/Pläne der EU-Kommission: CO2-Ausstoß bis 2030 EU will giftige Autoabgase reduzieren

Pläne der EU-Kommission: CO2-Ausstoß bis 2030 EU will giftige Autoabgase reduzieren

— 08.11.2017

EU will giftige Autoabgase reduzieren

Bis 2025 sollen Neuwagen laut EU-Plänen 15 Prozent weniger CO2 ausstoßen als heute. Das geht deutlich über die Vorstellungen der Hersteller hinaus.

(dpa/brü) Mit Hilfe scharfer Kohlendioxid-Grenzwerte für Autos und Vans will die EU-Kommission die Luft in Europa verbessern. Dazu werden am 8. November 2017 neue Kohlendioxid-Grenzwerte präsentiert. Schon jetzt ist klar: Ohne abgasfreie Modelle wird es nicht gehen. Ein Blick auf die EU-Pläne für sauberen Verkehr und Klimaschutz.

Was plant die Kommission?

Mit dem EU-Plan für sauberen Verkehr und Klimaschutz soll die Luft in Europa besser werden.

Kern des Pakets sind schärfere Kohlendioxid-Grenzwerte für Autos bis 2030. Bis 2021 ist schon alles geregelt: Die Hersteller müssen die Wagen so verbessern und sparsamer machen, dass neue Modelle im Schnitt nur noch 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Ab 2022 soll es dann nach der zuletzt debattierten Vorlage der Kommission bis 2030 noch einmal um 30 Prozent nach unten gehen. Für 2025 wird ein Etappenziel von minus 15 Prozent anvisiert. Über die Zahlen und Details wurde bis zuletzt gestritten, Details werden am Mittwochmittag bekannt gegeben.

Schafft das die Industrie?

Die EU-Kommission gibt sich überzeugt, dass mit der Mischung aus Vorschriften und Anreizen im nächsten Jahrzehnt der Automarkt neu aufgerollt wird – und das ohne große Jobverluste. Voraussetzung für attraktive E-Autos sind allerdings leistungsfähigere Batterien, die möglichst in Europa produziert werden sollen, und ein dichtes Netz von Ladestationen. Die Kommission verspricht für den Aufbau 800 Millionen Euro.

Was bietet die Industrie an?

Sie stapelt tief. Freiwillig vorgeschlagen hat der europäische Herstellerverband ACEA nur ein CO2-Minderungsziel von 20 Prozent, und das auch nur, wenn sich die Nachfrage der Verbraucher nach Elektrofahrzeugen entsprechend entwickele. Zudem setzen die Autobauer weiter auf den Diesel. Moderne Typen stießen nur sehr wenig Schadstoffe aus und leisteten einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele, schreibt der ACEA in einem Positionspapier.

Welche Rolle spiele Elektroautos?

Betreibt man E-Autos mit Ökostrom, fahren sie quasi ohne Abgase. Die ehrgeizigen Ziele des Pariser Klimaabkommens – und die geplanten CO2-Vorgaben der EU – sind ohne solche abgasfreien Autos kaum zu erreichen. Die Kommission will zwar keine Quoten vorschreiben, plant aber ein Anreizsystem. Autobauer sollen dem Vorschlag zufolge bis 2025 unter ihren verkauften Neuwagen mehr als 15 Prozent emissionsarme Autos haben, bis 2030 dann mehr als 30 Prozent. Das wäre ein gewaltiger Sprung, 2016 lag der Anteil bei rund einem Prozent. Schaffen die Hersteller das, sollen sie einen Nachlass bei den CO2-Vorgaben bekommen. Profitieren könnten von dem System auch andere Technologien wie etwa Wasserstoffantriebe, doch haben die derzeit eine noch winzigere Nische als Elektroautos.

Was kosten umweltschonende Autos?

Elektroautos schrecken viele Verbraucher mit weit höheren Anschaffungskosten. Das gilt nicht nur für Modelle des US-Trendherstellers Tesla für 65.000 Euro und mehr. Auch europäische und japanische Kompakt- und Kleinwagen sind als Stromautos meist Tausende Euro teurer als mit herkömmlichem Verbrennungsmotor. So kostet der Nissan Leaf 23.365 Euro, der E-Golf mindestens 34.900 Euro. In Deutschland wird der Kauf eines Elektroautos zurzeit mit einer Umweltprämie von bis zu 4000 Euro gefördert. Die Kommission erwartet allerdings einen Preissturz, sobald die Elektroautos zur Massenware werden. Schon Anfang des nächsten Jahrzehnts soll es soweit sein.

Reichen die Kommissionspläne für den Klimaschutz?

Die europäischen Grünen sagen: Nein. Sie haben nach eigenen Angaben die Ziele aus dem Pariser Klimaabkommen umgerechnet und kommen auf viel drastischere Vorgaben für den Autoverkehr, der für rund 15 Prozent der CO2-Emissionen in Europa verantwortlich ist. Nötig ist demnach eine Senkung dieser Emissionen um 60 Prozent bis 2030 und eine Elektro-Quote von 50 Prozent schon 2025.

Was passiert, wenn die Hersteller die Grenzwerte reißen?

Verstoßen die Hersteller gegen die CO2-Vorgaben für 2025 und 2030, dürfte die EU-Kommission sie mit hohen Geldstrafen belegt werden, so wie bisher auch schon.