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Test: iPhone X im ultimativen Hype-Check

Kommentar zum iPhone X: Erste Einschätzung

Fazit

Das iPhone 8, auf das alle gewartet haben, heißt iPhone X – und es ist für Apple das Handy der Superlative: Kein iPhone ist cooler und keines so teuer. Apple hat das neue Edel-Handy gegenüber iPhone 7 und Co. radikal verändert und gefällt mit einem fast randlosen Design. Apple verspricht nichts Geringeres als eine Umwälzung. Wir sagen, wo das iPhone X revolutionär sein kann und wo es schlichtweg nur zur Konkurrenz aus dem Android-Lager aufschließt.

Vorteile
Tolles Randlos-Design
Riesiges AMOLED-Display
Extrem schneller Prozessor
Wahrscheinlich sehr gute Dual-Kamera
Face ID klingt komfortabel
Nachteile
Abschreckend hoher Preis
Einige werden den Fingerabdruckscanner vermissen

iPhone X bekommt (fast) randloses Design

Das iPhone X ist das erste Apple-Handy mit fast randlosem Display. Der Screen ist nicht gebogen wie der des Galaxy S8, hat allerdings 2.5D-Glas, das an den Rändern elegant in das Gehäuse übergeht.

Einschätzung: Das iPhone X ist eines der Smartphones mit dem besten Bildschirm-zu-Gerätegröße-Verhältnis. Ein Randlos-Display ist aber längst keine Innovation von Apple. Bereits im Oktober 2016 machte das China-Phone Mi Mix damit auf sich aufmerksam, in aller Munde ist der Look spätestens seit Samsungs Galaxy S8.

Die markante Aussparung an der Oberseite des iPhone X für Frontcam und Lautsprecher erinnert an das jüngst veröffentlichte Essential Phone, des Android-Erfinders Andy Rubin und dürfte für einige etwas gewöhnungsbedürftig sein. Xiaomi hat das beim Mi Mix 2 ästhetisch ansprechender gelöst und verbirgt den Lautsprecher unter dem Display.

Apple wagt aber endlich die langerwartete Neugestaltung des iPhone-Designs, um den Look der Nullerjahre hinter sich zu lassen und den Anschluss an die futuristisch aussehenden und trotzdem voll praxistauglichen Edel-Androiden nicht zu verlieren. Das iPhone X sieht cool aus, keine Frage. Apple hat sich aber ein bisschen von Xiaomi und Samsung die Show stehlen lassen.

Ein für iPhone-Verhältnisse revolutionärer Look: So (randlos) sieht das iPhone X aus.

Das iPhone X bekommt einen 5,8-Zoll-OLED-Bildschirm

Was für ein Geschoss! Das iPhone X bekommt nicht nur einen riesigen Screen in einem handlichen Gehäuseformat, sondern auch einen kontraststarken OLED-Screen. Diese Panel-Technik verwendet Apple erstmalig in einem iPhone. Produzent soll übrigens Samsung sein.

Einschätzung: Für User, die ein iPhone 7 Plus mit 5,5-Zoll-Screen kennen, hören sich die 5,8 Zoll für das iPhone X wahrscheinlich überbordend an. Tatsächlich bietet das Galaxy S8 genauso viel Bilddiagonale und liegt trotzdem noch gut in der Hand. Auch das iPhone X wird durch die minimalen Display-Ränder kaum größer als das normale iPhone 7 ausfallen und sich genauso gut halten und bedienen lassen.

Die Displayauflösung beträgt 2.436 x 1.125 Pixel. Damit fällt der Screen in Relation zur Breite sehr lang aus, was dem Handling des Geräts zugute kommt. Die Dichte der Bildpunkte liegt bei 458 Pixel pro Zoll, was etwas unter dem Niveau von High-End-Android-Handys liegt, aber immer noch hervorragend ist. Das iPhone 7 bietet demgegenüber 326 ppi.

In der Praxis dürften sich gegenüber dem letzten Apple-Phone aber trotzdem nur bei sehr genauem Hinsehen Unterschiede ausmachen lassen – wenn überhaupt. Vorteile hat die hohe Auflösung, wenn man das Handy in einer VR-Brille vor das Gesicht schnallt.

Der Screen des iPhone X soll Farben brillant und neutral darstellen.

