/Small Scale DAB: Digitalradio im kleinen Maßstab

Small Scale DAB: Digitalradio im kleinen Maßstab

Small Scale DAB: Digitalradio im kleinen Maßstab


Jan Mahn

Im rheinland-pfälzischen Bretzenheim bei Bad Kreuznach ist der Versuchsbetrieb für die erste DAB-Ausstrahlung mit kleinen Sendeanlagen und Open Source-Technik gestartet. Das Konzept “Small Scale DAB” soll Digitalradio für kleine Sender attraktiv machen.

Quelloffene Software der Initiative opendigitalradio.org bildet zusammen mit kommerziellen DAB-Verstärkern das Herzstück für Deutschlands erste dauerhafte Digitalradio-Ausstrahlung, die nicht von einer Sendeanlage der großen Betreiber kommt. Der katholische Pfarrsender Studio Nahe sendet über eine Anlage auf dem eigenen Kirchturm mit einer Sendeleistung von 100 Watt ERP (effektive Strahlungsleistung) – über jedes DAB+-Radio kann der Sender mit einer Bitrate von 128 kbit/s empfangen werden.

Günstiger Einstieg ins Digitalradio

Das Konzept trägt den Titel “Small Scale DAB” und soll das Digitalradio für kleine Sender attraktiver machen. Statt das Sendesignal über die Betreiber der großen Funktürme ausstrahlen zu lassen, sollen kleine Sendeanlagen zum Einsatz kommen. Die Encodierung, den DAB-Multiplex und die Modulation übernimmt Open-Source-Software. Bei den Sendeendstufen handelt es sich um kommerzielle Geräte. Die Kombination soll Radiosendern die Möglichkeit bieten, ihr Programm für rund 200 Euro im Monat zu verbreiten. Auf einer Facebookseite berichten die Betreiber über ihre Arbeit an der Sendetechnik.

Genehmigt ist der Testbetrieb in Bretzenheim zunächst für ein halbes Jahr. Anschließend plant die Landeszentrale für Medien und Kommunikation, die Lizenzen offiziell auszuschreiben. Bis zu 16 Sender können parallel über die Anlage ausgestrahlt werden.

Weitere Sender geplant

Noch in diesem Jahr sollen auch in Sachsen Small-Scale-DAB-Sender in Betrieb gehen. Die Sächsische Landesmedienanstalt hatte im März die Ausschreibung entsprechender Lizenzen beschlossen. Das Digitalradio DAB+ erreichte Ende 2016 knapp fünf Millionen Haushalte, das sind 12,6 Prozent aller Haushalte in Deutschland. Die dezentrale Strategie soll eines der Hauptprobleme der digitalen Sendetechnik lösen: Die Kosten für DAB+ sind für kleine private Sender zu hoch und standen bisher einer weiten Verbreitung im Weg.


(jam)