/Notfall-Robotik: Bodenroboter bewähren sich an den Ventilen

Notfall-Robotik: Bodenroboter bewähren sich an den Ventilen

Notfall-Robotik: Bodenroboter bewähren sich an den Ventilen


Hans-Arthur Marsiske

(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

Während des Roboterwettbewerbs ERL Emergency konnten die ersten Roboter Aufgaben absolvieren. Bodenroboter manövrierten in Gebäuden und schlossen Ventile. Die Unterwasserroboter konnten weniger glänzen.

Eigentlich war für den ersten Tag des Roboterwettbewerbs ERL Emergency in Piombino Regen angekündigt, zumindest am Morgen. Daher war die ursprünglich vorgesehene Kooperation zwischen Luft- und Bodenrobotern abgesagt und stattdessen das Zusammenspiel zwischen Unterwasser- und Bodenrobotern aufs Programm gesetzt worden, weil diese durch das Wetter weniger beeinträchtigt werden als die empfindlicheren Multikopter. Allerdings begann der Tag dann wider Erwarten doch freundlich mit Sonne und nur mäßigem Wind – als hätte jemand rechtzeitig den Hahn zugedreht.

Ventile schließen

Die Wasser-Boden-Kooperation ist die erste von drei Vorstufen des Wettbewerbs, der seinen Höhepunkt mit der “Grand Challenge” am Freitag und Samstag erreicht, bei der Roboter in Luft, Wasser und Boden gemeinsam die gestellten Aufgaben lösen sollen. Die Teams können sich auf diese Weise langsam an die anspruchsvolle Herausforderung herantasten. Zu den schwierigsten Aufgaben zählte dabei die Identifizierung und das Schließen eines von vier Ventilen. Anders, als nach den vorangegangenen Testläufen zu erwarten war, bewährten sich die Bodenroboter dabei erstaunlich gut: Von sechs antretenden Teams gelang es dreien, bis in den Maschinenraum vorzudringen und dort mindestens ein Ventil zu betätigen.

Allerdings verfügten ohnehin nicht alle Teams über Roboter mit Manipulatoren, die für diese Aufgabe notwendig waren. Das Team IMM vom Warschauer Institute of Mathematical Machines etwa konzentrierte sich daher auf autonome Navigation, die Erstellung dreidimensionaler Umgebungskarten und die Identifizierung von Farbtafeln, die Gebäudeschäden, schadhafte Rohrleitungen oder blockierte Eingänge symbolisierten. Innerhalb der 45 Minuten, die ihnen zur Verfügung standen, waren die Polen damit sehr erfolgreich. Es gelang ihnen dabei auch, in das Gebäude vorzudringen, ohne dass der Kontakt zur Kontrollstation verlorenging.

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Mit der Kommunikation zwischen Kontrollstation und Roboter hatte bei den Tests an den vorangegangenen Tagen das Schweizer Team Bebot von der Hochschule Luzern noch Probleme gehabt. Davon war jetzt nichts mehr zu bemerken. Der Roboter fand mehrere am Gebäude und in dessen Umgebung platzierte OPIs (Objects of Potential Interest) und konnte im Maschinenraum ein Ventil schließen und damit den Zufluss zu einer leckgeschlagenen Leitung stoppen. Das gelang ebenso dem Team Raptors von der Lodz University of Technology und dem Team Telerob von der gleichnamigen Firma.

Schlechte Sicht

Weniger erfolgreich waren die Unterwasser-Teams, die durchweg an der schlechten Sicht scheiterten. “Man muss mindestens einen halben Meter an ein Objekt heranfahren, um etwas erkennen zu können”, sagte ein Mitglied des Teams von der Universitat de Girona, das mit Telerob kooperiert. Visuelle Inspektion sei aber erforderlich, mit dem Sonar allein ließe sich nicht genug erkennen. Obwohl das Team mit dem selbst entwickelten Sparus II über eine bewährte Plattform verfügt, gelang es ihm nicht, unter Wasser die leckgeschlagene Leitung zu identifizieren und die Daten an den Bodenroboter zu übermitteln. Das zu schließende Ventil musste daher von einem Schiedsrichter benannt werden. Umgekehrt funktionierte die Kommunikation besser: Telerob fand am Gebäude eine beschädigte Leitung und teilte das dem schwimmenden Roboter mit. Die Krönung wäre es gewesen, wenn beide Roboter gleichzeitig die richtigen Ventile unter Wasser und im Maschinenraum geschlossen hätten. Vielleicht klappt es ja bei der Grand Challenge.

Nicht lange nach Ende des ersten Wettbewerbstags wurde der Hahn dann wieder aufgedreht: Ein mächtiges Gewitter zog mit starken Regenfällen über Piombino. Selbst wenn der zweite Tag wieder sonnig beginnen sollte, dürfte der Untergrund für Bodenroboter daher sehr schwierig zu bewältigen sein. Gut möglich, dass die Organisatoren daher als nächstes die Kooperation zwischen schwimmenden und fliegenden Robotern ansetzen.


(kbe)