/Odo Landbauer von der Österreichischen Freiheitspartei tritt wegen NS-Lieder-Skandals zurück

Odo Landbauer von der Österreichischen Freiheitspartei tritt wegen NS-Lieder-Skandals zurück

Udo Landbauer, ein hochrangiges Mitglied der FPÖ, trat am Donnerstag von allen politischen Ämtern zurück, nachdem er enthüllt hatte, dass die Bruderschaft, an der er bis vor kurzem mitgewirkt hatte, ein antisemitisches Liederbuch benutzt hatte, das ermordete Juden verunglimpfte.

Der Skandal erhöhte den Druck auf seine Anti-Einwanderungspartei sowie auf die Konservativen von Kanzler Sebastian Kurz, die im vergangenen Jahr eine Koalitionsregierung mit der FPÖ gebildet hatten.

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Vollständiger politischer Rücktritt

  • Der Bruderschaftsskandal veranlasste die FPÖ dazu, Landbauer als Kandidaten für die niedersächsische Regierung fallen zu lassen, woraufhin er sagte, er werde auch nicht in das Landtags- gebiet eintreten und seine Mitgliedschaft in der FPÖ einstellen.
  • Die österreichische Regierung plant, die umstrittene Germania-Bruderschaft, die das beleidigende Songbook veröffentlicht hat, aufzulösen.
  • Die Ankläger untersuchen vier Personen wegen Holocaustleugnung und anderer NS-Straftaten, aber Landbauer gehört nicht dazu.

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Kein Platz für Antisemitismus

Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache begrüßte Landbauers Rücktritt und sagte, “Antisemitismus hat keinen Platz” in seiner Partei und in rechten Bruderschaften. Strache selbst hatte einst Verbindungen zu extremistischen Gruppen.

Der 31-jährige Landbauer sagte, er sei erst 11 Jahre alt, als das Songbook gedruckt wurde und erst letzte Woche davon erfahren habe.

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Was hat das Liederbuch gesagt? Die Texte in Germania zu Wiener Neustadts Buch aus dem Jahr 1997 enthielten Berichten zufolge “Schritt auf dem Gas … wir können es zu sieben Millionen machen”, bezogen auf sechs Millionen Juden, die im Holocaust ermordet wurden. Andere Lieder lobten die Waffen-SS und Nazi-Fallschirmjäger hinter Kriegsverbrechen in Griechenland.

Wie ist Landbauers Verbindung zur Bruderschaft? Landbauer war bis vor kurzem Vizepräsident der Germania-Bruderschaft. Etwa 40 Prozent der FPÖ-Mitglieder, darunter auch Minister, sind Mitglieder rechtsextremer Gemeinschaften, von denen viele die österreichische Wiedervereinigung Österreichs zu einem “Großdeutschen” propagieren.

Wer sind die FPÖ? Die rechte, populistische Partei, die sagt, sie habe die Nazi-Ideologien ihrer Gründer in den 1950er Jahren aufgegeben, ist euroskeptisch, einwanderungsfeindlich und anti-islamisch. Sie traten letzten Monat als Juniorpartner von Kurzs Konservativen in die Regierung ein. Frühere Koalitionsregierungen mit der FPÖ sind vor der fünfjährigen Regierungsperiode zusammengebrochen.

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Was passiert als nächstes? Die Regierung wird es schwer haben, die Germania-Bruderschaft aufzulösen, wenn sie nicht beweisen kann, dass die antisemitischen Lieder tatsächlich gesungen wurden.

aw / sms (dpa, Reuters, AFP)