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Tesla Model S: Gebrauchtwagen-Test Der hat noch viel Energie

— 14.07.2017

Der hat noch viel Energie

Der Tesla Model S ist einer der begehrtesten Gebrauchten. Aber was taugt er im Alter? Der Gebrauchtwagen-Test klärt’s.

Einsteigen, den Wählhebel auf D ziehen, und schon summt das Model S davon. So einfach der Start beim Fahren ist, so locker schien er auch den Verantwortlichen bei Tesla gefallen sein. 2003 wurde die Marke gegründet, vor gerade einmal 14 Jahren. Seitdem geht es mit den Verkäufen steil bergauf. Seit Einführung der Oberklasse-Limousine Model S setzt Tesla so viele Autos ab wie nie. In Norwegen schaffte es der Model S teilweise auf Platz fünf der Zulassungen. Wohlgemerkt in einem Land, das eigenes Öl fördert und das mit seinem weitläufigen Straßennetz nicht gerade als Urmeter für urbanes Leben gilt. Ein Grund dafür liegt in der enormen staatlichen Förderung. Ein Model S kostet einen Norweger nicht mehr als ein Basis-Golf. Davon kann in Deutschland keine Rede sein. Ohnehin sind grundsätzlich nur 4000 Euro Kaufprämie drin. Und das gilt auch nur für Autos mit einem Basispreis bis 60.000 Euro – ein neuer Tesla Model S kostet aber ab mindestens 68.970 Euro. Keine Überraschung also, dass Firmen, die mieten, bei uns den größten Teil der Kundschaft ausmachen. Doch was passiert mit all diesen Leasingfahrzeugen, wenn sie nach ein paar Jahren zurückkommen?

Gebrauchtwagensuche: Tesla Model S

Tesla will die Preise für gebrauchte Model S senken

Unser Testwagen von privat hat in weniger als drei Jahren 212.000 Kilometer abgespult. Preis: 45.500 Euro.

Den größten Teil bietet der Hersteller selbst im eigenen Gebrauchtwagenpool an. Frisch gemacht fürs zweite Leben, erhalten die Fahrzeuge dort eine Vierjahres-Garantie bis 80.000 Kilometer. Jüngst hat Firmenchef Elon Musk als Reaktion auf die hohen Jahreslaufleistungen vieler Fahrer angekündigt, die Dauer auf zwei Jahre zu verkürzen. Dafür soll die maximale Laufleistung auf umgerechnet 160.000 Kilometer angehoben werden. Die Preise für gebrauchte Model S sollen spürbar gesenkt werden, um Kunden, die noch gut 18 Monate auf ihr Einstiegs-Modell 3 warten müssen, bei Laune zu halten. Am günstigsten geht es von privat. 45.500 Euro möchte Janusz Berghof aus Bremen für seinen Model S 85 aus dem Jahr 2014 haben. Das klingt nach einem Schnäppchen, hat aber seinen Grund. Stramme 212.000 Kilometer hat der Frankreichimport in weniger als drei Jahren zurückgelegt. Ein Frontschaden, auf den der Verkäufer fairerweise hinweist, wurde fachgerecht instandgesetzt.

Die Akkus erreichen noch 90 Prozent der Ursprungsleistung

Das Cockpit wird von einem 17-Zoll-Monitor dominiert. Die Verarbeitungsqualität wurde mit den Jahren besser, ist aber weit von deutschem Premium entfernt.

Viel ist von der Laufleistung nicht zu merken. Zwar zeigen ein paar Klappergeräusche und der wellige Beifahrersitzbezug, dass der Model S in den USA gefertigt wird und dass es zumindest bei der haptischen Qualität noch Verbesserungspotenzial gibt. Doch technisch überrascht der Tesla: Die Lithium-Ionen-Akkus haben kaum gelitten, erreichen noch mehr als 90 Prozent ihrer Ursprungsleistung. Bis die hin sind, hat jeder normale Verbrenner auch den Geist aufgegeben. Verschleiß an der Motor-/Getriebeeinheit ist nicht feststellbar, die E-Helfer funktionieren mit einer Ausnahme: Die Tür hinten links lässt sich nicht öffnen. Die Griffe fahren heraus, sobald sich der Schlüsselinhaber dem Wagen nähert, und versenken sich beim Anrollen automatisch. Streikt so ein schickes Wunderwerk, stehen 800 Euro auf der Rechnung und dem Besitzer der Hass auf moderne Technik ins Gesicht geschrieben. Da die mit den Jahren und nicht mit den Kilometern altert, wird es noch dauern, bis die Haltbarkeit eines Tesla abschließend geklärt ist.

Technische Daten: Tesla Model S
Motor Drehstrom-Asynchronantrieb
Ventile/Nockenwellen entfällt
Batterie 85-kW-Lithium-Ionen-Batterie
Leistung 270 kW (367 PS) bei 6000-9500 min
Drehmoment 440 Nm bei 0-5800/min
Höchstgeschwindigkeit 225 km/h
0–100 km/h 5,6 s
Reichweite 426 km (EPS)
Getriebe/Antrieb Einstufenautomatik
Länge/Breite/Höhe 4970/1964/1445 mm
Kofferraumvolumen 895-1645 l
Leergewicht/Zuladung 2108/482 kg

Für den Model S stehen die Zeichen gut. Zumal er sich mit viel Platz und Reichweite auch für Langstrecken empfiehlt. Da gibt’s auch Trost für den hohen Kaufpreis: Beim Gratisladen am Tesla-Supercharger auf Lebenszeit.

Was beim AUTO BILD-Testwagen aufgefallen ist, und auf welche Mängel Käufer beim Tesla Model S außerdem achten sollten, erfahren Sie in der Bildergalerie.

Autor:

Malte Büttner

Fazit

Zahlreiche Model S mit Mega-Laufleistungen zeigen: Dieser Newcomer hält auch im Alter. Zudem ist sein Antrieb deutlich wartungsfreundlicher als ein herkömmlicher Verbrenner. Sogar den Strom gibt’s umsonst. Die enorme Wertstabilität ist die logische Konsequenz.