/Meterhohe Feuer und geplünderte Geschäfte – Eskalation im Schanzenviertel

Meterhohe Feuer und geplünderte Geschäfte – Eskalation im Schanzenviertel

Der Auftakt des ersten G20-Gipfels in Deutschland ist von heftigen Krawallen überschattet worden. Die Anfahrt der Staats- und Regierungschefs zum Gipfelgelände in der Hamburger Innenstadt wurde durch Straßenblockaden behindert. Das Partnerprogramm musste wegen der angespannten Sicherheitslage verändert werden. Die Ehefrau von US-Präsident Donald Trump konnte wegen der Ausschreitungen zunächst nicht teilnehmen. Die Polizei forderte Verstärkung aus anderen Bundesländern an. In der Nacht und am Morgen kam es an vielen Stellen der Stadt zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei mit Verletzten auf beiden Seiten. Es gab Zerstörungen und zahlreiche Brände.

G20-Auftakt: Krawall auf der Straße – Ärger am Verhandlungstisch

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beriet mit den Staats- und Regierungschef großer Wirtschaftsmächte zunächst über Terrorbekämpfung. Dabei trafen erstmals US-Präsident Donald Trump und der russische Präsident Wladimir Putin aufeinander. Trump hatte unmittelbar vor dem Treffen Drohungen gegen Russland ausgesprochen.

Ärger gibt es aber auch innerhalb des westlichen Lagers: Die Europäische Union drohte Trump umgehende Sanktionen an, sollte dieser zulasten europäischer Unternehmen den US-Stahlmarkt abschotten. “Wir sind in gehobener Kampfesstimmung”, sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Protektionismus sei “absolut der falsche Weg”. Trump hatte im April eine Untersuchung in Auftrag gegeben, die klären soll, ob Stahlimporte die nationale Sicherheit in den USA beinträchtigen. Sie könnte eine Beschränkung der Einfuhren zur Folge haben.

Das erste G20-Gipfeltreffen in Deutschland wird von etwa 19 000 Polizisten geschützt. Für Freitagabend wurde eine weitere Demonstration unter dem Motto “G20 entern” angekündigt. Ab 6.00 Uhr bis Samstagnachmittag 17.00 Uhr gilt in Teilen der Innenstadt ein Versammlungsverbot. Dann etwa endet das G20-Treffen.

G20-Demo “Welcome to Hell” eskaliert – Weitere Proteste am Freitag

Die Protest-Aktion “Welcome to Hell” am Donnerstagabend endete mit Zusammenstößen zwischen G20-Gegnern und der Polizei. Die Polizei setzte während und nach der Autonomen-Kundgebung Wasserwerfer ein, gewalttätige Demonstranten warfen Flaschen auf die Beamten. In einigen Straßen der Innenstadt brannten Barrikaden, Schaufenster wurden eingeschlagen. Die Polizei sprach von mindestens 76 verletzten Beamten, einer der “Welcome to Hell”-Initiatoren von “zahlreichen” Verletzten auf Seiten der Demonstranten.

Etwa 1000 Vermummte hatten sich nach Angaben der Polizei unter die rund 12 000, überwiegend friedlichen Demonstranten gemischt. Die Beamten stoppten den Zug kurz nach dem Start und setzten Pfefferspray sowie Wasserwerfer ein. Aus den Reihen der Demonstranten flogen Flaschen, Feuerwerk wurde gezündet. Die Menge wurde auseinandergetrieben. An vielen Orten in der Innenstadt gab es anschließend Scharmützel, kleinere Barrikaden wurden errichtet und angezündet. Die Veranstalter warfen der Polizei ein unverhältnismäßiges Vorgehen vor. Auch das globalisierungskritische Netzwerk Attac verurteilte die Polizei-Strategie. Nach Angaben des Demo-Veranstalters hatte es am Abend mehrere Festnahmen gegeben.

