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Test: Google Pixel 2 XL (Handy)

Google Pixel Phones im ersten Check

Fazit vom 17.10.2017

Im Test nehmen es Googles neue High-End-Handys Pixel 2 und Pixel 2 XL mit dem iPhone 8 und Galaxy S8 auf. Die Performance der neuen Android-8-Referenzhandys ist hervorragend, überzeugt sind wir auch von der tollen Fotoqualität und den nahezu ruckelfreien Videos. Die Akkulaufzeit ist gut, aber nicht herausragend. Schade ist, dass sich der drucksensitive Rahmen fast nur für den Aufruf des Google Assistant einsetzen lässt. In Sachen Ausstattung und Leistung unterscheiden sich das Pixel 2 und Pixel 2 XL nicht, nur in der Displaygröße. Der Preis für beide Geräte liegt allerdings recht hoch.

Vorteile
Android 8 + Update-Garantie
Top-Leistung
Sehr gute Kamera
Nachteile
Hoher Preis
Kein Speicherkarten-Slot
Aktive Kanten nicht frei belegbar


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Pixel 2 und Pixel 2 XL: Ordentliche Screens

Das von HTC gefertigte Pixel 2 bietet wie sein Vorgänger Full-HD-Auflösung auf einer Diagonalen von 5 Zoll. Es zeigt sich mit recht großen Rändern ober- und unterhalb des Displays und wirkt gegenüber dem Galaxy S8 eher unaufgeregt. Durch die zweigeteilte Rückseite, die aus Alu und Glas besteht, ist der Look immerhin unverkennbar. Das größere Pixel 2 XL baut hingegen LG. Mit seinem schmaleren Rahmen und den runden Displayecken macht es mehr her. Es erinnert aber eher an das LG G6 als an das neuere LG V30, das noch etwas cooler aussieht. Das Pixel 2 XL fällt mit seinem 18-zu-9-Formfaktor entsprechend länger aus und bringt 2.880 x 1.440 Pixel auf 6 Zoll Diagonale. Die Darstellung beider Smartphones ist mit Pixeldichten von 443 ppi (Pixel 2) und 538 ppi (Pixel 2 XL) scharf.

Abseits des Displays unterscheidet sich das XL nicht viel vom “normalen” Pixel 2.


Das Vorgänger: Das Google Pixel XL im Test

Obwohl Google OLED-Panels einsetzt, stellen die Pixel-2-Phones einen verhältnismäßig kleinen Farbraum dar: Das Pixel 2 XL verwendet ein Panel von LG und deckt 124 Prozent des sRGB-Farbraums ab, das kleinere Pixel 2 mit Samsung-Display kommt sogar nur auf 116 Prozent. Damit ist die Farbdarstellung teils eingeschränkter als bei guten LC-Displays. Samsungs Galaxy-8-Modelle kommen gar auf knapp 150 Prozent, punkten also mit Pep und Differenzierungsvermögen. Trotzdem ist die Farbdarstellung der beiden Pixel-Phones gut. Zumindest, wenn man frontal auf den Screen schaut. Unser Testgerät des Pixel 2 XL hat allerdings eine schlechte blickwinkelabhängige Darstellung. Wer das Handy nur ein bisschen kippt, sieht weiße Hintergründe beim Surfen mit einem deutlichen Blaustich. Das ist schade, fließt bei uns aber nicht in die Wertung ein, da man das Handy meist passend vor das Gesicht hält.

Dafür strahlt der Screen des Pixel 2 XL mit rund 532 cd/m² heller als der des Pixel 2. Letzterer kommt auf 438 cd/m². Bei schönstem Sonnenschein ließen sich die Inhalte beider Bildschirme draußen aber noch ablesen.

Die Darstellung unseres Pixel 2 XL wird bei seitlichem Blickwinkel blaustichig.

Pixel 2 und Pixel 2 XL: Leistung und Akku

Beide Smartphones fühlen sich exzellent verarbeitet an. Google hat die Rückseite mit jeweils anderen Texturen versehen, das verändert die Haptik spürbar. Das schwarze Pixel 2 XL ist etwas angeraut und schön griffig, die helle Farbvariante fühlt sich glatter an – uns gefallen beide Varianten. Das kleinere Pixel 2 hat auf der Vorderseite einen abgeschliffenen Rahmen – also eine prägnante Kante – die XL-Version ist hier runder gefertigt. Was man  bevorzugt, ist Geschmackssache. Auf uns wirkt der Look des Pixel 2 XL etwas moderner, allerdings ohne die elegante Radikalität des iPhone X zu erreichen.

Das Pixel 2 XL liegt trotz seiner Größe ganz gut in der Hand.