Apple setzt zudem erstmalig auf OLED-Technik in einem iPhone – hat mit OLED-Panels aber bereits bei der Apple Watch Erfahrung gesammelt. Der Vorteil von OLED-Displays liegt in einem besseren Schwarzwert gegenüber LC-Displays, da sich Pixel einzeln abschalten können. Zudem bieten sie einen Farbraum von ungefähr 150 Prozent des Standard-RGB-Farbraums und können Inhalte somit – wenn gewünscht – deutlich knalliger, aber auch feiner und differenzierter abbilden. Das iPhone 7 kommt auf grundsolide 105 Prozent.

Laut Apple soll die Farbdarstellung des iPhone X sehr neutral ausfallen. Die Zeiten, in denen OLED-Screen nur poppigen Bonbon-Look konnten, sind vorbei. Das hat übrigens bereits Samsung in den letzten Jahren mit seinen OLED-Top-Galaxys bewiesen. OLED-Technik bietet darüber hinaus eine bessere Farb- und vor allem Kontrast-Darstellung bei seitlichem Blickwinkel. Allerdings kippen weiße Flächen beim Galaxy S7 und Galaxy S8 im Vergleich zum IPS-Panel des iPhone 7 schneller ins Bläuliche oder Grünliche. Wir sind gespannt, ob Apple dieses Problem gelöst hat. Anders als bei Samsung gibt es hier aber True-Tone-Technik, die die Farbtemperatur an das Umgebungslicht anpasst, was teils für eine angenehmere Leseerfahrung sorgt.

Unterm Strich dürften sich Apple-User auf brillantere Farben und satteres Schwarz als bisher freuen. Je nach Ansteuerung erreichen Samsung-Panels im Übrigen schon einmal Maximalhelligkeiten von über 700 cd/m² und strahlen damit heller als die IPS-Panels im iPhone 7, die in unserem Test auf rund 550 cd/m² kommen. Das verbessert die Ablesbarkeit unter Sonnenlicht. Wir erwarten insgesamt eine exzellente Displayqualität wie sie auch das Galaxy S8 oder Galaxy Note 8 bietet.

Tolle Farben, sattes Schwarz: Jetzt setzt auch Apple auf OLED-Technik im Handy.

Apple streicht den Home-Button

Der ikonische Home-Button, der nicht nur den Look des iPhones, sondern auch den aller Android-Phones in den folgenden Jahren prägte, entfällt.

Einschätzung: Die Home-Taste fehlt, auch das ist für Apple eine Revolution. iPhone-X-User werden das neue Modell somit anders bedienen (müssen) als bisherige Apple-Phones. Dafür setzt Apple auf Gestensteuerung, wie sie in den Jahren zuvor ähnlich auch Blackberry OS und WebOS boten. Demnach wischt man auf dem iPhone X vom unteren Bildrand nach oben, um den Homescreen und den App-Wechsler aufzurufen. Wer in einer flotten Geste nach oben wischt, schließt die aktuell offene App und landet auf dem Homescreen. Hält man dabei den Finger ein bisschen länger auf dem Screen, öffnet sich stattdessen der App-Wechsler, der Karten aller geöffneten Programme anzeigt. Alternativ wischen User horizontal über einen kleinen grauen Streifen, der unten in der Benutzeroberfläche angezeigt wird, um direkt die App zu wechseln. Das klingt tatsächlich ziemlich cool, modern und elegant

Apple ist Android-Systemen diesbezüglich einen Schritt voraus und kann sich als Trendsetter in Szene setzen. Dafür muss sich das Konzept natürlich erst noch in der Praxis bewähren. In diesem Fall rechnen wir mittelfristig mit einem Ende der immer noch behelfsmäßig anmutenden Android-Steuerleiste mit ihren kleinen Icons, die oft nur Platz verschwendet.

iOS 11 zeigt unten einen kleinen grauen Strich, über den sich der Homescreen und App-Wechsler per Wischgeste anzeigen lassen.

Gesichtserkennung statt Fingerabdruckscanner

Ohne Home-Taste gibt es keinen Platz mehr für den Fingerabdruckscanner auf der Vorderseite. Apple streicht ihn gänzlich und setzt stattdessen auf Gesichtserkennung. Die soll besonders sicher sein.

Einschätzung: Apple wollte den Fingerabdruckscanner dem Vernehmen nach eigentlich nicht dem Randlos-Design opfern. Ihn unter das Display zu legen, produzierte in internen Tests aber wohl ebenso wie bei Samsung keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Dass das iPhone X tatsächlich keinen Fingerabdruck-Scanner mehr bietet, ist trotzdem ein überraschend radikaler Schnitt, bedenkt man, dass Apple diesen Trend mit dem iPhone 5s selbst gestartet hat. Stattdessen will Apple einen ebenso sicheren und noch komfortableren Ersatz etablieren: Gesichtserkennung, genannt Face ID.

