/Ridesharing im Taxi: Apps vermitteln Mitfahrer für die Fahrt durch Hamburg

Ridesharing im Taxi: Apps vermitteln Mitfahrer für die Fahrt durch Hamburg

MyTaxi

(Bild: dpa, Daniel Reinhardt)

In der Hansestadt können Fahrgäste mit den Apps von Mytaxi und Hansa-Taxi nun ihre Fahrten mit einem Mitfahrer teilen – wenn sich jemand findet, versprechen die Anbieter Einsparungen von bis zu 50 Prozent.

In Hamburg können Taxikunden ab sofort ihre Fahrt mit einem Mitfahrer teilen. Das inzwischen zum Daimler-Konzern gehörende Startup Mytaxi und die Hamburger Taxigenossenschaft Hansa haben jeweils ihre Smartphone-Apps um eine neue Funktion erweitert, mit der sich zwei Kunden mit ähnlicher Strecke eine Taxifahrt und den Fahrpreis teilen können. Mytaxi hatte die neue Funktion zuerst in Warschau getestet und bringt sie nun nach Deutschland. Nach Hamburg sollen weitere Städte folgen, Mytaxi führt dazu mit den zuständigen Behörden Gespräche über nötige Sondergenehmigungen.

„Mytaximatch” heißt die Funktion bei Mytaxi. Bei der Bestellung eines Taxis in der App gibt der Fahrgast sein Ziel und den Wunsch nach einem Mitfahrer an. Wenn sich innerhalb etwa einer Minute ein zweiter Passagier findet, der eine ähnliche Strecke fahren will, bringt die App beide zusammen. Findet sich zunächst kein Mitfahrer, versucht die App es weiter, während der Fahrer auf dem Weg zum ersten Auftraggeber ist.

Bei einer erfolgreichen Mitfahrervermittlung müssen beide den einen oder anderen Schlenker in Kauf nehmen. Jeder Fahrgast zahlt dann nur für seinen Anteil an der Gesamtstrecke. Dahinter steckt ein mehrstufiger Algorithmus, erklärte Produktchef Torben Bursinski am Montag in Hamburg. In der Summe muss der vom Taxameter ermittelte Fahrpreis zusammenkommen, das gibt die Tarifordnung vor. Bei der Aufteilung zwischen den Fahrgästen würden unter anderem Fahrstrecke und die anfallenden Umwege gewichtet, erläuterte Bursinski. Doch auch wenn die geteilte Fahrt möglicherweise etwas länger wird als alleine soll das Einsparpotenzial bei 30 bis 50 Prozent des normalen Fahrpreises liegen.


Bei der Buchung wird angegeben, ob man einen Mitfahrer haben will, die App sucht dann nach einem Match.

Bei der Buchung wird angegeben, ob man einen Mitfahrer haben will, die App sucht dann nach einem Match.

(Bild: Mytaxi
)

Bereits am Sonntag hatte die Hamburger Taxigenossenschaft Hansa ihre App mit so einer Funktion nachgerüstet. Hier können die Fahrgäste in der App die Option „Shared Ride” wählen, um nach Mitfahrern zu suchen. Auch bei Hansa zahlt jeder Fahrgast nur für seinen Anteil an der Strecke. Es könne allerdings etwas dauern, bis das Angebot bekannt werde und ausreichend Kunden die neue Funktion nutzen wollen, sagte Hansa-Vorstand Thomas Lohse dem Hamburger Abendblatt.

Um solche Anlaufschwierigkeiten zu überbrücken, verteilt Mytaxi in der Anfangsphase Gutscheine über einen Anteil des Fahrpreises, wenn ein gewünschtes Match nicht zustande kommt. In den ersten Monaten bekommen auch die Fahrer einen Bonus von 4 Euro pro Fahrt. Der Anbieter will damit Befürchtungen der Taxifahrer begegnen, dass ihnen durch den Service Einzelfahrten und Grundgebühren entgehen. Mytaxi-Geschäftsführer Alexander Mönch verweist in diesem Zusammenhang auf mögliche doppelte Trinkgelder. Fahrer müssen sogenannte Match-Touren auch nicht annehmen.

Die Gutscheinaktionen und Rabatte, mit denen Mytaxi neue Kunden wirbt, haben in der Vergangenheit für Streit mit den Taxigenossenschaften gesorgt. Genossenschaften und Taxiunternehmen sind an den Taxitarif gebunden und dürfen selbst keine Rabatte anbieten. In den Rabattaktionen von Mytaxi sieht das Taxigewerbe deshalb eine rechtlich unzulässige Rabattierung des von den Behörden vorgegebenen Taxitarifs. Das Unternehmen hält dem entgegen, dass der Taxifahrer den vollen Fahrpreis erhält und Mytaxi seinem Kunden einen Zuschuss zahlt.

Deutsche Gerichte haben das unterschiedlich beurteilt: Während das Landgericht Hamburg im September 2015 in solchen Rabattaktionen kein Problem sah (Az: 312 O 225/15), hält das Oberlandesgericht Frankfurt die Praxis in seinem Urteil vom Februar 2017 für einen Wettbewerbsverstoß, selbst wenn der Fahrer den regulären Fahrpreis erhält (Az. 6 U 29/16). Diesem Urteil des OLG will Mytaxi entsprechen, indem es seine Rabattaktionen auf Wunsch auch für Taxifahrten anbietet, die nicht über die eigene App gebucht wurden. Fahrgäste können ihre Belege unter bestimmten Bedingungen schriftlich bei Mytaxi einreichen.


(vbr)