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VW Abgasskandal: Aktuelle News und Updates Massen-Umrüstung bei Audi

— 21.07.2017

Massen-Umrüstung bei Audi

Audi rüstet 850.000 Dieselautos auf freiwilliger Basis mit einem Software-Update bei der Abgasreinigung nach. Alle News und Infos zum Abgasskandal!

Auch Audi Q7 3.0 TDI sind von der Nachrüstaktion betroffen.

(dpa/Reuters/mas/brü/cr/cj/lhp) Audi will im Zuge des Abgasskandals und angesichts der Diskussion um Diesel-Fahrverbote bis zu 850.000 Fahrzeuge kostenlos nachrüsten. Die Umrüstung sei freiwillig und bestehe auch aus bereits zugesagten Maßnahmen. Über ein Software-Update soll das Emissionsverhalten von Sechs- und Achtzylinder-Dieselmotoren der Abgasnormen Euro 5 und Euro 6 verbessert werden, wie die VW-Tochter am 21. Juli 2017 in Ingolstadt mitteilte. Das Update soll für die Kunden in Europa sowie anderen Märkten außerhalb der USA und Kanada verfügbar sein. “Damit will Audi dazu beitragen, die Gesamtemissionen in den Innenstädten zu reduzieren”, hieß es vom Unternehmen. Der Service gelte auch für Modelle der Marken Porsche und Volkswagen, die mit baugleichen Motoren ausgerüstet sind. Am 18. Juli hatte bereits Daimler angekündigt, europaweit drei Millionen Dieselfahrzeuge in Europa nachrüsten zu wollen. Die zwei Autohersteller gehen damit in Vorlage für den “Dieselgipfel” von Industrie und Autoherstellern am 2. August 2017.

Ermittlungen gegen Porsche

Im Zuge der VW-Abgasaffäre ist auch Porsche stärker ins Visier der Staatsanwaltschaft gerückt. Die Stuttgarter Behörde nahm Ermittlungen wegen einer möglichen Manipulation der Abgasnachbehandlung an Dieselfahrzeugen von Porsche auf, teilte ein Sprecher am 10. Juli 2017 mit. Sie richteten sich gegen unbekannte Mitarbeiter des Autobauers und eines amerikanischen Tochterunternehmens. Es werde der Vorwurf des Betrugs und der strafbaren Werbung geprüft. Nähere Angaben machte die Staatsanwaltschaft zunächst nicht. Sie hatte im April 2016 Vorermittlungen aufgenommen.

21. Juli 2017: Audi gibt bekannt, freiwillig rund 850.000 Dieselfahrzeuge mit einem Software-Update für bessere Abgasreinigung versehen zu wollen. Dabei geht es um Sechs- und Achtzylindermotoren nach Euro 5 und Euro 6.

10. Juli 2017:  Die Staatsanwaltschaft Stuttgart eröffnet ein Verfahren gegen unbekannte Porsche-Mitarbeiter wegen möglicher Abgas-Manipulationen bei Diesel-Fahrzeugen. Laut der Behörde besteht ein Anfangsverdacht des Betruges und der strafbaren Werbung.

10. Juli 2017: Der in München inhaftierte ehemalige Audi-Manager will mit den Behörden kooperieren und laut seinem Anwalt “seinen Beitrag zur Aufklärung des Sachverhalts leisten”. Ihm wird vorgeworfen, die amerikanischen Umweltbehörden mit manipulierten Schadstoffwerten über den wahren Abgasausstoß der VW-Diesel getäuscht zu haben.

9. Juli 2017: Neue Aussagen eines Kronzeugen belasten Ex-VW-Chef Martin Winterkorn. Laut “Bild am Sonntag” soll Winterkorn bereits im Juli 2015, also zwei Monate vor Bekanntwerden der Manipulation, umfassend über alles informiert worden sein. VW äußert sich dazu nicht.

7. Juli 2017: Die Staatsanwaltschaft München gibt bekannt, dass erstmals in Deutschland ein Beschuldigter im VW-Skandal festgenommen wurde. Laut Medienberichten handelt es sich um einen ehemaligen Audi-Manager, der für die Abgaskontrollsysteme der Modelle für den US-Markt zuständig war.

22. Juni 2017: Fünf bei der Abgasmanipulation möglcherweise verantwortliche VW-Manager schreibt die US-Justiz weltweit zur Fahndung aus, berichten mehrere deutsche Medien. Die Fahndung läuft über Interpol.

14. Juni 2017: Nach Verhandlungen mit der EU-Kommission wird bekannt, dass VW als “vertrauensbildende Maßnahme” zwei Jahre lang mögliche Schäden behebt, die durch Nachrüstung entstehen. Eine finanzielle Entschädigung wie in den USA lehnt der Konzern weiter ab.

12. Juni 2017: Porsche gerät nach einem auffälligen Abgastest ins Visier der Behörden. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums sagte am Montag, das Kraftfahrtbundesamt sei beauftragt worden, Untersuchungen vorzunehmen. Generell liefen die Tests wegen des Verdachts von Abgasmanipulationen bei einer Vielzahl von Fahrzeugtypen und seien nicht abgeschlossen. Es gebe aber immer wieder neue Hinweise: “Dementsprechend werden sie angepasst und fortgesetzt.”

1. Juni 2017: Verkehrsminister Dobrindt teilt mit, dass 24.000 Audi A7 und A8 zurückgerufen werden müssen, davon 14.000 in Deutschland. Grund: Bei den Fahrzeugen Baujahr 2009 bis 2013 mit V6- und V8-Motoren sei eine illegale Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung nachgewiesen worden.

17. Mai 2017: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart teilt mit, dass sie bereits seit Februar gegen VW-Konzernchef Matthias Müller ermittelt. Es geht um den Verdacht der Marktmanipulation im Diesel-Skandal. Der Vorwurf: Müller und weitere VW-Top-Manager hätten den Anlegern die finanziellen Konsequenzen der VW-Dieselaffäre verschwiegen.

12. Mai 2017: VW verkündet, EU-weit alle Freigaben zur Umrüstung der manipulierten Dieselmotoren vom Typ EA189 bekommen zu haben. Dazu gehörten auch bislang ausstehende Genehmigungen für rund 800.000 Skoda.

11. Mai 2017: Ein US-Gericht genehmigt den mit Behörden und Privatklägern vereinbarten, 1,22 Milliarden Dollar schweren Vergleich über die Entschädigung von rund 80.000 Kunden mit umweltbelastenden großen Dieselautos. Gleiches gilt für einen Vergleich mit Zulieferer Bosch zur Zahlung von 327,5 Millionen Dollar an VW-Diesel-Besitzer in den USA.

10. Mai 2017: VW kündigt auf der Hauptversammlung an, wegen rechtlicher Risiken entgegen früherer Ankündigungen keinen ausführlichen Bericht zu den internen Ermittlungsergebnissen der Anwaltskanzlei Jones Day zu veröffentlichen. Aktionäre kritisieren dieses Vorgehen.

4. Mai 2017: Medienberichten zufolge gibt es im Bundestagsausschuss zum Dieselskandal heftigen Streit über den Abschlussbericht. In einem Entwurf sprächen die Mitglieder von Union und SPD Regierung, KBA und Hersteller von jeglicher Schuld frei, Linke und Grüne wollten möglicherweise eine eigene Bewertung vorlegen, heißt es.

21. April 2017: Einem Bericht der “Neuen Osnabrücker Zeitung” zufolge sind vom Dieselskandal auch die Bundesregierung und die Ministerien betroffen. 3276 Dienstwagen müssen wegen der unlauteren Methoden nachgerüstet werden.

14. April 2017: VW macht beim Rückkaufprogramm für vom Abgas-Skandal betroffene US-Kunden Fortschritte. Der Konzern wickelte deutlich vor der geplanten Zeit Rückkäufe und Leasing-Stopps für über die Hälfte der insgesamt 475.000 manipulierten Dieselwagen ab. VW zahlt US-Kunden Prämien zwischen 5100 und 10.000 Dollar.

8. April 2017: Laut BILD-Informationen wurden im Abgasskandal bislang 211 Klagen gegen VW in erster Instanz entschieden. Davon war knapp ein Viertel erfolgreich.

5. April 2017: VW erwirkt eine einstweilige Verfügung gegen die Deutsche Umwelthilfe. Diese zweifelt den Erfolg des laufenden Diesel-Updates an.

30. März 2017: VW teilt mit, man habe sich in Rahmen eines Vergleichs über Umweltklagen mit zehn US-Bundesstaaten auf die Zahlung von 157,45 Millionen Dollar (146 Mio. Euro) geeinigt.

28. März 2017: Volkswagen reicht eine Beschwerde beim zuständigen Amtsgericht in München gegen die Razzia bei der mit der Aufklärung von Dieselgate beauftragten Anwaltskanzlei Jones Day ein. Damit will der Konzern verhindern, dass die Staatsanwaltschaft die bei der Kanzlei beschlagnahmten Dokumente zu Lasten von VW auswertet.

23. März 2017: Ein Gütetermin am Arbeitsgericht Braunschweig zwischen dem früheren Entwicklungsvorstand der Marke VW und Volkswagen bleibt ohne Ergebnis. Heinz-Jakob Neußer hatte das Unternehmen auf die Nachzahlung eines Bonus von rund 1,4 Millionen Euro für das Jahr 2015 verklagt. Das Gericht vertagte die Sitzug auf den 27. Juni.

23. März 2017: Die VW-Finanzsparte drückt die negativen Folgen des Dieselskandals unbeschadet weg. Das Denstleistungsgeschäft mit Autofinanzierungen und Leasingverträgen lieferte ein operatives Ergebnis von 2,1 (Vorjahr: 1,9) Milliarden Euro ab. Die VW-Finanzsparte konnte auch die nach Dieselgate gebildeten Sonderabschreibungen in Europa zum Teil auflösen.

17. März 2017: Der in den USA im Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal festgenommene Volkswagen-Manager Oliver S. bleibt in Haft. Ein Bundesrichter in Detroit lehnte seine Entlassung auf Kaution ab und begründete dies mit der großen Fluchtgefahr. Familie und Freunde des Angeklagten hatten eine Kaution in Höhe von 1,6 Millionen Dollar angeboten. Dem Mann drohen nach Angaben des Justizministeriums bis zu 169 Jahre Haft.

15. März 2017: Die Staatsanwaltschaft durchsucht die Audi-Zentrale in Ingolstadt wie auch Geschäftsräume in Neckarsulm sowie in der VW-Zentrale in Wolfsburg. Es ist der Tag der Audi-Jahrespressekonferenz. Bei den Razzien erhielten Berichten zufolge auch VW-Konzernchef Matthias Müller und Audi-Chef Rupert Stadler Besuch von den Ermittlern.

8. März 2017: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagt als letzte Zeugin vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags zur Diesel-Affäre aus. Sie sagt, sie habe erst mit dem öffentlichen Bekanntwerden des Diesel-Skandals am 19. September 2015 vom Abgas-Betrug erfahren, und zwar aus den Medien. Merkel warnte davor, den Diesel als Antriebstechnik nun zu verteufeln. “Es muss ehrlich gearbeitet werden”, sagte sie mit Blick auf die Manipulationen.

16. Februar 2017: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagen vor dem VW-Untersuchungsausschuss des Bundestages aus. Weil bekräftigt, erst am 19. September 2015 vom VW-Skandal erfahren zu haben, Dobrindt verteidigt sich erneut gegen den Vorwurf mangelnder Aufklärung.

8. Februar 2017: Die BILD-Zeitung berichtet über Aussagen von Ferdinand Piëch, wonach Mitglieder des Aufsichtsrats schon im März 2015 statt wie behauptet im September Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei der Abgasreinigung bekommen. Dieser weist die Anschuldigungen vehement zurück und droht seinerseits mit Maßnahmen und Ansprüchen gegen Piëch.

6. Februar 2017: Der Volkswagen-Aufsichtsrat will das Vergütungssystem der Top-Manager reformieren und dem Chef des Vorstands künftig höchstens zehn Millionen Euro Gehalt erlauben.

5. Februar 2017: Erstmals hat ein deutscher Großkunde im Abgasskandal Klage gegen Volkswagen eingereicht. Insgesamt 11,9 Millionen Euro Schadenersatz will der Fischverarbeiter Deutsche See von VW erstreiten. Das Unternehmen reichte am Landgericht Braunschweig Klage wegen arglistiger Täuschung ein.

3. Februar 2017: Dem “Spiegel” zufolge hat Ex-VW-Patriarch Ferdinand Piëch den früheren Vorstandschef Martin Winterkorn belastet. Piëch habe bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig ausgesagt, dass er Winterkorn bereits im Februar 2015 auf einen Hinweis auf Probleme in den USA bezüglich manipulierter Abgaswerte angesprochen habe.

27. Januar 2017: Die Staatsanwaltschaft weitet die Ermittlungen gegen Ex-VW-Chef  Winterkorn auf Betrug aus. Es hätten sich “zureichende tatsächliche Anhaltspunkte” dafür ergeben, dass Winterkorn früher als von ihm öffentlich behauptet Kenntnis von der manipulierenden Software und deren Wirkung gehabt haben könnte. Die Behörde ermittelt bereits wegen des Verdachts der Marktmanipulation gegen Winterkorn, VW-Markenchef Herbert Diess und den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch.

19. Januar 2017: Ex-Vorstandschef  Winterkorn bekräftigt vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages zum VW-Skandal, nicht früher als bisher angegeben von den Dieselmanipulationen in seinem Unternehmen erfahren zu haben. Seinen Rücktritt im Zuge der Dieselaffäre bezeichnete der 69-Jährige vor dem Gremium als “den schwersten Schritt meines Lebens”.

11. Januar 2017: Volkswagen einigt sich im Abgasskandal mit dem US-Justizministerium auf eine Strafzahlung in Höhe von rund 4,3 Milliarden Dollar. Damit geht ein Schuldbekenntnis einher, mit dem VW kriminelles Fehlverhalten einräumt. Dem Konzern wurden Betrug und Verletzungen des Luftreinhaltegesetzes vorgeworfen.

