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Rettungsgasse bilden: Strafen vermeiden im Stau Rettungsgasse: So geht’s richtig

— 22.09.2017

Rettungsgasse: So geht’s richtig

Eine Rettungsgasse bahnt Helfern schnell den Weg und kann Leben retten. Wer nicht mitmacht, dem drohen bald hohe Strafen. Alle Infos zum Verhalten bei Stau.




‘Wissen Sie, wie eine Rettungsgasse funktioniert?’

(dpa/kbe/cj) Eine Rettungsgasse nach einem Unfall kann Helfern entscheidend die Arbeit erleichtern und dadurch sogar Leben retten. Doch immer wieder halten sich Autofahrer nicht daran und sorgen für lange Verzögerungen. Damit soll nun Schluss sein – dank empfindlicher Geldbußen. Wer bei Bedarf keine Notgasse bildet, muss künftig bis zu 320 Euro zahlen und mit einem Monat Fahrverbot rechnen (siehe unten). Generell sind bald mindestens 240 Euro und ein Monat Fahrverbot fällig, wenn Autofahrer Einsatzwagen mit Blaulicht und Einsatzhorn nicht sofort freie Bahn verschaffen – auch unabhängig von einer Rettungsgasse.

Aber wie verhalte ich mich als Autofahrer richtig beim Bilden einer Rettungsgasse auf Autobahnen oder Schnellstraßen? Wo muss sie gebildet werden, wenn die Straße zwei, drei oder gar vier Spuren hat? Und wann muss überhaupt eine Rettungsgasse gebildet werden? Wo passieren häufig Unfälle, was ist bei Stau zu beachten? Hier kommen die Antworten:

Wie wird eine Rettungsgasse gebildet?
Welche Strafen drohen bei Behinderung der Rettungsfahrzeuge?
Unfallgefahr am Stauende
FAQ: Alles zum Thema Stau

Wie wird eine Rettungsgasse gebildet?

Autos auf dem linken Fahrstreifen fahren so weit wie möglich an den linken Fahrbahnrand, alle anderen fahren auf ihrer Spur möglichst weit nach rechts. Die Rettungsgasse wird also immer zwischen der linken Spur und der rechten daneben gebildet, egal, ob die Straße zwei, drei oder sogar vier Spuren hat. Ein ADAC-Video zeigt, wie es geht:

Welche Strafen drohen bei Behinderung der Rettungsfahrzeuge?

Wer sich nicht an diese Regel hält und dadurch Rettungseinsätze behindert und verzögert, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Der Bundesrat beschloss am 22. September 2017 drastisch härtere Maßnahmen gegen Rettungsgassenmuffel. Wer bei stockendem Verkehr etwa auf einer Autobahn keine Notgasse bildet, muss statt bisher 20 Euro künftig mindestens 200 Euro berappen – im schwersten Fall sogar 320 Euro verbunden mit einem Monat Fahrverbot. Laut veränderter Bundesverordnung sollen zudem generell mindestens 240 Euro und ein Monat Fahrverbot drohen, wenn Autofahrer Einsatzwagen mit Blaulicht und Einsatzhorn nicht sofort freie Bahn verschaffen – auch unabhängig von einer Rettungsgasse.

Unfallgefahr am Stauende

Sobald das Stauende in Sicht kommt, sollte per Warnblinker der nachfolgenden Verkehr gewarnt werden.

Bei Staus gibt es immer wieder tödliche Auffahrunfälle mit Lkw. Erster Impuls vieler Autofahrer, um nicht von einem Brummifahrer übersehen zu werden: von der rechten auf die linke Spur wechseln. Das ist allerdings keine gute Idee, so eine ADAC-Sprecherin: “Das kann schnell zu gefährlichen Manövern führen.” Wenn das Navi, automatische Schilder oder das Radio vor Staus warnen, sollten Autofahrer das ernst nehmen und hinter jeder Kurve mit dem Stauende rechnen. Das heißt: Tempo anpassen, auf den Sicherheitsabstand achten – und wenn das Stauende in Sicht ist, den Warnblinker einschalten und möglichst sanft abbremsen. Wer auf einen Stau zufährt, sollte immer genug Platz zum Vordermann lassen. “Dann kann man im Notfall noch reagieren und auf den Standstreifen ausweichen, falls das nachfolgende Fahrzeug nicht bremst”, so der ADAC-Sprecher. Deshalb sollten Autofahrer dabei stets den Rückspiegel im Blick behalten.

FAQ: Was Sie über Staus wissen sollten

Zehn bis 20 Prozent der Staus entstehen durch Autofahrer, die sich falsch verhalten.

Jeder Autofahrer kann dazu beitragen, dass es erst gar nicht zum Stau kommt – oder dass er sich zumindest schnell wieder auflöst. AUTO BILD klärt die wichtigsten Fragen zum Thema Stau!
Stauursachen: Zu viel Verkehr ist der Grund für rund zwei Drittel aller Staus auf Autobahnen. Hinzu kommen Baustellen und Unfälle. Verkehrsforscher gehen davon aus, dass zehn bis 20 Prozent aller Staus durch menschliches Fehlverhalten entstehen. Typisches Beispiel: Jemand weiß an einem Autobahnkreuz nicht so recht, wo er hin muss, verlangsamt die Fahrt schlagartig, nachfolgende Autos bremsen stark ab – und der Verkehr gerät ins Stocken.
Stop-and-go: Solange der Verkehr noch langsam rollt, schwimmt man am besten mit etwa zwei Wagenlängen Abstand locker mit – also nicht abrupt Gas geben oder bremsen. Außerdem sollte man möglichst nicht anhalten oder die Spur wechseln. Beides zwingt wieder andere Autofahrer zu bremsen und verschlimmert den Stau nur.
Reißverschlussverfahren: Endet eine Fahrspur, fädeln sich die Autofahrer per Reißverschlussverfahren in den Verkehr ein. An der Stelle, an der die Spur zu Ende ist, sollte jeder auf der weiterführenden Spur ein Auto vor sich einfädeln lassen. Das funktioniert allerdings nur, wenn Autofahrer, die sich einfädeln wollen, bis zum Ende ihrer Spur fahren.
• Stillstand auch für Motorradfahrer: Motorradfahrer können zwar problemlos zwischen stehenden Autos langsam weiterfahren, dürfen das aber nicht. Das Durchfahren gilt als unerlaubtes Rechtsüberholen – es droht ein Bußgeld und ein Punkt in Flensburg.
• Stauumfahrung: Ab einer prognostizierten Staulänge von zwei bis drei Kilometern kann sich der Umweg über eine Umleitungsstrecke neben der Autobahn zeitlich rechnen. Auf die Idee, um Staus einen Bogen zu machen, kommen aber natürlich auch andere Fahrer – oder deren Navigationsgeräte.
• Stauanfang: Sobald der Stauanfang erreicht und die Bahn wieder frei ist, sollten Autofahrer zügig losfahren. Wenn ein Unfall die Stauursache war, sollte man auf Gaffer vorbereitet sein: Die machen plötzlich unberechenbare Fahrmanöver, um möglichst viel mitzubekommen.