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Vorschau Rallye Deutschland: Schlägt Ogier zurück?

— 17.08.2017

Schlägt Ogier zurück?

Am Wochenende fordert Hyundai-Werkspilot Thierry Neuville Sébastien Ogier auf den Asphalt-Pisten in Saarland und Rheinland-Pfalz zum Duell.

Rallyefahrer sind gewiss keine Angsthasen. Vor einer Wertungsprüfung haben sie aber alle Respekt – der „Panzerplatte“ auf dem Truppenübungsplatz Baumholder, dem Herzstück der Rallye Deutschland (17. bis 20. August). „Die extrem rauen Betonpisten sind durch den Staub der Militärfahrzeuge sehr rutschig. Wenn’s auch noch regnet, kann man hier richtig viel Zeit gewinnen. Oder eben verlieren“, beschreibt Tabellenführer Thierry Neuville (29).

Vor dem zehnten von 13 Läufen zur Rallye-WM 2017 teilt sich der Hyundai-Werksfahrer aus Belgien den Platz an der Spitze der Gesamtwertung punktgleich mit Weltmeister Sébastien Ogier (33). Der Franzose aus dem privaten Ford-Team M-Sport, der zum ersten Mal seit der Rallye Schweden 2014 nicht alleine an der Tabellenspitze steht, hat den deutschen WM-Lauf bereits drei Mal gewonnen. In den letzten Jahren trugen sich außer ihm nur Neuville und dessen Hyundai-Teamkollege Dani Sordo (34) in die Siegerliste ein. Dementsprechend teilen die drei sich auch die Favoritenrolle.

Armin Kremer startet im Ford Fiesta WRC

„Ich mag die Rallye Deutschland, weil sie sehr anspruchsvoll ist“, sagt Ogier. Beifahrer Julien Ingrassia (37) hat auf einen Teil der Testfahrten im Vorfeld verzichtet, um die Folgen einer Gehirnerschütterung vollständig auszukurieren, die er bei einem Unfall während der Rallye Finnland erlitt.  

Neu sind der Start in Saarbrücken und der Serviceplatz am Bostalsee (zuletzt beides in Trier). An den Wertungsprüfungen hat sich dagegen wenig geändert. Mit den schmalen, mit zahlreichen Kehren gespickten Wirtschaftswegen in den Weinbergen entlang der Mosel, den harten Panzer-Pisten von Baumholder und den schnellen Landstraßen im Saarland vereint die „Deutschland“ praktisch drei Rallyes in einer.

Für eine Überraschung könnte auf diesem Geläuf das Citroën-Werksteam sorgen, mit elf Siegen innerhalb der letzten 15 Jahre Deutschland-Rekordsieger. Der C3 WRC zeigt auf Schotter zwar Schwächen. Aber bei der Rallye Korsika im April, der zweiten reinen Asphalt-Rallye im WM-Kalender, führte Werksfahrer Kris Meeke (28) anfangs überlegen – bis zu einem Motorschaden.

Weil auch sonst bei Citroën bisher nicht allzu viel nach Plan lief, ist das französische Werksteam momentan Letzter in der Herstellerwertung. Insgesamt sieben Testtage sollen das Blatt bei der Rallye Deutschland wenden, die Citroën schon elf Mal bei 14 Ausgaben gewonnen hat. In seiner Verzweiflung hat Teamchef Yes Matton (50) sogar den neunmaligen Weltmeister Sébastien Loeb (43) für die Testfahrten reaktiviert. Sogar WM-Einsätze sind in der Saison 2018 nicht ausgeschlossen. Bei der Rallye Deutschland gibt zunächst der ehemalige Volkswagen-Werkspilot Andreas Mikkelsen (28) ein weiteres Gastspiel.

AUTO BILD MOTORSPORT-Fahrer Fabian Kreim

Nach der überzeugenden Vorstellung bei der zurückliegenden Rallye Finnland zählt auch Toyota zu den Sieganwärtern. Die Hoffnungen ruhen allerdings weniger auf Finnland-Überraschungsseigere Esapekka Lappi (23), der seine erste WM-Rallye in einem World Rally Car (1,6-Liter-Turbomotor, rund 380 PS, Allradantrieb) bestreitet. Speerspitze ist Jari-Matti Latvala (32(, der bei der „Deutschland“ schon früher um den Sieg fuhr.    

Nur drei Deutsche stellen sich im direkten Vergleich den WM-Stars. Größte Überraschung dabei ist Armin Kremer (48). Der Unternehmer aus Mecklenburg-Vorpommern, in seiner aktiven Karriere Sieger der Rallye Deutschland 1999, drei Mal Deutscher Meister sowie Europameister, hat bei M-Sport, dem Team von Weltmeister Sébastien Ogier, einen Ford Fiesta WRC der 2017er gemietet. „Verstecken werden wir uns nicht. Für mich geht es darum, mit den weltbesten Rallyefahrern mitzuhalten“, sagt Kremer, der sein neues Auto einen Tag lang testen konnte.

Mit dem Rückenwind eines dritten Rangs bei der zur Europameisterschaft zählenden Rallye Rzeszow in Polen tritt Marijan Griebel (28) erstmals auf WM-Ebene in der Kategorie WRC2 (1,6-Liter-Turbomotoren, rund 290 PS, Allradantrieb) an. „Zur Vorbereitung auf die Rallye Deutschland habe ich außerdem einen Tag lang getestet“, verrät der Skoda-Privatfahrer, im Hauptberuf Polizist.

Auf den ersten Sieg in der Junior-WM hofft Julius Tannert (27). „Ich muss meinen Heimvorteil nutzen“, sagt der Sachse, der wie alle Konkurrenten einen Ford Fiesta (1,0-Liter-Turbomotor, rund 190 PS, Vorderradantrieb) fährt. Die „Deutschland“ ist für die Junioren bereits die vorletzte Runde. Vor dem Finale bei der Rallye Spanien könnte Tannert bis auf Tabellenrang drei nach oben klettern.

Der von AUTOBILD MOTORSPORT unterstützte Skoda-Junior Fabian Kreim (24) startet außerhalb der WM-Wertungen im rund 45 Teams starken Feld der deutschen Teilnehmer. Ebenfalls nicht um WM-Punkte kämpfen die Nachwuchsfahrer aus dem ADAC Opel Rallye Cup.


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