Die Frontcam erfasst Tausende an Merkmalen und Tiefeninformationen, damit sich die Technik nicht durch Bilder täuschen lässt (wie leider bei Samsung). Was praktisch klingt: Man muss offenbar keine Taste drücken, um Face ID zu aktivieren, sondern nur auf das Smartphone schauen. Zudem soll die Technik auch in völliger Dunkelheit funktionieren. Hierfür kommt ein Infrarot-Licht zum Einsatz. (Samsung bietet das ähnlich für seinen Iris-Scanner.) Gesichtserkennung ist zwar nicht revolutionär – sollte Apples Variante aber tatsächlich so gut wie versprochen funktionieren, werden die wenigsten einen Fingerabdruckscanner vermissen.

In der Apple-Live-Demo hat Face ID aber nicht auf Anhieb funktioniert und insgesamt kam es uns auch nicht superschnell vor. Vor diesem Hintergrund bleibt abzuwarten, ob Face ID auch in der Praxis voll überzeugen kann. Dass Banken die Entsperr-Technik akzeptieren und Nutzer Apple Pay damit autorisieren dürfen, ist auf jeden Fall schon einmal ein gutes Zeichen.

Das iPhone X lässt sich nun auch per Face ID – also mit seinem Gesicht entsperren.

Im iPhone X arbeitet der sehr schnelle Apple-A11-Prozessor

Apple setzt auf einen Prozessor mit ARM-Architektur, wie im Handy-Markt üblich. Der Hersteller entwickelt jedoch eigene Kerne, um die Hardware noch besser mit der Software verzahnen zu können. Im iPhone X steckt der neue Apple A11, der auch für die Berechnung exakter Gesichtsdaten prädestiniert sein soll.

Einschätzung: Durch das sehr gute Zusammenspiel von Hard- und Software arbeiten iPhones (zumindest bis zum ersten Major-Update) blitzschnell. In der Single-Thread-Leistung sind Apple-Prozessoren führend, bei Einsatz aller Kerne bieten Android-Achtkern-Systeme dann teils mehr Power. Der Apple A11 wird im 10-Nanometer-Verfahren gefertigt (vs. 16nm des Apple A10) und effizienter sein, das kommt der Akkulaufzeit zugute. Apple bietet diesmal sechs Kerne. Zwei davon sollen besonders stark sein, vier sehr effizient. Das iPhone 7 hat nur einen Vier-Kern-Prozessor.

Damit stehen angeblich teils bis an die 70 Prozent Leistungszuwachs gegenüber dem Vorgänger an. Die GPU soll 30 Prozent schneller sein. Unabhängige offizielle Benchmarks gibt es natürlich noch nicht, laut Leaks bietet der Apple A11 im Geekbench aber angeblich rund 4.000 Single-Thread-Punkte, im Multicore-Test kommt er diesen Infos zufolge auf fast 10.000 Punkte. Das ist ein starker Zuwachs gegenüber dem letzten Modell. Zum Vergleich: Das iPhone 7 kommt auf rund 3.400 (single) und 5.600 (multi) Punkte, das Galaxy S8 mit Exynos-CPU erreicht knapp 2.100 (single) beziehungsweise 7.100 (multi) Punkte.

Apple wird somit mit dem iPhone X das schnellste Handy auf dem Markt stellen. Von dieser Leistung machen unter anderem Spiele, Grafik-Bearbeitungs-Tools und Augmented-Reality-Anwendungen Gebrauch. Obwohl das Display der größte Verbraucher ist, dürfte zudem die Akkulaufzeit steigen. Apple verspricht eine zwei Stunden längere Laufzeit.

Top-Performance: Das iPhone X wird in Sachen Leistungsfähigkeit neue Maßstabe setzen – so wie seine Vorgänger.

Das iPhone X bekommt eine Dual-Kamera mit verbesserter Bildstabilisierung

Die Dual-Kamera hat Apple mit salonfähig gemacht und hält weiter an den Konzept fest. Diesmal ist sie aber nicht horizontal, sondern vertikal eingebaut. Optische Bildstabilisatoren stützen anders als beim iPhone 7 Plus diesmal beide Sensoren und nicht nur den Hauptsensor – mit dieser Technik hat aber Samsung beim Galaxy Note 8 vorgelegt.