9. Januar 2017: Die US-Bundespolizei FBI nimmt in Florida im Zusammenhang mit dem Abgasskandal einen VW-Manager fest. Ihm werde Verabredung zum Betrug vorgeworfen, schreibt die „New York Times“ unter Berufung auf informierte Kreise. Die Staatsanwaltschaft bestätigt die Verhaftung später. Der VW-Manager soll demnach eine Schlüsselrolle bei der versuchten Vertuschung des Skandals gespielt haben. VW wollte sich nicht äußern.

4. Januar 2017: US-Bezirksrichter Breyer lehnt einen VW-Antrag ab, Klagen von US-Anlegern im Zusammenhang mit dem Abgasskandal nach Deutschland zu verlegen. Die Kläger, zu denen vor allem amerikanische Pensionsfonds zählen, wollen einen Ausgleich für Kursverluste durchsetzen, die im Zuge des Skandals entstanden seien.

3. Januar 2017: Das auf Verbraucherschutzverfahren spezialisierte Unternehmen MyRight reicht beim Landgericht Braunschweig die erste Musterklage gegen den Wolfsburger Konzern ein, die Auftakt für zahlreiche weitere Klagen sein soll. MyRight wirbt um klagewillige VW-Besitzer, die ihre Forderung an den Dienstleister abtreten. Im Erfolgsfall streicht MyRight 35 Prozent Provision vom zugesprochenen Schadenersatz ein.

30. Dezember 2016: Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) fehlt bei 14.000 Wagen weiterhin die Genehmigung für den Rückruf, damit widerspricht das KBA einer anderslautenden Darstellung von VW. Darunter seien auch Autos in Deutschland.

21. Dezember 2016: Volkswagen darf nach Freigabe durch das KBA auch die restlichen vom Dieselskandal betroffenen Motoren umrüsten. Für den Zuständigkeitsbereich der Behörde lägen nun alle erforderlichen Genehmigungen vor, teilt VW mit.

20. Dezember 2016: US-Richter Breyer teilt mit, dass VW Rückkäufe anbietet für rund 20.000 ältere 3.0-TDI-Modelle mit illegaler Abgastechnik – vor allem Luxus-Audi, VW Touareg und Porsche Cayenne. Bei den restlichen rund 63.000 betroffenen Autos soll der Konzern zunächst die Chance zu einer Rückrufaktion mit einem Softwareupdate erhalten.

7. Dezember 2016: Südkorea verhängt gegen den deutschen Autobauer ein Rekord-Bußgeld von umgerechnet fast 30 Millionen Euro wegen “irreführender” Werbung.

16. November 2016: VW einigt sich mit der US-Umweltbehörde über manipulierte 3,0-Liter-Autos: 20.000 ältere kauft VW zurück, 60.000 werden nachgebessert.

8. November 2016: Die Medienberichte zu einer zweite Schummelsoftware bei Benzinern zieht eine weitere Sammelklage von Audi-Besitzern in Seattle nach sich.

7. November 2016: Die kalifornische Umweltbehörde CARB bemängelt bei großen Audis mit Automatikgetriebe, diese Fahrzeuge verfügten über so genannte Lenkwinkelsensoren. Die würden beim Ausbleiben einer Lenkbewegung die CO2-Emissionen herunterschrauben und so auf dem Prüfstand eine besonders sauber Verbrennung suggerieren. Das berichtet die BILD am SONNTAG.

4. November 2016: Das KBA erteilt laut VW-Mitteilung die Freigabe zur Umrüstung der rund 2,6 Millionen betroffenen Fahrzeuge mit 1,6-Liter-Motoren.

3. November 2016: Volkswagen behauptet laut NDR, WDR und “Süddeutscher Zeitung” in einem Prozessdokument, “keine unzulässige Abschalteinrichtung nach europäischem Recht” benutzt zu haben. Dies wird als rechtlichen Argumentation verstanden, um eine Klagewelle in Europa abzuwenden.

25. Oktober 2016: Richter Charles Breyer stimmt dem von VW mit US-Behörden, Dieselbesitzern und Vertragshändlern ausgehandelten Vergleich endgültig zu. Dieser Kompromiss gilt für 475.000 Pkws mit 2.0-Liter-Dieseln und könnte VW bis zu 16,5 Milliarden US-Dollar (15,2 Milliarden Euro) kosten. Damit kann VW den größten Teil seiner “Dieselgate”-Rechtslasten in den USA aus dem Weg räumen.

17. Oktober 2016: Nach Angaben von Insidern zahlt Volkswagen in den USA allein 175 Millionen Dollar (159,5 Mio Euro) an gegnerische Anwälte. VW habe sich mit den Anwälten der klagenden Besitzer von 475.000 Autos geeinigt, sagten die Insider der Nachrichtenagentur Reuters.

4. Oktober 2016: US-Vertragshändler von VW reichen in San Francisco eine erweiterte gerichtliche Klageschrift mit neuen Vorwürfen gegen den Zulieferer ein. Wie bereits zahlreiche US-Zivilklagen von geschädigten Dieselbesitzern, geht nun auch die Sammelklage der Autohändler davon aus, dass Bosch beim Abgas-Betrug die Rolle eines aktiven Mittäters innehatte.

30. September 2016: VW hat sich mit den 652 Vertragshändlern in den USA auf eine Entschädigung in Höhe von bis zu 1,2 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) geeinigt. Diese Summe ist Teil eines insgesamt 16,5 Milliarden Dollar teuren Vergleichs mit US-Zivilklägern. Es handelt sich um den teuersten Vergleich in der Geschichte der Auto-Industrie.

21. September 2016: Ein Ingenieur soll bereits 2007 einem größeren Kreis von Audi-Managern in einer E-Mail geschrieben, dass man es “ganz ohne Bescheißen” nicht schaffen werde, die US-Grenzwerte beim Schadstoffausstoß von Dieselwagen einzuhalten. Das berichteten “Süddeutsche Zeitung”, NDR und WDR unter Berufung auf Erkenntnisse der US-Anwaltskanzlei Jones Day.

19. September 2016: VW hat erst 500.000 von 8,5 Millionen Fahrzeugen in Europa umgerüstet. Ursprünglich sollte die technische Umrüstung bereits Ende des Jahres 2016 abgeschlossen sein. Das Kraftfahrt-Bundesamt hat bisher 60 Prozent der Umrüstung zugelassen. Davon sind wiederum 10 Prozent erfolgreich umgerüstet. Der voraussichtliche Abschluss ist damit für 2017 geplant.

16. September 2016: Nach Bayern will nun auch das Bundesland Hessen den Volkswagenkonzern auf Schadenersatz verklagen. Das Land habe durch den Wertverlust der Volkswagen-Aktie rund 3,9 Millionen Euro verloren, erklärte der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU). Die Klage solle in den kommenden Tagen beim Landgericht Braunschweig eingereicht werden. 

14. September 2016: Im VW-Abgasskandal hat das Krefelder Landgericht einen städtischen Autohändler verurteilt, zwei Audis mit “Schummel-Software” zurückzunehmen. Bei den Abgas-Manipulationen handele es sich um einen erheblichen Mangel. Außerdem sei eine Nachbesserung durch Software-Update für die Käufer nicht zumutbar.  Auch nach einer Nachrüstung durch VW bleibe ein “berechtigter Mangelverdacht”, so das Gericht. Es geht um einen Audi A6 von Anfang 2014 und einen Kleinwagen A 1 vom Frühjahr 2015. (Aktenzeichen.: 2 O 72/16 und 2 O 83/16).

9. September 2016: In den USA bekennt sich ein VW-Mitarbeiter wegen des Abgasskandals für schuldig. Ein 62-jähriger Ingenieur aus Kalifornien gibt nach Angaben des Justizministeriums zu, als “Leader of Diesel Competence” Teil einer fast zehn Jahre andauernden Verschwörung gewesen zu sein. Ziel sei es gewesen, durch die Entwicklung spezieller Betrugs-Software zur Manipulation von Emissionstests US-Behörden und Kunden hinters Licht zu führen. Dem Angeklagten droht eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren.

25. August 2016: VW einigt sich mit 650 Händlern in den USA grundsätzlich auf eine Entschädigung für entgangene Einnahmen. Laut Reuters kostet diese den Autobauer bis zu 1,2 Milliarden Dollar.

15. August 2016: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erteilt die Freigabe für den Rückruf von Autos mit dem kleinen 1,2-Liter-Dieselmotor, der beispielsweise im VW Polo und Seat Ibiza steckt.

3. August 2016: Angesichts von Millionenverlusten durch den VW-Abgasskandal prüfen die Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen und Sachsen-Anhalt juristische Schritte gegen Volkswagen.

2. August 2016: Der Freistaat Bayern kündigt eine Schadenersatzklage gegen VW an. Grund sind Verluste beim Pensionsfonds des Landes durch den Kursrutsch bei VW-Aktian nach Bekanntwerden der Manipulation. Es geht um eine Summe von maximal 700.000 Euro.

29. Juli 2016: Trotz des milliardenschweren Vergleichs im Dieselskandal zwischen VW und den US-Behörden nehmen die Klagen in den USA kein Ende. Wegen der Verletzung von Luftreinheitsgesetzen verhängt der US-Bundesstaat Washington ein Bußgeld von 176 Millionen Dollar, teilt das Umweltamt mit. Die Behörde ahndet damit Verstöße von 21.000 Diesel-Fahrzeugen, die in Washington zugelassen sind.

22. Juli 2016: Das Kraftfahrtbundesamt erteilt die Freigabe zum Rückruf von europaweit 800.000 Dieseln. Darunter befinden sich Varianten von VW Golf, VW Passat und VW Touran sowie Modelle von Audi und Skoda.

11. Juli 2016: Entgegen der Marschrichtung von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig ein Bußgeldverfahren gegen VW eröffnet. Die Staatsanwaltschaft will den mit manipulierten Dieselautos erwirtschafteten Gewinn abschöpfen.

7. Juli 2016: VW zahlt 86 Millionen Dollar (etwa 78 Millionen Euro) Strafe an den US-Bundesstaat Kalifornien.

3. Juli 2016: VW-Chef Müller sagt der “Welt am Sonntag”, Entschädigungszahlungen für europäische Kunden nach US-Vorbild könnten VW finanziell überfordern: “Was es nicht zuletzt wirtschaftlich für unser Unternehmen bedeuten würde, wenn wir das tun würden, muss ich wohl nicht weiter ausführen.”

28. Juni 2016: VW reicht vor Gericht in den USA einen Vorschlag zur Einigung mit Klägern und Behörden ein. Mit der Rekordzahlung von rund 15 Milliarden Dollar (ca. 13,5 Mrd. Euro) für Entschädigungen, Umweltschutz und Strukturmaßnahmen will sich VW von seiner Schuld in Übersee befreien.

23. Juni 2016: Großaktionär Niedersachsen verweigert dem VW-Vorstand die vollständige Entlastung für 2015. Der fehlende Vertrauensbeweis für Ex-Konzernchef Martin Winterkorn und Markenchef Herbert Diess hat keine juristischen Konsequenzen, gilt aber als Denkzettel.

21. Juni 2016: VW-Chef Müller kündigt die Abkehr vom Dieselmotor an. “Es wird sich die Frage stellen, ob wir ab einem gewissen Zeitpunkt noch viel Geld für die Weiterentwicklung des Diesels in die Hand nehmen sollen”, sagte Müller dem “Handelsblatt”.

20. Juni 2016: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt im Abgas-Skandal wegen des Verdachts der Marktmanipulation gegen den zurückgetretenen VW-Konzernchef Martin Winterkorn. Bei den Ermittlungen gehe es um den Vorwurf, dass Volkswagen die Finanzwelt womöglich zu spät über die Affäre informiert habe.

22. April 2016: Nach einer Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg verkündet VW mit 1,6 Milliarden Euro für 2015 den größten Verlust der Konzerngeschichte. Das operative Ergebnis sackte von 12,7 Milliarden Euro 2014 auf einen Verlust von 4,1 Milliarden ab. Hauptgrund dafür seien die Rückstellungen von insgesamt 16,4 Milliarden Euro für die Kosten des Abgasskandals.

21. April 2016: Der amerikanische Bezirksrichter Charles Breyer verkündet zum Ablauf eines Ultimatums eine grundsätzliche Einigung im Streit zwischen VW und den US-Behörden. Damit ist ein milliardenschwere Prozess vorerst abgewendet. Die Lösung umfasst unter anderem mögliche Rückkäufe von knapp 500.000 Fahrzeugen,…

kostenlose Reparaturen und “substanziellen Schadenersatz” für die Besitzer. Im Gespräch sind 5000 Dollar, umgerechnet rund 4400 Euro. Verbraucherschützer in Deutschland mahnen eine Gleichberechtigung hiesiger Kunden an, VW lehnt dies unter Verweis auf die anders gelagerte Rechtslage ab.

20. April 2016: Das “Handelsblatt” berichtet, die Anfänge des Abgasskandals gingen auf die Konzerntochter Audi zurück. Bereits 1999 hätten Motorenentwickler bei den Ingolstädtern Optionen erarbeitet, wie man den schärferen Grenzwerten begegnen könne. Geplant wurde dem Bericht zufolge auch der Einsatz einer illegalen Abschalteinrichtung. Zum Einsatz sei es bei Audi aber nicht gekommen. Erst 2005 sei die Software bei VW beim Dieselmotor EA 189 installiert worden.

10. April 2016: Eine lang anhaltende Diskussion um die Millionen-Boni der VW-Topmanager entbrennt. Unter starkem öffentlichem Druck, unter anderem von Großaktionär Niedersachsen, erklären sich die Vorstände zu Abstrichen bereit. Die Rede ist von mindestens 30 Prozent, so wie der ursprüngliche Vorschlag von VW-Chef Matthias Müller.

