/Retro-Konsole Nintendo SNES Classic Mini im Test: viel Spaß für 120 Euro

Retro-Konsole Nintendo SNES Classic Mini im Test: viel Spaß für 120 Euro

Retro-Konsolen sind voll im Trend. Auftaktgeber war das NES Classic Mini von Nintendo, das SNES ist – wie im echten Leben – der Nachfolger. Warum wir finden, dass jeder ein SNES Classic Mini am Fernseher stehen haben sollte, lest Ihr in unserem ausführlichen Testbericht.

Auf Produktfotos sieht das SNES Classic Mini aus wie sein Vorgänger aus den 90ern. Packt man es aus, denkt man: „Ist der süüüüüüß“: Die Retro-Konsole passt in eine Hand. Der Modulschacht auf der Oberseite, in der wir anno 1996 Super Mario World gesteckt haben, ist nur Fake und ohne Funktion. Die darunter liegenden Schalter bezieungsweise Taster für Power und Reset funktionieren, wie wir es von früher gewohnt sind.

Auf der Vorderseite sind Anschlüsse für die Gamepads vorhanden; alles sieht aus wie früher. Ist aber auch nur getrickst: Die vermeintlichen Anschlüsse sind eigentlich nur eine Klappe, dahinter befinden sich die eigentlichen Ports. Es gibt zwei, mehr geht nicht.


Die Münze zeigt’s: Das SNES Mini Classic ist winzig.

Zwei Gamepads sind im Lieferumfang enthalten. Sie sehen nicht nur aus wie das Original, sie fühlen sich auch genau so an. Inklusive Druckpunkt. Und spätestens nach der ersten, stundenlangen Retro-Spiele-Session melden sich diverse Gelenke und Muskeln der Hände: Sonderlich ergonomisch waren die Teile weder damals noch heute. Aber sie machen viel vom Charme aus, und nach einiger Zeit werden auch die Krämpfe weniger schlimm.

Verarbeitung und Materialauswahl sind auf hohem Niveau. Natürlich hat man hier keinen Controller auf dem Niveau eines Dual-Shock-4-Gamepads der aktuellen Playstation-Generation in der Hand, aber dafür kosten zwei Sony-Controller auch so viel wie die komplette Retro-Konsole inklusive zwei Gamepads.


Die Anschlüsse der Vorderseite sind Fake. Hinter der Klappe befinden sich die Steckplätze.

Auf der Rückseite gibt es einen HDMI-Ausgang und Micro-USB zur Stromversorgung; ein Netzteil ist nicht im Lieferumfang enthalten. Achtung, da kein analoger Video-Ausgang vorhanden ist, kann man die Konsole nicht ohne weiteres an alten Fernsehern in Betrieb nehmen. Entsprechende HDMI-Adapter führen das Video-Signal aber auch analog heraus.

Wer das SNES Classic Mini an einem Beamer betreiben möchte, hat ein ähnliches Problem: Es gibt keinen Audio-Ausgang. Wir haben im Test dafür ebenfalls auf einen Adapter (HDMI Audio Extractor) zurückgegriffen, der das HDMI-Signal vom SNES aufnimmt, per HDMI-Kabel an den Beamer weiterschickt und zusätzlich analoges und digitales Audio-Signal extrahiert, um externe Lautsprecher oder eine Stereo-Anlage zu füttern. Beispiel-Produkte haben wir unten im Preisvergleich integriert. Nervig an diesen aktiven Adaptern ist aber, dass sie eine eigene Stromversorgung benötigen. Da die meisten auch per USB angeschlossen werden, kann man immerhin auf ein Zweifach-USB-Netzteil zurückgreifen.


Strom rein, Video raus, fertig. Wer mehr Anschlüsse braucht, muss auf Adapter zurückgreifen.

Vorinstalliert sind 21 Games, das meiste davon Klassiker, die man aus der Vergangenheit kennt:

  • Contra III The Alien Wars
  • Donkey Kong Country
  • Earthbound
  • F-Zero
  • Final Fantasy III
  • Kirby’s Dream Course
  • Kirby Super Star
  • Mega Man X
  • Secret of Mana
  • Star Fox
  • Star Fox 2 (in Europa unveröffentlicht, muss durch Erfolge in Star Fox 1 freigeschaltet werden)
  • Super Castlevania IV
  • Super Ghouls & Ghosts
  • Super Mario Kart
  • Super Mario RPG
  • Super Mario World
  • Super Metroid
  • Super Punch-Out
  • Street Fighter II Turbo
  • The Legend of Zelda
  • Yoshi’s Island

Allein Super Mario World und Donkey Kong Country sind schon gut für viele Stunden Unterhaltung. Egal, ob man die Games bereits von früher kennt und sich noch an einzelne Szenen oder komplette Levels erinnern kann, sie sind toll, liebevoll und mit viel Aufwand entwickelt. Und wurden vor 20 Jahren für viel Geld als Full-Size-Spiele verkauft.

Da macht es auch nichts, dass die Grafik aus heutiger Sicht nicht gerade zeitgemäß wirkt. Dass die Farben grell und wenig sind, dass die „Sprachausgabe“, wenn überhaupt vorhanden, fast unvollständig ist, dass die Pixel groß und ihre Anzahl klein ist. Der Spielspaß ist immens. Das war er schon beim alten SNES, und das ist er beim SNES Mini immer noch.

