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SESAME: Nahöstlicher Teilchenbeschleuniger nimmt die Arbeit auf

SESAME

Blick in den Ring

(Bild: Caraban Gonzalez, Noemi, © 2016-2017 CERN)

In Jordanien arbeitet mit dem Teilchenbeschleuniger SESAME nun ein Forschungsprojekt von historischer Tragweite. Wissenschaftler aus politisch verfeindeten Staaten forschen hier gemeinsam.

SESAME, der erste Teilchenbeschleuniger im Nahen Osten, hat seine wissenschaftliche Arbeit aufgenommen. Wie die Verantwortlichen mitteilten, wurden am Mittwoch die ersten monochromatischen Röntgenstrahlen registriert, mit denen nun verschiedene Experimente durchgeführt werden. Als nächstes soll ein Experiment in Betrieb genommen werden, das entstehende Infrarotstrahlung für Analysen nutzbar macht, bevor dann 2018 eine dritte sogenannte Strahllinie hinzukommt. Die soll für Materialwissenschaften genutzt werden. Noch habe die gesamte Anlage aber auch nicht ihre volle Leistungsfähigkeit erreicht, der nun erfolgte Schritt sei deshalb auch nur einer in einer noch langen Reihe.

Das Synchrotron-light for Experimental Science and Applications in the Middle East ist ein Elektronen-Synchrotron. Anders als etwa im CERN nutzen die Wissenschaftler hier nicht den Strahl selbst für ihre Forschung. Stattdessen wird die von den kreisenden Elektronen abgegebene Strahlung in angeschlossene Experimente geleitet. Bei denen geht es nun um Forschung zu Umweltverschmutzung und öffentlicher Gesundheit, aber auch zu neuen Krebstherapien. Auch historische Forschung ist vorgesehen– von Bioarchäologie bis zur Analyse alter Manuskripte. Rolf Heuer, der Präsident des SESAME-Rats und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, gratulierte dem Team nun zu diesem “wunderbaren Meilenstein”. SESAME sei eine großer Beitrag zur Forschungsinfrastruktur der Region, der den Wissenschaftlern dort Zugang zu einer Einrichtung erlaube, für die sie vorher nach Europa oder in die USA reisen mussten.

Die Anlage war im Mai von Jordaniens König Abdullah II. eingeweiht worden. In dem von der UNESCO initiierten Projekt kooperieren gleich mehrere Staaten der Region, die politisch verfeindet sind, deren Wissenschaftler nun aber Seite an Seite in der Forschungsanlage arbeiten können. Offiziell beteiligt sind derzeit neben Jordanien noch Zypern, Ägypten, der Iran, Israel, Pakistan, die Palästinenserbehörde und die Türkei. Als Beobachter der unabhängigen Betreiberorganisation fungieren unter anderem die EU, Deutschland, Russland und die USA. Wichtige Elemente des Synchrotrons stammen von dem ehemaligen Berliner Ring BESSY I. Für den Betrieb in Jordanien wurde die Anlage aber aufgerüstet worden. In der sollen Elektronen auf eine Energie von 2,5 GeV beschleunigt werden. Das geschieht in dem 133 Meter langen Ring.


(mho)