Da der Fingerabdruckscanner auf der Rückseite unter der Kamera liegt, ist er für uns gut erreichbar. Er arbeitet schnell und zuverlässig. Auch die Performance der Geräte ist prima, denn Google stattet seine Android-8-Referenz-Smartphones mit Top-Hardware aus. Im Inneren der Alu-Unibodys steckt ein blitzschneller Snapdragon-835-Prozessor mit acht Kernen. In unseren Praxis-nahen Benchmarks rechnet das Pixel 2 (XL) in etwa so schnell wie andere Modelle mit diesem System-on-Chip. Ein PDF rendert es in sehr schnellen 1,6 Sekunden, die Testwebseite ist in 5,3 Sekunden geladen. Im Android-Ökosystem gehört das zu den Bestwerten – mehr Rechenpower hat nur das iPhone 8 zu bieten. Auch das praktisch native Android-8-System reagiert blitzschnell.

Die Akkulaufzeit ist gut und in etwa auf dem Niveau des Galaxy S8. Das Pixel 2 XL läuft in unserem Online-Test mit aktiviertem (aber leicht gedimmtem) Display gute 10:12 Stunden, das kleinere Modell erreicht 9:56 Stunden. Das sind ordentliche Werte, die Nutzer über den Tag bringen. Herausragende Akkulaufzeit sollten Fans aber nicht erwarten, so hält etwa das iPhone 8 noch 1,5 Stunden länger durch. Obwohl Google ein Schnelllade-Netzteil mitliefert, könnte zudem die Akkuladezeit etwas besser sein. Den 3.520-Milliamperestunden-Akku des Pixel 2 XL füllt das Netzteil in 167 Minuten, nur 4 Minuten schneller ist das Pixel 2 mit 2.700-mAh-Akku geladen. Andere Top-Modelle sind auch mal knapp 50 Minuten früher fertig.

Der Fingerabdruck-Scanner unter der Kamera ist gut zu erreichen.

Verbesserte 12-Megapixel-Cam mit Bokeh-Effekt

Wie die Vorgänger schießen auch das Pixel 2 und Pixel 2 XL Fotos mit etwas über 12 Megapixel Auflösung. Google hat die Bildsensoren aber verbessert und bietet diesmal unter anderem eine lichtstarke F1.8-Blende (vorher F2.0). Dank Dual-Pixel-Technik fokussiert die Cam im Übrigen sehr schnell.

Die Fotoqualität ist in unserem Test sehr gut und übertrifft insbesondere bei Dämmerlicht die fast aller anderen Smartphones unserer Handy-Bestenliste – Galaxy S8 und iPhone 8 eingeschlossen. Gegenüber dem Pixel 2 (XL) bei schwierigen Lichtbedingungen die Nase vorn hat nur das HTC U11. Obwohl HTCs Handy weiße Flächen eher “kalt” darstellt (also leicht bläulich) ist seine Detailtreue höher. Die Haare und der Zwirn in unserem Motiv zeigen also noch ein bisschen mehr Details. Die von uns gemessene Detailtreue liegt beim Pixel 2 (XL) bei 85 Prozent. Das HTC U11 kommt auf exzellente 90 Prozent. Diese Messung gibt an, wie hoch der negative Effekt des Weichzeichners ausfällt. Unterm Strich gehört die Fotoqualität des Pixel 2 (XL) also mit zum Besten, muss sich in unseren Testszenarien aber der des HTC U11 geschlagen geben.

Prima finden wir auch die Videostabilisierung. Wer Videos in Full-HD-Auflösung mit 60 Bildern pro Sekunde aufnimmt und sich dabei bewegt, darf sich über sehr geschmeidige und nahezu ruckelfreie Aufnahmen freuen. Clips, die man mit dem iPhone 8 Plus und dem Galaxy Note 8 aufzeichnet, ruckeln etwas stärker und leiden sichtbar unter den Schrittbewegungen des Handy-Besitzers.

Obwohl beide Pixel-2-Modelle nur eine einzelne Linse haben, steht trotzdem ein Portrait-Modus zur Verfügung, der den Hintergrund mit einem künstlichen Bokeh-Effekt verfremdet, um Motive im Vordergrund zu betonen. Der Portraitmodus arbeitet in unserem Test solide. Zwar verschmolzen feine Härchen am Hals und oft die Haare an der hinteren Hälfte des Kopfes mit dem Hintergrund, und an anderen Stellen ging die Schärfe über den Körper hinaus, doch die Aufnahmen sahen für uns dennoch brauchbar und recht gut aus. Zudem lässt sich der Portraitmodus auch bei Einsatz der Frontcam verwenden. Perfekt war die Qualität aber nicht. Dual-Lens-Systeme arbeiten zuverlässiger.

