/Überblick: Mobilitätsdienste der Autohersteller Ford Fusion bringt die Pizza

Überblick: Mobilitätsdienste der Autohersteller Ford Fusion bringt die Pizza

— 08.09.2017

Ford Fusion bringt die Pizza

Ford liefert mit autonomen Autos Pizza aus, VW nimmt Pakete entgegen: AUTO BILD zeigt, wo Autohersteller bei welchen Mobilitätsdiensten mitmischen.

Ford geht unter die Pizzalieferanten! Zusammen mit Weltmarktführer Domino’s bringt der Autobauer in der amerikanischen Studentenstadt Ann Arbor (Bundesstaat Michigan) neuerdings italienische Leckereien in einem autonomen Ford Fusion zum Kunden. Mit dem neuen Service will Ford im Rahmen eines Forschungsprojektes die Akzeptanz von autonomer Fahrtechnik testen. Genauer gesagt möchten Ingenieure der beiden Unternehmen vor allem die Reaktionen von Kunden untersuchen und schauen, wie sie mit selbstfahrenden Fahrzeugen interagieren.

Pilotprojekt: Pakete im VW-Kofferraum

Auch VW treibt mit externen Partnern seine Entwicklung von modernen Mobilitätsdiensten voran. So haben die Wolfsburger mit DHL Paket in Berlin das Pilotprojekt “We by Volkswagen Deliver” gestartet, bei dem der Empfang von Paketen per Kofferraumzustellung vereinfacht wird. Dabei sollen 50 ausgewählte Kunden bis April 2018 testen, wie es ist, sich Pakete von Amazon und Co. in speziell ausgestattete VW Polo liefern zu lassen. Außerdem schloss Volkswagen eine fünfjährige Vereinbarung mit dem IT-Riesen IBM für die gemeinsame Entwicklung digitaler Mobilitätsdienste ab. Ziel sei es, so VW-Vertriebschef Jürgen Stackmann, “personalisierte digitale Dienstleistungen für den Fahrer zu entwickeln und damit den Trend der zunehmenden Vernetzung zwischen Fahrzeugen und Fahrern aktiv zu gestalten”.

Mobilitätsdienste versprechen Milliardenumsätze

Diese Kooperationen sind nur einige Beispiele von sich verändernder Mobilität im 21. Jahrhundert. Carsharing statt Kaufvertrag, Handy-App statt Zündschlüssel, Parkplatzbuchung statt Parkplatzsuche: Die Verkehrsbranche – da sind sich die Experten einig – wird sich in den kommenden Jahren grundlegend wandeln. Sogenannte Mobilitätsdienstleistungen gewinnen immer mehr an Bedeutung, Umsätze in Milliardenhöhe werden prognostiziert. Das wissen auch die großen Autohersteller. Sie haben längst den Wandel vom reinen Verkäufer zum mobilen Dienstleister eingeleitet. Aber was bedeuten “Ride Hailing” oder “Urban Mobility”? Welche Arten von Carsharing gibt es? Und was bieten VW, BMW, Daimler und Co bereits an praktischen Hilfen für mobilitätsbewusste Smartphonebesitzer? Hier kommt die Übersicht!

Die Mobilität der Zukunft wird nicht nur vom Teilen geprägt sein. Auch Emissionsfreiheit spielt eine große Rolle – also Umweltverträglichkeit.

Carsharing: Das “Autoteilen” als Alternative zum klassischen Autoverleih gibt es mittlerweile in mehreren Varianten: Beim stationsgebundenen Carsharing wählt man telefonisch, im Internet oder per Smartphone-App einen Zeit- und Abholpunkt aus und liefert das Fahrzeug anschließend wieder dort ab. Weitaus flexibler ist die stationsunabhängige Variante (“Free-Floating-Carsharing”). In einem festgelegten Gebiet, meist in Großstädten, können Autos an beliebigen Punkten abgeholt und wieder abgestellt werden. Zugang und Abrechnung erfolgen per Chipkarte oder App. Die dritte Variante ist privates Carsharing (“Peer-to-Peer-Carsharing”), bei dem innerhalb einer kleinen Gruppe Nachbarn oder anderen Interessenten zeitweise das eigene Auto zur Verfügung gestellt wird. Auch hier funktioniert die Vermittlung meist übers Internet oder mithilfe einer App.

Eine App und eine Taxi-Flotte: Damit funktioniert ein Taxivermittlungsdienst wie myTaxi.