8. April 2016: Wegen der weiter fehlenden Freigabe des KBA für die Nachbesserungen beim Passat erwägt Volkswagen, die Rückrufaktion für andere betroffenen Fahrzeuge, darunter der Golf, vorzuziehen. Kurz zuvor hatte das Kraftfahrtbundesamt grünes Licht für die zweite Rückrufwelle mit Varianten der vier Audi-Modelle A4, A5, A6 und Q5 sowie des Seat Exeo gegeben.

6. April 2016: Der erste Volkswagen-Vertragshändler in den USA reicht bei einem Bundesgericht in Illinois Klage gegen den VW Konzern wegen des Abgasskandals ein. Er fühle sich systematisch getäuscht, so der Vertriebspartner.

16. März 2016: Das Landgericht Bochum weist im bundesweit ersten Prozess dieser Art die Klage eines betroffenen VW-Fahrers zurück. Dieser darf wegen der Abgas-Manipulationen sein Auto nicht an den Händler zurückgegeben. Der Mangel sei nur gering und vergleichsweise günstig zu beheben, argumentierten die Richter. Die Beseitigung des Mangels liege unter der Bagatellgrenze von einem Prozent des Kaufpreises, eine erhebliche Pflichtverletzung von VW liege nicht vor.

15. März 2016: Ein halbes Jahr nach Bekanntwerden der Abgasaffäre steckt der Konzern nach wie vor tief in der Krise. VW will mehrere tausen Jobs streichen, die Investitionen sind um eine Milliarde Euro pro Jahr gekappt, der Sparkurs ist verschärft. Unklar ist nach wie vor, wer für das Desaster verantwortlich ist.

14. März 2016: 278 institutionelle Großanleger verklagen VW beim Landesgericht Braunschweig auf Schadenersatz in Höhe von 3,255 Milliarden Euro. Sie werfen dem Konzern vor, seiner Auskunftspflicht gegenüber Anteilseignern nicht nachgekommen zu sein. VW hatte erst Tage, nachdem die US-Umweltbehörde EPA ihre Manipulationsvorwürfe am 18. September öffentlich machte, über drohende finanzielle Konsequenzen informiert. Das Unternehmen bekräftige mehrfach seine Auffassung, alle Informationspflichten befolgt zu haben.

9. März 2016: Laut Medienberichten hat das US-Justizministerium seine Untersuchungen auf den Verdacht des Bankbetrugs und mögliche Verstöße gegen Steuergesetze bei VW ausgedehnt. US-Chef Michael Horn tritt überraschend ab.

2. März 2016: Erster deutscher Prozess um Schadenersatz in Bochum. VW muss aus Sicht des Landgerichts manipulierte Autos nicht zurücknehmen.

5. Februar 2016: VW verschiebt seine Jahresbilanz und Hauptversammlung. Dafür werden später der 28. April und der 22. Juni 2016 genannt.

27. Januar 2016: Frühstart beim Rückruf in Deutschland: Trotz fehlender Genehmigung des KBA werden erste Amarok-Modelle umgerüstet.

12. Januar 2016: Die kalifornische Umweltbehörde CARB lehnt einen Rückrufplan von Volkswagen ab und fordert Nachbesserungen.

11. Januar 2016: Bei der Automesse in Detroit gibt VW-Chef Müller ein verunglücktes Interview, in dem er ein Fehlverhalten des Konzerns abstreitet. Er kündigt zudem an, US-Kunden unter anderem mit Einkaufsgutscheinen zu entschädigen. 

4. Januar 2016: Die US-Regierung reicht gegen VW Klage wegen des Einsatzes von Betrugssoftware und Klimaschutzgesetz-Verstößen ein.

16. Dezember 2015: VW teilt mit, dass die Gewährleistungsfrist für die manipulierten Motoren bis mindestens Ende 2017 verlängert wird. Das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (Olaf) in Brüssel hat Ermittlungen gegen Europas größten Autobauer VW aufgenommen, offenbar wegen möglicherweise zweckentfremdeter Milliardenkredite.

10. Dezember 2015: Gut drei Monate nach Bekanntwerden des Abgasskandals versprechen der VW-Vorstandsvorsitzende Müller und Aufsichtsratschef Pötsch eine neue Unternehmenskultur.

9. Dezember 2015: VW teilt mit, dass nach Messungen vom KBA, Verkehrsministerium und eigenen Prüfern statt 800.000 nur noch 36.000 Fahrzeuge vom CO2-Skandal und damit falschen Verbrauchsangaben betroffen sein könnten.

25. November 2015: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erteilt nach VW-Angaben grünes Licht für die Umrüstung der rund 8,2 Millionen vom Diesel-Skandal betroffenen Fahrzeuge mit 1,6- und 2,0-Liter-Motoren.

23. November 2015: Weitere 75.000 Autos aus dem VW-Konzern geraten ins Visier der US-Umweltbehörde, darunter Porsche Cayenne, VW Toureg sowie Luxus-Audis. Auch die Dreiliter-Diesel der Baujahre 2009 bis 2016 sollen mit einer verdächtigen Software ausgestattet sein.

20. November 2015: VW beschließt wegen der drohenden Kostenlawine für 2016, die Investitionen um rund eine Millarde auf zwölf Millarden Euro zu kürzen.

14. November 2015: VW nennt die Typen des Modelljahrs 2016, bei denen die Daten zum Ausstoß des Treibhausgases CO2 geschönt wurden. Es sind 413.000 Fahrzeuge, gut die Hälfte der etwa 800.000 Fälle.

6. November 2015: VW will mögliche Nachzahlungen der Kfz-Steuer für Fahrzeuge mit frisierten CO2-Angaben anstelle der Halter tragen. Vom CO2-Ausstoß hängt bei jüngeren Pkw auch die Höhe der Kfz-Steuer ab.

4. November 2015: Unter den 800.000 Autos mit falschen CO2-Werten sind auch 98.000 Benziner, teilt Verkehrsminister Dobrindt mit.

3. November 2015: VW teilt mit, dass es auch “Unregelmäßigkeiten” bei Angaben zum Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) gab. 800.000 Fahrzeuge könnten betroffen sein. VW findet gleich ein neues Wort für Affäre: “CO2-Thematik”.

2. November 2015: Die US-Umweltbehörde EPA beschuldigt VW, auch bei 3,0-Liter Dieselmotoren eine Manipulations-Software eingesetzt zu haben. VW weist dies entschieden zurück.

28. Oktober 2015: Der Skandal brockt dem Konzern im dritten Quartal einen Milliardenverlust ein. Vor Zinsen und Steuern beläuft sich das Minus auf rund 3,5 Milliarden Euro.

22. Oktober 2015: Der VW-Konzern prüft, ob auch die frühe Version des Nachfolgers des Skandalmotors EA 189 von den Manipulationen betroffen ist. Das ist nicht der Fall.

21. Oktober 2015: VW stoppt in der EU den Verkauf von Neuwagen im Lagerbestand, die noch ältere Motoren mit der Betrugssoftware haben.

17. Oktober 2015: Der Volkswagen-Mehrheitseigner Porsche SE teilt mit, dass Ex-VW-Chef Martin Winterkorn auch hier seinen Vorstandsvorsitz niederlegt.

16. Oktober 2015: Christine Hohmann-Dennhardt tritt zum 1. Januar 2016 als Leiterin für Recht und Integrität bei VW an. Zuvor hatte sie eine ensprechende Position bei Daimler inne.

15. Oktober 2015: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet einen verpflichtenden Rückruf aller VW-Dieselautos mit der Betrugssoftware an. In ganz Europa müssen 8,5 Millionen, in Deutschland 2,4 Millionen Wagen zwingend in die Werkstatt. VW hatte eine freiwillige Lösung angestrebt.

8. Oktober 2015: Razzia bei VW: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ordnet Durchsuchungen in Wolfsburg und an anderen Orten an. VW-US-Chef Michael Horn muss dem US-Kongress Rede und Antwort stehen.

7. Oktober 2015: Krisentreffen der Aufseher mit Personalentscheidung: VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch wird an die Spitze des Kontrollgremiums gewählt. Nach Aussage Müllers kann der Rückruf im Januar 2016 beginnen.

28. September 2015: Nach mehreren Strafanzeigen startet die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsvorwürfen.

25. September 2015: Der VW-Aufsichtsrat beruft den bisherigen Porsche-Chef Matthias Müller zum Konzernchef und trifft weitere Personalentscheidungen.

23. September 2015: VW-Chef Martin Winterkorn tritt zurück. “Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren”, begründet er seinen Schritt.

22. September 2015: Der VW-Konzern gibt eine Gewinnwarnung heraus und kündigt Milliarden-Rückstellungen für bevorstehende Umrüstungen an.

18. September 2015: Die EPA teilt öffentlich mit, VW habe bei TDI-Motoren eine Software eingesetzt, um Test-Messungen des Schadstoffausstoßes künstlich zu drücken. Damit entfaltet sich ein Skandal beispiellosen Ausmaßes, der später den Beinamen “Dieselgate” erhält.

3. September 2015: VW räumt gegenüber der US-Umweltbehörde EPA Manipulationen bei Diesel-Abgastests ein. Allerdings hinter den Kulissen.

Porsche-SUV mit Audi-Motoren

Im VW-Abgasskandal spielte Porsche bisher eine Nebenrolle. Der Autobauer bezieht seine Dieselantriebe von der VW-Tochter Audi. Der Audi-Motor steckt im Porsche Cayenne. Nach der Entdeckung neuer auffälliger Diesel-Abgaswerte bei Audi war daher im Juni das Kraftfahrt-Bundesamt angewiesen worden, Untersuchungen am Porsche-Modell Cayenne durchzuführen. Der kleinere Porsche-Geländewagen Macan ist Teil eines “freiwilligen” Rückrufs von 630.000 Fahrzeugen verschiedener Marken, bei denen amtliche Zweifel an der Abgastechnik bestehen – aber nicht der Vorwurf einer illegalen Einrichtung erhoben wird.

Überblick: Was Sie über den Abgasskandal wissen sollten

Im September 2015 war bekannt geworden, dass VW auf dem Prüfstand die Abgase zahlreicher Modelle manipuliert hat. Weltweit sind elf Millionen Fahrzeuge betroffen, die seit Anfang 2016 umgerüstet werden. Die Affäre zog weite Kreise, die endgültigen Folgen sind immer noch nicht absehbar. Hier ein Überblick über den Stand der Dinge und die wichtigsten Baustellen:

Die Rückrufaktion – Fragen zur Umrüstung




‘Dieselskandal: Würden Sie Ihr Auto zurückgeben?’

Der Stand der Dinge: In Deutschland gibt es rund 2,5 Millionen Autofahrer mit einem manipulierten Diesel des Konzerns, betroffen sind Fahrzeuge von VW, Audi, Seat, Skoda und Porsche (weitere Infos dazu hier: Was VW-Fahrer wissen müssen). Mittlerweile (Stand Juni 2017) hat Volkswagen drei Viertel der Fahrzeuge nachgerüstet und seit Mitte Mai EU-weit alle Genehmigungen der zuständigen Regulierungsbehörden zur Umrüstung der Motoren vom Typ EA189 zusammen. Für die Typgenehmigung von Skoda ist eine britische Behörde zuständig, für Audi und Volkswagen das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt und für Seat eine spanische Behörde. Reibungslos läuft die Aktion dennoch nicht: Fehlende KBA-Freigaben für diverse Modelle, darunter auch den VW Passat, hatten offenbar für Verzögerungen im Zeitplan gesorgt. Grund waren unbestätigten Informationen zufolge, dass die Umrüstung einen höheren Spritverbrauch zur Folge gehabt hätte. Offenbar hat VW für dieses Problem aber eine Lösung gefunden.

EU-Kommissarin Jourova nannte das Zugeständnis von VW eine “De-Facto-Extragarantie” für Bauteile.

Begrenzte Gewährlelistung für zwei Jahre: Volkswagen will mögliche Defekte im Zusammenhang mit der Umrüstung von manipulierten Dieselautos zwei Jahre lang kostenlos beheben. Es seien zwar bislang keine Probleme bekannt, sagte ein VW-Sprecher Mitte Juni 2017, sie würden aber im Falle des Falles geprüft. VW versprach dafür “kunden-individuelle Lösungen”. Die Lösung gelte auch für Kunden, die ihr Auto bereits umgerüstet haben, bis zu zwei Jahre nach dem Software-Update. Die Zugeständnisse von VW sind das Ergebnis von Verhandlungen mit der EU-Kommission. Mit einer Entschädigung durch den Autokonzern dürfen Kunden allerdings weiterhin nicht rechnen.

Verkehrsminister Dobrindt teilte in Berlin den neuen Stand der Dinge mit.

Am 1. Juni war durch eine Mitteilung von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) neuer Schwung in den VW-Skandal gekommen: Weil die Konzerntochter Audi auch in Europa bei der Abgasreinigung eine unzulässige Abschalteinrichtung eingebaut habe, muss der Hersteller 24.000 Fahrzeuge zurückrufen, davon 14.000 in Deutschland. Betroffen sind A7 und A8 mit V6- und V8-Dieselmotoren nach Abgasnorm Euro 5 der Baujahre 2009 bis 2013. Es handle sich um eine sogenannte Lenkwinkel-Erkennung, so Dobrindt, die wahrnehme, wenn das Fahrzeug im Prüfstand stehe. Bisher war Audi in Deutschland keine illegale Abschalteinrichtung nachgewiesen worden.