Trotz Single-Lens-System lassen sich mit der 12-Megapixel-Cam Portrait-Modus mit Unschärfe-Effekt erzeugen.


Das Vorgänger: Das Google Pixel XL im Test

Pixel 2 (XL) mit versteckter Taste

Eine Besonderheit der beiden neuen Pixel-Phones ist ein Feature namens „Active Edge“, für das sich Google offenbar bei HTCs U11 inspirieren ließ. Sowohl das Pixel 2 als auch das Pixel 2 XL hat einen drucksensitiven Rahmen, der als versteckte Taste fungiert. Um sie auszulösen, muss der Nutzer das Handy mit den Fingern umschließen und einmal kurz drücken. Das klappt bequem und problemlos, die nötige Druckintensität lässt sich zudem einstellen.

Standardmäßig ruft das Pixel-Phone dann den digitalen Assistenten Google Assistant auf, der sich wahlweise aber auch wie bisher per „OK, Google“-oder “Hey, Google”-Sprachbefehl wecken lässt. Alternativ schalten Nutzer über die aktive Kante das Smartphone stumm. Andere Optionen wie beispielsweise eine freie Belegung sieht Google leider nicht vor. Damit erinnert das Feature an Samsungs umstrittene Bixby-Taste. HTC bietet beim U11 mehr Möglichkeiten.

Pixel 2 uns Pixel 2 XL im Größenvergleich.

Android 8 mit kleinen Anpassungen

Auf dem Pixel 2 und Pixel 2 XL läuft Android 8 unter einer funktional optimierten Benutzeroberfläche, genannt Pixel-Launcher. Hier hat Google ein paar kleine Veränderungen vorgenommen. Die Google-Search-Box befindet sich nun auf der Unterseite des Screens, wo sie besser erreichbar ist. Wer hierüber sucht, bekommt sowohl lokale (Apps und Kontakte zum Beispiel) als auch passende Web-Suchergebnisse angezeigt.

Oben befindet sich ein Wetter-Widget, das zudem anstehende Kalendertermine anzeigt. Das klassische App-Menü lässt sich per Wischgeste nach oben ins Bild ziehen, andersherum klappt das leider nicht für das Info-Center. Dafür muss man weiterhin an den oberen Rand greifen und dann hinabwischen. Besonders bei langen Smartphones wie dem Pixel 2 XL ist das eher umständlich. Ein Problem, das sich das Pixel 2 XL mit vielen anderen großen Smartphones teilt, etwa dem Galaxy S8.

Herzstück der Phones ist neben ihrer starken Hardware der Google Assistent – ein digitaler Assistent wie Siri und Cortana. Die Spracherkennung und -steuerung funktioniert dabei sogar offline. Ein neues Feature ist die ununterbrochen arbeitende Musikerkennung. Sobald das Telefon eine bekannte Melodie erkennt, nennt es Künstler und Track auf dem Sperrbildschirm. Dieses Feature benötigt ebenfalls keine Internetverbindung, da sich die erforderlichen Daten auf dem Phone befinden. Und dank Always-On-Funktion muss der Nutzer das Handy für diese Infos nicht einmal aus dem Standby wecken. Das ist ein nettes Gimmick, dürfte aber für die wenigsten Nutzer ein Kaufargument sein – zumal das System nur ein paar Tausend Songs erkennt.

Google verlegt die Suchbox auf die Unterseite, wo sie besser zu erreichen ist.

Google Lens: Pixel 2 mit Bilderkennung

Nett ist auch Google Lens. Dabei handelt es sich um einen Bilderkennungsalgorithmus, der in Google Fotos integriert ist. Nach einem Tippen auf den entsprechenden Button scannt Google den Inhalt des Fotos und präsentiert zum Beispiel passende Infos zu Sehenswürdigkeiten und Gemälden. Bislang nicht integriert sind Produkt- und Gesichtserkennung. Aktuell lässt sich Google Lens zudem nur in der Foto-App einschalten, das Live-Vorschaubild der Kamera untersucht das Feature noch nicht. Hier ist Apple mit den Augmented-Reality-Funktionen des iPhone 8 ein bisschen weiter. Trotzdem könnte sich Google Lens als praktisch erweisen.

Der Google-Look ist unverkennbar. Das schwarze Modell fühlt sich etwas griffiger an, das mintfarbene glatter. Beide liegen gut in der Hand.

Pixel 2 und Pixel 2 XL: Preis und Release

Beide Handys haben übrigens keine klassische Kopfhörerbuchse mehr – ein Adapter gehört aber zum Lieferumfang. Auf der Vorderseite beider Modelle befindet sich ein Stereo-Lautsprecher, der einen guten Sound liefert und auch bei hohen Lautstärken nicht übersteuert. Wir hören ein bisschen Kanal-Trennung, aber der Bass könnte stärker sein. Kabelloses Laden wird nicht unterstützt.

