/Test: iPhone X: Apples Mega-Handy zeigt viel Licht und etwas Schatten im Test

Test: iPhone X: Apples Mega-Handy zeigt viel Licht und etwas Schatten im Test

iPhone X: Verkaufsstart und ausgepackt

Fazit

Mit dem iPhone X schlägt Apple eine neue Designrichtung ein. Technisch zeigt sich das iPhone im Test hingegen von einer gewohnten Seite: Die Performance ist herausragend, die Verarbeitung top und die Kamera von gewohnter Qualität. Auch das neue Display mit OLED-Technik weiß zu überzeugen, zeigt allerdings auch ein paar bisher von Apple unbekannte Schwächen.
Hinweis: Da der Test noch nicht abgeschlossen ist, hat das iPhone X noch keinen Bestenlisteneintrag und keine Tabelle mit Testergebnissen.

Vorteile
flotte Performance
gute Digitalkamera
Top-Verarbeitung
starkes OLED-Display…
Nachteile
…aber mit Blickwinkelproblemen

Einleitung

Auf kaum ein anderes iPhone haben Apple-Fans wohl sehnsüchtiger gewartet. Nun ist es da, das iPhone X – und es verspricht mehr von allem: bessere Kamera, mehr Performance und ein größeres Display, das für viele im Fokus liegen dürfte. Denn Apple bringt mit dem iPhone X nicht einfach ein neues Modell auf den Markt, sondern ein komplett überarbeitetes Gerät, das mit der Designtradition bricht. Selbst iOS tickt auf dem iPhone X etwas anders. Trotzdem gibt es auch viel Bekanntes – und das ist gut.

Das rundum erneuerte iPhone hat allerdings seinen Preis: Die Basisvariante mit 64 GByte kostet zum Testzeitpunkt 1.149 Euro, die Version mit 256 GByte 1.320 Euro. Ein 128-GByte-Modell gibt es vom iPhone X nicht. Das Smartphone ist in weiß und schwarz erhältlich.

Die Kamera steht deutlich ab.

Die neue iPhone-Generation

Das iPhone X ist nur zwei Monate nach dem iPhone 8 und iPhone 8 Plus auf den Markt gekommen, hält man die Geräte aber nebeneinander, könnte man glauben, es lägen Jahre zwischen den beiden Geräten. Die Gerüchte, das iPhone X hätte eigentlich erst 2018 auf den Markt kommen sollen, scheinen daher gar nicht so unwahrscheinlich. Am auffälligsten ist das fast rahmenlose Display – zu dessen Gunsten Apple auf den fast schon ikonischen Home-Button verzichtet hat. Auf den ersten Blick erinnert das iPhone X daher kaum noch an ein iPhone. Wer genauer hinblickt, erkennt allerdings eine kleine Hommage an die Anfänge der iPhone-Historie, denn das Smartphone übernimmt nicht nur die Rundungen der direkten Vorgänger, sondern erinnert mit seinem dezenten Metallrahmen auf charmante Weise auch an das erste iPhone-Modell.

Die Verarbeitung ist exzellent und das iPhone X fühlt sich in der Hand sehr geschmeidig an. Zudem ist der Rahmen nicht ganz so rutschig wie der der älteren Modelle. Gut gefallen uns auch die sanften Übergänge zwischen Display, Rahmen und Glasrückseite. Bei genauerer Betrachtung trübt auf der Vorderseite eigentlich nur der schmale Einsatz zwischen Glas und Metallrahmen das Gesamtbild – das hätte besser gelöst werden können, auch wenn der Übergang wirklich nur bei ganz genauer Betrachtung auffällt. Glas und hochglanzpoliertes Metall sehen aber nicht nur schick aus, beides sind auch echte Magneten für Fingerabdrücke. Wobei hier die dunkle Variante des Gerätes stärker als die weiße betroffen ist.

Die Kerbe fällt nach einigem Gebrauch kaum noch auf.

