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Verbrauch im Straßentest: AUTO BILD-Ergebnisse Die 50 größten Verbrauchs-Ausreißer

— 09.11.2017

Die 50 größten Verbrauchs-Ausreißer

AUTO BILD hat bei Testfahrten bis zu 60 Prozent Abweichung gegenüber den offiziellen Verbrauchsangaben gemessen. Das sind die 50 größten Ausreißer!




‘Frisierter Verbrauch: Würden Sie Ihr Auto zurückgeben?’

(dpa/cj/cr/brü) Der reale Kraftstoffverbrauch von Neuwagen und die offiziellen Herstellerangaben klaffen in Europa so weit auseinander wie noch nie. Diese schockierende Erkenntnis für Autofahrer bestätigt der Testalltag von AUTO BILD: Hier liegt der Mehrverbrauch der bislang 2017 getesteten Autos bei bis zu 60 Prozent! Ein Beispiel: Mehr als die Hälfte Aufschlag (plus 56 Prozent) gegenüber dem offiziell angegebenen Spritverbrauch genehmigte sich etwa der Mercedes E 200 d 9G-Tronic: Statt 3,9 Liter Diesel schluckte die E-Klasse im AUTO BILD-Test 6,1 Liter pro 100 Kilometer. Der größte Ausreißer mit satten 60 Prozent Abweichung ist übrigens kein Modell eines europäischen Herstellers. Einen Überblick über die 50 größten Abweichler im bisherigen Jahresverlauf 2017 gibt’s in dieser Bildergalerie:

Europaweite Studie offenbart 42 Prozent Mehrverbrauch

Im abgeschlossenen Testjahr 2016 lag der durchschnittlich gemessene Mehrverbrauch des gesamten AUTO BILD-Testfuhrparks bei 32 Prozent. Wie das transparente AUTO BILD-Testverfahren genau funktioniert, lesen Sie hier und in der folgenden Tabelle:

So misst AUTO BILD den Verbrauch
Das AUTO-BILD-Testverfahren umfasst eine Strecke von 155 Kilometern auf der Straße. Davon führen 54 Kilometer über Autobahnen (20 davon ohne Geschwindigkeitsbegrenzung), 61 Kilometer über Landstraßen und 40 Kilometer durch den Stadtverkehr. Die Tester müssen sich an Tempolimits halten und die Motorleistung im normalen Bereich konstant halten. Der Tank wird jeweils vor und nach der Testfahrt randvoll befüllt.

Die AUTO BILD-Werte flossen gleichzeitig in eine Untersuchung des International Council on Clean Transportation (ICCT) ein, das neben AUTO BILD 13 weitere Datenquellen aus acht europäischen Ländern berücksichtigt und damit die Verbrauchswerte von 1,1 Millionen Fahrzeugen ausgewertet hat. Hier lag die durchschnittliche Abweichung von den offiziellen Verbrauchsangaben der Hersteller sogar bei 42 Prozent!

“Verbrauchstrickser müssen bestraft werden!”

Das ICCT ist eine unabhängige Forschungsorganisation mit Sitz in den USA, die vor zwei Jahren den VW-Diesel-Skandal mit aufgedeckt hat. “Noch vor zehn Jahren betrug die Differenz zwischen dem von den Herstellern veröffentlichten und dem real gemessenen Verbrauch nur etwa 15 Prozent”, sagte ICCT-Europa-Geschäftsführer Peter Mock. Als die Studie im Jahr 2013 zum ersten Mal veröffentlicht wurde, lag die Diskrepanz noch bei etwa 25 Prozent. Ein Grund für die großen Unterschiede liege darin, dass der Kraftstoffverbrauch von Pkw für die Herstellerangaben in Testlaboren und nicht im realen Fahrbetrieb ermittelt werde. Seit September 2017 gelten aber für neue Fahrzeugtypen strengere Richtlinien bei den Testverfahren, ab Herbst 2018 dann für alle Neuwagen. Die ICCT-Forscher erwarten, dass dies die Diskrepanz zwischen offiziellen und realen Verbrauchswerten etwa halbieren könnte. Es wäre auch wichtig, “dass endlich europaweit Sanktionsmöglichkeiten eingeführt werden, um Autohersteller bei Tricksereien und Falschangaben bestrafen zu können”, so Peter Mock.

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Nur jeder zehnte Diesel im Alltag sauber wie im Test

Auch bei der Sauberkeit gehen viele angegebenen Werte weit an der Realität vorbei: Im September 2017 hatte das ICCT berichtet, nur jeder zehnte moderne Diesel der Abgasnorm Euro 6 sei im Alltag auf der Straße so sauber wie auf dem Papier und bei Tests im Labor. Für eine Studie wertete das Forschungsinstitut Messdaten von Behörden und anderen Organisationen in Europa für insgesamt 541 Diesel-Pkw der Normen Euro 5 und 6 aus. Im Schnitt stoßen die Euro-6-Diesel auf der Straße demnach 4,5-mal mehr gesundheitsschädliches Stickoxid (NOx) aus als die Norm vorgibt, 90 Prozent der Fahrzeuge reißen den Labor-Grenzwert auf der Straße. Die realen NOx-Emissionen einiger Euro-6-Fahrzeuge liegen demnach sogar unterhalb des Grenzwerts, während andere den Grenzwert um das Zwölffache überschreiten. Die 541 Diesel-Pkw repräsentieren 145 verschiedene Modelle. Auch hier fordern die ICCT-Forscher für die Zukunft weitere unabhängige Tests unter realen Fahrbedingungen – und zwar von Autos, die Kunden oder Mietwagen-Firmen bereitstellen, nicht die Autobauer selbst.