/Verbrauch im Straßentest: Studie des ICCT Hammer! 42 Prozent Mehrverbrauch

Verbrauch im Straßentest: Studie des ICCT Hammer! 42 Prozent Mehrverbrauch

— 08.11.2017

Hammer! 42 Prozent Mehrverbrauch

Nach Berechnungen des ICCT verbrauchen neue Autos im Schnitt 42 Prozent mehr als die Hersteller angeben. AUTO BILD hat bis zu 60 Prozent Mehrverbrauch gemessen!




‘Dieselgipfel: Sind Sie für Fahrverbote?’

(dpa/cj/cr/brü) Der Kraftstoffverbrauch von Neuwagen in Europa liegt einer Untersuchung zufolge im Durchschnitt 42 Prozent höher als die Hersteller angeben. Dies ist das Ergebnis einer Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT), die die Zeitungen der Funke-Mediengruppe am 6. November 2017 veröffentlichten. Aus dem Testalltag von AUTO BILD ergeben sich Abweichungen von bis zu 60 Prozent Mehrverbrauch gegenüber den Herstellerangaben! Der höhere Verbrauch bedeutet nicht nur Mehrkosten für die Autofahrer, sondern auch eine stärkere Belastung der Umwelt etwa durch CO2-Ausstoß. Die EU hat bereits strenge CO2-Grenzwerte ab 2021 festgesetzt, die nach einer Analyse der Beratungsgesellschaft MSCI kaum ein Autohersteller wird einhalten können. Die ICCT ist eine unabhängige Forschungsorganisation, die vor zwei Jahren den VW-Diesel-Skandal in den USA mit aufgedeckt hat.

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“Die Kluft zwischen offiziellem und tatsächlichem Verbrauch ist dabei so groß wie noch nie. Noch vor zehn Jahren betrug die Differenz zwischen dem von den Herstellern veröffentlichten und dem real gemessenen Verbrauch nur etwa 15 Prozent“, zitierten die Blätter den ICCT-Geschäftsführer in Europa, Peter Mock. Als die Studie im Jahr 2013 zum ersten Mal veröffentlicht wurde, lag die Diskrepanz noch bei etwa 25 Prozent. Ein Grund für die hohe Diskrepanz liege darin, dass der Kraftstoffverbrauch von Pkw für die Herstellerangaben in Testlaboren und nicht im realen Fahrbetrieb ermittelt werde. Seit September würden aber für neue Fahrzeugtypen strengere Richtlinien bei den Testverfahren gelten, ab Herbst dann für alle Autos. Die ICCT-Forscher erwarten, dass dies die Diskrepanz zwischen offiziellen und realen Verbrauchswerten etwa halbieren könnte. Es wäre auch wichtig, “dass endlich europaweit Sanktionsmöglichkeiten eingeführt werden, um Autohersteller bei Tricksereien und Falschangaben bestrafen zu können“, sagte Mock.

Nur jeder zehnte Diesel im Alltag sauber wie im Test

Anfang September 2017 hatte das ICCT berichtet, nur jeder zehnte moderne Diesel der Abgasnorm Euro 6 sei im Alltag auf der Straße so sauber wie auf dem Papier und bei Tests im Labor. Für eine Studie wertete das Forschungsinstitut Messdaten von Behörden und anderen Organisationen in Europa für insgesamt 541 Diesel-Pkw der Normen Euro 5 und 6 aus. Im Schnitt stoßen die Euro-6-Diesel auf der Straße demnach 4,5 mal mehr gesundheitsschädliches Stickoxid (NOx) aus, als die Norm vorgibt, 90 Prozent der Fahrzeuge reißen den Labor-Grenzwert auf der Straße. Die realen NOx-Emissionen einiger Euro-6-Fahrzeuge liegen demnach sogar unterhalb des Grenzwerts, während andere den Grenzwert um das Zwölffache überschreiten. Die 541 Diesel-Pkw repräsentieren 145 verschiedene Modelle. Die ICCT-Forscher fordern für die Zukunft weitere unabhängige Tests unter realen Fahrbedingungen, die nicht nur den Ausstoß von Stickoxiden, sondern auch von CO2 unter die Lupe nehmen – und zwar von Autos, die Kunden oder Mietwagen-Firmen bereitstellen, nicht die Autobauer selbst.

Neue Normen nur für Neuzulassungen

Illegal ist das nicht, da erst seit September 2017 in der EU für Neuzulassungen die Abgasnorm auch für den Ausstoß auf der Straße (RDE und WLTP-Messung) maßgeblich ist. Zudem dürfen die Stickoxid-Werte weiterhin um einen sogenannten Konformitätsfaktor über den Grenzwerten liegen. Allerdings gelten die teils drastischen Überschreitungen im Alltag als Grund dafür, dass die Luft in vielen Städten trotz immer strengerer Grenzwerte schmutziger ist, als die EU erlaubt. Gerichte könnten deswegen die Politik zu Fahrverboten zwingen. Hier die Verbrauchswerte von AUTO BILD-Testfahrten.