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VHD-Boot: Windows Update demoliert Aktivierung

VHD-Boot: Windows Update demoliert Aktivierung


Axel Vahldiek

In einer sehr speziellen Situation schafft es die Windows-Update-Funktion, die Aktivierung von Windows 10 so zu demolieren, dass sie nicht wiederherstellbar ist.

Die Windows-Update-Funktion ist unter Umständen in der Lage, die Aktivierung von Windows 10 so zu demolieren, dass sie nicht wiederherstellbar ist. Kurzfassung zur Entwarnung für die meisten vorweg: Betroffen sind nur Installationen auf einer virtuellen Festplatte (VHD), die wegen einer Upgrade-Installation vorübergehend in eine virtuelle Maschine (VM) gehängt und darin online auf Windows 10 Version 1703 aktualisiert werden, und zwar gleich auf die die derzeit aktuelle Fassung (Build 15063.540).

Das Problem

Um die Details zu verstehen, muss man etwas ausholen: Windows 8, 10 sowie Windows 7 Ultimate und Enterprise lassen sich nicht nur in eine herkömmliche Festplattenpartition installieren, sondern auch auf eine virtuelle Festplatte (VHD-Datei). Damit ist ausdrücklich keine komplette virtuelle Maschine gemeint, sondern wirklich nur die VHD-Datei, die der auf der Festplatte/SSD installierte Bootloader einbindet und dann das in der VHD-Datei installierte Windows auf der echten Hardware bootet.

Problem dabei: Eine solche Installation lässt sich nicht per Upgrade-Installation auf eine neuere Version aktualisieren. Bei Windows 7 und 8.1 ist das kein großes Problem, bei Windows 10 hingegen schon, denn da kommt alle halbe Jahr eine neue Version, die sich eben nur als Upgrade installieren lässt. Der Unterschied zwischen Update und Upgrade: Ein Update tauscht nur die betroffenen Dateien aus, lässt sich im laufenden Betrieb einspielen und erfordert allenfalls einen Neustart. Ein Upgrade hingegen stellt letztlich eine komplette Neuinstallation dar, bei der das Setup-Programm alle Daten, Programme und Einstellungen aus der vorigen Installation zu übernehmen versucht.

Die Falle

Der Ausweg: Man erzeugt eine VM und hängt darin die VHD-Datei ein. In der VM gebootet hält sich Windows dann zwar wegen anderer Hardware-Umgebung vorübergehend für nicht mehr aktiviert, lässt sich dafür aber online oder offline auf eine höhere Version aktualisieren. Danach lässt sich die VHD-Datei aus der VM wieder aushängen und wie zuvor vom Bootloader auf der Festplatte/SSD starten. Windows erkennt dann die vertraute Hardware und hält sich wieder für aktiviert.

Das klappt im Prinzip auch beim Upgrade von Windows 10 Version 1607 auf 1703. Doch wenn man das durch die Windows-Update-Funktion online erledigen lässt, kommt dabei auch das Update auf die aktuelle Fassung Build 15063.540, und das demoliert bei dieser Gelegenheit reproduzierbar die Aktivierung. Das ist nach derzeitigem Kenntnisstand irreparabel. Sobald man von der VHD-Datei wieder wie ursprünglich bootet, verlangt es zum Aktivieren eine Online-Verbindung, auch wenn die nachweislich funktioniert.

Erneute Key-Eingabe scheitert

Den Lizenzschlüssel erneut einzugeben klappt nicht: Der grafische Dialog ignoriert ihn kommentarlos, slmgr -ipk <Schlüssel> produziert eine Fehlermeldung mit dem Hinweis, dass man den Fehlertext zu sehen bekomme, wenn man slui.exe 0x2a 0xc004E016 ausführe. Spoiler: “Vom Softwarelizenzierungsdienst wurde ein ungültiger Product Key gemeldet”. Das ist Unfug, in einer Parallelinstallation auf der gleichen Hardware wird der Schlüssel problemlos akzeptiert und aktiviert.

Vermeiden lässt sich das Desaster nach bisherigem Kenntnisstand nur, indem man das Upgrade von Windows 10 Version 1607 auf Version 1703 offline erledigt. Dazu lädt man mit dem Media Creation Tool ein ISO herunter, hängt es in die VM, kappt deren Internetverbindung und ruft dann bei von dem in der VM laufendem Windows aus Setup.exe auf. Das aktualisiert Windows auf Version 1703 Build 15063.0. Anschließend kann man die VHD-Datei aus der VM wieder aushängen, auf dem vorigen Wege booten und dort online die restlichen Updates einspielen lassen.

Microsoft hat sich bislang nicht zu dem Problem geäußert.

Siehe auch:

(axv)