/Mit bestrahlten Moskitos gegen Infektionskrankheiten

Mit bestrahlten Moskitos gegen Infektionskrankheiten

Mit bestrahlten Moskitos gegen Infektionskrankheiten


Ben Schwan

Im Süden Deutschlands werden zur Schädlingsbekämpfung Mücken freigelassen, deren Erbgut mittels Radioaktivität beschädigt wurde.

Jede Woche setzt derzeit ein Team um Kampagnenleiter Norbert Becker in Süddeutschland 15.000 bis 20.000 manipulierte Männchen der Spezies Tigermücke aus. Das Vorhaben dient der Bekämpfung von Infektionskrankheiten, berichtet Technology Review in seiner September-Ausgabe (“Radioaktivität gegen Mücken”), die ab Donnerstag am Kiosk liegt oder online bestellt werden kann. Moskitospezialist Romeo Bellini vom Centro Agricoltura Ambiente Giorgio Nicoli in Bologna hat das Erbgut der Mücken mit radioaktiver Gammastrahlung so massiv geschädigt, dass die Tiere keinen lebensfähigen Nachwuchs mehr bekommen können. Da die Männchen kleiner sind als die Weibchen, lassen sich beide Geschlechter voneinander trennen, indem die verpuppte Brut einfach ausgesiebt wird.

TR 9/2017

Der Text stammt aus der September-Ausgabe von Technology Review (ab 17.8. im Handel und im heise shop erhältlich).

Die sterile Insektentechnik auf Basis von radioaktiver Strahlung gibt es schon seit fünfzig Jahren. Mit derart sterilen Tsetsefliegen entledigte sich die Insel Sansibar der gefährlichen Schlafkrankheit. Aber die radioaktive Strahlung schädigt das Erbgut der Insekten wahllos und massiv. Deshalb sind sie weniger fit als ihre wild lebenden Artgenossen. Bei der Malariamücke versagte die Methode deshalb. Die Weibchen paarten sich einfach zu ungern mit den schlappen Männchen aus dem Labor.

Die mangelnde Fitness der radioaktiv bestrahlten Männchen müssen die Forscher mit schierer Masse wettmachen. Auf ein wild lebendes Tigermückenmännchen bringen sie zehn sterile aus, dreitausend pro Hektar. Nur weil es lediglich einige Hundert der Plagegeister in Heidelberg gibt, könnte der Plan von der lokalen Ausrottung aufgehen. Die Tigermücken sind nämlich hierzulande nicht heimisch und kommen nur sporadisch vor. Güterzüge und Lkws schleppen sie aus Südeuropa vor allem entlang der Autobahn A5 ein. Nachgewiesen hat sie das Team bisher in Freiburg, Heidelberg und Sinzheim.

Mehr dazu bei Technology Review Online:

(bsc)