Einschätzung: In unserer Bestenliste punktet das iPhone 7 längst nicht mehr mit der besten Fotoqualität. Aktuell setzt das HTC U11 hier den Bestwert. Apple sollte also handeln und zumindest aufschließen – schließlich ist Fotoqualität eines der Verkaufsargumente für Highend-Handys. Ob das iPhone X das leistet, bleibt abzuwarten. Das Handy bietet wie der Vorgänger 12 Megapixel auf beiden – allerdings verbesserten – Bildsensoren. Die Blendenzahlen von F1.8 und F2.4 klingen gut und lichtstark, aber nicht außergewöhnlich.

Apple hat seine Dual-Lens-Technik zudem weiterentwickel. So soll wohl die vertikale Anordnung die Erfassung von Tiefeninformationen erleichtern und Augmented-Reality-Anwendungen verbessern. Auf AR setzt Apple im Allgemeinen große Hoffnungen, wie die Kooperation mit Ikea zeigt. Tatsächlich hat die Technik das Zeug, über ein Gimmick hinauszukommen und etwa bei der Gestaltung von Innenräumen zu helfen (da man im Handyscreen mithilfe der Kamera sehen kann, wie ein neues Möbelstück in der eigenen Wohnung aussieht). Als Beispiel nennt Apple auch ein Baseballspiel, bei dem sich Nutzer die Namen der Spieler anzeigen lassen können; auch Sternenbilder des Nachthimmels bennent das iPhone X – live. Das klingt ganz nett.

Letztlich werden die Anwendungen darüber entscheiden, wie schnell AR-Features ein Kaufargument für User sein werden. Aktuell ist es noch eher eine Spielerei, wie das Android-Handy Asus Zenfone AR zeigt. Wir glauben aber, dass Apple das ändern kann.

Die neue Dual-Kamera soll bessere Fotos schießen – ob sie bei Dämmerlicht die Qualität des HTC U11 erreicht, wird unser Test zeigen.

Das iPhone wird sich kabellos laden lassen

Eine weitere Neuerung für iPhones: Apple ist Anfang des Jahres einem Konsortium für kabelloses Laden beigetreten und wird eine Induktionsladetechnik in das iPhone 8 und iPhone X integrieren.

Einschätzung: Bei früheren iPhones stand dem noch das Metallgehäuse im Weg, das iPhone X hat aber einen Body aus Glas, der kabelloses Laden ohne Probleme ermöglicht. Apple setzt auf den verbreiteten Qi-Standard, was vielversprechend klingt, da entsprechende Ladestationen und Matten recht verbreitet sind; man findet sie beispielsweise in Kaffees, modernen Autos, Ikea-Möbeln.

Frühere Gerüchte, nach denen Apple den Qi-Standard so modifiziere, dass nur noch entsprechende von Apple zertifizierte Ladegeräte und -stationen das iPhone X mit Energie versorgen können, haben sich nicht bewahrheitet. So soll jedes Qi-zertifizierte Ladegerät mit dem iPhone X kompatibel sein. Das ist ein sinnvoller Schritt.

Jetzt endlich: Apple springt mit dem iPhone 8 (im Bild) und iPhone X auf den Wireless-Charging-Zug auf.

Aua! Das iPhone X kostet bis zu 1.320 Euro

Puh, die Preise für das iPhone X sind wirklich heftig. Das iPhone X kostet mit 64 GByte Speicher stolze 1.150 Euro, für 256 GByte stehen sogar 1.320 Euro an. Ein 512 GByte Modell, das in der Gerüchteküche die Runde machte, existiert nicht. Schade, angesichts der Preise hätte so ein Mega-Speicher eigentlich drin sein müssen.

Einschätzung: Die Preise sind heftig und knacken die psychologisch wichtige 1.000-Euro-Grenze deutlich. Trotzdem wird das iPhone X Fans und Käufer finden, weil es exzellent ausgestattet ist und nach einigen Jahren eher langweiliger iPhone-Neuvorstellungen mal wieder außergewöhnlich aussieht. Apples Volks-Handy 2017 wird es aber wohl nicht werden, allein schon, weil der Hersteller laut Insider-Aussagen nicht die gewohnten Stückzahlen liefern kann. Angeblich hat Apple aufgrund rigider Qualitäts- und Produktionsansprüche nicht ausreichend OLED-Panels bekommen. Vielleicht geht das iPhone X deshalb erst am 27. Oktober in den Vorverkauf und am 3. November in den Direktverkauf. Unterm Strich ist das iPhone X somit in jeder Hinsicht ein Luxus-Produkt.

Der Preis des iPhone 7 ist derweil mittlerweile stark gesunken und mutet im Vergleich fast günstig an. Die besten Angebote ab 650 Euro finden Sie über unseren Preisvergleich.

Apple-Phones waren noch nie günstig: Diese Preise schießen den Vogel aber ab.