Starkes Display mit kleinen Schwächen

Das Highlight des iPhone X ist das Display, das mit 5,8 Zoll das bisher größte von Apple ist. Trotzdem bleibt das Modell aufgrund des bereits erwähnten Rahmens äußerst kompakt. Zum Vergleich: Das iPhone 8 Plus ist fast 14,8 Millimeter länger und 7,2 Millimeter breiter als das iPhone X, bietet mit 5,5 Zoll aber einen spürbar kleineren Screen. Neben der Displaygröße hat sich auch in puncto Auflösung einiges getan: Das iPhone X ist Apples erstes Smartphone, das mit 2.436 x 1.125 Pixel die Full-HD-Grenze durchbrochen hat. Entsprechend scharf sehen Schriften aus – auch wenn wir bei den anderen iPhones nie ernsthaft etwas zu bemängeln hatten. Die neue Auflösung bringt aktuell noch einen kleinen Nachteil mit sich, da Apps unter iOS keine dynamische Anpassung vornehmen. Das heißt, viele Apps müssen die Entwickler erst noch überarbeiten, damit oben und unten kein schwarzer Rand mehr entsteht.

Die Aussparung am oberen Rand, die von einigen auch schlicht “The Notch” (Die Kerbe) genannt wird, ist ein interessantes Designelement, das auch das Essential Phone von Android-Mitbegründer Andy Rubin nutzt. Anfangs lenkt diese Kerbe noch vom Inhalt ab, im Betrieb fällt sie aber bereits nach einem Tag Nutzung nicht mehr auf.

Ebenfalls neu: Apple setzt beim iPhone X auf OLED statt IPS, und vertraut hier auf Technik von Samsung, die bereits viel Erfahrung mit den organischen Leuchtdioden haben. In der Regel sind die Farben bei OLEDs kräftiger, die Kontraste höher und das Schwarz wirklich schwarz. Außerdem ist ein OLED-Screen minimal dünner als ein LCD. Wer nicht auf die poppigen Farben eines OLEDs steht, den können wir beruhigen: Die Farben sehen auf dem iPhone X sehr natürlich beziehungsweise neutral aus – für unseren Geschmack sogar etwas zu nüchtern. Im Test zeigt sich aber, dass der Screen nahezu 100 Prozent des sRGB-Farbraums abdeckt. Zum Vergleich: Das Samsung Galaxy Note 8 erreicht gerundet 150 Prozent. Die Display-Helligkeit des iPhone X liegt bei gemessenen 668 Candela pro Quadratmeter – das ist auch bei direkter Sonneneinstrahlung noch genügend Leuchtkraft.

Eine OLED-Krankheit erbt allerdings auch das iPhone: Bei seitlicher Betrachtung kommt es zu einer Farbverschiebung ins Bläuliche, die bei einem farbigen Hintergrund zwar kaum auffällt, bei einem weißen Screen, etwa beim Lesen von Texten, aber ziemlich stören kann. Noch gravierender fällt die Farbverschiebung beim standardmäßig aktivierten “True Tone” auf, bei dem das Display von Warmweiß zu Kaltblau kippt. Diesen Effekt konnten wir bei beiden uns zur Verfügung stehenden Testgeräten feststellen.

Die Verarbeitung ist erstklassig

Die neue Dual-Kamera mit zwei Bildstabilisatoren

Im iPhone X kommt zwar nicht Apples erste Dual-Kamera zum Einsatz, aber die erste, die für beide Sensoren einen optischen Bildstabilisator nutzt. Zudem ist die Offenblende von F2.8 auf F2.4 gestiegen, was für bessere Bildergebnisse bei schlechten Lichtverhältnissen sorgen soll. Gegenüber dem iPhone 8 Plus hat sich also einiges getan – zumindest theoretisch. Im Testlabor fallen die Unterschiede zum iPhone 8 Plus hingegen eher marginal aus. Die Bildqualität ist zwar insgesamt etwas besser geworden, würde man jemandem aber zwei Fotos nebeneinander legen, ohne zu verraten, welches Bild zu welchem Gerät gehört, dürfte es schwierig werden, die bessere Cam zu küren.