<div class=”text”>Dieses Video von Nintendo zeigt die Konsole im Einsatz.<br></div>

Im Vergleich zu früher ist die gesamte Konsole angenehmer geworden, was die Usability angeht. Der Reset-Button startet nicht die Konsole neu, sondern bringt einen zurück ins Hauptmenü – eine grafische Oberfläche, in der man durch die installierten Spiele blättert und zum Beispiel auf den ersten Blick sieht, welche der Games für zwei Spieler tauglich sind.

Außerdem kann man im Spiel zurückspulen. Je nach Game sind es teils nur wenige Sekunden, teils auch mehr. Nicht viel, aber es hilft gegen den Frust – wenn man nach dem dreihundertsten Anlauf immer noch in den gleichen Graben fällt oder am gleichen Krötenpanzer zerschellt. Pro Spiel gibt es drei Speicherplätze. Ja, genau: Es ist beim SNES Classic Mini möglich, jedes Spiel an jeder beliebigen Stelle zu speichern.

Und als wäre das nicht genug, gehört mit in diesen Testbericht, dass es einen Hack gibt. Unter dem Namen Hakchi2 steht ein Open-Source-Tool zum Download bereit, mit dem man zunächst ein Backup der Systemsoftware seines SNES anfertigt, um es dann zu patchen. Danach lädt man Spiele-ROMs über das Windows-Programm auf die Konsole. Mit den entsprechenden Erweiterungen spielt sie nicht nur SNES-Games, sondern auch andere ROMs, etwa für Segas Game Gear oder das NES.

Zur Auswahl steht ein großer Stapel an Homebrew-Games, also Spiele unabhängiger Entwicklern, die man ganz legal und kostenlos herunterladen und installieren kann. Eine Plattform für legale Retro-Spiele zum Download für quasi alle Konsolen – vom Gameboy über Gamegear und Gamecube bis hin zu Playstation und Xbox – ist PDRoms.

Die Weiten des Internets halten freilich auch die ROMs früherer Originale bereit. Downloads von Mario World, Sonic the Hedgehog und anderen Klassikern sind allerdings meist nicht legal; der Urheberrechtsschutz gilt weiterhin. Fans der Retro-Szene argumentieren zwar regelmäßig, dass es die Originale ja nicht mehr zum Kaufen gäbe, Nintendo beispielsweise sieht aber alle ROM-Downloadangebote als illegal an.


Im Lieferumfang: Konsole, zwei Controller, HDMI- und Micro-USB-Kabel.

Das größte Problem des Nintendo SNES Classic Mini ist sein großer Erfolg. Eingeführt wurde die Konsole zum Preis von 90 Euro, doch sie war schnell vergriffen – und die Händler haben die Preise für die noch verfügbaren Exemplare kräftig angehoben. Lange Zeit gab es das Gerät kaum für weniger als 130 Euro, derzeit hält sie sich bei gut 100 Euro. Diese Entwicklung ist in unserem Preisvergleich im Preisverlauf zu sehen.

Aktuell ist die Retro-Konsole problemlos zu bekommen, wenn man bereit ist, einen gewissen Aufpreis auf die 90-Euro-UVP zu bezahlen. Im nächsten Jahr sollen die Retro-Konsolen wieder in größerer Stückzahl auf den Markt kommen, dann dürfte auch der Preis wieder sinken. Doch auch bei einem Preis von guten 100 Euro ist diese Nintendo-Konsole jeden einzelnen Cent wert.

Achtung: Im Lieferumfang ist kein USB-Netzteil enthalten. Man kann auf ein anderes Netzteil wie ein Smartphone-Ladegerät zurückgreifen oder sich gleich ein Netzteil mit zwei Ports für eventuell nötige Adapter zulegen.

Nintendo Classic Mini SNES Konsole

SNES Mini

Lindy HDMI 4K Audio-Extractor (38068)

Audio Extractor

(Kein Produktbild vorhanden)

AV-Adapter

Hama USB-Netzteil 2-fach 5V/2.4A (119417)

2x USB

Wenn uns Produkte wirklich überzeugen, geben wir eine klare Kaufempfehlung. In diesem konkreten Fall geben wir fast schon einen Kaufbefehl. Nintendo hat beim SNES Classic Mini alles richtig gemacht. Dazu kommt ein – im Vergleich zu aktuellen Konsolen – geringer Preis, die große Auswahl an vorinstallierten Spielen, die tolle Menüführung, das zweite Gamepad im Lieferumfang und stundenlanger Spielspaß. Dass die Bastler unter uns mit ein paar Klicks noch weitere Spiele und sogar andere Emulatoren auf der Konsole zum Laufen kriegen, setzt dem ganzen die Krone auf.

Die einzige Spaßbremse ist der Preis, der sich derzeit spürbar über der UVP von 90 Euro bewegt. Ob man bereit ist, den Aufpreis zu bezahlen, oder lieber wartet, bis das Angebot im nächsten Jahr wieder besser wird, muss man freilich selbst entscheiden. Unser Testexemplar ist ein Privatkauf bei eBay für über 120 Euo – bereut haben wir davon keinen Cent.

Alternativ: Kaufberatung Retro Konsolen: Nintendo, Sega, Atari & Co.

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