/Mercedes-AMG GT / GT S Facelift (2017): Vorstellung AMG GT mit einem Schuss “R”

Mercedes-AMG GT / GT S Facelift (2017): Vorstellung AMG GT mit einem Schuss “R”

— 05.09.2017

AMG GT mit einem Schuss “R”

Mercedes spendiert dem AMG GT ein Update. Der V8-Sportler bekommt optische und technische Details vom GT R und mehr Leistung. Alle Infos und Fahrbericht!

Vorstellung: Der AMG GT bekommt den Panamericana-Grill
Interieur: AMG Night Paket-Interieur neu für den GT
Fahren: Zwei Zentimeter Gas sind 100 km/h
Ausstattung: Hinterachslenkung auf Wunsch für den AMG GT S
Connectivity: AMG Track Pace App für das iPhone
Motoren: Mehr Leistung für AMG GT und GT S
Technische Daten und Preise: Kleiner Aufpreis für das Facelift
Gebrauchtwagen: AMG GT fahren für unter 100.000 Euro

Vorstellung: Der AMG GT bekommt den Panamericana-Grill

Seit 2015 auf dem Markt, ist der Mercedes-AMG GT der stilistische Nachfolger des SLS AMG. Mit seinem 4,0-Liter-V8-Biturbo und klassischem Layout (Motor vorne, angetriebene Achse hinten) ist die Affalterbacher Sportskanone ein Parade-Gran-Turismo, der trotz anderem Antriebskonzept der Sportikone Porsche 911 Konkurrenz macht. Oder der Corvette, deren V8 (455 PS) unter einer ähnlich langen Haube brodelt. Neben den Modellen AMG GT und AMG GT S bietet Mercedes auch den nachgeschärften AMG GT C und den rennstreckentauglichen GT R mit 585 PS an. Diese radikalste Version der GT-Familie spendet den regulären GT-Modellen jetzt optische und technische Details.

Den Panamericana-Grill übernimmt das Facelift vom Topmodell GT R.

Auffälligstes Merkmal des modifizierten GT ist die neue Frontschürze. Die senkrecht stehenden Chrom-Streben im sogenannten Panamericana-Grill sind bereits vom GT R bekannt, ebenso die vergrößerten seitlichen Lufteinlässe. Zudem verfügt der GT über eine aktive Aerodynamik. Mercedes nennt das Luftleitsystem “Airpanel”. Lamellen öffnen oder schließen sich automatisch – je nach Kühlluftbedarf. Geschlossen leiten sie die Luft in Richtung Unterboden, offen wird die komplette Kühlfläche freigegeben. Die Motorölkühler sitzen deshalb fortan nicht mehr mittig in der Schürze, sondern in den Radläufen. An seinen ursprünglichen Platz wanderte der Hauptwasserkühler.

Interieur: AMG Night Paket-Interieur neu für den GT

Die Unterschiede zum bisher erhältlichen AMG GT sind marginal. Einzige nennenswerte Neuerung ist das vom AMG GT R bekannte Night Paket-Interieur. Darin enthalten ist das AMG Performance-Lenkrad in Alcantara-Nachbildung mit schwarzen Speichen und Schaltwippen, sowie eine schwarze Kofferraumquerstrebe und schwarze Lehnen der optionalen AMG Performance-Sitze.

Fahren: Zwei Zentimeter Gas sind 100 km/h

Der Vierliter-V8-Biturbo schiebt mit viel Druck und gutem Durchzug an.

