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Skoda Octavia RS Combi: Test Papas Renner

— 26.07.2017

Papas Renner

Der Skoda Octavia RS ist schnell – und als Kombi ist er praktisch. Für Väter mit Benzin im Blut könnte er eine Sünde wert sein.

Wer schnell sein will, muss warten. Von null auf 100 km/h in unter sieben Sekunden – dagegen steht eine Geduldsprobe von mehreren Monaten. Jedenfalls bei Skoda. Ein Octavia RS ist nämlich heiß begehrt, ärgert Interessenten wegen einer ewig langen Lieferfrist. Viel Zeit für Sehnsucht. Lohnt das?

Beim Komfort muss man ein paar Abstriche machen

Licht und Schatten: Der Octavia RS federt erwachsen, die harten Reifen rollen aber laut und unsanft ab.

Wir meinen: Wer Spaß an Autos hat und trotzdem noch etwas “vernünftig” tickt, liegt mit dem 230 PS starken Tschechen genau richtig. Denn das aktuell stärkste Modell verknüpft einen sehr ordentlichen Kompaktkombi (inklusive 1740 Liter maximalem Gepäckraumvolumen) mit der Spaßmaschine des VW Golf GTI (ein 2.0-TSI-Vierzylinder). Macht für den Sechsgang-Handschalter 247 km/h Spitze und reichlich Durchzugskraft. Der Zweiliter zerrt so heftig am Kombi, dass es mächtig Laune macht, aber auch immer mal wieder unflätig im Lenkrad zupft – die 350 Nm Drehmoment setzen den vorn angetriebenen Rädern ordentlich zu. Etwas widersprüchlich auch der Komfort. Zwar federt der Skoda sehr erwachsen, gleichzeitig rollen die harten Reifen unsanft ab und produzieren eine Menge Geräusche.

Der TSI braucht immer eine kurze Anlaufphase

Klassische Charakteristik: Der Zweiliter-Turbo nimmt seine Arbeit stets ein wenig verzögert auf.

Den sehr kultivierten und gleichzeitig drehfreudigen Motor hört man bei Teillast dagegen kaum. Steht der Fahrmodus auf “Sport” (gegen 1015 Euro Aufpreis lassen sich drei Voreinstellungen von Gaspedalreaktion, Lenkgefühl, Dämpferansprechverhalten und Co abrufen), gibt das Auto ein kerniges Grollen von sich. Typisch Turbo: Stets nimmt der Zweiliter-Vierzylinder seine Arbeit leicht verzögert auf – das wirkt unmodern zweistufig. Zum Ausgleich läuft der TSI relativ sparsam (auf Landstraßen haben wir 6,1 Liter auf 100 Kilometer gemessen). Auch die Bremsen arbeiten tadellos, das Fahrverhalten stufen wir als nahezu narrensicher ein – speziell beim Ausweichen verhält sich der RS sehr trittsicher. Dank VW-Plattformtechnik stehen für den Octavia reichlich Assistenzsysteme bereit. Allerdings: So gut wie nichts davon baut Skoda ab Werk ein. Beispiel: Spurhalter und -warner kosten 720 bzw. 360 Euro. Das treibt den Preis – der eh schon bei mindestens 31.590 Euro liegt. Papas Albtraum!

Fahrzeugdaten Skoda
Modell Octavia Combi RS 2.0 TSI
Motor Vierzylinder, Turbo
Einbaulage vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4/2
Nockenwellenantrieb Zahnriemen
Hubraum 1984 cm³
kW (PS) bei 1/min 169 (230)/4700
Nm bei 1/min 350/1500
Vmax 247 km/h
Getriebe Sechsgang, manuell
Antrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/40 R 18 Y
Reifentyp Bridgestone Potenza S001
Radgröße 7,5 x 18″
Abgas CO2 149 g/km
Verbrauch* 7,9/5,5/6,5 I
Testverbrauch
Sportverbrauch** 13,4 l/100 km
Testrunde*** 8,4 l/100 km
Sparverbrauch**** 6,1 l/100 km
Tankinhalt 50 l/Super
Partikelfilter
Kältemittel R1234yf
Vorbeifahrgeräusch 75 dB(A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1600/720 kg
Kofferraumvolumen 610–1740 l
Länge/Breite/Höhe 4689/1814–2017/1452 mm
Grundpreis 31.590 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km (Herstellerangabe); ** 54 km Autobahn, davon 20 km Vollgas; *** Durchschnitt der 155-km-Testrunde von AUTO BILD; **** 101 km Stadt und Land mit wenig Gas
Messwerte Skoda
Beschleunigung
0–50 km/h 3,0 s
0–100 km/h 6,9 s
0–130 10,5 s
0–160 km/h 15,4 s
Elastizität
60–100 km/h 4,7/6,0 s (4./5. Gang)
80–120 km/h 6,2/7,9 s (5./6. Gang
Leergewicht/Zuladung 1447/486 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 57/43 %
Wendekreis links/rechts 11,1/11,3 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 36,4 m
aus 100 km/h warm 36,2 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 58 dB(A)
bei 100 km/h 65 dB(A)
bei 130 km/h 69 dB(A)
Testverbrauch – CO2 8,4 l -199 g/km
Reichweite 590 km


Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Die Fahrleistungen sprechen für sich. Gleichzeitig bereitet die Agilität viel Fahrfreude. Quasi wie nebenbei spielt der RS als Kombi auch noch den Alltagshelden. Nur als Schnäppchen überzeugt er nicht.

Autoren: Jan Horn, Mirko Menke