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Streaming-Tipp: Warum man The Expanse gesehen haben muss

Streaming-Tipp: Warum man The Expanse gesehen haben muss


Fabian A. Scherschel

Drei Welten: Detective Miller, James Holden und Untersekretär Avasarala

(Bild: Netflix)

Auf Netflix läuft jetzt die zweite Staffel der Ausnahmeserie The Expanse. Wer auf harte Science Fiction, einfallsreiche Figuren und die unangenehmen Seiten der Raumfahrt steht, sollte sich diesen Streaming-Geheimtipp nicht entgehen lassen.

Beim Streaming-Dienst Netflix ist ab dem heutigen Freitag die zweite Staffel der Science-Fiction-Serie The Expanse verfügbar. Das im November 2015 in den USA angelaufene Weltraum-Drama ist hierzulande relativ unbekannt, für Weltraum-Nerds ist der Geheimtipp allerdings äußerst sehenswert. The Expanse bietet die wohl realistischste Darstellung der bemannten Raumfahrt in der nahen Zukunft im Fernsehen. Die Serie erzählt die Geschichte einer Eisfrachter-Crew, eines abgehalfterten Raumstation-Cops und einer knallharten UN-Politikerin, die unabhängig voneinander eine Verschwörung sonnensystemweiten Ausmaßes aufdecken.

George R. R. Martin trifft Alien

The Expanse basiert auf der gleichnamigen Buchserie von James S. A. Corey – das Pseudonym ist eine Kollaboration von Autor Daniel Abraham und dem Assistenten von George R. R. Martin, Ty Franck. Franck hatte das Setting für The Expanse eigentlich mal als MMORPG-Videospiel konzipiert, bevor er es für eine Pen-und-Paper-Rollenspielkampagne umfunktionierte. Franck ist nach wie vor dafür verantwortlich, die Hintergrundgeschichte der mittlerweile sechs Romane umfassenden Buchserie zu entwickeln. Die zweite Staffel der Serie erstreckt sich thematisch bis etwa zur ersten Hälfte des zweiten Buchs Caliban’s War (deutscher Titel: Calibans Krieg).

Obwohl die TV-Serie einige mehr oder weniger radikale Änderungen zu den Büchern enthält, erzählt sie doch die selbe Geschichte mit den selben Charakteren. Und vor allem macht sie sich die gleiche realistische Darstellung der Raumfahrt zu eigen. Es gibt keine künstliche Gravitation, keinen Warp-Antrieb und keine Laserwaffen. Raumkämpfe werden mit Kanonen, Railguns und nuklearen Torpedos geführt. Klemmende Türen werden altmodisch mit der Brechstange geöffnet. Die Darstellung erinnert zum Teil an die Arbeiterklasse-Raumfahrt der frühen Alien-Filme.

Flip and Burn

Schiffe müssen in der Serie dauerhaft in eine Richtung beschleunigen, um im Innern durch Massenträgheit für die Illusion von Gravitation zu sorgen. Auf der Hälfte der Route dreht sich das Schiff dann mittels Manövriertriebwerken (der sogenannte “Flip and Burn”), um auf dem Rest des Weges durch Abbremsen Gravitation in die Gegenrichtung zu erzeugen. Begrenzt wird die maximale Geschwindigkeit der Schiffe im Transit und bei Raumkämpfen durch die G-Kräfte, die auf die Besatzung wirken. Ein fiktiver Drogencocktail (“the juice”) hilft den Besatzungen dabei, Manöver mit besonders hohen G-Kräften zu überleben.

Angesichts dessen spielt The Expanse zunächst auch nur in unserem Sonnensystem, da bei diesen Geschwindigkeiten ein Transit von der Erde zu den Ringen des Jupiter mehrere Monate dauert. Daraus ergeben sich auch die Machtkonstellationen, die den Hintergrund der Geschichte bilden. Auf der einen Seite steht der von einer UN-Zentralregierung kontrollierte Planet Erde mit seinen Außenposten auf dem Mond. Der Mars hingegen ist als Kongressrepublik eine unabhängige und der Erde militärisch überlegene Macht. Den dritten Pol bilden die sogenannten Belter (im Deutschen etwas plump als “Gürtler” übersetzt), die verarmt im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter leben.

Trailer zur zweiten Staffel

Weltraum-Cop und Eisfrachter-Mechaniker

Die größte Station der Belter ist der ausgehöhlte Asteroid Ceres, der unter dem Schutz der UN-Regierung auf der Erde steht. Dieser wurde mit Hilfe riesiger Schubdüsen in Rotation versetzt, um für Fliehkräfte zu sorgen und schwache Gravitation zu simulieren. Hier spielt ein Großteil der ersten Staffel der Serie. Detective Miller, Privatpolizist auf der Station, deckt hier mehr oder weniger durch Zufall nach und nach eine Verschwörung auf, die alle Großmächte des Sonnensystems gegeneinander in Stellung bringt. Miller (gespielt von Thomas Jane), der eigentlich nur die verschwundene Milliardärstochter Julie Mao (Florence Faivre) auftreiben und die Belohnung ihrer Eltern kassieren will, rutscht so in ein militärisches Komplott hinein, in das auch UN-Untersekretär Chrisjen Avasarala (Shohreh Aghdashloo) und die Crew eines heruntergekommenen Eisfrachters verwickelt sind.

Durch die Zerstörung des Eisfrachters kommen die Überbleibsel von dessen Crew über Umwege in den Besitz eines marsianischen Kampfschiffes. Dieses Schiff wird, in Anlehnung an Don Quixote umgetauft als Rocinante, zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Parallel zu Detective Miller entdeckt dessen Captain James Holden (Steven Strait) nämlich ebenfalls merkwürdige Vorkommnisse, die sich beim späteren Austausch mit Miller zu einem Gesamtbild des Grauens zusammenfügen. Die erste Staffel endet damit, dass die Crew der Rocinante, zusammen mit Miller, das ganze Ausmaß der Verschwörung aufdeckt. In der zweiten Staffel machen sie sich dann daran, dieses Problem zu lösen. Wodurch sich ganz neue menschliche und technologische Abgründe auftun.

Langer Atem wird belohnt

Ist die erste Staffel eine langsame, fast im Stile eines Spaghettiwestern oder Noir-Detektivromans erzählte Kriminalgeschichte, so nimmt die zweite Staffel deutlich an Fahrt auf. Die 13 Folgen der zweiten Staffel lassen sich genau wie die erste Staffel wohl am besten am Stück binge-watchen. Wer sich vom langsamen Start nicht verschrecken lässt und der Serie eine Chance gibt, wird dafür mit einer ausgefallenen Geschichte, interessanten Charakteren und einer wirklich Innovativen Darstellung der nahen Zukunft belohnt. Man sollte auf jeden Fall bis zum Staffelfinale der ersten Staffel durchhalten. Diese Folge hat erst vor kurzem den prestigeträchtigen Hugo-Preis gewonnen. Und wer nach Staffel 2 auf mehr Expanse hofft, der sei beruhigt: Staffel 3 wird momentan gefilmt.


(fab)