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Mobilfunk-Chips: Broadcom will Qualcomm kaufen

Raspberry 3 mit Broadcom-Chip

Ein Broadcom BCM2837 auf einem Raspberry Pi 3 Model B

Es wäre die größte Übernahme in der Geschichte der Computerchip-Branche: Broadcom plant, ein Angebot für Qualcomm abzugeben. Außerdem will Broadcom in die USA umziehen.

Chiphersteller Broadcom Ltd. will die größte Fusion der Chip-Geschichte stemmen: Wie Bloomberg berichtet, bereitet Broadcom ein Übernahmeangebot für Qualcomm vor. Der Kaufpreis soll mehr als 100 Milliarden US-Dollar (rund 86 Milliarden Euro) betragen und zum größeren Teil in bar, zum kleineren Teil in Aktien bezahlt werden. Qualcomm-Aktien haben am Freitag auf den Bericht mit einem Kurssprung von fast 13 Prozent reagiert, Broadcom-Papiere legten rund 5,5 Prozent zu.

Porträtfoto

Broadcom-Chef Hock Tan

(Bild: Broadcom
)

Broadcom Ltd. (ehemals Avago) ist in Singapur beheimatet und vor allem für seine WLAN- und Bluetooth-Chips bekannt. Die Firma ist seit Jahren auf Einkaufstour, wobei die bisher größte Übernahme jene der Broadcom Corporation im Vorjahr war. Avago zahlte 37 Milliarden US-Dollar, was die bislang größte Übernahme in der Chip-Branche überhaupt bedeutet. Avago übernahm dabei auch den Firmennamen “Broadcom”. Gegenwärtig im Laufen ist Broadcoms Übernahme von Brocade zum Preis von 5,5 Milliarden Dollar.

Qualcomm hat seinen Firmensitz im kalifornischen San Diego und verdient sein Geld vor allem mit Mobilfunk-Chips und der Verwertung damit verbundener Patente. Wie das Unternehmen auf ein Übernahmeangebot Broadcoms reagieren würde, ist offen. Qualcomm selbst versucht derzeit, NXP zu kaufen, das insbesondere für RFID-Chips bekannt ist. Das Gebot von 38 Milliarden Dollar würde den Broadcom-Kauf durch Avago noch knapp übertreffen, durch eine Übernahme Qualcomms durch Broadcom aber in den Schatten gestellt.

Sowohl Qualcomms Gebot für NXP als auch Broadcoms wahrscheinliches Gebot für Qualcomm rufen die Aufmerksamkeit von Wettbewerbsbehörden hervor. Da es sich bei Qualcomm um ein US-Unternehmen handelt und Broadcom in Singapur sitzt, wäre zusätzlich noch eine spezielle Genehmigung der US-Regierung für Übernahmen durch Ausländer erforderlich.

Hinzu kommt, dass Abgeordnete beider Parteien im US-Parlament die entsprechenden Regeln für Ausländerübernahmen verschärfen möchten. Allerdings dürfte Broadcom diese Hürde umschiffen. Das Unternehmen hat angekündigt, seinen Firmensitz von Singapur in die USA zu verlagern, womit die Ausländergenehmigung nicht mehr notwendig wäre.


(ds)