/Südafrikanischer Pensionsfonds-Skandal: “Der Schaden wird immens sein”

Südafrikanischer Pensionsfonds-Skandal: “Der Schaden wird immens sein”

DW: Könnte Steinhoff sich mit Buchhaltungsbetrug beschäftigt haben und riskiert, seine Türen zu schließen?

Wolfgang Drechsler: Dass es Betrug gegeben hat, scheint jetzt eher offensichtlich zu sein. Aber das Ausmaß des Betrugs kam überraschend. Dass die Firma ein bisschen auf der zweifelhaften Seite war, war bekannt. Bevor dies passierte, stellten die Leute die Bilanzierungspraktiken von Steinhoff in Frage. Ihre Gewohnheit, sich in Ländern zu bewegen, bestimmte Aktivitäten außerhalb ihres offiziellen Gleichgewichts zu parken, diese wunderbaren Steuersätze zu haben.

Es gab viele Dinge, die die Leute in Frage stellten, dass etwas nicht stimmte. Zu meiner Überraschung, als ich Ende Oktober ein Interview mit dem Vorsitzenden Christo Wiese bekam und mich darauf vorbereiten musste, fiel mir sofort auf, wie viele ungelöste Fragen es gab. Ich habe mich mit einem Analytiker in Verbindung gesetzt, der mir von ihren Sorgen erzählt hat. Ich war einfach verblüfft, dass niemand über diese Dinge pfiff.

Also war es für mich keine Überraschung. Als Steinhoff am 6. Dezember ihre Ergebnisse veröffentlichte, wurden sie von den Wirtschaftsprüfern nicht zertifiziert. Das ist eine Katastrophe für ein Unternehmen. Dann weiß jeder Investor, dass etwas faul ist. Zu diesem Zeitpunkt ist ihr Aktienkurs in drei Tagen um 80 Prozent gesunken. Normalerweise kommen dann Leute und holen die Stücke, Opportunisten und so weiter. Steinhoff stürzte jedoch und blieb fast genau dort, wo er Anfang Dezember fiel.

Seitdem haben wir auf neue Prüfer gewartet, um das Ausmaß des Betrugs herauszufinden. Was war es? Wie tief geht es? Es ist wahrscheinlich zwei oder drei Jahre zurück, die neu gefasst werden müssen. Es könnte also enorm sein. Es gibt immer noch einen gewissen Wert in der Firma, aber niemand weiß, wie viel das ist. Und niemand weiß, wie groß die Schulden der Firma sind. Und deshalb könnte Steinhoff schließen, aber es ist unwahrscheinlich.

Das liegt daran, dass es unter den Unternehmen, die in den letzten 25 Jahren gekauft wurden, ernsthafte Vorteile hat. Die Aktien könnten sich also von ihrem derzeitigen Anteil verdoppeln oder verdreifachen. Das sind immer noch 80-85 Prozent weniger als bei Steinhoff Anfang Dezember, also wird es nur eine sehr teilweise Erholung geben, wenn überhaupt welche da sind.

Wolfgang Drechsler

Wolfgang Drechsler ist seit 1995 Afrikakorrespondent des Deutschen Handelsblattes

Pensionsfonds, nicht nur in Südafrika, sondern auch anderswo in Afrika, neigen dazu, in Unternehmen zu investieren, die eine langfristige Perspektive haben, in der Hoffnung, dass diese Unternehmen nachhaltig sein werden. Was passiert mit den Leuten, die viel Geld in Steinhoff investiert haben, und natürlich den armen Rentnern, deren Geld dort investiert wurde?

Das war schon immer ein Problem. Sie investieren in Rentenfonds, weil Sie darauf vertrauen, dass die Leute, die sie leiten, eine Vorstellung davon haben, was sie tun. Als ich zu Steinhoff schaute und mit einigen dieser Pensionsfondsmanager sprach, waren sich so viele Menschen gar nicht bewusst, was brodelte.

Normalerweise geht es gut, mit Firmen wie Steinhoff kann man viel Geld verdienen. Aber hin und wieder gibt es eine Firma, die Betrügereien begeht, und eine Aktie kann grundsätzlich schmelzen und verschwinden. Und dann gibt es nicht viel, was du tun kannst.

Natürlich gibt es bei Steinhoff noch einen gewissen Wert. Sie können das Unternehmen aufteilen, die Stücke verkaufen und dann einen Teil des Schadens zurückzahlen. Aber zuerst werden die geschuldeten Schulden, wie die Bank. Und dann werden die Pensionsfonds nur teilweise wiedereingezogen. Sie könnten 20 Prozent, 40 Prozent, zurückbekommen, wenn sie mehr als die Hälfte Glück haben. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Steinhoff jemals dem Wert des vergangenen Jahres nahe kommt. Das ist ein Risiko, das Sie eingehen, wenn Sie in Aktien investieren. Es ist kein Sparkonto.

Das Unternehmen beschäftigt mehr als 130.000 Menschen weltweit. Aus der Sicht der Dinge ist der potenzielle Verlust von Arbeitsplätzen enorm, nicht wahr?

Es könnte sein. Wenn Steinhoff seine Pforten schließt, könnten deutlich Zehntausende von Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren. Es ist eher unwahrscheinlich, dass solch ein katastrophales Ereignis eintreten wird, denn wie gesagt, es gibt immer noch Wert im Unternehmen. Erst kürzlich haben sie Poundland, eine große Gruppe in Großbritannien, übernommen. Sie erwarben einen großen Matratzenhersteller in den USA. So etwas machte sie zur großen Firma, die sie sind.

Sie sind nach IKEA das zweitgrößte Unternehmen der Möbelbranche. Es ist keine Firma, die nichts hat, wie Enron, der zu einem Knuspriges gebrannt hat. Mit Steinhoff wird das nicht so sein. Aber der Schaden wird immer noch immens sein.

Wolfgang Drechsler ist ein deutscher Journalist mit Sitz in Südafrika.

Dieses Interview wurde von Isaac Mugabi geführt. Es hat wurde zur besseren Übersicht bearbeitet.