/Verdeckte MDR-Recherche zu Datenhandel und Profiling

Verdeckte MDR-Recherche zu Datenhandel und Profiling

Ein MDR-Team recherchierte verdeckt unter Datenbrokern. Gemeinfrei-ähnlich freigegeben durch unsplash.com Clem Onojeghuo

Eine Gruppe von MDR-Journalistinnen hat ein spannendes Experiment zum Handel mit personenbezogenen Daten in Deutschland durchgeführt. Mithilfe eines Online-Gewinnspiels wurden zunächst Daten über 150 Personen gesammelt. Über eine für ihre Forschungszwecke gegründete Scheinfirma haben sie diese Daten an vier Unternehmen (Datenbroker) herangetragen. Das Ziel bestand darin, den Gewinnspieldatensatz mit weiteren sensiblen Informationen anzureichern und somit detailliertere Profile zu erhalten – ein typischer Vorgang in der Datenindustrie also.

Die Ergebnisse sind beängstigend: Ohne dass ihre Scheinfirma jemals hinterfragt oder ihr Vorhaben mit den Daten geprüft wurde, sind die Journalistinnen unter geringem Aufwand selbst an sensible Daten wie die sexuelle Orientierung ihrer Gewinnspielteilnehmer*innen gelangt. Die Unternehmen rechtfertigen diesen leichtfertigen Umgang mit besonders schützenswerten Informationen so:

Es geht nicht um Diskriminierung, es geht um statistische Diskriminierung.

Im Lateinischen bedeutet discriminare „unterscheiden“. „Statistische Diskriminierung“ heißt also unterscheiden, einteilen oder kategorisieren auf Basis von Statistik. Das klingt im ersten Moment neutral und gar nicht schlimm, soll aber darüber hinwegtäuschen, dass die gängige Praxis vielfach diskriminierend ist und sich konkret auf das Leben von Menschen auswirkt. Ob wir einen Kredit kriegen oder beim Versandhändler per Vorkasse bezahlen müssen, wird heute je nach persönlichem Profil entschieden, wie es im spannenden MDR-Beitrag (8:38 Minuten) heißt.


Hilf mit! Mit Deiner finanziellen Hilfe unterstützt Du unabhängigen Journalismus.