/VW I.D. gegen Golf 8 (2019): Pro und Kontra Killt der I.D. den Golf?

VW I.D. gegen Golf 8 (2019): Pro und Kontra Killt der I.D. den Golf?

— 10.12.2017

Killt der I.D. den Golf?

2019 treffen mit dem elektrischen I.D. und dem Golf 8 zwei Generationen aufeinander. Nur eine davon könnte Zukunft haben. Pro und Contra!

Generationswechsel bei VW: Für 2019 ist der Golf 8 geplant, und nur kurz danach soll der elektrische I.D. parallel an den Start gehen. Zwei Kompakte, von denen der Golf 8 für die nächste Evolutionsstufe des traditionellen Kompaktwagens steht und der I.D. den Aufbruch von VW ins Elektrozeitalter markiert. Zwei Konzepte, die für unterschiedliche Werte des Konzerns stehen. Kann das gutgehen, wenn die alte auf die neue Welt trifft? Wenn das Dieselskandal-Image mit dem Saubermann-Image konkurriert?

Robin Hornigs Meinung: “Der ID killt den Golf!”

AUTO BILD-Redakteur Robin Hornig meint: “Dem I.D. gehört die Zukunft.”

“Während es der Studie des VW I.D. noch ein einem einheitlichen Konzept mangelte, wirkt die Serienversion des I.D. mindestens so gut durchdacht wie der Golf 8. Das Design überzeugt, ist längst nicht mehr so verspielt wie beim Concept Car. Anders als ein e-Golf sofort als reines Elektrofahrzeug zu erkennen, aber nicht so übertrieben gestylt wie ein BMW i3. Dach, Teile des Hecks und der Front sowie die Seitenschweller sind immer schwarz. Der verdammt lange Dachspoiler macht den hochbauenden Kompakten doch windschnittig. “Das Elektroauto” – so könnte der neue Claim von VW zum I.D. lauten. Er wird 2019 sicherlich der erste Kompaktwagen sein, der von Anfang an als E-Fahrzeug gedacht wurde – und er könnte ein Statement sein. Diese neue Gattung wird bei VW nicht einfach nur den e-Golf ersetzen, sondern auch eine Alternative für andere Golf 8 darstellen.

Das kann der I.D. besser als der Golf 8

Fast zeitgleich mit dem Golf 8 rollt der I.D. auf die Straßen – VWs erstes Auto, das konsequent als E-Fahrzeug konzipiert ist und eine Reichweite von 500 Kilometern haben soll.

Im Bereich Konnektivität werden Golf 8 und I.D. zunächst auf Augenhöhe sein. Beide bekommen das Knopflose Cockpit von der CES Studie 2017. Over-The-Air-Updates werden auch beide bekommen und damit, ähnlich wie ein Smartphone, länger auf dem Stand der Zeit bleiben. Doch ab da scheiden sich die Wege. Im Armaturenbrett des I.D. wurden 15 Liter für die Technik des Augmented-Realty-Head-up-Displays ausgespart. Das Display sahen wir ebenfalls bereits auf der CES. Im Golf 8 fehlt der Platz für die ganz große Version des Head-ups. Apropos Platz: Da bietet der I.D. deutlich mehr, weil man nie an einen Mitteltunnel denken musste und ohne Frontmotor auch in Reihe eins mehr Platz drin ist. Also auch die Kundschaft des Golf Sportsvans, den es vielleicht mit Generation 8 nicht mehr geben wird, kommt beim I.D. auf ihre Kosten.

Der kleine E-Motor sitzt im Heck und treibt die Hinterräder an. Und nicht nur Walter Röhrl weiß, dass der Heckantrieb agiler ist als der Frontantrieb. Der größte Vorteil des I.D. gegenüber des Golf 8 steckt aber unter der Haube. Ausgerüstet mit sechs Kameras, Radar und Laser erfüllt der I.D. die Anforderungen für autonomes Fahren Level 3 und vielleicht sogar Level 4. Das wird er nicht gleich 2019 dürfen bzw. können, aber ein Update wird ihm schnell dazu verhelfen. Spätestens bei Level 4 bleibt der Golf 8 auf der Strecke. Daher wird der I.D. aus meiner Sicht langfristig den Golf ablösen. Der Golf ist tot, es lebe der Golf!”