VW-Kunden bei Update unter Druck / fehlende Gewährleistung oder Garantie: VW setzt nach Recherchen von AUTO BILD Fahrer manipulierter Diesel beim Software-Update unter Druck. So klagen Kunden über Maßnahmen gegen ihren Willen, verweigerte Reparaturen und Meldungen an das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). Mutmaßlicher Zweck dieses Vorgehens: Wer das Update aufspielen lässt, hat kaum noch Chancen, seine Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Verkäufer geltend zu machen. Aus diesem Grund hatte die bayerische Polizeidie Umrüstung ihrer von der Abgasmanipulation betroffenen Dieselfahrzeuge zurückgestellt. Am 15. Juni 2017 wurde bekannt, dass VW nach Verhandlungen mit der EU-Kommission bereit ist, mögliche Defekte im Zusammenhang mit der Umrüstung von manipulierten Dieselautos zwei Jahre lang kostenlos zu beheben. Eine Entschädigung nach amerikanischem Vorbild lehnen die Wolfsburger nach wie vor ab.

Verstärkte Rußbildung nach Diesel-Update? Die Bedenken sind offenbar nicht ganz unbegründet: Nach dem Rückruf manipulierter Fahrzeuge im Zuge des Abgasskandals gibt es Hinweise, dass bei bereits umgerüsteten Autos aus dem VW-Konzern die Abgasrückführung schneller verschleißen könnte. Nach Informationen von AUTO BILD kann es zu Verkrustungen in einem Ventil der Abgasrückführung kommen, weil durch das Update der Rußpartikelausstoß erhöht wird. Als mögliche Folge schalten Motoren ins Notlaufprogramm oder lassen sich nicht mehr starten. VW spricht von Einzelfällen, doch der Düsseldorfer Rechtsanwalt Tobias Ulbrich hat Kenntnis von mehr als 50 Mandanten allein in seiner Kanzlei, bei deren Autos Teile des Abgasrückführungs-Systems unmittelbar oder kurz nach dem Update ausgefallen seien. In den meisten Fällen habe sich VW kulant verhalten und die Kosten für den Tausch des Abgasrückführungsventils übernommen, so Ulbrich. Auf Nachfrage von AUTO BILD beteuert VW, das Update habe “keinen negativen Einfluss auf die Funktion und Wirkungsweise des Abgasrückführungs-Systems”.

Der aktuelle Ermittlungsstand

Was wir wissen: Bis heute konnte nicht geklärt werden, wer wirklich die Verantwortung für den Betrug trägt und wann genau die Top-Manager von den Manipulationen wussten. Kam die Anweisung von ganz oben? Oder war es tatsächlich, so wie VW es darstellt, nur eine Handvoll Ingenieure auf mittlerer Ebene, die diese folgenschwere Entscheidung trafen, ohne die Führungsebene zu informieren? Oder wusste der Vorstand schon viel früher vom Betrug, als er zugeben will? Der “Spiegel” meldete im Februar 2017, Ex-VW-Patriarch Ferdinand Piëch habe eben dies gegenüber der Staatsanwaltschaft Braunschweig ausgesagt: dass er den damaligen VW-Chef Martin Winterkorn bereits im Februar 2015 auf einen Hinweis auf Probleme in den USA bezüglich manipulierter Abgaswerte angesprochen habe. Ein Ingenieur soll bereits 2007 einem größeren Kreis von Audi-Managern in einer E-Mail geschrieben haben, dass man es “ganz ohne Bescheißen” nicht schaffen werde, die US-Grenzwerte beim Schadstoffausstoß von Dieselwagen einzuhalten. Unklar ist auch noch, ob VW die Aktionäre rechtzeitig informiert hat.

Software offenbar bei Audi entwickelt: Die Anfänge des Abgasskandals gehen auf die Konzerntochter Audi zurück, recherchierte das “Handelsblatt”. Bereits 1999 hätten Motorenentwickler bei den Ingolstädtern Optionen erarbeitet, wie man den schärferen Grenzwerten begegnen könne. Geplant wurde dem Bericht zufolge auch der Einsatz einer illegalen Abschalteinrichtung. Zum Einsatz sei es bei Audi aber nicht gekommen. Erst 2005 sei die Software bei VW beim Dieselmotor EA 189 installiert worden, von da an wurde sie nach bisherigem Erkenntnisstand diverse Mal upgedatet.

Der Porsche Cayenne V6 TDI mit Dreiliter-Motor steht unter Manipulationsverdacht.

Vorwürfe gegen Porsche: Zuletzt war Porsche nach einem auffälligen Abgastest ins Visier der Behörden geraten. Einem Sprecher des Verkehrsministeriums zufolge sei das Kraftfahrt-Bundesamt beauftragt worden, Untersuchungen vorzunehmen. Generell liefen die Tests wegen des Verdachts auf Abgasmanipulationen bei einer Vielzahl von Fahrzeugtypen und seien nicht abgeschlossen. Es gebe aber immer wieder neue Hinweise: “Dementsprechend werden sie angepasst und fortgesetzt.” Einem “Spiegel”-Bericht zufolge war ein vom TÜV Nord getesteter Porsche Cayenne 3,0 Liter V6 TDI mit einer Technik ausgestattet, die dafür sorge, dass der Geländewagen auf dem Prüfstand die Grenzwerte einhalte, im Straßenverkehr jedoch deutlich mehr Stickoxide ausstoße als gesetzlich zulässig. Eine Getriebesteuerung erkenne mithilfe von Sensoren, ob sich das Fahrzeug auf dem Prüfstand oder auf der Straße befinde und sorge dafür, dass der Wagen mal die Grenzwerte einhalte und mal nicht. Der Umwelt- und Verwaltungsrechtler Martin Führ schätzte die Abschalteinrichtung als “nach europäischem Recht verboten” ein.

Porsche weist Anschuldigungen zurück

Porsche erklärte auf “Spiegel”-Anfrage, der beim TÜV-Nord durchgeführte Test sei “nicht plausibel nachvollziehbar”. Das Unternehmen bestätigte die Existenz zweier Schaltprogramme beim Cayenne V6 TDI. Bei umgehend vorgenommenen “eigenen Messungen an vergleichbaren Fahrzeugen” seien “die gesetzlich geforderten Stickoxidgrenzwerte in beiden Schaltprogrammen erfüllt” worden. Porsche habe dem “Spiegel” angeboten, gemeinsame Messungen durchzuführen, worauf das Magazin allerdings nicht eingegangen sei. “Porsche kooperiert uneingeschränkt mit den Behörden. “Wir sind grundsätzlich auch mit dem Kraftfahrt-Bundesamt zu allen aktuellen Themen in Kontakt”, sagte ein Unternehmenssprecher.

Streit um Abschlussbericht der Bundesregierung: Wussten die Verantwortlichen in der Politik Bescheid und haben sie angemessen reagiert? Oder wurde aus Lobby-Interessen weggesehen? Diese Fragen sollte ein Bundestags-Untersuchungsausschuss klären. Vorab zitierten Spiegel Online und “Süddeutsche Zeitung” daraus, dass die Bundesregierung offenbar keine eigenen Versäumnisse sehe.  Im Entwurf zum Bericht hieß es den Berichten zufolge, in der Bewertung von Union und SPD habe sich der von der Opposition erhobene Vorwurf des Staatsversagens “als PR-Floskel ohne jegliche Grundlage herausgestellt”. Auch Hersteller und KBA würden in dem Berichtsentwurf von jeglicher Schuld freigesprochen, allenfalls bei VW habe es Probleme gegeben. Die Ausschussarbeit, so die abschließende Meinung, habe “keine neuen relevanten Ergebnisse zutage gefördert” und sei mithin überflüssig gewesen. Der Untersuchungsbericht in seiner endgültigen Fassung wurde Bundestagspräsident Norbert Lammert am 22. Juni übergeben. Weitere Details sind noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen.

Scharfe Kritik der Opposition: Es sei “unbegreiflich, wie Union und SPD nach der intensiven Beweisaufnahme zu solch einer verharmlosenden Einschätzung gelangen können”, sagte der Ausschussvorsitzende Herbert Behrens (Linke). Grünen-Obmann Oliver Krischer sprach von einem “Dokument großkoalitionärer Bewusstseinsstörung” und hielt der Regierung vor, als “Schutzpatron der Autoindustrie” zu agieren. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) monierte: “Die Einschätzung, es hätte den Untersuchungsausschuss nicht gebraucht, ist ein Schlag ins Gesicht aller unter den hohen Stickoxid-Belastungen leidenden Menschen.” Laut Spiegel Online behauptet der Bericht auch, es gebe keine  gesicherte “Wirkbeziehung zwischen Stickoxidemissionen und Erkrankungen oder Erhöhung der Sterblichkeit”.

Geheimniskrämerei um eigene Ermittlungen: Volkswagen wird entgegen früherer Ankündigungen keinen ausführlichen Bericht zu den Ermittlungsergebnissen der Anwaltskanzlei Jones Day im Diesel-Abgasskandal veröffentlichen. Das erklärte VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch am 10. Mai 2017 bei der VW-Hauptversammlung den versammelten Aktionären. Die renommierte Kanzlei hatte seit 2015 ganze Berge von Dokumenten gesichtet und ausgewertet. Pötsch begründete die Entscheidung mit rechtlichen Risiken. Das Unternehmen stehe in der Verpflichtung, sich “nicht in Widerspruch zu den im ‘Statement of Facts’ (Sammlung in Zusammenarbeit mit dem US-Justizministerium; d. Red.) angegebenen Fakten” zu äußern. Die Aktionäre reagierten mit deutlicher Kritik. Der Vorgang lasse vermuten, “dass sie VW nicht gefallen”, sagte ein Vertreter. Außerdem teilte VW-Chef Matthias Müller mit, dass VW am Diesel festhalte und bis 2022 rund zehn Milliarden Euro in Verbrennungstechnologien investieren wolle.

21. Juli 2017: Audi gibt bekannt, freiwillig rund 850.000 Dieselfahrzeuge mit einem Software-Update für bessere Abgasreinigung versehen zu wollen. Dabei geht es um Sechs- und Achtzylindermotoren nach Euro 5 und Euro 6.

10. Juli 2017:  Die Staatsanwaltschaft Stuttgart eröffnet ein Verfahren gegen unbekannte Porsche-Mitarbeiter wegen möglicher Abgas-Manipulationen bei Diesel-Fahrzeugen. Laut der Behörde besteht ein Anfangsverdacht des Betruges und der strafbaren Werbung.

10. Juli 2017: Der in München inhaftierte ehemalige Audi-Manager will mit den Behörden kooperieren und laut seinem Anwalt “seinen Beitrag zur Aufklärung des Sachverhalts leisten”. Ihm wird vorgeworfen, die amerikanischen Umweltbehörden mit manipulierten Schadstoffwerten über den wahren Abgasausstoß der VW-Diesel getäuscht zu haben.

9. Juli 2017: Neue Aussagen eines Kronzeugen belasten Ex-VW-Chef Martin Winterkorn. Laut “Bild am Sonntag” soll Winterkorn bereits im Juli 2015, also zwei Monate vor Bekanntwerden der Manipulation, umfassend über alles informiert worden sein. VW äußert sich dazu nicht.

7. Juli 2017: Die Staatsanwaltschaft München gibt bekannt, dass erstmals in Deutschland ein Beschuldigter im VW-Skandal festgenommen wurde. Laut Medienberichten handelt es sich um einen ehemaligen Audi-Manager, der für die Abgaskontrollsysteme der Modelle für den US-Markt zuständig war.

22. Juni 2017: Fünf bei der Abgasmanipulation möglcherweise verantwortliche VW-Manager schreibt die US-Justiz weltweit zur Fahndung aus, berichten mehrere deutsche Medien. Die Fahndung läuft über Interpol.

14. Juni 2017: Nach Verhandlungen mit der EU-Kommission wird bekannt, dass VW als “vertrauensbildende Maßnahme” zwei Jahre lang mögliche Schäden behebt, die durch Nachrüstung entstehen. Eine finanzielle Entschädigung wie in den USA lehnt der Konzern weiter ab.

12. Juni 2017: Porsche gerät nach einem auffälligen Abgastest ins Visier der Behörden. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums sagte am Montag, das Kraftfahrtbundesamt sei beauftragt worden, Untersuchungen vorzunehmen. Generell liefen die Tests wegen des Verdachts von Abgasmanipulationen bei einer Vielzahl von Fahrzeugtypen und seien nicht abgeschlossen. Es gebe aber immer wieder neue Hinweise: “Dementsprechend werden sie angepasst und fortgesetzt.”

1. Juni 2017: Verkehrsminister Dobrindt teilt mit, dass 24.000 Audi A7 und A8 zurückgerufen werden müssen, davon 14.000 in Deutschland. Grund: Bei den Fahrzeugen Baujahr 2009 bis 2013 mit V6- und V8-Motoren sei eine illegale Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung nachgewiesen worden.

17. Mai 2017: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart teilt mit, dass sie bereits seit Februar gegen VW-Konzernchef Matthias Müller ermittelt. Es geht um den Verdacht der Marktmanipulation im Diesel-Skandal. Der Vorwurf: Müller und weitere VW-Top-Manager hätten den Anlegern die finanziellen Konsequenzen der VW-Dieselaffäre verschwiegen.

12. Mai 2017: VW verkündet, EU-weit alle Freigaben zur Umrüstung der manipulierten Dieselmotoren vom Typ EA189 bekommen zu haben. Dazu gehörten auch bislang ausstehende Genehmigungen für rund 800.000 Skoda.

11. Mai 2017: Ein US-Gericht genehmigt den mit Behörden und Privatklägern vereinbarten, 1,22 Milliarden Dollar schweren Vergleich über die Entschädigung von rund 80.000 Kunden mit umweltbelastenden großen Dieselautos. Gleiches gilt für einen Vergleich mit Zulieferer Bosch zur Zahlung von 327,5 Millionen Dollar an VW-Diesel-Besitzer in den USA.

10. Mai 2017: VW kündigt auf der Hauptversammlung an, wegen rechtlicher Risiken entgegen früherer Ankündigungen keinen ausführlichen Bericht zu den internen Ermittlungsergebnissen der Anwaltskanzlei Jones Day zu veröffentlichen. Aktionäre kritisieren dieses Vorgehen.

