/New Stratos/Porsche 911 R: Test Rein, stark, schwarz!

New Stratos/Porsche 911 R: Test Rein, stark, schwarz!

— 24.09.2017

Rein, stark, schwarz!

Mit wenig Gewicht, viel Leistung und noch mehr Fahrspaß tritt der New Stratos an. Sein Rivale der Rennbahn in unserem Vergleich: der Porsche 911 R.

Oben wird die Luft dünn. Und das Leben verdammt einsam. Das gilt für unsere Atmosphäre im Allgemeinen. Und für die von uns erfundene Stratos-Sphäre im Besonderen. In diesem dünn besiedelten Rallye-Revier wütete von 1973 bis 1978 der Lancia Stratos. Kompromisslos für den Drift im Dreck konstruiert, die überirdische Form ausschließlich der Funktion verpflichtet. Das zivile Stradale-Modell verkaufte sich trotz seiner günstigen Preises damals eher schleppend. Heute trifft es jedenfalls voll ins Schwarze: Unter 400.000 Euro ist ein Lancia Stratos kaum mehr zu bekommen.

Der New Stratos zitiert gekonnt sein historisches Vorbild

Rennkeil: Der New Stratos basiert auf dem Ferrari F 430 Scuderia – und geht wie eine Rakete!

Michael Stoschek, Chef des Autozulieferers Brose, besitzt nicht nur zwei dieser Lancia-Legenden, er hat auch einen fahrfähigen neuen Stratos, den New Stratos, auf die Räder gestellt. Im Herbst 2008 begann in Turin bei Pininfarina die Fertigung des Prototyps nach den akribischen Vorstellungen des Perfektionisten Stoschek. Die technische Basis lieferte ein Ferrari F 430 Scuderia, dessen Chassis um 20 Zentimeter gekürzt wurde. Ende 2010 staunen wir über das Meisterwerk in Sichtcarbon. Sei es die typische Keilform, die bis in die Fronthaube verlaufenden Radkästen, die Flugzeugkanzel-Frontscheibe, der Dachspoiler oder das stämmige Heck mit Abrisskante und Rundleuchten – der Neue beamt das Stratos-Design ins 21. Jahrhundert. Sogar der Klappscheinwerfer-Blick wurde in die Neuzeit gerettet, mit LEDs hinter Plexiglas.

Mit dem Porsche 911 R wartet ein würdiger Gegner

Die Essenz des Elfers: Der 911 R vereint den Vierliter-Sauger des GT3 RS mit Handschaltung und Leichtbau

Da es mit der Auflage einer Kleinserie nie klappte, war es die letzten Jahre ruhig geworden um den New Stratos, und wir fragten uns: Wo ist dieses Auto? Und vor allem: Wie schnell ist es wirklich? Ob Stoschek den Wagen überhaupt für einen Test rausrückt, immerhin hat das One-off-Projekt fast zehn Millionen Euro verschlungen? Er tut es. Und bringt gleich noch einen passenden Sparringspartner aus dem eigenen Fuhrpark mit: einen der insgesamt nur 991 Porsche 911 R in rarem Schwarz. Die Zeiten soll Ex-Formel-1-Pilot und WTCC-Titelanwärter Tiago Monteiro liefern, der an der Fahrwerksentwicklung des New Stratos beteiligt war. 540 PS und 519 Nm aus einem optimierten 4,3-Liter-Ferrari-V8 treffen also auf 500 PS und 460 Nm aus dem Vierliter-Porsche-Boxer, Sauger sind sie beide.

Dass die Stratos-Karosserie komplett aus Carbon besteht, sollte einen erheblichen Gewichtsvorteil bescheren. Wir fahren auf die Waage – und wundern uns: Mit 1365 Kilo ist der Kohlefaser-Keil nicht so leicht wie vermutet, der Porsche wiegt nur 59 Kilo mehr, auch er trägt schließlich Kotflügel aus Carbon und ein Magnesiumdach. Dennoch ist das Leistungsgewicht des Stratos mit 2,5 kg/PS wesentlich günstiger als das des Porsche (2,8 kg/PS). Beide Boliden stehen auf nagelneuen Michelin Sport Cup 2, nun also raus auf den Trockenhandlingkurs zum Aufwärmen.

New Stratos und 911 R auf der Rennstrecke sehen Sie in der Bildergalerie.

Technische Daten New Stratos:Motor: V8, Mittelmotor • Hubraum: 4308 cm³ • Leistung: 397 kW (540 PS) bei 8200/min • max. Drehmoment: 519 Nm bei 3750/min • Antrieb: Hinterrad, sequentielles Sechsganggetriebe • L/B/H: 4181/1971/1240 mm • Leergewicht: 1365 kg (trocken) • Vmax: 274 km/h • 0–100 km/h: 3,3 s • 0–200 km/h: 9,7 s • Preis: keine Angabe

Technische Daten Porsche 911 R: • Motor: Sechszylinder-Boxer, hinten längs • Hubraum: 3996 cm³ • Leistung: 368 kW (500 PS) bei 8250/min • max. Drehmoment: • 460 Nm bei 6250/min • Antrieb: Hinterrad, Sechsganggetriebe • L/B/H: 4532/1852/1276 mm • Leergewicht: 1424 kg • Vmax: 323 km/h • 0–100 km/h: 3,8 s • 0–200 km/h: 11,6 s • Preis: 189.544 Euro (2016)