Alle wichtigen Entwicklungen zum G20-Gipfel in Hamburg lesen Sie HIER im News-Ticker:

+++ Freitag, 07.07.2017, 22:06 Uhr:Erdogan fehlt bei G20-Konzert in Hamburger Elbphilharmonie +++

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und seine Ehefrau Emine sind dem feierlichen Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie am Rande des G20-Gipfels ferngeblieben. Aus dem Umfeld Erdogans hieß es, der Präsident sei stattdessen am Freitagabend nach dem ersten Gipfeltag in sein Hotel in Hamburg gefahren. Er habe dort eine Besprechung mit seinen mitreisenden Ministern gehabt. Ein Grund für das Fernbleiben wurde nicht genannt.

In der ersten Reihe blieben bei dem Konzert zwei Plätze frei, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. An diesem Samstagmorgen um 08.00 Uhr war nach dpa-Informationen ein Treffen Erdogans mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Rande des G20-Gipfels geplant.

In der Elbphilharmonie wurden für die Staats- und Regierungschefs und deren Partnern am Abend Beethovens 9. Sinfonie gespielt, das Hauptthema des letzten Satzes ist die Hymne der Europäischen Union. Gipfel-Gastgeberin Angela Merkel hatte sich das Stück gewünscht. Die Bundesregierung hatte dem türkischen Präsidenten einen Auftritt vor Landsleuten am Rande des G20-Gipfels untersagt. Erdogan hatte das Verbot in der Wochenzeitung “Die Zeit” als “sehr hässlich” bezeichnet und gesagt: “Deutschland begeht Selbstmord.”

Erdogan-Berater Ilnur Cevik kritisierte in der regierungsnahen Zeitung “Daily Sabah”, Deutschland als G20-Gastgeber “zeigt offen seine Opposition gegen Präsident Erdogan». Weiter schrieb er, Erdogan wisse um die “extrem negativen Haltung” der Bundesregierung gegenüber seiner Person. “Er ist sich auch bewusst, dass sich diese negative Haltung in deutsche Staatspolitik gegen die Türkei verwandelt hat.”

+++ Freitag, 07.07.2017, 22:06 Uhr: Anwohner im Schanzenviertel genervt +++

Bewohner des Schanzenviertels reagierten angesichts meterhoher Feuer auf den Straßen, Tausender militanter Demonstranten und Plünderungen von Geschäften laut Polizei zunehmend genervt. Sie distanzierten sich demnach von den Störern und forderten sie auf, die Krawalle zu beenden. Randalierer kletterten auf Baugerüste und Dächer. Die Polizei appellierte an Schaulustige, ihre Arbeit nicht zu behindern. Ein Beamter erlitt einen Unterschenkelbruch.

+++ Freitag, 07.07.2017, 21:58 Uhr: Geschäfte im Schanzenviertel geplündert +++

Im Schanzenviertel haben Randalierer einen Drogeriemarkt und einen Lebensmittelmarkt geplündert. Nach Angaben der Polizei waren im Bereich der Straße Schulterblatt, die zum linksautonomen Kulturzentrum Rote Flora führt, einige Demonstranten massiv unter anderem mit Zwillen bewaffnet. Laut Polizei bewarfen sie die Beamten von einem Gerüst aus und schossen mit den Zwillen auf sie. Viele Demonstranten klettern nach Angaben von Augenzeugen auf Gerüste der angrenzenden Häuser.

+++ Freitag, 07.07.2017, 21:40 Uhr: Krawalle im Hamburger Schanzenviertel +++

Im Hamburger Schanzenviertel gab es am Abend größere Krawalle. Auf der Straße brannten Feuer, teils meterhoch. Steine flogen. Nach Angaben der Polizei waren mehrere Randalierer mit Eisenstangen unterwegs. Ein Wasserwerfer war im Einsatz. Größere Einheiten der Polizei standen zunächst noch etwa 150 Meter von den Feuern entfernt. Die Polizei beriet über die weitere Strategie.