4. Mai 2017: Medienberichten zufolge gibt es im Bundestagsausschuss zum Dieselskandal heftigen Streit über den Abschlussbericht. In einem Entwurf sprächen die Mitglieder von Union und SPD Regierung, KBA und Hersteller von jeglicher Schuld frei, Linke und Grüne wollten möglicherweise eine eigene Bewertung vorlegen, heißt es.

21. April 2017: Einem Bericht der “Neuen Osnabrücker Zeitung” zufolge sind vom Dieselskandal auch die Bundesregierung und die Ministerien betroffen. 3276 Dienstwagen müssen wegen der unlauteren Methoden nachgerüstet werden.

14. April 2017: VW macht beim Rückkaufprogramm für vom Abgas-Skandal betroffene US-Kunden Fortschritte. Der Konzern wickelte deutlich vor der geplanten Zeit Rückkäufe und Leasing-Stopps für über die Hälfte der insgesamt 475.000 manipulierten Dieselwagen ab. VW zahlt US-Kunden Prämien zwischen 5100 und 10.000 Dollar.

8. April 2017: Laut BILD-Informationen wurden im Abgasskandal bislang 211 Klagen gegen VW in erster Instanz entschieden. Davon war knapp ein Viertel erfolgreich.

5. April 2017: VW erwirkt eine einstweilige Verfügung gegen die Deutsche Umwelthilfe. Diese zweifelt den Erfolg des laufenden Diesel-Updates an.

30. März 2017: VW teilt mit, man habe sich in Rahmen eines Vergleichs über Umweltklagen mit zehn US-Bundesstaaten auf die Zahlung von 157,45 Millionen Dollar (146 Mio. Euro) geeinigt.

28. März 2017: Volkswagen reicht eine Beschwerde beim zuständigen Amtsgericht in München gegen die Razzia bei der mit der Aufklärung von Dieselgate beauftragten Anwaltskanzlei Jones Day ein. Damit will der Konzern verhindern, dass die Staatsanwaltschaft die bei der Kanzlei beschlagnahmten Dokumente zu Lasten von VW auswertet.

23. März 2017: Ein Gütetermin am Arbeitsgericht Braunschweig zwischen dem früheren Entwicklungsvorstand der Marke VW und Volkswagen bleibt ohne Ergebnis. Heinz-Jakob Neußer hatte das Unternehmen auf die Nachzahlung eines Bonus von rund 1,4 Millionen Euro für das Jahr 2015 verklagt. Das Gericht vertagte die Sitzug auf den 27. Juni.

23. März 2017: Die VW-Finanzsparte drückt die negativen Folgen des Dieselskandals unbeschadet weg. Das Denstleistungsgeschäft mit Autofinanzierungen und Leasingverträgen lieferte ein operatives Ergebnis von 2,1 (Vorjahr: 1,9) Milliarden Euro ab. Die VW-Finanzsparte konnte auch die nach Dieselgate gebildeten Sonderabschreibungen in Europa zum Teil auflösen.

17. März 2017: Der in den USA im Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal festgenommene Volkswagen-Manager Oliver S. bleibt in Haft. Ein Bundesrichter in Detroit lehnte seine Entlassung auf Kaution ab und begründete dies mit der großen Fluchtgefahr. Familie und Freunde des Angeklagten hatten eine Kaution in Höhe von 1,6 Millionen Dollar angeboten. Dem Mann drohen nach Angaben des Justizministeriums bis zu 169 Jahre Haft.

15. März 2017: Die Staatsanwaltschaft durchsucht die Audi-Zentrale in Ingolstadt wie auch Geschäftsräume in Neckarsulm sowie in der VW-Zentrale in Wolfsburg. Es ist der Tag der Audi-Jahrespressekonferenz. Bei den Razzien erhielten Berichten zufolge auch VW-Konzernchef Matthias Müller und Audi-Chef Rupert Stadler Besuch von den Ermittlern.

8. März 2017: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagt als letzte Zeugin vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags zur Diesel-Affäre aus. Sie sagt, sie habe erst mit dem öffentlichen Bekanntwerden des Diesel-Skandals am 19. September 2015 vom Abgas-Betrug erfahren, und zwar aus den Medien. Merkel warnte davor, den Diesel als Antriebstechnik nun zu verteufeln. “Es muss ehrlich gearbeitet werden”, sagte sie mit Blick auf die Manipulationen.

16. Februar 2017: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagen vor dem VW-Untersuchungsausschuss des Bundestages aus. Weil bekräftigt, erst am 19. September 2015 vom VW-Skandal erfahren zu haben, Dobrindt verteidigt sich erneut gegen den Vorwurf mangelnder Aufklärung.

8. Februar 2017: Die BILD-Zeitung berichtet über Aussagen von Ferdinand Piëch, wonach Mitglieder des Aufsichtsrats schon im März 2015 statt wie behauptet im September Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei der Abgasreinigung bekommen. Dieser weist die Anschuldigungen vehement zurück und droht seinerseits mit Maßnahmen und Ansprüchen gegen Piëch.

6. Februar 2017: Der Volkswagen-Aufsichtsrat will das Vergütungssystem der Top-Manager reformieren und dem Chef des Vorstands künftig höchstens zehn Millionen Euro Gehalt erlauben.

5. Februar 2017: Erstmals hat ein deutscher Großkunde im Abgasskandal Klage gegen Volkswagen eingereicht. Insgesamt 11,9 Millionen Euro Schadenersatz will der Fischverarbeiter Deutsche See von VW erstreiten. Das Unternehmen reichte am Landgericht Braunschweig Klage wegen arglistiger Täuschung ein.

3. Februar 2017: Dem “Spiegel” zufolge hat Ex-VW-Patriarch Ferdinand Piëch den früheren Vorstandschef Martin Winterkorn belastet. Piëch habe bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig ausgesagt, dass er Winterkorn bereits im Februar 2015 auf einen Hinweis auf Probleme in den USA bezüglich manipulierter Abgaswerte angesprochen habe.

27. Januar 2017: Die Staatsanwaltschaft weitet die Ermittlungen gegen Ex-VW-Chef  Winterkorn auf Betrug aus. Es hätten sich “zureichende tatsächliche Anhaltspunkte” dafür ergeben, dass Winterkorn früher als von ihm öffentlich behauptet Kenntnis von der manipulierenden Software und deren Wirkung gehabt haben könnte. Die Behörde ermittelt bereits wegen des Verdachts der Marktmanipulation gegen Winterkorn, VW-Markenchef Herbert Diess und den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch.

19. Januar 2017: Ex-Vorstandschef  Winterkorn bekräftigt vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestages zum VW-Skandal, nicht früher als bisher angegeben von den Dieselmanipulationen in seinem Unternehmen erfahren zu haben. Seinen Rücktritt im Zuge der Dieselaffäre bezeichnete der 69-Jährige vor dem Gremium als “den schwersten Schritt meines Lebens”.

11. Januar 2017: Volkswagen einigt sich im Abgasskandal mit dem US-Justizministerium auf eine Strafzahlung in Höhe von rund 4,3 Milliarden Dollar. Damit geht ein Schuldbekenntnis einher, mit dem VW kriminelles Fehlverhalten einräumt. Dem Konzern wurden Betrug und Verletzungen des Luftreinhaltegesetzes vorgeworfen.

9. Januar 2017: Die US-Bundespolizei FBI nimmt in Florida im Zusammenhang mit dem Abgasskandal einen VW-Manager fest. Ihm werde Verabredung zum Betrug vorgeworfen, schreibt die „New York Times“ unter Berufung auf informierte Kreise. Die Staatsanwaltschaft bestätigt die Verhaftung später. Der VW-Manager soll demnach eine Schlüsselrolle bei der versuchten Vertuschung des Skandals gespielt haben. VW wollte sich nicht äußern.

4. Januar 2017: US-Bezirksrichter Breyer lehnt einen VW-Antrag ab, Klagen von US-Anlegern im Zusammenhang mit dem Abgasskandal nach Deutschland zu verlegen. Die Kläger, zu denen vor allem amerikanische Pensionsfonds zählen, wollen einen Ausgleich für Kursverluste durchsetzen, die im Zuge des Skandals entstanden seien.

3. Januar 2017: Das auf Verbraucherschutzverfahren spezialisierte Unternehmen MyRight reicht beim Landgericht Braunschweig die erste Musterklage gegen den Wolfsburger Konzern ein, die Auftakt für zahlreiche weitere Klagen sein soll. MyRight wirbt um klagewillige VW-Besitzer, die ihre Forderung an den Dienstleister abtreten. Im Erfolgsfall streicht MyRight 35 Prozent Provision vom zugesprochenen Schadenersatz ein.

30. Dezember 2016: Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) fehlt bei 14.000 Wagen weiterhin die Genehmigung für den Rückruf, damit widerspricht das KBA einer anderslautenden Darstellung von VW. Darunter seien auch Autos in Deutschland.

21. Dezember 2016: Volkswagen darf nach Freigabe durch das KBA auch die restlichen vom Dieselskandal betroffenen Motoren umrüsten. Für den Zuständigkeitsbereich der Behörde lägen nun alle erforderlichen Genehmigungen vor, teilt VW mit.

20. Dezember 2016: US-Richter Breyer teilt mit, dass VW Rückkäufe anbietet für rund 20.000 ältere 3.0-TDI-Modelle mit illegaler Abgastechnik – vor allem Luxus-Audi, VW Touareg und Porsche Cayenne. Bei den restlichen rund 63.000 betroffenen Autos soll der Konzern zunächst die Chance zu einer Rückrufaktion mit einem Softwareupdate erhalten.

7. Dezember 2016: Südkorea verhängt gegen den deutschen Autobauer ein Rekord-Bußgeld von umgerechnet fast 30 Millionen Euro wegen “irreführender” Werbung.

16. November 2016: VW einigt sich mit der US-Umweltbehörde über manipulierte 3,0-Liter-Autos: 20.000 ältere kauft VW zurück, 60.000 werden nachgebessert.

8. November 2016: Die Medienberichte zu einer zweite Schummelsoftware bei Benzinern zieht eine weitere Sammelklage von Audi-Besitzern in Seattle nach sich.

7. November 2016: Die kalifornische Umweltbehörde CARB bemängelt bei großen Audis mit Automatikgetriebe, diese Fahrzeuge verfügten über so genannte Lenkwinkelsensoren. Die würden beim Ausbleiben einer Lenkbewegung die CO2-Emissionen herunterschrauben und so auf dem Prüfstand eine besonders sauber Verbrennung suggerieren. Das berichtet die BILD am SONNTAG.

4. November 2016: Das KBA erteilt laut VW-Mitteilung die Freigabe zur Umrüstung der rund 2,6 Millionen betroffenen Fahrzeuge mit 1,6-Liter-Motoren.

3. November 2016: Volkswagen behauptet laut NDR, WDR und “Süddeutscher Zeitung” in einem Prozessdokument, “keine unzulässige Abschalteinrichtung nach europäischem Recht” benutzt zu haben. Dies wird als rechtlichen Argumentation verstanden, um eine Klagewelle in Europa abzuwenden.

25. Oktober 2016: Richter Charles Breyer stimmt dem von VW mit US-Behörden, Dieselbesitzern und Vertragshändlern ausgehandelten Vergleich endgültig zu. Dieser Kompromiss gilt für 475.000 Pkws mit 2.0-Liter-Dieseln und könnte VW bis zu 16,5 Milliarden US-Dollar (15,2 Milliarden Euro) kosten. Damit kann VW den größten Teil seiner “Dieselgate”-Rechtslasten in den USA aus dem Weg räumen.

17. Oktober 2016: Nach Angaben von Insidern zahlt Volkswagen in den USA allein 175 Millionen Dollar (159,5 Mio Euro) an gegnerische Anwälte. VW habe sich mit den Anwälten der klagenden Besitzer von 475.000 Autos geeinigt, sagten die Insider der Nachrichtenagentur Reuters.

4. Oktober 2016: US-Vertragshändler von VW reichen in San Francisco eine erweiterte gerichtliche Klageschrift mit neuen Vorwürfen gegen den Zulieferer ein. Wie bereits zahlreiche US-Zivilklagen von geschädigten Dieselbesitzern, geht nun auch die Sammelklage der Autohändler davon aus, dass Bosch beim Abgas-Betrug die Rolle eines aktiven Mittäters innehatte.

30. September 2016: VW hat sich mit den 652 Vertragshändlern in den USA auf eine Entschädigung in Höhe von bis zu 1,2 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) geeinigt. Diese Summe ist Teil eines insgesamt 16,5 Milliarden Dollar teuren Vergleichs mit US-Zivilklägern. Es handelt sich um den teuersten Vergleich in der Geschichte der Auto-Industrie.

21. September 2016: Ein Ingenieur soll bereits 2007 einem größeren Kreis von Audi-Managern in einer E-Mail geschrieben, dass man es “ganz ohne Bescheißen” nicht schaffen werde, die US-Grenzwerte beim Schadstoffausstoß von Dieselwagen einzuhalten. Das berichteten “Süddeutsche Zeitung”, NDR und WDR unter Berufung auf Erkenntnisse der US-Anwaltskanzlei Jones Day.

19. September 2016: VW hat erst 500.000 von 8,5 Millionen Fahrzeugen in Europa umgerüstet. Ursprünglich sollte die technische Umrüstung bereits Ende des Jahres 2016 abgeschlossen sein. Das Kraftfahrt-Bundesamt hat bisher 60 Prozent der Umrüstung zugelassen. Davon sind wiederum 10 Prozent erfolgreich umgerüstet. Der voraussichtliche Abschluss ist damit für 2017 geplant.

16. September 2016: Nach Bayern will nun auch das Bundesland Hessen den Volkswagenkonzern auf Schadenersatz verklagen. Das Land habe durch den Wertverlust der Volkswagen-Aktie rund 3,9 Millionen Euro verloren, erklärte der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU). Die Klage solle in den kommenden Tagen beim Landgericht Braunschweig eingereicht werden. 