Google-typisch verzichtet das Unternehmen bei seinen Android-8-Referenz-Smartphones auf einen MicroSD-Slot für Speichererweiterungen. Wenn Sie mit einem der Pixel-Modelle liebäugeln, sollten Sie sich daher vorab gut überlegen, welche Speichergröße die richtige für Sie ist. Im Test hatten wir jeweils die 64-GByte-Varianten. Zur Beruhigung: Google verspricht unendlichen Speicherplatz für Fotos in Originalauflösung in der Cloud. Alle wichtigen technischen Daten finden Sie in der Tabelle unten.

Für die gebotene Ausstattung verlangt Google hohe Preise. Das Pixel 2 kostet mit 64 GByte 799 Euro und mit 128 GByte 909 Euro. Für das Pixel 2 XL werden 939 Euro (64 GByte) beziehungsweise 1.049 Euro (128 GByte) fällig. Damit bewegt sich Google auf iPhone-8– und Galaxy-Note-8-Niveau.

Ungewöhnlich, selbst für Google, ist das Update-Versprechen. Denn das Pixel 2 und Pixel 2 XL sollen drei Jahre lang regelmäßig aktualisiert werden; das schließt monatliche Sicherheitsupdates ebenso wie jährliche Haupt-Aktualisierungen ein. Behält Google seinen Update-Zyklus bei, bedeutet dies, dass die neuen Pixel-Smartphones sogar noch Android 11 bekommen könnten. Zum Vergleich: Üblich sind bei (höherpreisigen) Android-Smartphones eine Update-Garantie von 18 Monate. Günstige Handys der Einstiegsklasse bekommen häufig sogar gar kein Update.


Das Vorgänger: Das Google Pixel XL im Test

Pixel 2 Pixel 2 XL

Display

5 Zoll, 1.920 x 1.080 Pixel (441 ppi), OLED, 16:9, Always-on-Funktion

6 Zoll, 2.880 x 1.440 Pixel (538 ppi), OLED, 18:9, Always-on-Funktion

Prozessor

Snapdragon 835, 8 Kerne, bis zu 2,35 GHz

Snapdragon 835, 8 Kerne, bis zu 2,35 GHz

Arbeitsspeicher

4 GB RAM

4 GB RAM

Nutzerspeicher

64 GB / 128 GB

64 GB / 128 GB

Rückkamera

12,2 Megapixel, 1,4-Mikrometer-Pixel, F1.8, optische + elektronische Bildstabilisierung, Dual-Pixel-Fokus, Portrait-Modus

12,2 Megapixel, 1,4-Mikrometer-Pixel, F1.8, optische + elektronische Bildstabilisierung, Dual-Pixel-Fokus, Portrait-Modus

Video

4K bis zu 30 fps, FullHD bis zu 120 fps, 720p bis zu 240 fps

4K bis zu 30 fps, FullHD bis zu 120 fps, 720p bis zu 240 fps

Frontkamera

8 Megapixel, 1.4-Mikrometer-Pixel, F2.4, Portrait-Modus

8 Megapixel, 1.4-Mikrometer-Pixel, F2.4, Portrait-Modus

Akku

2.700 mAh (nicht austauschbar, nicht kabellos ladbar)

3.520 mAh (nicht austauschbar, nicht kabellos ladbar)

Funk

WLAN AC, Bluetooth 5.0, LTE mit bis zu 800 MBit/s, NFC

WLAN AC, Bluetooth 5.0, LTE mit bis zu 800 MBit/s, NFC

Schnittstelle

USB-Typ-C 3.1 Gen1

USB-Typ-C 3.1 Gen1

Besonderheiten

Drucksensitiver Geräterahmen, Wasserdicht (IP67), Stereolautsprecher, aptX HD, LDAC

Drucksensitiver Geräterahmen, Wasserdicht (IP67), Stereolautsprecher, aptX HD, LDAC

System

Android 8.0 / drei Jahre Updates

Android 8.0 / drei Jahre Updates

Farben

Schwarz, Weiß, Blau

Schwarz, Weiß

Lieferumfang (u.a.)

Schnelllade-Netzeil, Adapter für USB-Typ-C-auf-Kopfhörerbuchse

Schnelllade-Netzeil, Adapter für USB-Typ-C-auf-Kopfhörerbuchse

Abmessungen

146 x 70 x 8 mm, 143g

158 x 77 x 8 mm, 175g

Preis

799 Euro (64 GB), 909 Euro (128 GB)

939 Euro (64 GB), 1.049 Euro (128 GB)

Release

Mitte Oktober

Anfang November