/Studie: Computerspiele könnten die Gedächtnisbildung beeinflussen

Studie: Computerspiele könnten die Gedächtnisbildung beeinflussen

Studie: Computerspiele könnten die Gedächtnisbildung beeinflussen


Daniel AJ Sokolov

Es hängt vom Lernverhalten ab, wie sich First-Person-Shooter (im Bild: Call of Duty) auf den Hippocampus auswirken.

(Bild: Screenshot)

Das Spielen von First-Person-Shootern kann laut einer Studie die Graue Substanz im Hippocampus schmälern oder vergrößern, je nach Spielertyp. 3D-Jump’n’Run-Spiele sind für beide Spielertypen förderlich.

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Computerspiele können das Gehirn trainieren und so dessen Leistung steigern, etwa im Bereich der Hand-Augen-Koordination. Eine kanadische Studie hat nun Korrelationen mit der Menge Grauer Substanz in jenen Bereichen des Gehirns gefunden, die mit Gedächtnisbildung in Zusammenhang gebracht werden. Computerspiele sind diesbezüglich weder gut noch böse: Die Veränderungen hängen davon ab, welche Art von Lernen die Spieler bevorzugen. Die Studie ist in der Fachzeitschrift Molecular Psychiatry erschienen.



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Die Forscher analysierten mit einem Magnetresonanztomografen die Gehirne von Probanden vor und nachdem sie für die Studie Computerspiele gespielt hatten. Die Teilnehmer neigten vor der Studie nicht zu Computerspielen. Um sich in den Spielen zurechtzufinden, setzten manche Spieler auf Reiz-Reaktion-Lernen: Sie merkten sich, welche Bewegungen zum Erfolg führten, beispielsweise Links-Links-Rechts-Links. Andere bevorzugten räumliches Lernen und orientierten sich an Objekten im virtuellen Raum, etwa an Bäumen oder Felsen.

First-Person-Shooter

Eine Probandengruppe spielte First-Person-Shooter wie Call of Duty. Bei jenem Teil der Spieler, die sich dabei auf Reiz-Reaktion-Lernen stützte, fanden die Forscher eine signifikante Korrelation mit einem Rückgang der Grauen Substanz im rechten Hippocampus. Der Hippocampus spielt bei der Überleitung vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis eine wichtige Rolle. Ein Rückgang der Grauen Substanz könnte also die Bildung von Erinnerungen erschweren. Dafür nahm die Graue Substanz in der Amygdala zu. Dieser Hirnteil ist an der emotionalen Bewertung von Situationen und der Gefahrenanalyse beteiligt.

Bei den sich räumlich orientierenden Spielern fanden die Forscher hingegen eine signifikante Zunahme der Grauen Substanz im linken Hippocampus, aber keine Veränderungen an der Amygdala. Die kanadischen Forscher schließen, dass es vom Lerntyp abhängt, ob das Spielen von First-Person-Shootern von Vor- oder Nachteil für den Hippocampus ist. Die Autoren glauben, mit dieser Erkenntnis widerstreitende Ergebnisse anderer Studien erklären zu können.

Jump’n’Run

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Eine andere Probandengruppe spielte 3D-Jump’n’Run-Spiele wie Super Mario 64. Unter den Reiz-Reaktions-Lernen gab es eine signifikante Zunahme der Grauen Substanz im rechten Hippocampus. Bei den räumlich Orientierten gab es unterdessen eine signifikante Zunahme der Grauen Substanz im rechten entorhinalen Kortex. Dieser Hirnteil ist eng mit dem Hippocampus verbunden und ebenfalls an der Gedächtnisbildung beteiligt. Ein Trend zu rückläufiger Grauer Substanz zeigte sich bei den Jump’n’Run-Spielern nicht.

Die Studie wurde vom Psychologieinstitut der Universität Montreal gemeinsam mit dem Psychiatrieinstitut der McGill-Universität durchgeführt. Sie heißt “Impact of video games on plasticity of the hippocampus”.


(ds)