14. September 2016: Im VW-Abgasskandal hat das Krefelder Landgericht einen städtischen Autohändler verurteilt, zwei Audis mit “Schummel-Software” zurückzunehmen. Bei den Abgas-Manipulationen handele es sich um einen erheblichen Mangel. Außerdem sei eine Nachbesserung durch Software-Update für die Käufer nicht zumutbar.  Auch nach einer Nachrüstung durch VW bleibe ein “berechtigter Mangelverdacht”, so das Gericht. Es geht um einen Audi A6 von Anfang 2014 und einen Kleinwagen A 1 vom Frühjahr 2015. (Aktenzeichen.: 2 O 72/16 und 2 O 83/16).

9. September 2016: In den USA bekennt sich ein VW-Mitarbeiter wegen des Abgasskandals für schuldig. Ein 62-jähriger Ingenieur aus Kalifornien gibt nach Angaben des Justizministeriums zu, als “Leader of Diesel Competence” Teil einer fast zehn Jahre andauernden Verschwörung gewesen zu sein. Ziel sei es gewesen, durch die Entwicklung spezieller Betrugs-Software zur Manipulation von Emissionstests US-Behörden und Kunden hinters Licht zu führen. Dem Angeklagten droht eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren.

25. August 2016: VW einigt sich mit 650 Händlern in den USA grundsätzlich auf eine Entschädigung für entgangene Einnahmen. Laut Reuters kostet diese den Autobauer bis zu 1,2 Milliarden Dollar.

15. August 2016: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erteilt die Freigabe für den Rückruf von Autos mit dem kleinen 1,2-Liter-Dieselmotor, der beispielsweise im VW Polo und Seat Ibiza steckt.

3. August 2016: Angesichts von Millionenverlusten durch den VW-Abgasskandal prüfen die Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen und Sachsen-Anhalt juristische Schritte gegen Volkswagen.

2. August 2016: Der Freistaat Bayern kündigt eine Schadenersatzklage gegen VW an. Grund sind Verluste beim Pensionsfonds des Landes durch den Kursrutsch bei VW-Aktian nach Bekanntwerden der Manipulation. Es geht um eine Summe von maximal 700.000 Euro.

29. Juli 2016: Trotz des milliardenschweren Vergleichs im Dieselskandal zwischen VW und den US-Behörden nehmen die Klagen in den USA kein Ende. Wegen der Verletzung von Luftreinheitsgesetzen verhängt der US-Bundesstaat Washington ein Bußgeld von 176 Millionen Dollar, teilt das Umweltamt mit. Die Behörde ahndet damit Verstöße von 21.000 Diesel-Fahrzeugen, die in Washington zugelassen sind.

22. Juli 2016: Das Kraftfahrtbundesamt erteilt die Freigabe zum Rückruf von europaweit 800.000 Dieseln. Darunter befinden sich Varianten von VW Golf, VW Passat und VW Touran sowie Modelle von Audi und Skoda.

11. Juli 2016: Entgegen der Marschrichtung von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig ein Bußgeldverfahren gegen VW eröffnet. Die Staatsanwaltschaft will den mit manipulierten Dieselautos erwirtschafteten Gewinn abschöpfen.

7. Juli 2016: VW zahlt 86 Millionen Dollar (etwa 78 Millionen Euro) Strafe an den US-Bundesstaat Kalifornien.

3. Juli 2016: VW-Chef Müller sagt der “Welt am Sonntag”, Entschädigungszahlungen für europäische Kunden nach US-Vorbild könnten VW finanziell überfordern: “Was es nicht zuletzt wirtschaftlich für unser Unternehmen bedeuten würde, wenn wir das tun würden, muss ich wohl nicht weiter ausführen.”

28. Juni 2016: VW reicht vor Gericht in den USA einen Vorschlag zur Einigung mit Klägern und Behörden ein. Mit der Rekordzahlung von rund 15 Milliarden Dollar (ca. 13,5 Mrd. Euro) für Entschädigungen, Umweltschutz und Strukturmaßnahmen will sich VW von seiner Schuld in Übersee befreien.

23. Juni 2016: Großaktionär Niedersachsen verweigert dem VW-Vorstand die vollständige Entlastung für 2015. Der fehlende Vertrauensbeweis für Ex-Konzernchef Martin Winterkorn und Markenchef Herbert Diess hat keine juristischen Konsequenzen, gilt aber als Denkzettel.

21. Juni 2016: VW-Chef Müller kündigt die Abkehr vom Dieselmotor an. “Es wird sich die Frage stellen, ob wir ab einem gewissen Zeitpunkt noch viel Geld für die Weiterentwicklung des Diesels in die Hand nehmen sollen”, sagte Müller dem “Handelsblatt”.

20. Juni 2016: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt im Abgas-Skandal wegen des Verdachts der Marktmanipulation gegen den zurückgetretenen VW-Konzernchef Martin Winterkorn. Bei den Ermittlungen gehe es um den Vorwurf, dass Volkswagen die Finanzwelt womöglich zu spät über die Affäre informiert habe.

22. April 2016: Nach einer Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg verkündet VW mit 1,6 Milliarden Euro für 2015 den größten Verlust der Konzerngeschichte. Das operative Ergebnis sackte von 12,7 Milliarden Euro 2014 auf einen Verlust von 4,1 Milliarden ab. Hauptgrund dafür seien die Rückstellungen von insgesamt 16,4 Milliarden Euro für die Kosten des Abgasskandals.

21. April 2016: Der amerikanische Bezirksrichter Charles Breyer verkündet zum Ablauf eines Ultimatums eine grundsätzliche Einigung im Streit zwischen VW und den US-Behörden. Damit ist ein milliardenschwere Prozess vorerst abgewendet. Die Lösung umfasst unter anderem mögliche Rückkäufe von knapp 500.000 Fahrzeugen,…

kostenlose Reparaturen und “substanziellen Schadenersatz” für die Besitzer. Im Gespräch sind 5000 Dollar, umgerechnet rund 4400 Euro. Verbraucherschützer in Deutschland mahnen eine Gleichberechtigung hiesiger Kunden an, VW lehnt dies unter Verweis auf die anders gelagerte Rechtslage ab.

20. April 2016: Das “Handelsblatt” berichtet, die Anfänge des Abgasskandals gingen auf die Konzerntochter Audi zurück. Bereits 1999 hätten Motorenentwickler bei den Ingolstädtern Optionen erarbeitet, wie man den schärferen Grenzwerten begegnen könne. Geplant wurde dem Bericht zufolge auch der Einsatz einer illegalen Abschalteinrichtung. Zum Einsatz sei es bei Audi aber nicht gekommen. Erst 2005 sei die Software bei VW beim Dieselmotor EA 189 installiert worden.

10. April 2016: Eine lang anhaltende Diskussion um die Millionen-Boni der VW-Topmanager entbrennt. Unter starkem öffentlichem Druck, unter anderem von Großaktionär Niedersachsen, erklären sich die Vorstände zu Abstrichen bereit. Die Rede ist von mindestens 30 Prozent, so wie der ursprüngliche Vorschlag von VW-Chef Matthias Müller.

8. April 2016: Wegen der weiter fehlenden Freigabe des KBA für die Nachbesserungen beim Passat erwägt Volkswagen, die Rückrufaktion für andere betroffenen Fahrzeuge, darunter der Golf, vorzuziehen. Kurz zuvor hatte das Kraftfahrtbundesamt grünes Licht für die zweite Rückrufwelle mit Varianten der vier Audi-Modelle A4, A5, A6 und Q5 sowie des Seat Exeo gegeben.

6. April 2016: Der erste Volkswagen-Vertragshändler in den USA reicht bei einem Bundesgericht in Illinois Klage gegen den VW Konzern wegen des Abgasskandals ein. Er fühle sich systematisch getäuscht, so der Vertriebspartner.

16. März 2016: Das Landgericht Bochum weist im bundesweit ersten Prozess dieser Art die Klage eines betroffenen VW-Fahrers zurück. Dieser darf wegen der Abgas-Manipulationen sein Auto nicht an den Händler zurückgegeben. Der Mangel sei nur gering und vergleichsweise günstig zu beheben, argumentierten die Richter. Die Beseitigung des Mangels liege unter der Bagatellgrenze von einem Prozent des Kaufpreises, eine erhebliche Pflichtverletzung von VW liege nicht vor.

15. März 2016: Ein halbes Jahr nach Bekanntwerden der Abgasaffäre steckt der Konzern nach wie vor tief in der Krise. VW will mehrere tausen Jobs streichen, die Investitionen sind um eine Milliarde Euro pro Jahr gekappt, der Sparkurs ist verschärft. Unklar ist nach wie vor, wer für das Desaster verantwortlich ist.

14. März 2016: 278 institutionelle Großanleger verklagen VW beim Landesgericht Braunschweig auf Schadenersatz in Höhe von 3,255 Milliarden Euro. Sie werfen dem Konzern vor, seiner Auskunftspflicht gegenüber Anteilseignern nicht nachgekommen zu sein. VW hatte erst Tage, nachdem die US-Umweltbehörde EPA ihre Manipulationsvorwürfe am 18. September öffentlich machte, über drohende finanzielle Konsequenzen informiert. Das Unternehmen bekräftige mehrfach seine Auffassung, alle Informationspflichten befolgt zu haben.

9. März 2016: Laut Medienberichten hat das US-Justizministerium seine Untersuchungen auf den Verdacht des Bankbetrugs und mögliche Verstöße gegen Steuergesetze bei VW ausgedehnt. US-Chef Michael Horn tritt überraschend ab.

2. März 2016: Erster deutscher Prozess um Schadenersatz in Bochum. VW muss aus Sicht des Landgerichts manipulierte Autos nicht zurücknehmen.

5. Februar 2016: VW verschiebt seine Jahresbilanz und Hauptversammlung. Dafür werden später der 28. April und der 22. Juni 2016 genannt.

27. Januar 2016: Frühstart beim Rückruf in Deutschland: Trotz fehlender Genehmigung des KBA werden erste Amarok-Modelle umgerüstet.

12. Januar 2016: Die kalifornische Umweltbehörde CARB lehnt einen Rückrufplan von Volkswagen ab und fordert Nachbesserungen.

11. Januar 2016: Bei der Automesse in Detroit gibt VW-Chef Müller ein verunglücktes Interview, in dem er ein Fehlverhalten des Konzerns abstreitet. Er kündigt zudem an, US-Kunden unter anderem mit Einkaufsgutscheinen zu entschädigen. 

4. Januar 2016: Die US-Regierung reicht gegen VW Klage wegen des Einsatzes von Betrugssoftware und Klimaschutzgesetz-Verstößen ein.

16. Dezember 2015: VW teilt mit, dass die Gewährleistungsfrist für die manipulierten Motoren bis mindestens Ende 2017 verlängert wird. Das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (Olaf) in Brüssel hat Ermittlungen gegen Europas größten Autobauer VW aufgenommen, offenbar wegen möglicherweise zweckentfremdeter Milliardenkredite.

10. Dezember 2015: Gut drei Monate nach Bekanntwerden des Abgasskandals versprechen der VW-Vorstandsvorsitzende Müller und Aufsichtsratschef Pötsch eine neue Unternehmenskultur.

9. Dezember 2015: VW teilt mit, dass nach Messungen vom KBA, Verkehrsministerium und eigenen Prüfern statt 800.000 nur noch 36.000 Fahrzeuge vom CO2-Skandal und damit falschen Verbrauchsangaben betroffen sein könnten.

25. November 2015: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erteilt nach VW-Angaben grünes Licht für die Umrüstung der rund 8,2 Millionen vom Diesel-Skandal betroffenen Fahrzeuge mit 1,6- und 2,0-Liter-Motoren.

23. November 2015: Weitere 75.000 Autos aus dem VW-Konzern geraten ins Visier der US-Umweltbehörde, darunter Porsche Cayenne, VW Toureg sowie Luxus-Audis. Auch die Dreiliter-Diesel der Baujahre 2009 bis 2016 sollen mit einer verdächtigen Software ausgestattet sein.

20. November 2015: VW beschließt wegen der drohenden Kostenlawine für 2016, die Investitionen um rund eine Millarde auf zwölf Millarden Euro zu kürzen.

14. November 2015: VW nennt die Typen des Modelljahrs 2016, bei denen die Daten zum Ausstoß des Treibhausgases CO2 geschönt wurden. Es sind 413.000 Fahrzeuge, gut die Hälfte der etwa 800.000 Fälle.

6. November 2015: VW will mögliche Nachzahlungen der Kfz-Steuer für Fahrzeuge mit frisierten CO2-Angaben anstelle der Halter tragen. Vom CO2-Ausstoß hängt bei jüngeren Pkw auch die Höhe der Kfz-Steuer ab.

4. November 2015: Unter den 800.000 Autos mit falschen CO2-Werten sind auch 98.000 Benziner, teilt Verkehrsminister Dobrindt mit.

3. November 2015: VW teilt mit, dass es auch “Unregelmäßigkeiten” bei Angaben zum Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) gab. 800.000 Fahrzeuge könnten betroffen sein. VW findet gleich ein neues Wort für Affäre: “CO2-Thematik”.

2. November 2015: Die US-Umweltbehörde EPA beschuldigt VW, auch bei 3,0-Liter Dieselmotoren eine Manipulations-Software eingesetzt zu haben. VW weist dies entschieden zurück.

28. Oktober 2015: Der Skandal brockt dem Konzern im dritten Quartal einen Milliardenverlust ein. Vor Zinsen und Steuern beläuft sich das Minus auf rund 3,5 Milliarden Euro.

22. Oktober 2015: Der VW-Konzern prüft, ob auch die frühe Version des Nachfolgers des Skandalmotors EA 189 von den Manipulationen betroffen ist. Das ist nicht der Fall.

21. Oktober 2015: VW stoppt in der EU den Verkauf von Neuwagen im Lagerbestand, die noch ältere Motoren mit der Betrugssoftware haben.

