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Notfall-Robotik: Flug- und Tauchroboter suchen nach Vermissten – und finden sie auch manchmal

Notfall-Robotik: Flug- und Tauchroboter suchen nach Vermissten – und finden sie auch manchmal


Hans-Arthur Marsiske

Der Roboter des Teams HRS Search and Rescue macht sich mit dem Erste-Hilfe-Paket auf den Weg.

(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

In Piombino waren die Flug- und Tauchroboter an der Reihe. Manche fanden die Vermissten, andere scheiterten an der Kommunikation. Bei der kommenden Grand Challenge werden Flug-, Tauch- und Bodenroboter zusammenarbeiten müssen.

Beim Roboterwettbewerb ERL Emergency in Piombino fanden die Aktivitäten am dritten Wettbewerbstag in der Luft und unter Wasser statt. Für Zuschauer war das nicht sehr attraktiv, für die teilnehmenden Teams dafür umso fordernder.

Keine Sichtverbindung

Zentrales Problem ist nach wie vor die Kommunikation. So ging der Kontakt zum Flugroboter häufig verloren, wenn er sich von der Kontrollstation gesehen hinter dem Gebäude befand. Dem Team HSR Search and Rescue von der Hochschule für Technik Rapperswil etwa gelang es aus diesem Grund nicht, das Erste-Hilfe-Paket abzuwerfen. Da der Luftraum, in dem die Roboter sich bewegen dürfen, begrenzt ist, konnte der Operator ihn auch nicht so hoch fliegen lassen, dass wieder eine direkte Sichtverbindung hergestellt werden konnte.

Wie die meisten anderen Teams auch konnten die Schweizer aber Punkte für das Erreichen vorher definierter Wegpunkte sammeln. Diese wurden durchweg autonom mithilfe von Satellitennavigation erreicht. Die Lokalisierung von Schäden, leckgeschlagenen Leitungen und vermissten Personen musste jedoch bei allen Teams der Operator anhand der übermittelten Kamerabilder vornehmen.

Vermissten gefunden

Nach vermissten Personen suchten auch die Unterwasserroboter, allerdings war nur das Team von der Universitat de Girona dabei erfolgreich. Der Roboter tauchte sogleich auf, markierte dadurch die Fundstelle und übermittelte die Information an das Flugroboterteam. Dessen Roboter stieg daraufhin auf und fotografierte die Stelle. Das dürfte an diesem Tag die erfolgreichste Teamkooperation gewesen sein und stärkt die Favoritenposition des kombinierten Teams Telerob (Boden) Universitat de Girona (Wasser) und ISEP/INESC TEC Aerial Robotics (Luft) für die Grand Challenge, die am Freitag und Samstag den Höhepunkt des Wettbewerbs abschließt.

Sehr gut sah allerdings auch das Team Raptors (Luft) aus, das mit dem Team Oubot (Wasser) kooperierte. Zwar fand der Unterwasserroboter nicht die durch eine Puppe dargestellte vermisste Person, tauchte aber am Ende der Mission auf und konnte vom Flugroboter fotografiert werden. Dem war es zuvor gelungen, ein Erste-Hilfe-Paket bei der an Land deponierten Puppe abzuwerfen. Die gute Kooperation ist umso bemerkenswerter, als die beiden Teams sich bei diesem Wettbewerb zum ersten Mal begegnet sind. “Wir sind von den Organisatoren zusammengebracht worden”, sagte Grzegorz Granosik, Mentor der Raptors. “Vor dem Wettbewerb hatten wir nur wenig Kontakt.”

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Spätere Analyse mischt das Feld auf

Der äußere Anschein kann jedoch täuschen. Nicht alle Leistungen der Roboter sind unmittelbar sichtbar, viele lassen sich erst nach Auswertung der Daten beurteilen. So ermittelte die Jury für die Land-Luft-Kooperation vom Mittwoch die Teams IMM (Boden) und IIS Piombino (Luft) als führend, gefolgt von Raptors (Boden/Luft) sowie Telerob (Boden) und ISEP (Luft), obwohl die Auftritte der zweit- und drittplatzierten zunächst deutlich spektakulärer wirkten. Was auf den ersten Blick nicht zu erkennen war: Der Bodenroboter von IMM erledigte viele der geforderten Aufgaben autonom, was ihm Extrapunkte einbrachte. Auch die Qualität der von ihm erstellten Umgebungskarten ließ sich erst anhand der bearbeiteten Daten beurteilen, die die Teams spätestens 60 Minuten nach Ende des Laufs abgeben müssen.

Auf diese Weise mögen auch einige Unterwasser-Teams, die zunächst erfolglos wirkten, ihre Platzierung noch verbessern. So konnte das Team Tomkyle von der Fachhochschule Kiel in Echtzeit nur vermelden, dass sein Roboter das durch Bojen markierte Tor korrekt passiert hatte. In den Sonardaten konnten die Teammitglieder nach dem Lauf dann aber noch weitere Objekte, die leckgeschlagene Leitung sowie die vermisste Person lokalisieren. Das muss ihnen erst mal jemand nachmachen.

Grand Challenge wird komplexer

Generell zeigen sich die Teilnehmer mit den Möglichkeiten, ihre Systeme unter Wettbewerbsbedingungen zu erproben, sehr zufrieden. Mit zwei Tagen für freie Tests und drei Wettbewerbstagen, an denen jeweils zwei Domänen im Mittelpunkt standen, war auch reichlich Gelegenheit, die Roboter weiter zu optimieren.

Für die Grand Challenge, gewissermaßen die Finalrunde, bei der Roboter aller drei Domänen zusammenwirken müssen, darf daher auf eine weitere Leistungssteigerung gehofft werden. Während in den Vorrunden jeweils 45 Minuten für die Lösung der geforderten Aufgaben zur Verfügung standen, dauert ein Lauf bei der Grand Challenge jeweils 100 Minuten. Der Sieger wird erst nach Auszählung der Punktwertungen durch die Jurys verkündet werden können. Mit einem Sonderapplaus dürften jedoch vorher schon die Teams rechnen, die die wohl anspruchsvollste Aufgabe des Wettbewerbs meistern: das gleichzeitige Schließen der jeweils richtigen Ventile durch den Unterwasser- und den Bodenroboter.


(kbe)