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OBD2-Bluetooth-Adapter: Carly-App erkennt Tachomanipulation App trickst Tachotrickser aus!

— 02.11.2017

App trickst Tachotrickser aus!

Mit der App von Carly lässt sich der echte Kilometerstand eines Autos checken. Das System nutzt die digitale Auto-Schnittstelle und entlarvt die meisten Tacho-Betrüger.

Kein Serviceheft vorhanden? TÜV-­Berichte und Werkstattrechnungen fehlen? Dann ist Vorsicht geboten.

Tachobetrug ist heute einfacher denn je. Manipulations-Gerät angeschlossen, Tachostand auf die gewünschte Kilometerzahl einstellen und fertig. Einige unseriöse Gebrauchtwagenhändler greifen zu dieser verbrecherischen Methode, um den Wert alter Gebrauchter schnell zu erhöhen. Solche Tricks lassen sich entlarven, z.B. mit der App von Carly. Mithilfe eines Adapters, der auf die OBD-Buchse gesteckt wird, und einer App errechnet die Technik aus Tachostand und Betriebsstunden die Durchschnittsgeschwindigkeit des Autos. Passen die Daten nicht zur Laufleistung, schlägt die App Alarm und weist auf eine mögliche Manipulation hin. Mitgründer Avid Avani sagte, dass in einem Test rund 28 Prozent der getesteten BMW einen falschen Tachostand aufwiesen. Vier Versionen der Carly-App gibt es bereits: für BMW, Mercedes, die Marken des VW-Konzerns sowie eine speziell für Porsche. Die Unterstützung für andere Marken ist in der Vorbereitung. Für die professionelle App veranschlagt Carly 50 Euro, der Adapter kostet ebenfalls 50 Euro. Nach einem ersten großen Update ist die App nun auch in der Lage, statistische Informationen vergleichbarer Modelle anzuzeigen. Auch gesperrte Fahrzeugfunktionen, die in der Regel nicht sicherheitsrelevant sind, können nach Angaben von Carly aktiviert werden. Änderungen am Motor, den Bremsen, der Lenkung und den Airbags sind dann nicht mehr möglich.

Kein Hersteller wagt den Anfang

Längst könnten die Hersteller zugriffssichere Chips einbauen, das wäre nicht mal teuer. Doch keiner macht den Anfang, warum, ist unklar. Immerhin ist der Dreh am Wegstreckenzähler kein Kavaliersdelikt: Wer die Laufleistung nach unten schraubt, ist ein Betrüger. Bis zu ein Drittel aller gehandelten Gebrauchtwagen sollen manipuliert sein, schätzt der ADAC. Und das ergibt einen gewaltigen volkswirtschaftlichen Schaden. Rechnet man pro getürktem Wagen mit 3000 Euro, sind das über sieben Milliarden Euro, die pro Jahr in Deutschland zu Unrecht in die Taschen von Autoverkäufern fließen. Dabei ist es völlig egal, ob schlimme Finger am Twingo oder Porsche 911 drehen – der Betrug ist demokratisch, trifft jede Klasse. Was Laien beim Autokauf immer hilft, sind gesundes Misstrauen und etwas detektivisches Talent: Wer es genau wissen will, der setzt nicht nur auf die App, sondern spricht auch mit den Vorbesitzern, sichtet die Fahrzeugunterlagen oder besucht eine Vertragswerkstatt seines Vertrauens.

Bernd Volkens

Bernd Volkens

Fazit

Bei besonders günstig angebotenen Autos sollten Sie vorsichtig sein, Autos weit unter Verkehrswert schreien nach Betrugsversuch. In der Zulassungsbescheinigung – früher Fahrzeugbrief genannt – finden sich Angaben zum Vorbesitzer. Ein Anruf kann nicht schaden und deckt oft weitere Mängel auf.