17. Oktober 2015: Der Volkswagen-Mehrheitseigner Porsche SE teilt mit, dass Ex-VW-Chef Martin Winterkorn auch hier seinen Vorstandsvorsitz niederlegt.

16. Oktober 2015: Christine Hohmann-Dennhardt tritt zum 1. Januar 2016 als Leiterin für Recht und Integrität bei VW an. Zuvor hatte sie eine ensprechende Position bei Daimler inne.

15. Oktober 2015: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet einen verpflichtenden Rückruf aller VW-Dieselautos mit der Betrugssoftware an. In ganz Europa müssen 8,5 Millionen, in Deutschland 2,4 Millionen Wagen zwingend in die Werkstatt. VW hatte eine freiwillige Lösung angestrebt.

8. Oktober 2015: Razzia bei VW: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ordnet Durchsuchungen in Wolfsburg und an anderen Orten an. VW-US-Chef Michael Horn muss dem US-Kongress Rede und Antwort stehen.

7. Oktober 2015: Krisentreffen der Aufseher mit Personalentscheidung: VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch wird an die Spitze des Kontrollgremiums gewählt. Nach Aussage Müllers kann der Rückruf im Januar 2016 beginnen.

28. September 2015: Nach mehreren Strafanzeigen startet die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsvorwürfen.

25. September 2015: Der VW-Aufsichtsrat beruft den bisherigen Porsche-Chef Matthias Müller zum Konzernchef und trifft weitere Personalentscheidungen.

23. September 2015: VW-Chef Martin Winterkorn tritt zurück. “Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren”, begründet er seinen Schritt.

22. September 2015: Der VW-Konzern gibt eine Gewinnwarnung heraus und kündigt Milliarden-Rückstellungen für bevorstehende Umrüstungen an.

18. September 2015: Die EPA teilt öffentlich mit, VW habe bei TDI-Motoren eine Software eingesetzt, um Test-Messungen des Schadstoffausstoßes künstlich zu drücken. Damit entfaltet sich ein Skandal beispiellosen Ausmaßes, der später den Beinamen “Dieselgate” erhält.

3. September 2015: VW räumt gegenüber der US-Umweltbehörde EPA Manipulationen bei Diesel-Abgastests ein. Allerdings hinter den Kulissen.

Das passiert(e) in den USA

Auch Audi Q7 3.0 TDI sind von der Nachrüstaktion betroffen.

Die USA, wo strengere Abgas-Grenzwerte gelten als in Europa, spielen nach wie vor eine zentrale Rolle in dieser traurigen Geschichte: Dort wurde die Manipulations-Software erstmals eingesetzt, dort wurde der Betrug durch die Umweltbehörde EPA im September 2015 aufgedeckt und dort drohen auch die empfindlichsten Strafen.

Richter billigt Entschädigungspaket: Volkswagen nimmt bei der rechtlichen Aufarbeitung des Dieselskandals in den USA eine entscheidende Hürde. Der für Hunderte US-Zivilklagen zuständige Richter Charles Breyer kündigte am 11. Mai 2017 in San Francisco die endgültige Zustimmung zu einem Entschädigungspaket für rund 80.000 Dieselwagen mit illegaler Abgastechnik an. VW nimmt dabei weitere 1,2 Milliarden Dollar (1,1 Mrd. Euro) für Autos mit 3,0-Liter-Motoren in die Hand. Die Genehmigung umfasst auch einen Kompromiss von Zulieferer Bosch mit US-Klägern. Die Firma wird beschuldigt, VW mit Software zur Abgas-Manipulation versorgt zu haben. Bosch hat eine Zahlung von 327,5 Millionen US-Dollar zur Beilegung des US-Rechtsstreits akzeptiert

Das Rückkauf- und Entschädigungsprogramm: Anders als in Europa zahlt VW den betroffenen Kunden hohe Entschädigungen und kauft manipulierte Diesel zurück – Forderungen, deutschen Kunden ähnliche Zugeständnisse zu machen, weist der Konzern mit der Begründung zurück, dies würde den finanziellen Ruin bedeuten. In den USA geht das Programm aber offenbar gut voran: Der Konzern habe bereits Rückkäufe und Leasing-Stopps bei 238.000 Dieselwagen abgewickelt, sagte US-Vertriebschef Mark McNabb dem “Wall Street Journal”. VW zahlt US-Kunden Prämien zwischen 5100 und 10.000 Dollar. Damit hat VW bereits die Hälfte der Autos geschafft, bei denen sich der Konzern bislang im Rahmen von Vergleichen mit US-Sammelklägern zur Rücknahme verpflichtet hat. Insgesamt geht es um rund 475.000 Dieselautos mit Zwei-Liter-Motoren, bei weiteren etwa 80.000 größeren Modellen ist die richterliche Genehmigung des Vergleichs nahe.

Friedhof der Schummel-Diesel in Detroit: Wo bleiben die in den USA zurückgekauften Schummel-Diesel? Rund um den verlassenen Detroiter Silverdome, die 1975 eröffnete Arena war einst Bühne für einen Papstbesuch, erstreckt sich ein Meer aus mehreren Tausend Jetta, Passat und Golf der Serie “Clean Diesel TDI”. Ausrangierte Wagen, die wegen illegaler Software zur Abgasmanipulation aus dem Verkehr gezogen und von US-Kunden zurückgekauft werden mussten. Spötter bezeichnen das Areal als “VW-Autofriedhof” oder als “wertvollsten Schrottplatz der Welt”. Allerdings hat VW die Hoffnung nicht aufgegeben, die Diesel in einen legalen Zustand umzurüsten und als Gebrauchtwagen zu verkaufen. Dafür müssten aber die US-Umweltämter grünes Licht geben. Doch erstmal stehen die Wagen an trostlosem Ort. 2013 wurde der Betrieb am Silverdome krisenbedingt eingestellt, zur Sanierung fehlte das Geld.  In diesem Stadion feierte 1979 der Monster Truck “Big Foot” Weltpremiere und “Wrestlemania” zog 1987 mehr als 93.000 Fans an. Nun steht die Arena leer.

Milliardenstrafen und Vergleiche: VW sah und sieht sich in den USA mit zahlreichen Zivil- und Strafklagen in Milliardenhöhe konfrontiert, die aber zum großen Teil mit Vergleichen abgeschlossen wurden. Der Konzern teilte am 30. März 2017 mit, er habe sich im Rahmen eines Vergleichs über Umweltklagen mit zehn US-Bundesstaaten auf die Zahlung von 157,45 Millionen Dollar (146 Mio. Euro) geeinigt. Die Wolfsburger hatten sich bereits im vergangenen Jahr mit US-Behörden und Privatklägern auf Schadensersatzzahlungen und Strafen in Höhe von 25 Milliarden Euro wegen Dieselgate verständigt. Dabei wurde auch eine Vereinbarung mit 44 US-Bundesstaaten über 600 Millionen Dollar geschlossen. Trotzdem hatten einige Bundesstaaten weiter gegen den den Konzern geklagt.

Beschuldigter VW-Manager in Haft: 9. Januar 2017: Die US-Bundespolizei FBI nimmt in Florida im Zusammenhang mit dem Abgasskandal den VW-Manager Oliver S. fest. Ihm wurde Verabredung zum Betrug vorgeworfen. Der VW-Manager soll demnach eine Schlüsselrolle bei der versuchten Vertuschung des Skandals gespielt haben. S. ist nach wie vor in Haft, im Januar 2018 soll ihm der Prozess gemacht werden. Ihm drohen bis zu 169 Jahre Haft. Einen Antrag, ihn gegen Kaution bis dahin auf freien Fuß zu setzen, lehnte der zuständige Bundesrichter wegen drohender Fluchtgefahr ab. Oliver S. ist einer von mehreren ehemaligen und aktuellen Managern unterhalb der Konzernführung, die von der amerikanischen Justiz für die Manipulation von Abgaswerten und deren Verschleierung verantwortlich gemacht werden. Die anderen Beschuldigten halten sich in Deutschland auf und müssen keine Auslieferung fürchten.

Entschädigungen und Klagen in Deutschland

Während betrogene Volkswagen-Kunden in den USA reichlich entschädigt werden, gehen die deutschen bislang leer aus. Entsprechende Forderungen weist der Konzern mit der Begründung zurück, dies würde den finanziellen Ruin bedeuten.

EU-Kommissarin Jourova nannte das Zugeständnis von VW eine “De-Facto-Extragarantie” für Bauteile.

EU-Kommissarin kämpfte vergeblich für Kundenentschädigung: Auch die EU-Kommission konnte in monatelangen Verhandlungen den VW-Konzern nicht zu einer finanziellen Entschädigung europäischer Kunden bewegen. Volkswagen sagte lediglich eine zweijährige “De-Facto-Extragarantie” für von der Umrüstung betroffene Bauteile zu, sagte EU-Justizkommissarin Vera Jourova. VW sprach dagegen von einer “vertrauensbildenden Maßnahme”.

Worum geht’s beim Abgasskandal?

Mitte September 2015 erhebt die US-Umweltbehörde EPA schwere Vorwürfe gegen Volkswagen. Zunächst heißt es, VW habe beim Motor EA 189 (1.2, 1.6 und 2.0 TDI) eine Software eingesetzt, die den Ausstoß schädlicher Abgase auf dem Prüfstand drosselt, im Normalbetrieb aber nicht. VW gibt das zu.

Wie viele Autos sind betroffen?

Der Skandal nimmt riesige Ausmaße an. Allein bei den Fahrzeugen mit dem manipulierten Motor EA 189 sind weltweit bis zu elf Millionen Autos der Marken VW, Skoda, Seat und Audi betroffen, acht Millionen davon in Europa. In den USA wurden 482.000 Dieselfahrzeuge manipuliert, und zwar bei VW Jetta, Golf, Beetle, Passat und Audi A3 der Baujahre 2009 bis 2015. In Deutschland wurden seit 2008 2,8 Millionen Autos mit dem fraglichen Motor EA 189 zugelassen; 2,4 Millionen davon sind aktuell noch auf den Straßen unterwegs und werden zurückgerufen. Konkret geht es um …

Welche Autos sind betroffen?

… die Vierzylinder-Diesel 1.2 TDI (geringe Stückzahl), 1.6 TDI und 2.0 TDI mit Euro-5-Norm, die zwischen 2009 und 2014 von VW, Audi, Seat und Skoda verbaut wurden. In Deutschland steckt der Mogelmotor in 577.000 Audi der Baureihen A1, A3, A4, A6, TT, Q3 und Q5. Bei Skoda sind betroffen: Fabia II (Baujahre 2009 bis 2014), Roomster (Baujahre 2009 bis 2015), Rapid (Baujahre 2011 bis 2015), Yeti (Baujahre 2009 bis 2015), Octavia II (Baujahre 2009 bis 2013) und Superb II (Baujahre 2009 bis 2015). Bei VW in den USA sind es: Golf, Jetta, Beetle, Passat. In Deutschland …

Welche Autos sind betroffen?

… sind unter anderem Golf VI, Passat VII und Tiguan I betroffen, weitere Modelle hat VW noch nicht genannt. Seat verweist auf seine Internetseite. Kunden von VW können auf der Webseite info.volkswagen.de mithilfe ihrer Fahrgestellnummer prüfen, ob das eigene Auto betroffen ist. Skoda, Seat und Audi bieten diesen Service ebenfalls an: Unter skoda-auto.de, seat.de und audi.de gibt es entsprechende Infoseiten.

Was wird VW noch vorgeworfen?

Der Abgasskandal weitet sich zunächst sechs Wochen nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe aus und erfasste die CO2-Emissionen von Fahrzeugen. Am 3. November gibt VW bekannt, dass es bei rund 800.000 Fahrzeugen zu “Unregelmäßigkeiten” bei der Angabe von CO2-Werten und damit des Verbrauchs bei der Typzulassung gegeben hat. Inzwischen ergaben laut VW interne Prüfungen und Messkontrollen, dass es keine rechtswidrige Veränderung der Verbrauchsangaben und CO2-Werte gab. Nur für wenige Modellvarianten müssen die Verbrauchswerte leicht angepasst werden.

Welche Modelle sind dies?

Polo 1,0 l TSI BlueMotion 70 kW EU6 7-Gang-DSG
Scirocco 2,0 l TDI BMT 135 kW EU6 6-Gang-Schaltgetriebe
Jetta 1,2 l TSI BMT 77 kW EU6 6-Gang-Schaltgetriebe
Jetta 2,0 l TDI BMT 81 kW EU6 5-Gang-Schaltgetriebe
Golf Cabriolet 2,0 l TDI BMT 81 kW EU6 5-Gang-Schaltgetriebe
Golf 2,0 l TDI BMT 110 kW EU6 6-Gang-Schaltgetriebe
Passat Alltrack 2,0 l TSI 4MOTION BMT 162 kW EU6 7-Gang-DSG
Passat Variant 2,0 l TDI SCR 4MOTION BMT 176 kW EU6 7-Gang-DSG
Passat Variant 1,4 l TSI ACT 4MOTION BMT 110 kW EU6 6-Gang-Schaltgetriebe

Wer ist die EPA und was macht sie?

Autohersteller müssen bei der EPA (United States Environmental Protection Agency) ihre Modelle testen lassen, um die Genehmigung für einen Verkauf der Autos in den USA zu erhalten. Die Behörde gilt als mächtige Institution. Weil für Stickoxid in den USA strenge Grenzwerte bestehen, geht die EPA streng gegen Verstöße vor. Volkswagen räumt beim Motor EA 189 die Vorwürfe schnell ein. Beim 3.0-Liter TDI dementiert der Hersteller die Vorwürfe zunächst, um Ende November doch den Einbau einer “unzureichend dokumentierten Software” einzuräumen.

Wie geht es weiter mit betroffenen Autos?

