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Range Rover Velar: Test Der Velar will nur schön sein!

— 21.11.2017

Der Velar will nur schön sein!

Was seine Optik angeht, ist der neue Range Rover Velar auf jeden Fall ein ganz Feiner. Unser Test zeigt allerdings auch ein paar Schwächen.

Ungeduldige Menschen kann der Velar mächtig auf die Palme bringen. Die elektrisch ausfahrenden Türgriffe nehmen sich ganz schön Zeit, bis sie sich zum Öffnen packen lassen. Auch der Bedienknopf für die Automatik surrt rekordverdächtig langsam aus seiner Ruheposition hervor, dann dauert es noch ein Weilchen, bis die elektrische Sperre die Fahrstellung „D“ zulässt. Schnarch … Also, geduldig bleiben und lieber andere Vorzüge genießen. Der neue Range Rover bietet eine Menge davon – für Augen und Fingerspitzen.

Optisch macht der neue Range Rover richtig was her

Mächtige Front, muskulöse Linie, wuchtig-stattlicher Auftritt: Mit dem Velar kann man sich sehen lassen.

Alles im Innenraum ist sehr gefällig arrangiert und piekfein montiert. Die Oberflächen fühlen sich hochwertig an, weiches Leder bedeckt beispielsweise die Cockpitoberseite und verkleidet passgenau vernäht die breite Mittelarmlehne – very nice! Außerdem ist der Velar ein echter Hingucker. Mächtige Front, muskulöse Linie, wuchtig-stattlicher Auftritt passen. Mit dem rassigen Kerl mag man sich sehen lassen. Er fährt auch sehr ordentlich. Die dicke V6-Dieselmaschine mit fast schon brutalen 700 Newtonmeter Drehmoment packt das SUV mit Schmackes an, leise und kultiviert dreht der 3.0d hoch, sanft schaltet die Achtstufenautomatik durch. Schade: Das Start-Stopp-System arbeitet ruppig, beim mäßigen Beschleunigen aus dem Schiebebetrieb heraus mag sich der Range nie so recht zwischen Herunterschalten und untertourigem Mitschwimmen entscheiden. Das fühlt sich beim Gasgeben, zum Beispiel nach dem Abbiegen, unnötig träge an.

Der Fahrkomfort leidet unter der üppigen Bereifung

Schön und hart: Die 20-Zöller stehen dem Velar ganz ausgezeichnet, sie mindern aber den Komfort.

Vorteil der häufig nach hohen Gängen sortierenden Automatik: Mit den Drehzahlen sinkt auch der Verbrauch. Auf unserer Testrunde konsumierte der Velar 7,5 Liter Diesel auf 100 km. Das ist für einen 300 PS starken Koloss dieser Liga sehr ordentlich. Schade, die Federungseigenschaften des Autos leiden unter der sehr sportlichen Bereifung. Die 20 Zoll großen Reifen mit 50er-Querschnitt kümmern sich zwar um guten Seitenhalt und ordentliche Bremswege, scheren sich aber einen feuchten Kehricht um kleine Unebenheiten. Kurz: Der Velar rumpelt nervtötend ungeschmeidig über Bitumenflicken, Sieldeckelkanten und Co. Die Federung selbst arbeitet dabei sehr erwachsen. Grobe Unebenheiten und Bodenwellen schluckt das SUV klaglos. Eine verstellbare Luftfederung (rundum, serienmäßig) hilft ihm dabei. Die starken Wankbewegungen beim schnellen Einlenken zum Beispiel kann das Luftfedersystem jedoch nicht kompensieren. Überhaupt liegt der Velar zwar sehr stabil und neutral, die 2,1 Tonnen Leermasse lassen sich jedoch nicht wegzaubern. Ohne Seitenneigung schafft der Range es kaum durch Kurven.

Lässt sich noch verschmerzen. Eine andere Marotte mögen wir jedoch kaum verzeihen. Das Bediensystem lenkt zu sehr ab. Über zwei große Berührbildschirme steuert der Fahrer nahezu sämtliche Funktionen. Klimaangelegenheiten zum Beispiel werden im unteren Display angezeigt, die Menüführung ist komplex geraten. Der Blick geht infolgedessen weit und lange von der Straße weg. Das ist gefährlich. Und nichts für Ungeduldige.

Fahrzeugdaten Range Rover
Modell Land Rover Velar 30d SE
Motor V6, Biturbo
Einbaulage vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 2993 cm³
kW (PS) bei 1/min 221 (300)/4000
Nm bei 1/min 700/1500
Vmax 241 km/h
Getriebe Achtstufenautomatik
Antrieb Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung Continental SportContact 5
Reifentyp 255/50 R 20 V
Radgröße 9,0 x 20″
Abgas CO2 167 g/km
Verbrauch* 7,4/5,8/6,4 l
Testverbrauch
Sportverbrauch** 9,6 l/100 km
Testverbrauch*** 7,5 l/100 km
Sparverbrauch**** 6,3 l D
Tankinhalt 66 l/Diesel
SCR-Kat/AdBlue-Tank Ja/17 l
Kältemittel R1234yf
Vorbeifahrgeräusch 69 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 2500/750 kg
Kofferraumvolumen 673–1731 l
Länge/Breite/Höhe 4803/1930–2145/1665 mm
Testwagenpreis 103.803 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km (Herstellerangabe); ** 54 km Autobahn, davon 20 km Vollgas; *** Durchschnitt der 155-km-Testrunde von AUTO BILD; **** 101 km Stadt und Land mit wenig Gas
Messwerte Range Rover
Beschleunigung
0–50 km/h 2,6 s
0–100 km/h 6,8 s
0–130 km/h 10,6 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 3,5 s
80–120 km/h 4,4 s
Leergewicht/Zuladung 2109/501 kg
Gewichtsverteilung v./h. 52/48 %
Wendekreis links/rechts 12,2/11,9 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 36,7 m
aus 100 km/h warm 36,2 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 57 dB (A)
bei 100 km/h 64 dB (A)
bei 130 km/h 68 dB (A)
Testverbrauch – CO2 7,5 l D – 198 g/km
Reichweite 880 km


Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Ein stattlicher Typ, auf jeden Fall auch etwas Besonderes und sehr luxuriös ausgestattet. Aber auch typisch unhandlich und unübersichtlich. Das Bedienkonzept raubt Nerven, das derbe Abrollverhalten stört den Komfort.

Autoren: Jan Horn, Berend Sanders