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WEC: Nach Porsche-Ausstieg Werden die Zweite-Klasse-Autos die neuen Stars

— 04.08.2017

Werden die Zweite-Klasse-Autos die neuen Stars

Nicht erst seit das Team von Jackie Chan fast das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen hätte, sind die LMP2-Prototypen die neuen Stars der Sportwagen-WM.

Was passiert nach dem Ausstieg aus der Porsche-WM? Eine Idee: Die kleinen Prototypen aus der LMP2-Klasse, für die in Le Mans die Gunst der Stunde schlug, könnten die neuen Topautos der Sportwagen-WM werden. Nicht erst seit Le Mans sind sie lauten und wuchtigen V8-Sauger-Flitzer die heimlichen Stars der WEC.

Von 0 auf 100 in drei Sekunden, 930 Kilogramm schwer, 600 PS stark – und seit 2017 auch super schnell: Die kleineren Prototypen begeistern die Piloten. „Diese LMP2-Autos zu fahren ist einfach unfassbar cool. Du hast viel Grip, viel Leistung, fährst wirklich schnell – wem da nicht das Herz aufgeht, der ist kein Rennfahrer“, strahlt Roman Rusinov (35). Der Russe, 2006 Formel-1-Tester bei MF1 Racing, ist mit 16 Siegen der erfolgreichste LMP2-Fahrer der WEC. Nur der Le-Mans-Klassensieg fehlt ihm noch: 2016 wurde er Zweiter.

Roman Rusinov ist der erfolgreichste LMP2-Fahrer der Geschichte

Rusinov: „Das ist ja das Spezielle an der LMP2. Jeder hat den gleichen Motor, in der WEC auch das gleiche Chassis (Oreca) – da kommt es wirklich auf dich selbst und auf so viele Kleinigkeiten an. Du brauchst von allem das Beste: Mechaniker, Ingenieure, Equipment. Der Wettbewerb ist extrem eng umkämpft. Das sind echte Sprintrennen trotz Langstrecken-Distanz.“

Die LMP2-Kategorie ist daher extrem beliebt: Mit 25 Fahrzeugen ist sie beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans die größte Klasse gewesen. Unter den 78 Piloten befanden sich auch diverse Ex-Formel-1-Stars wie Rubens Barrichello (45), Jean-Eric Vergne (27) und Vitaly Petrov (32). Aber kein Deutscher. In der amerikanischen Sportwagenmeisterschaft ist Nick Heidfeld (39) immerhin mit einem der Oreca-Gibson-LMP2 unterwegs. „Das Fahrverhalten ist absolut vergleichbar mit einem LMP1-Renner der großen Klasse, und die Leistung ist 2017 ja auch sehr beachtlich.“

In diesem Jahr werden alle Autos von einem 600 PS starken 4,2-Liter-V8-Sauger von Gibson angetrieben. Das sind 100 PS mehr als 2016. André Lotterer (35), LMP1-Pilot für Porsche, weiß: „Die Fahrer sind jetzt angestachelt und wollen gegen uns kämpfen. Wenn wir den Hybrid-Boost auf der Geraden ausschalten und nur mit Benzinantrieb fahren, haben die mehr Power als unser Porsche-Motor (ohne Elektroantrieb ca. 500 PS; die Red.). Es wird schwieriger, sie zu überholen.“ In Le Mans erreichten die LMP2-Prototypen Geschwindigkeiten von bis zu 340 km/h – rund zehn km/h mehr als die LMP1. Beim Auftakt in Silverstone waren die Rundenzeiten nur zehn Sekunden langsamer als die der schnellsten Formel-1-Autos 2016!  Der Rückstand auf die großen LMP1-Brüder ist von 15 (Debüt 2012) auf sechs Sekunden geschrumpft


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DPPI/Picture-alliance