Die technische Umrüstung der Dieselmotoren mit Manipulations-Software wird  einfacher als befürchtet. Für die beiden größeren Antriebe hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die Vorschläge aus Wolfsburg genehmigt. So sollen die in der EU verkauften Wagen umgerüstet werden:

Wie sollen 2,0-Liter-TDIs umgerüstet werden?

Vom Motortyp EA 189 mit 2,0 Liter Hubraum sind rund 5,2 Millionen Autos betroffen. Bei denen ist nur Software-Update nötig. Geschätzte Arbeitszeit pro Motor etwa 30 Minuten.

Wie sollen 1,6-Liter-TDIs umgerüstet werden?

Vom Motortyp EA 189 mit 1,6 Liter Hubraum sind rund drei Millionen Autos betroffen. Bei ihnen ist sowohl ein Software-Update als auch eine technische Lösung nötig, letzterer aber weniger umfangreich als zuvor angenommen – es reicht der Einbau eines Strömungstransformators (Gitternetz) vor dem Luftmassenmesser. Geschätzte Arbeitszeit pro Motor weniger als eine Stunde.

Wie sollen 1,2-Liter-TDIs umgerüstet werden?

Letzlich sind vom kleinsten EA 189 mit 1,2 Liter Hubraum rund 300.000 Autos betroffen: Auch bei ihnen reicht wie beim 2,0-Liter-Motor ein Software-Update aus.

Muss ich als VW-Halter für mein Auto geradestehen?

Wohl nicht. Das Bundesverkehrsministerium nimmt VW in die Pflicht, für Folgekosten des Abgasskandals einzustehen, sei es für Umrüstung von Autos oder Nachzahlung von Kfz-Steuern. VW sagt dies zu.

Was sind die Vorwürfe bei 3,0-Liter-Dieseln?

Anfang November wirft die US-Umweltbehörde EPA dem Volkswagenkonzern zudem vor, in den USA auch 3,0-Liter-Diesel manipuliert zu haben. Damit wären auch Porsche Cayenne, VW Touraeg und Audi A6 vom Skandal betroffen. VW betonte zunächst, “dass keine Software bei den 3-Liter-V6-Diesel-Aggregaten installiert wurde, um die Abgaswerte in unzulässiger Weise zu verändern”. Ende November rudert der Konzern zurück, und verweist auf eine “nicht ausreichend dokumentierte Software”. Laut der EPA handelt es sich dabei um eine Abschaltevorrichtung.

Wie reagiert Audi als Entwickler der großen Diesel?

Audi, aus dessen Entwicklungsabteilung der 3,0-Liter-Diesel stammt, gibt zu, dass die eingebaute Software so nicht genehmigt wurde. Jetzt sollen die betroffenen Autos verändert und nachträglich von der US-Umweltbehörde genehmigt werden. Es geht um rund 75.000 Fahrzeuge der Typen Porsche Cayenne, VW Touareg, Audi A6, A7, A8, Q5 und Q7 ab Modelljahr 2009.

Was ist ein AECD?

Die EPA wirft VW den Einsatz eines “Auxiliary Emissions Control Device” (AECD) vor. Das ist ein Hilfsgerät zur Emissionskontrolle, das unter anderem die Motordrehzahl, den eingelegten Gang und auch die Außentemperatur erkennt. Braucht das Auto beispielsweise wegen besonders niedriger Außentemperaturen oder bei hoher Belastung mehr Leistung, schaltet das AECD die energieverbrauchende Emissionskontrolle teilweise oder sogar ganz ab. Dann hat das Auto zwar ausreichend Leistung, stößt aber auch mehr Abgase aus. Die EPA hält den Einsatz dieses AECD für eine Manipulation der Abgaswerte, Audi bestreitet dies noch und will verhandeln.

Warum hat VW die Abgaswerte manipuliert?

VW stand nach eigenen Angaben Mitte der 2000er-Jahre unter enormem Druck, einen neuen Dieselmotor zu entwickeln, der die strengen US-Grenzwerte einhalten konnte. Statt einer teuren, aufwendigen technischen Lösung habe man sich zum Einbau der wesentlich günstigeren Schummel-Software entschieden. Begünstigt wurde dieses Fehlverhalten Einzelner durch Schwachstellen in Prozessen und die Haltung in einigen Teilbereichen des Unternehmens, Regelverstöße zu tolerieren. Ohne die Manipulation auf dem Prüfstand hätten die betroffenen Autos mit dem Motor EA 189 in den USA wohl kaum eine Typzulassung bekommen.

Manipulieren auch andere Autohersteller?

Viele andere Autobauer wehren sich entschieden gegen den Vorwurf, sie würden auch Abgaswerte manipulieren (oder hätten dies in der Vergangenheit getan). Selbst wenn es so wäre, könnte es ihnen zurzeit niemand nachweisen. Volkswagen hat die Manipulationen erst zugegeben, nachdem der Hersteller von der US-Umweltbehörde EPA mit auffälligen Messwerten konfrontiert wurde. Mittlerweile hat auch der ADAC Messwerte veröffentlicht: Sie stammen …

Manipulieren auch andere Autohersteller?

… von Euro-5- und Euro-6-Dieseln, die unter realitätsnäheren Bedingungen (WLTC statt NEFZ) getestet wurden. Die Zahlen sind zwar nicht gesetzlich relevant, aber alarmierend: Viele Modelle unterschiedlicher Hersteller, die auf dem NEFZ-Prüfstand bislang unauffällig waren, stoßen etwa bei höherer Geschwindigkeit wesentlich mehr Stickoxide aus als bislang angenommen. Ein Nachweis für eine Manipulation ist das nicht.

Wusste das denn vorher niemand?

Die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger, betonte, ihre Behörde weise bereits seit Ende der 1990er Jahre darauf hin, “dass auch in Deutschland die realen Schadstoff-Emissionen höher sind als die Typ-Prüfwerte, die auf dem Rollenprüfstand ermittelt wurden”. Eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag im Juli 2015 ergab zudem, dass Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) von der Existenz spezieller Testbetriebs-Software wusste.

Warum wurde bislang in Deutschland nicht ermittelt?

Auch den deutschen Behörden war bekannt, dass zumindest bei manchen Fahrzeugtypen der Abgasausstoß im Straßenbetrieb deutlich höher ist als auf dem Prüfstand. Anders als in den USA hat die deutsche Umweltbehörde aber nicht wie die US-amerikanische EPA reagiert und eigene Tests durchgeführt, sondern sich auf die Herstellerangaben verlassen.

Welche Folgen hat die Affäre für VW?

Die Folgen des Abgasskandals für VW zeichnen sich mittlerweile in Grundzügen ab. In den USA erreicht VW Ende Juli die Einigung auf einen Vergleich über 15,3 Milliarden Dollar. Allerdings sind noch die Klagen mehrerer US-Bundesstaaten anhängig. Auch ist nicht raus, ob Einzelpersonen nicht weiter Sammelklagen gegen VW forcieren. Auch in Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft. Sie könnte im schlimmsten Fall den Gewinn, den VW mit den manipulierten Fahrzeugen erzielt hat, abschöpfen. Ein Risiko, das schwer zu beziffern ist.

Wer ist verantwortlich für die Manipulationen bei VW?

VW geht davon aus, dass nur ein kleiner Kreis von Mitarbeitern überhaupt von den veränderten Programmen in der Motorsteuerung wussten. Wer am Ende die Verantwortung trägt, ist offen. Vorstand und Aufsichtsrat hätten davon aber nichts gewusst. Bisher …

Wer ist verantwortlich für die Manipulationen bei VW?

… hat VW neun Mitarbeiter beurlaubt. Konzernchef Martin Winterkorn trat kurz nach Bekanntwerden der Affäre zurück – weist aber jede persönliche Verantwortung von sich.

Was ist in den USA anders?

In den USA sind die Grenzwerte für den Ausstoß von Stickoxiden (NOx) deutlich niedriger, erlaubt sind hier nur umgerechnet ca. 44 Milligramm pro Kilometer (70 Milligramm pro Meile), in Deutschland sind es 80 Milligramm. Traditionell pochen die US-Behörden auf die Einhaltung von gesetzlichen Vorgaben. Gerade in Kalifornien, wo mit die weltweit schärfsten Abgasauflagen herrschen, ist die Umweltbehörde eine mächtige Institution.

Jede vierte Klage gegen VW erfolgreich: In Deutschland laufen mehrere Hundert Verfahren, in denen Fahrer von VW-Dieseln auf Schadenersatz gegen Händler oder den VW-Konzern klagen. Von den gut 200 bereits erstinstanzlich entschiedenen Klaren war ein Viertel erfolgreich, meldete BILD am 8. April 2017. Von den 2000 eingegangenen Mängelklagen gingen laut BILD-Informationen 40 Prozent direkt an VW, in 60 Prozent wurden Vertragshändler verklagt. Das Ergebnis der bislang 211 erstinstanzlichen Entscheide: In 162 Fällen wiesen Richter die Klage ab, oder die Kläger machten einen Rückzieher. Immerhin seinen 49 Verbraucherklagen erfolgreich gewesen.

Großkunde will zwölf Millionen Euro Schadenersatz: Auch der erste deutsche Großkunde hat mittlerweile Klage gegen Volkswagen eingereicht. Insgesamt 11,9 Millionen Euro Schadenersatz will der Fischverarbeiter Deutsche See von VW erstreiten, teilte ein Sprecher des Unternehmens mit. Das Unternehmen habe am Landgericht Braunschweig wegen arglistiger Täuschung Klage eingereicht. Bei der Deutschen See sind nach Unternehmensangaben etwa 500 Autos von den Abgasmanipulationen betroffen. “Wir sind tief enttäuscht über VW und fühlen uns hingehalten und betrogen”, sagte Deutsche-See-Chef Egbert Miebach.

Die finanzielle Situation des VW-Konzerns

Trotz der Krise konnte VW im ersten Quartal 2017 deutliche Gewinne verbuchen.

VW macht Gewinn: Obwohl der Abgasskandal den Konzern sowohl wegen des erlittenen Vertrauensverlustes und der Strafzahlungen in Milliardenhöhe teuer zu stehen gekommen ist, geht es ihm offenbar gut: Bei der Aktionärs-Hauptversammlung am 10. Mai 2017 wurde verkündet, dass die Gewinne sprudeln. Im ersten Quartal 2017 verdiente der Konzern vor allem dank starker Geschäfte in Westeuropa gut, unter dem Strich wurden 3,4 Milliarden Euro Gewinn verbucht, ein Plus von fast 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg im ersten Quartal um 10,3 Prozent auf 56,2 Milliarden Euro.

Die Talfahrt der Aktie: Nach Bekanntwerden des Skandals stürzte die VW-Vorzugsaktie von etwa 170 auf zeitweise deutlich unter 100 Euro ab. Aktuell (Stand: Mai 2017) steht sie bei ca. 145 Euro.

Diese Kosten muss VW wuppen: Weltweit laufen Prozesse gegen den Konzern, wieviel ihn der Skandal letztendlich kosten wird, ist nach wie vor unklar. In den USA einigte sich VW mit Klägern und Gerichten bislang auf Straf- und Ausgleichszahlungen in Höhe von etwa 25 Milliarden Euro, noch sind aber einige Verfahren anhängig. Wie viel VW in anderen Ländern zahlen muss, ist noch nicht entschieden, die Prozesse laufen noch – oder haben noch gar nicht begonnen. Zu den Zahlungen aus Straf- und Zivilklagen kommen die Kosten für Autorückkäufe in den USA und die Umrüstungen in Europa. 

Diskussion um Boni, Abfindungen und Gehälter: Für Diskussionen und auch Empörung sorgten die nach wie vor hohen Boni, Abfindungen und Gehälter von VW-Managern. Zuletzt hatte es Kritik gegeben, weil Christine Hohmann-Dennhardt nach nur gut einem Jahr Arbeit als VW-Vorstand für Integrität und Recht zu ihrem Abschied eine Zahlung von über zwölf Millionen Euro erhält. Ebenfalls ein Aufreger: Ex-VW-Chef Martin Winterkorn bekommt mehr als 3000 Euro Rente – pro Tag. Dass der Aufsichtsrat nach anhaltender Kritik beschloss, die Manager-Gehälter auf 10 Millionen Euro pro Jahr zu deckeln, erntete wegen der doch recht bedeutenden Summe eher Kopfschütteln als Lob.

Personelle Konsequenzen / Ermittlungen gegen VW-Manager

Aufgrund des Abgasskandals mussten einige hochrangige VW-Manager ihre Sessel räumen. Der frühere Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn erklärte am 23. September 2015 seinen Rücktritt – und seine Unschuld, an der er bis heute festhält. Sein Nachfolger wurde der damalige Porsche-Chef Matthias Müller, der wiederum von Oliver Blume, bis dahin Porsche-Produktionsvorstand, beerbt wurde. Den Konzern verlassen mussten Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg, VW-Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer und Porsche-Forschungsvorstand Wolfgang Hatz. Nach Neußer sowie vier weiteren, teils hochrangigen Ex-Mitarbeitern fahndet sie US-Justiz. Mehr zum Thema Personalkarussell finden Sie hier.

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft: Ein Beschuldigter Ex-Audi-Manager wurde wegen des Vorwurfs des Betrugs in München inhaftiert. Der Mann war einer der führenden Motorenentwickler bei der Volkswagen-Tochter. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt außerdem gegen mehrere hochrangige VW-Manager wegen Betrugs und Marktmanipulation, unter anderem gegen Ex-VW-Chef Martin Winterkorn, den aktuellen VW-Chef Matthias Müller und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. Pötsch war unter Winterkorn Finanzvorstand bei VW, er ist derzeit zudem Vorstandsvorsitzender der Porsche SE. Bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig laufen gegen ihn, Winterkorn und VW-Markenchef Herbert Diess Verfahren schon wegen möglicher Marktmanipulation. Die Strafverfolger in der Diesel-Affäre gehen außerdem in mehreren Dutzend Fällen dem Verdacht des Betrugs nach, auch gegen Winterkorn.