/Studie: Dreiviertel der EU-Haushalte sind ans Breitbandnetz angeschlossen

Studie: Dreiviertel der EU-Haushalte sind ans Breitbandnetz angeschlossen

In Deutschland haben nach Angaben des Verkehrsministeriums mittlerweile zwei Drittel aller Haushalte Zugang zu besonders schnellem Internet mit mehr als 50 Megabit pro Sekunde.

(Bild: dpa, Jens Büttner)

Die EU pirscht sich langsam an ihr Ziel heran, dass bis 2020 alle Haushalte mit mindestens 30 MBit/s online gehen können. Laut aktuellen Zahlen lag die entsprechende Quote voriges Jahr bei knapp 76 Prozent; Portugal erringt die Glasfaserkrone.

Die EU-Kommission hat Ende voriger Woche die jüngste Studie zur Breitbandversorgung in den Mitgliedsstaaten und benachbarten Ländern veröffentlicht. Demnach können 75,9 Prozent der Haushalte in der Gemeinschaft einen Internetanschluss mit mindestens 30 MBit/s erstehen. VDSL ist dabei der große Treiber und allein für ein Plus von 7,1 Prozentpunkten verantwortlich. Über die auf dem Kupferkabel basierende Anschlusstechnik wird mit 48,2 Prozent knapp die Hälfte der europäischen Heime erreicht. Übers Smartphone können 96 Prozent der EU-Haushalte mit LTE-Geschwindigkeit mobil surfen, die Verbreitung der entsprechenden vierten Mobilfunkgeneration hat stark zugenommen.

Die jetzt publizierten Zahlen sind aber nicht mehr taufrisch, erhoben haben sie die Beratungsfirma IHS Markit und das Marktforschungsinstitut Point Topic bereits Ende Juni 2016 in den 28 Mitgliedsstaaten sowie in Island, Norwegen und der Schweiz. In der noch geltenden, allerdings schon etwas angestaubten digitalen Agenda der EU ist vorgesehen, bis spätestens September 2020 alle Haushalte mit mindestens 30 MBit/s zu versorgen. Mitte vorigen Jahres fehlten dazu folglich noch knapp 25 Prozent. Mittlerweile hat die EU-Kommission vorgeschlagen, die Marke zu erhöhen. Demnach soll bis 2025 jedem Haushalt ein Internetanschluss mit mindestens 100 MBit/s zur Verfügung stehen, der auf Wunsch auf 1 GBit/s aufgestockt werden kann.

Die Kluft bei der Breitbandabdeckung zwischen ländlichen und städtischen Gegenden schließt sich laut der Analyse langsam, bleibt aber deutlich spürbar. So konnten im Juni 2016 immer noch nur 39,2 Prozent der Haushalte auf dem Lande einen Breitbandanschluss nutzen. Das waren 9,5 Prozentpunkte mehr als in den zurückliegenden zwölf Monaten.

Die Krone bei der Durchdringung mit Glasfaseranschlüssen bis zu den Grundstücken mussten die baltischen Staaten Lettland und Litauen mit 85,2 beziehungsweise 81,4 Prozent an Portugal abgeben. Mit einem Wachstum von 10,7 Prozentpunkten während des zurückliegenden Jahres kletterte die Quote dort auf 86,1 Prozent, was in absoluten Zahlen gut 3,5 Millionen verfügbare Anschlüsse ausmacht. Die Schlusslichter mit einer “Fiber”-Abdeckung von 0,6 beziehungsweise 0,4 Prozent bildeten erneut Griechenland und Belgien. Großbritannien stand mit 1,8 Prozent nur etwas besser da. Für Deutschland weist die Statistik 2,9 Millionen verfügbare Glasfaseranschlüsse für Haushalte aus.

Provider setzen auf VDSL

Die günstigere VDSL-Variante bleibt der Liebling der Netzbetreiber in Europa, sie weist die größten Wachstumsquoten auf. In Italien etwa hat sich die entsprechende Penetration während der zwölf Monate vor dem Stichtag mehr als verdoppelt mit einem Plus von 33,5 Prozentpunkten. Auch Island, Deutschland, Ungarn und die Slowakei verzeichneten hier Zuwächse im zweistelligen Bereich.

Insgesamt konnten im Sommer vorigen Jahres hierzulande knapp 24 Millionen Haushalte einen VDSL-Anschluss nutzen, fast 40 Millionen einen einfachen DSL-Zugang. Über 25 Millionen Heimen stand ein Kabelanschluss mit Breitband-Internet zur Verfügung. Fast 39 Millionen Haushalte waren mit LTE abgedeckt. Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, dass bis 2018 flächendeckend Anschlüsse mit mindestens 50 MBit/s vorhanden sein sollen. Ob dies zu erreichen ist, wird vielfach angezweifelt.


(axk)