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Rallye Deutschland vor Finale Plötzlich drei Titelkandidaten?

— 19.08.2017

Plötzlich drei Titelkandidaten?

Ford-Pilot Ott Tänak ist auf dem Weg zu seinem zweiten Sieg. Armin Kremer inzwischen bester Deutscher. Julius Tannert vor Sieg in der Junior-Wertung.

Ott Tänak (29) steht vor dem Sieg bei der Rallye Deutschland. Der Ford-Pilot aus Estland baute im Verlauf der zweiten Etappe seinen Vorsprung vor Andreas Mikkelsen (28), der erneut ein Gastspiel im Citroën-Werksteam gibt, auf 21,4 Sekunden aus. Bleibt es auf der 52 Kilometer kurzen Schlussetappe am Sonntag bei diesem Ergebnis, hätte Tänak drei Rallyes vor Saisonende plötzlich wieder Titelchancen. Denn die beiden vor dem Start punktgleichen Tabellenführer Thierry Neuville (29) und Sébastien Ogier (33) müssen sich voraussichtlich mit magerer Punktausbeute zufriedengeben.

Weltmeister Ogier, derzeit auf dem Weg zu Rang drei, wäre immerhin wieder alleiniger Tabellenführer. Der Ford-Pilot macht Jagd auf den 8,2 Sekunden vor ihm platzierten Mikkelsen, seinen ehemaligen Teamkollegen bei Volkswagen. „Aber 15 Meisterschaftspunkte für Rang drei sind wichtiger, als Andreas weiter zu attackieren“, schränkte Ogier ein.

Ogier wird Neuville wohl einige Punkte abnehmen

Neuville dagegen kann nur noch maximal fünf WM-Punkte für die Bestzeit auf der abschließenden Powerstage holen. Der belgische Hyundai-Werkspilot beschädigte auf dem berühmt-berüchtigten Truppenübungsplatz Baumholder eine Hinterradaufhängung und musste kurz danach aufgeben. Er wird am Sonntag neu starten, aber ohne Chancen auf eine gute Platzierung im Gesamtergebnis.

Im Gesamtklassement immer weiter nach oben kletterte am Samstag Armin Kremer (48) im privaten Ford Fiesta WRC (1,6-Liter-Turbomotor, rund 380 PS, Allradantrieb). „Mit den heute trockenen Strecken komme ich deutlich besser zurecht“, begründete  der Mecklenburger, der auf Rang zehn inzwischen bester Deutscher ist.

Nach einer verkorksten Freitagsetappe (Fahrwerksschaden) erwischte es Fabian Kreim (24) am Samstag knüppeldick. Der von AUTO BILD MOTORSPORT unterstütze Skoda-Junior hatte sich gerade auf Gesamtrang 15. verbessert, als ihm auf dem Truppenübungsplatz Baumholder ein Reh vors Auto lief. „Ich hatte keine Chance auszuweichen“, berichtete Kreim, der mit beschädigtem Kühler aufgeben musste.

Ebenfalls Pech hatte Marijan Griebel (28), nach der ersten Etappe noch in der Spitzengruppe der Kategorie WRC2 (1,6-Liter-Turbomotor, rund 280 PS, Allradantrieb). Der Skoda-Privatfahrer fing sich gleich zwei Reifenschäden ein, der erste verursachte sogar einen Ausrutscher (WP 10). Bis der hauptberufliche Polizist wieder die Strecke unter den Rädern hatte, gingen über drei Minuten ins Land. Griebel ist nach der zweiten Etappe nur noch Neunter in der WRC2.

Auf das zumindest in der Klasse beste Ergebnis der deutschen Spitzenfahrer steuert Julius Tannert (27) zu. Nachdem alle (!) Konkurrenten massiv Zeit verloren, geht er mit dem beruhigenden Vorsprung von rund zwölf Minuten als Spitzenreiter der Junior-Wertung in den Sonntag. „Jetzt kann ich mich nur noch selbst schlagen“, ist sich der Sachse bewusst.

