Trotzdem sind Sie jetzt Rennfahrer …
Senna: Der Unfall meines Onkels hat mein Leben verändert. Ayrton hat mir, als ich mit fünf Jahren erste Kartrennen fuhr, immer geholfen. Und nachdem er seinen Crash hatte, musste ich meine Karriere für eine lange Zeit unterbrechen – bis ich erwachsen war. Und noch heute würde ich zum Beispiel nie ein IndyCar-Rennen fahren – das wäre für meine Familie eine zu große Zumutung. Denn das Risiko ist dort bei den Ovalrennen einfach zu groß. 
Piquet: Der Rennsport ist gefährlich,das ist uns bewusst. Aber heute ist es doch so, dass die wildesten Unfälle passieren, Fahrer meterweit durch die Luft fliegen oder mit 300 km/h gegen die Mauer krachen – und, Gott sei Dank, meistens nichts passiert. Damals war das anders. In den 70er-Jahren haben die Fahrer ihr Leben riskiert. Ich will nicht sagen, dass das die richtigen Rennfahrer waren und heute jeder Idiot fahren kann, aber das mussten damals schon ganz andere Typen sein als wir heute.

Ihre Vorfahren waren mehrfache Formel-1-Weltmeister, Sie dagegen konnten in der Königsklasse nur kurz Fuß fassen. Warum?
Piquet: Jeder von uns wäre gern Formel-1-Weltmeister geworden. Aber aus unterschiedlichen Gründen hat das nicht geklappt. Ich denke, ihr beide seid einfach zu spät in den Rennsport gekommen. Ich habe zum richtigen Zeitpunkt angefangen, aber als ich in die Formel 1 kam, hatte ich Fernando Alonso als Teamkollegen – er war der Beste damals, das war wirklich sehr, sehr hart. Ich denke, wenn ich einen anderen Teamkollegen gehabt hätte, wäre es einfacher geworden.

Könnte es einen Weg zurück geben in die Formel 1?
Senna: Ich hab keine Lust mehr mit einem kleinen Team hinterherzufahren.
Piquet: Wir sind alle bodenständig. Keiner von uns würde ein Top-Angebot ausschlagen, aber wir sind realistisch genug, um zu wissen, dass das wohl nicht mehr klappt.     

Was bleiben dann Ihre Ziele im Rennsport?
Prost: Ich will unbedingt die Formel-E-Meisterschaft gewinnen, und hier in der WEC wäre ein Gesamtsieg in Le Mans fantastisch.
Senna: Absolut, das würde in der Senna-Chronik auch noch fehlen!
Piquet: Ich will alles fahren! Ich bin Single, habe keine Kinder, ich kann 24 Stunden am Tag Rennen fahren. IndyCar, Rallycross, NASCAR – ich habe auf alles Lust. Noch mal die Formel E zu gewinnen, wäre toll (Piquet war 2015 erster Meister der E-Serie; d. Red.).
 
Ihre Vorfahren waren zerstritten. Sie teilen sich jetzt ein Team und ein Auto. Färbt die Vergangenheit nicht ab?
Piquet: Wiir hassen uns. Wir sitzen jetzt nur für dieses Interview zusammen an einem Tisch! (lächelt ironisch)
Senna: (lacht). Nein wir verstehen uns wirklich gut. Alles lässig.
Piquet: Ehrlich, wir teilen uns das Auto, die Frauen – einfach alles. Du natürlich nicht, Nico. Du bist verheiratet …

In den Nachwuchsserien kommen derzeit weitere Weltmeistersprösslinge wie Mick Schumacher nach oben. Was ist Ihr Ratschlag an diese jungen Talente?
Prost: Man muss akzeptieren, dass man immer der Sohn von ist. Selbst Nico Rosberg, der immerhin Lewis Hamilton geschlagen hat und Formel-1-Weltmeister geworden ist, ja sogar mehr Rennen gewonnen hat als sein Vater, wird immer als Sohn von Keke Rosberg bekannt sein. Damit muss man leben.
Senna: Heute ist alles noch viel schwieriger geworden. Es geht noch mehr ums Geld. Es gibt immer mehr richtig gute Fahrer, die auch noch extremen finanziellen Support haben. Man muss da wirklich zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle sein.
Piquet: Der berühmte Name hilft. Ich bin ganz ehrlich: Für mich sind dadurch viele Türen zur richtigen Zeit aufgegangen. Und der Druck von sich selbst aus ist immer größer als der von den Journalisten oder anderen Leuten. Aber man muss clever sein und dafür sorgen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. 


Fotos:
DPPI/Picture-alliance