Taxidienste: Taxi-Apps vereinfachen und beschleunigen durch schnelle Datenübermittlung und Ortsbestimmung die Vermittlung von Taxifahrten. Am bekanntesten Vermittler “myTaxi” ist beispielsweise Daimler beteiligt. Kritik an derartigen Diensten gab es vom Deutschen Taxi- und Mietwagenverband und von Datenschützern. Taxi-Genossenschaften, aber auch myTaxi arbeiten zudem am Taxi-Sharing. Das heißt, über eine App werden quasi Fahrgemeinschaften gebildet, bei denen die Fahrten im selben Taxi anteilig bezahlt werden.

Fahrtendienstvermittler wie Uber haben in Deutschland noch nicht Fuß gefasst, dafür aber oft große Autobauer als strategische Partner.

Fahrdienstvermittlungen (“Ride Hailing”) gelten als große Konkurrenten von Taxiunternehmen. Dabei nehmen Privatleute Kunden in ihrem Auto mit, koordiniert wird auch dies per Smartphone. Der prominenteste und umstrittenste Fahrdienstleister ist Uber. Das amerikanische Unternehmen wollte auch auf dem deutschen Markt Fuß fassen, scheiterte aber vor Gericht, unter anderem wegen fehlender Beförderungslizenzen seiner Fahrer. Inzwischen springen immer mehr große Autohersteller wie VW oder BMW auf den Zug auf und investieren in der Branche. BMW beispielsweise denkt über eine Nutzung seiner Carsharing-Flotte DriveNow im Bereich Fahrdienstvermittlung nach. Einige erhoffen sich durch Tests mit Roboter-Taxis auch Fortschritte in Sachen autonomes Fahren.

Moderne Mobilitätslösungen umfassen häufig mehrere Angebote wie Carsharing und den öffentlichen Nahverkehr – und natürlich eine App.

Shared Mobility (Geteilte Mobilität): Gilt als Überbegriff des allgemeinen Trends für gemeinsam genutzte Fahrzeuge und Mobilitätsangebote. Die renommierte Unternehmungsberatung Roland Berger bezifferte in einer Studie von 2014 das jährliche (!) Wachstumspotenzial der Branche auf 35 Prozent. Immer mehr Start-up-Unternehmen bieten unter dem Stichwort Shared Mobility in einer App Verknüpfungen aller gängigen Verkehrsmittel wie Carsharing, Leihfahrräder, Taxi- oder Fahrdienste und Öffentlicher Nahverkehr an. Generell spricht man auch von “On-Demand-Mobility”, worunter alle Transportdienste (Personen, Waren, Services) fallen, die per App gebucht und bezahlt werden können.

Kartendienste: Über Kartendienste können zum einen vernetzte Fahrzeuge Daten austauschen, die sie mit Kameras und Sensoren erhoben haben, und so Verkehrsströme besser steuern. Zum anderen bilden digitale Karten die Basis für Fahrdienst-Apps, was sie zum wichtigen Baustein bei der Entwicklung selbstfahrender Autos macht. Am bekanntesten Kartendienst “Here” sind Audi, BMW und Daimler beteiligt.

Viele Forschungsaktivitäten im Bereich New Mobility beziehen sich auf das autonome Fahren.

Parkplatzdienste: Sie liefern über eine App Echtzeitinformationen für die Parkplatzsuche, indem sie freie Stellplätze in Parkhäusern oder auf privaten Parkplätzen anzeigen und das Auto dorthin navigieren. Auch das Bezahlen wird direkt geregelt. Moderne Fahrzeuge wie die Mercedes E-Klasse oder der BMW 7er lassen sich bereits ferngesteuert einparken. In Zukunft sollen Autobesitzer ihren Wagen vor dem Parkhaus abstellen und ihm den Befehl geben können, selbstständig einen Parkplatz zu suchen. Lieferdienste: Zusammen mit externen Partnern testen Autohersteller wie beispielsweise VW und Ford, wie Vernetzung und selbstfahrende Autos bei Dienstleistungen und der Belieferung mit Konsumgütern hilfreich sein können.

Charging-Service: Zum einen können Charging-Services beim kostenoptimierten Laden zu Hause helfen. Vor allem aber sollen sie die Suche nach einer freien Ladestation in der Umgebung sowie die mühelose Abrechnung über eine Karte oder per App ermöglichen, ohne dass sich der Fahrer mit rechtlichen oder vertraglichen Dingen auseinandersetzen muss.