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Neues künstliches Auge für klinische Studie vorgesehen

Neues künstliches Auge für klinische Studie vorgesehen


Sascha Mattke

Lässt sich das natürliche visuelle System von Menschen fast vollständig durch Kameras, Computertechnik und Elektroden ersetzen? In einer klinischen Studie soll diese Frage geklärt werden.

Das US-amerikanische Unternehmen Second Sight will in diesem Jahr eine klinische Studie mit einem System namens Orion beginnen, das sich potenziell für alle Menschen eignet, die wegen nicht-genetischer Ursachen erblindet sind. Bei Orion handelt es sich um eine Weiterentwicklung des Produkts Argus II, das in Europa bereits seit 2011 zugelassen ist, aber nur Patienten mit der Erbkrankheit Retinitis pigmentosa helfen kann. Orion dagegen umgeht einen größeren Teil des natürlichen Seh-Systems und könnte dadurch breiter eingesetzt werden, berichtet Technology Review online in „Kamera statt Auge“.

Argus II arbeitet mit einer auf einer Brille befestigten Kamera. Die von ihr aufgenommenen Bilder werden an einen kleinen Prozessor am Körper des Patienten gesendet, der sie mit Spezialsoftware in einen Satz von Instruktionen umwandelt und an einen in der Nähe der Retina implantierten Chip weiterleitet. Als Abfolge von elektrischen Impulsen werden diese Instruktionen dann an ein Elektroden-Array um das Auge herum gesendet. Diese Technologie kann bei Retinitis Pigmentosa helfen, weil diese Krankheit nur spezialisierte Fotorezeptoren zerstört, während die übrigen Retina-Zellen intakt bleiben.

Das neue Orion-System beruht zu 90 Prozent auf Argus II, umgeht das menschliche Auge aber weitestgehend. Stattdessen wird ein Elektroden-Array auf dem visuellen Cortex platziert, also dem Teil des Gehirns, der für die Verarbeitung von visuellen Informationen zuständig ist. Wenn hier elektrische Impulse eintreffen, dürfte das Gehirn ebenfalls Lichtmuster wahrnehmen. „Bei manchen Arten von Blindheit ist der Sehnerv beschädigt, so dass man tiefer ansetzen muss. Mit Orion ersetzen wir im Prinzip das Auge und den Sehnerv komplett“, sagt Robert Greenberg, Board-Vorsitzender von Second Sight. Potenziell können die Technologie „jedem helfen, der seine Sehfähigkeit verloren hat, unabhängig von der Ursache dafür“.

Mehr dazu bei Technology Review online:

(sma)