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Mozilla will Deutschland besser verstehen

Im Eingangsbereich der neuen Mozilla-Filiale in Berlin.

(Bild: Mozilla)

Das Open-Source-Unternehmen hat mitsamt seiner kompletten Chefetage seine größte europäische Niederlassung in Berlin eröffnet – und seine Agenda deutlich gemacht.

Mozilla hat am gestrigen Donnerstag seine neue Berliner Niederlassung offiziell einweiht. Das nach dem Umzug aus Berlin-Wedding stark vergrößerte Büro ist nunmehr die größte Filiale des Open-Source-Unternehmens in Europa.

47 Mitarbeiter aus 13 Ländern haben ihren Arbeitsplatz am Kreuzberger Spree-Ufer. Dazu kommen noch 23 Mitarbeiter im Home-Office und Arbeitsräume für die ehrenamtlichen Community-Mitglieder, die zum Beispiel für die Lokalisierung zuständig sind. Die Räume sind nach CSS-Farbnamen wie “honeydew” oder “hotpink” benannt und gestaltet. Sollten die 2100 Quadratmeter nicht mehr ausreichen, steht eine Ausbaureserve zur Verfügung. Insgesamt beschäftigt die Mozilla Corporation 1150 Menschen und verfügt über zehn Standorte in Nordamerika, Europa und Ostasien.

Zu den Schwerpunkten der Arbeit in Berlin gehören Security und Innovationsprojekte, etwa die Spracherkennung Common Voice. Außerdem will Mozilla die deutschen Besonderheiten verstehen und berücksichtigen – denn einerseits ist Deutschland einer der wichtigsten Märkte für Firefox, andererseits reagieren die Nutzer hierzulande besonders empfindlich auf vermeintliche oder reale Datenschutzprobleme. Und das ist ein Problem für Mozilla, denn viele Zukunftsprojekte wie Spracherkennung, Augmented Reality oder Google-unabhängige Webseiten-Empfehlungen benötigen große Datenmengen.

Zur Eröffnung kam die komplette Chefetage der Mozilla Corporation um Mitchell Baker und Chris Beard aus San Francisco angereist; von der gemeinnützigen Foundation war unter anderem der Vorsitzende Mark Surman dabei.

Baker machte nochmals klar, worum es bei Mozilla eigentlich geht: Das gemeinsame Ziel des Unternehmens und der gemeinnützigen Stiftung ist es, Werkzeuge für ein gesundes Internet bereitzustellen und die Bürger für ein besseres Online-Leben zu mobilisieren, und zwar unabhängig von ihrer technischen Expertise. Firefox nimmt dabei eine wichtige Aufgabe ein, ist aber nicht alles.

Dabei erforscht Mozilla auch Techniken, die langfristig das Surfen im Web und den Browser selbst grundlegend verändern könnten – insbesondere Virtual, Augmented und Mixed Reality sowie Open-Source-Spracherkennung. Um Inhalte besser erschließen zu können, hat Mozilla Pocket übernommen und in das deutsche Unternehmen Cliqz investiert; eine eigene Suchmaschine, wie vom ehemaligen CTO Andreas Gal gefordert, steht allerdings nicht auf dem Programm.

Nebenbei betreibt Mozilla mit MDN die umfassendste und hochwertigste Dokumentation von Webtechniken, die ein neues Design bekommen hat und sich demnächst mit ausführbaren Code-Beispielen und Umstellung von Wiki auf Git erneuern will. Politische Arbeit, etwa bei Themen wie Netzneutralität oder Urheberrechten, leistet insbesondere die Mozilla-Stiftung. So stellt sie einen Internet Health Report zusammen und arbeitet an Rahmenbedingungen für ein funktionierendes Internet of Things.

Dass bei alldem das Kernprodukt nicht zurücksteht, stellte CEO Chris Beard klar. “Bei Firefox sind wir zurückgefallen”, meinte er selbstkritisch: “Chrome war eine Weile das bessere Produkt.” Spätestens mit den umfangreichen Änderungen in Firefox 57, der in einem Monat als finale Version erscheinen wird, soll sich das aber geändert haben.
(Herbert Braun) /


(anw)