Peter R. Fischers Meinung: “Der I.D. kriegt den Golf nicht klein!”

AUTO BILD-Redakteur Peter R. Fischer meint: “Noch ist die E-Mobilität nicht so weit, dass sie dem Golf gefährlich werden könnte.”

“Nein, der I.D. wird den Golf nicht killen. Warum? Hauptsächlich, weil die E-Technik noch nicht voll leistungsfähig ist. Gerade bei den Batterien werden die großen Sprünge erst in den kommenden Jahren erwartet. Nicht umsonst kündigt Tesla seinen Roadster mit enormer Reichweite (1000 Kilometer) erst für 2020 an. Bis neue Entwicklungen wie Feststoffbatterien verfügbar sind, dürfte der I.D. dann schon zum alten E-Eisen gehören. Dagegen ist der Golf 8 eine sichere Bank. Keine Experimente, ausgereifte Technik und eine Reichweite, die die optimistischen 500 Kilometer Einsatzradius des I.D. mit jeder Motorisierung knacken dürfte. Dazu können Golf 8-Fahrer ganz klassisch binnen Minuten volltanken. Ausgewählte Motoren dürften außerdem über ein 48-Volt-Bordnetz verfügen, sodass der Golf 8 zumindest per Mildhybridantrieb Brennstoff einsparen dürfte.

Die I.D.-Technik ist noch nicht nutzbar

2019 kommt der neue Golf – auf Basis des Golf 7, flacher und optisch näher am Arteon.

Der I.D. ist vorgerüstet für Level 4. Doch wer beobachtet, wie lange es gedauert hat, bis Level 3 alle gesetzlichen Hürden genommen hat, der kann erahnen, dass es bis zur Zulassung des wesentlich komplexeren Level-4-Fahrens noch weit länger dauern wird als 2019. So lange bleiben die Funktionen ungenutzt – müssen im I.D. aber mitbezahlt und mitgeschleppt werden. Welchen Vorteil habe ich von nicht nutzbarer Technik? Keinen. Was das Infotainment angeht, wird der Golf 8 einen großen Schritt machen – auch wenn nicht die ganze Windschutzscheibe für Augmented Reality genutzt wird, sondern nur das Head-up-Display. Vollkommen ausreichend. Vor allem, wenn man berücksichtigt, dass der achte Golf verstärkt auf Sprachsteuerung setzen soll. Für die umfassende Vernetzung ist also gesorgt. Kein Grund, auf den E-VW umzusteigen.

Der Golf wird noch lange leben

Zugegeben, am Ende dürfte sich die E-Technik zumindest in Ballungsräumen durchsetzen – was nicht heißt, dass der I.D. dem Golf den Todesstoß versetzt. Meiner Meinung nach ist er ein – vermutlich – teurer Technologie- und Imageträger, der, bedingt durch den Dieselskandal, bitter nötig ist, um VW wieder zurück auf Kurs zu bringen. Die technische Entwicklung wird den I.D. aber wohl schnell einholen. Bis dahin bleibt der konventionelle Golf eindeutig der König im VW-Lineup – gerade weil VW bei ihm keine Experimente eingeht. Wirklich gegen die E-Konkurrenz beweisen muss sich wohl erst die neunte Generation des Golf. Aber bis dahin wird es noch dauern. Mindestens bis 2025. Doch wer weiß, wie das heutige Allheilmittel E-Mobilität dann gesehen wird. Angesichts der offenen Fragen Batterieproduktion, Verknappung der Ressourcen und einer nicht einheitlich geregelten Entsorgung ausgedienter Batterien. Bis sich diese Fragen geklärt haben, wird der Golf noch lange leben.”