Neben der überarbeiteten Kamera gibt es auch einige neue Features, beispielsweise den Portrait-Modus, der jetzt nicht nur einfach den Hintergrund unscharf stellt, sondern auch einige Lichtmodi simulieren kann, darunter Studiolicht, Bühnenlicht und Konturenlicht – eine nette Spielerei, die insgesamt sehr gut, aber nicht immer fehlerfrei funktioniert, da die Filter gelegentlich zu stark oder an den falschen Stellen greifen. Allerdings befindet sich die Funktion noch im Beta-Stadium, so dass bis zum finalen Release einige Optimierungen möglich sind. Ebenfalls neu sind die Animojis, eine Art animierte Emojis, die die Bewegungen des eigenen Gesichts nachahmen.

Nervig: Die Kamera steht soweit ab, dass das iPhone auf dem Tisch liegend extrem kippelt. Abhilfe schafft hier eine Hülle, die exakt mit der überstehenden Kamera abschließt.

Portrait-Modi des iPhone X

Face ID statt Touch ID

Die Touch ID hat das Entsperren des iPhones ungemein bequem gemacht – kurz Finger drauf halten, fertig. Wir waren im Vorfeld skeptisch, ob die Gesichtserkennung genauso gut und zuverlässig funktioniert. Nach unserem Test können wir allerdings Entwarnung geben: Selbst in totaler Finsternis erkennt das iPhone X zuverlässig seinen Besitzer und entsperrt. Es spielt dabei auch keine Rolle, ob man eine Brille auf hat oder einen Hut trägt. Bei schlechten Lichtverhältnissen benötigt das iPhone X mit Face ID zwar einen ticken länger als Touch ID, aber das sind wirklich nur Bruchteile von Sekunden, die kaum ins Gewicht fallen. Bei Tageslicht bemerken wir in puncto Geschwindigkeit keinen Unterschied. Daran dürfte ein X-Feature beteiligt sein: Das iPhone aktiviert sich automatisch, sobald man es vom Tisch hebt oder aus der Tasche zieht, und beginnt sofort mit dem Scannen.

Das Kontrollzentrum und die App-Übersicht

iOS neu entdecken

Dem fehlenden Home-Button geschuldet musste Apple sein Bedienkonzept überdenken. Mit dem iPhone X navigiert es sich daher etwas anders als es iOS-Nutzer gewohnt sind. Gut ist, dass Apple bei der Einrichtung kurz auf die Neuheiten eingeht, so dass die Umstellung wirklich nur ein Akt von Minuten ist und nach einer kurzen Eingewöhnung locker von der Hand geht. Kurz zusammengefasst: Den Homescreen erreicht man mit einem Fingerwisch von unten nach oben. Zwischen den letzten Apps wechseln funktioniert mit der gleichen Wischbewegung, allerdings hält man hier den Finger in der Mitte des Screens etwas länger gedrückt. Alternativ wischt man zunächst nach oben und dann nach rechts. Das neu designte Kontrollzentrum hingegen öffnet man mit einem Fingerwisch von der oberen rechten Seite nach unten, und Mitteilungen von der linken oberen Seite.

Dicker Rahmen: Viele Apps müssen noch an die neue Auflösung angepasst werden.

Die Akkulaufzeit

Das iPhone X hat einen Akku mit 2.716 mAh, also etwas mehr als das iPhone 8 Plus. Die Laufzeiten sollen dabei vergleichbar bleiben. Da sich das iPhone X derzeit noch in unserem Laufzeittest befindet, können wir dazu aber noch nichts konkretes sagen. Wir werden den Test updaten, sobald wir die Testergebnisse vorliegen haben.

Manuel Schreiber

Manuel Schreiber

Für das CHIP Magazin schrieb Manuel Schreiber lange über Smartphones und Linux-Systeme, testete Software und vieles mehr. Heute verfolgt der stellvertretende Chefredakteur der Test und Kaufberatung bei CHIP den Smart Home-Trend.

DIE BELIEBTESTEN PRODUKTE

Mehr

Unsere Shopping-Gutscheine

Mehr

NEUE TESTS BEI CHIP ONLINE

Mehr