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Node.js: Ärger um Code of Conduct führt zu einem Fork


Nachdem das Technical Steering Committee von Node.js eins seiner Mitglieder trotz angemahnter Verstöße nicht ausgeschlossen hatte, kam es zunächst zu Ärger innerhalb der Führung und Community und nun zu einem Fork mit dem Projektnamen Ayo.

In den letzten Tagen rumpelte es ordentlich beim Node.js-Team: Rod Vagg, der Mitglied des TSC (Technical Steering Committee, technisches Leitungsgremium) ist, hat mit seinem Verhalten auf GitHub und Twitter aus Sicht zahlreicher Mitglieder des TSC und Core Technical Commitee (CTC) gegen die Verhaltensregeln von Node.js verstoßen. Das führten nicht nur zu Ärger innerhalb der Node.js-Community und -Leitung, sondern auch zu einem Fork des Projekts.

Die Abspaltung heißt Ayo und wird wie “IO” im Englischen ausgesprochen. Die Hauptseite des Repositorys mit dem Readme ist noch recht knapp gehalten. Nach der technischen Beschreibung findet sich dort ein hervorgehobener Hinweis auf den Code of Conduct, was durchaus als Hinweis auf den Ärger bei Node.js zu verstehen ist. Ayo ist schließlich keine technisch motivierte Abspaltung, sondern der Fork ist die direkte Folge des Ärgers, wie auch ein Tweet zeigt.

Die Details der ursprünglichen Auseinandersetzung lassen sich inzwischen für Außenstehende nur noch schwer nachvollziehen. Offensichtlich nahm das Gremium die Verstöße immerhin so ernst, dass sie über den Verbleib von Vagg im TSC abstimmten.

Die an der Abstimmung Beteiligten sprachen sich letztlich mit 60 Prozent gegen einen Ausschluss und ebenfalls mit 60 Prozent gegen die Aufforderung an Vagg aus, sich freiwillig zurückzuziehen. Von den dreizehn Mitgliedern des TSC stimmten zehn ab, zwei enthielten sich, und Vagg hat sich nicht an der Abstimmung beteiligt. Somit sprachen sich also nur vier Mitglieder für einen Ausschluss aus. Diese Entscheidung führte zu Entrüstung darüber, dass das Node.js-Führungsgremium offensichtlich seinen eigenen Code of Conduct nicht ernst nehme beziehungsweise nicht durchsetze.

Ein Tweet dazu bringt zumindest auch einen gewissen Einblick in den auslösenden Konflikt, da in seinem Zusammenhang ein Screenshot zu finden ist, der die ursprünglichen Vorwürfe enthält, die die Verantwortlichen später aus der Seite zur Abstimmung herausgenommen haben. Die Kritiker der Entscheidung mahnen vor allem an, dass es schwierig sei, zwischen der individuellen Meinung von Vagg und seiner Rolle im TSC zu unterschieden.

Der Unmut über die Entscheidung des TSC führte nicht nur zum Fork, sondern unter anderem machte Myles Borins seinen Rücktritt vom TSC als Folge öffentlich. Auch Anna Henningsen und Bryan Hughes traten zurück. Ashley Williams stößt daher etwas mildere Töne an und bittet die Community darum, ihr die Bedenken über die Entscheidung mitzuteilen, damit sie die Meinungen bei der Node.js-Führung einbringen könne.

Borins betont in seiner Mitteilung, dass er sich nur vom TSC, aber nicht vom Node.js-Projekt zurückzieht. Dort werde er weiterhin seine Aufgaben in den anderen Arbeitsgruppen wie dem CTC und der Release Working Group wahrnehmen. Dabei merkt er an, dass es ihm nicht um einzelne Beteiligte gehe, sondern um die Werte, die sie als Projekt zeigen. Damit würden sie potenzielle Contributors abschrecken.

Ebendas könnte tatsächlich zu einem Problem werden: Der Code of Conduct soll alle Beteiligten schützen. Wenn ein Projekt an dem Punkt seinen guten Ruf verliert, findet es vor allem weniger neue Contributors, die bereit sind, sich zu engagieren. Ob das Ayo-Projekt dagegen genügend Contributors findet, die sich an dem bisher deutlich kleineren Fork beteiligen, ist ebenfalls fraglich. Dieser Knoten wird sich nicht so leicht auflösen lassen.


(rme)