/Netflix: In 20 Jahren vom Videoverleih zum TV-Revolutionär

Netflix: In 20 Jahren vom Videoverleih zum TV-Revolutionär

Netflix: In 20 Jahren vom Videoverleih zum TV-Revolutionär


Andrej Sokolow, dpa

(Bild: dpa, Rolf Vennenbernd/Illustration)

Netflix wird oft als junger Herausforderer der TV-Industrie wahrgenommen – aber die Firma gibt es schon seit 20 Jahren. Die Bereitschaft, sich radikal neu zu erfinden, bewahrte Netflix vor dem Schicksal alter Rivalen.

Der Legende nach wurde Netflix aus dem Frust über eine hohe Gebühr für ein verlorenes Leihvideo geboren. Der kalifornische Softwareunternehmer Reed Hastings verlegte eine Kassette mit dem Film “Apollo 13”, und bei der Videothek sammelten sich Gebühren von 40 Dollar an, wie er später erzählte. Auf dem Weg ins Fitnessstudio fiel dem verärgerten Hastings dann auf, dass das Geschäftsmodell dort viel netter sei: Für 40 Dollar im Monat kann man so viel trainieren, wie man will.

Hastings hatte gerade seine Firma Pure Software verkauft und verfügte damit über Zeit, Lust und Geld, etwas Neues ausprobieren. Und so gründete er im August 1997 gemeinsam mit Marc Randolph, ebenfalls Softwareunternehmer, die Firma Netflix, einen Online-Videoverleiher. Es dauerte bis zum nächsten Jahr, bis Netflix den Betrieb aufnahm und ein weiteres Jahr verging, bis das Abo-Modell stand: Für die monatliche Gebühr konnte man sich so viele DVDs per Post kommen lassen wie man im Monat schaffte.

125 Millionen Video-Stunden pro Tag

Komplett abgeschrieben ist der DVD-Verleih auch heute noch nicht: Laut Washington Post ist das Geschäft mit physischen Datenträgern noch immer profitabel – tatsächlich häuft Netflix Schulden an. Die immer noch von Hastings geführte Firma ist mittlerweile vor allem für den Streaming-Service bekannt. Die mehr als 100 Millionen Kundenhaushalte weltweit schauen sich nach jüngsten Zahlen jeden Tag 125 Millionen Stunden Video an. Rund sechs Milliarden Dollar steckt Netflix dieses Jahr in Inhalte, darunter hunderte Millionen in exklusive Produktionen.

Bis hier war es ein weiter Weg, auf dem der Erfolg nicht unbedingt programmiert schien. Die Geschichte hätte ganz anders verlaufen können, wenn der Videotheken-Riese Blockbuster im Jahr 2000 das Deal-Angebot von Hastings angenommen hätte. Netflix wollte die Marke von Blockbuster online betreiben. Ein Manager des Videotheken-Betreibers erinnerte sich später in Branchenblatt “Variety”, dass man Netflix für 50 Millionen Dollar hätte kaufen können. Doch die Delegation des jungen Videodienstes wurde förmlich aus der Blockbuster-Chefetage herausgelacht, wie sich die damalige Netflix Finanzchef Barry McCarthy später erinnerte. Zehn Jahre später musste Blockbuster Insolvenz anmelden, 2013 schloss die letzte Filiale. Es war unter anderem das 2007 gestartete Streaming bei Netflix, das Blockbuster das Genick brach.