So lief Tag eins:

Die Rallye Deutschland gilt schon bei Sonnenschein als eine der schwierigsten Veranstaltungen der WM. Am Freitag legte der Wettergott mit starken Regenfällen noch einen drauf. Während viele Zuschauerautos auf den Parkplätzen steckenblieben, wurden auch die Asphalt-Pisten für die Rallyefahrer immer rutschiger. „Es war unheimlich schwierig, überhaupt auf der Strecke zu bleiben“, sagte Ford-Pilot Ott Tänak (29), der am Ende der ersten Etappe mit knappen 5,7 Sekunden vor Citroën-Werksfahrer Andreas Mikkelsen (28) führte. „Heute war jeder irgendwann mal in einem Graben“, bestätigt der Norweger.

Die Frage war jeweils: Wie viel Zeit kostet ein Ausrutscher? Die um den Weltmeistertitel kämpfenden Thierry Neuville (29, Hyundai) und Sébastien Ogier (33, Ford) erwischte es etwas härter als Tänak und Mikkelsen. Nach acht von 21 Wertungsprüfungen lagen sie mit jeweils rund 30 Sekunden Rückstand auf den Rängen drei und vier.

Ford-Pilot Ott Tänak erwischte den besten Auftakt

Einen schwarzen Tag erlebte der ehemalige Europameister Armin Kremer (48), der mit einem gemieteten Ford Fiesta WRC (1,6-Liter-Turbomotor, rund 380 PS, Allradantrieb) im selben Team wie Weltmeister Ogier fährt. „Wir haben uns leider bei der Fahrwerksabstimmung komplett vertan“, gab der Mecklenburger zu. „Außerdem waren auch wir mal neben der Strecke.“ Mit bereits fast fünf Minuten Rückstand ist Kremer nach der ersten Etappe nur auf Rang 16.

Bester Deutscher war Marijan Griebel (28). Der Polizist im privaten Skoda (1,6-Liter-Turbomotor, rund 280 PS, Allradantrieb) mischte munter an der Spitze der Kategorie WRC 2 mit und wurde bei seiner Premiere in dieser „zweiten Liga“ im Zwischenklassement auf Rang fünf (Gesamt 14.) geführt. „Am Vormittag hatte ich zu weiche Reifen drauf. Und am Nachmittag bin ich zum ersten Mal überhaupt den Skoda auf nassem Asphalt gefahren. Insofern bin ich mehr als zufrieden“, fasste Griebel zusammen.

Ebenfalls einen Tag voller Zwischenfälle erlebte Fabian Kreim (24), der aktuelle Führende der Deutschen Meisterschaft. „Wir haben uns in WP 3 leider an einem Bordstein eine Felge beschädigt“, erzählt der von AUTO BILD MOTORSPORT unterstütze Skoda-Junior. „Als Folge hat auch ein Stoßdämpfer nicht mehr richtig funktioniert. Und auf der letzten Prüfung des Tages sind wir 250 Meter durch ein Feld gerodelt – zum Glück ohne irgendwo anzuecken.“ Kreim ist 20. der Etappenwertung.

In der Junior-WM, in der alle Teilnehmer technisch identische Ford Fiesta fahren (1,0-Liter-Turbomotor, rund 190 PS, Vorderradantrieb), ist Julius Tannert (27) mit Rang drei nicht ganz zufrieden. „Unser größtes Problem war eine nicht richtig funktionierende Handbremse, die man in den vielen Kehren der Weinberg-Prüfungen dringend braucht. Aber die Rallye ist noch lang, ich gebe noch nicht auf“, sagte der Sachse.

Die Rallye wird am Samstag mit neun Prüfungen fortgesetzt, darunter zwei Durchgänge über die berühmt-berüchtigte, 42 Kilometer lange „Panzerplatte“.