Einsteigen in den AMG GT S: Die tiefe Sitzposition suggeriert dem Fahrer von Anfang an, dass dieser Wagen nur auf dem Papier einen Komfort-Modus besitzt. Mit Druck auf den Start-Stopp Knopf ertönt ein donnerndes Grollen aus den zwei Endrohren, doch danach schnurrt der V8-Biturbo angenehm vor sich hin. Setzt man die 522 PS in Bewegung, könnte der GT S auch eine A-Klasse sein, so brav bewegt er sich vorwärts. Im “Comfort-Modus” ist der AMG immer noch hart, reagiert aber angenehm entspannt auf den Gaspedal-Einsatz. Die Lenkung gibt weniger Widerstand. So abgestimmt gleitet der Mercedes unaufdringlich durch bewohntes Gebiet, die Klappen des Auspuffs sind hier standardmäßig geschlossen. Anders beim Fahrmodus “Sport +”. Tritt der Fahrer hier das Gaspedal etwas enthusiastisch herunter, erinnert der 670 Nm starke Affalterbacher daran, aus welchem Holz er geschnitzt ist. Das Fahrwerk ist straff und lädt zu schnellen Kurvenfahrten auf der Landstraße ein. Die Lenkung gibt gutes, direktes Feedback ohne den Fahrer zu überfordern. In diesem Modus sind die Klappen generell geöffnet, was bei Lastwechseln deutlich hörbares Knallen hervorruft. Hier macht der GT S durch seine sehr direkten Fahrwerkseigenschaften die Landstraße zum Spielplatz. Das Doppelkupplungsgetriebe hält die Gänge lange, was zu kraftvollem Durchzug bei der Beschleunigung führt. Apropos Durchzug: Für einen aufgeladenen V8 spricht der Vierliter-Motor sehr spontan an. Wer das Biest im GT S wecken möchte, geht aber noch eine Stufe weiter. Im schnellsten Modus “Race” entsprechen zwei Zentimeter Gasweg gefühlt 100 km/h. Hier ist das ESP freimütiger abgestimmt und erlaubt auch kleine Drifts in der Kurve. Die Gasannahme ist hier noch spitzer. Der GT S möchte permanent losspurten, er schaltet noch später in höhere Gänge und früher herunter.

Ausstattung: Hinterachslenkung auf Wunsch für den AMG GT S

Die GT-Familie wird immer größer. Mit dem Facelift leistet der GT S 522 PS statt bisher 510 PS.

Mit dem Mini-Facelift tauchen neue Ausstattungsoptionen in der Liste der Extras auf: Neu sind das Chrom Exterieur Paket (Zierteile in Chrom) und das Carbon Exterieur Paket (Zierteile in Sichtcarbon). Zudem ist das Dynamic Plus Paket jetzt auch für das Basismodell AMG GT erhältlich. Auf Wunsch ist auch die aktive Hinterachslenkung im Rahmen des AMG Dynamic Plus Paket für den AMG GT S bestellbar. Im Geschwindigkeitsbereich unter 100 km/h lenken die Hinterräder gegenläufig ein, was die Agilität erhöhen soll. Über 100 km/h lenkt die Hinterachse dann analog zur Vorderachse ein – laut Mercedes steigert sich so die Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten. Darüber hinaus gibt es neue Felgen in 19-/20-Zoll und eine Sitzbelüftung für die Performance-Sitze.

Connectivity: AMG Track Pace App für das iPhone

Das AMG GT Facelift übernimmt einige Teile vom Topmodell AMG GT R.

Auch für das digitale Wohlbefinden soll gesorgt sein. Mit der optionalen Track Pace App zieht sich das iPhone in Echtzeit Fahrdaten wie Geschwindigkeit, Gang, Lenkwinkel, Zeit, Position und Beschleunigung, sodass die Daten später geteilt werden können. Zusätzlich kann die Kamera des iPhone filmen und die Telemetriedaten in die Filmaufnahme einblenden.

Motoren: Mehr Leistung für AMG GT und GT S

Mehr PS für AMG GT und GT S. Der 4,0 Liter große Biturbo-V8 des GT bekommt 14 PS mehr und leistet jetzt 476 PS. Außerdem springen bei der Kraftkur 30 Nm zusätzliches Drehmoment heraus, sodass der Einstiegs-GT maximal 630 Nm Drehmoment ans Getriebe schickt. Die S-Version erstarkt um 12 PS auf 522 PS und bis zu 670 Nm Drehmoment – 20 Nm mehr als bisher.  Der GT feuert laut Mercedes in glatten vier Sekunden auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 304 km/h (Roadster: 302 km/h). In der 522 PS starken S-Version verkürzt sich die 0-auf-100-Sprintzeit um 0,2 Sekunden auf 3,8 Sekunden. Das Ende der Fahnenstange ist im überarbeiteten AMG GT S bei 310 km/h erreicht.

Technische Daten und Preise: Kleiner Aufpreis für das Facelift

Mercedes-AMG GT • Motor: V8-Biturbo • Hubraum: 3982 ccm • Leistung: 350 kW (476 PS) bei 6000 U/min • max. Drehmoment: 630 Nm bei 1700 bis 5000 U/min • Beschleunigung: 0-100 km/h in 4,0 s • Topspeed: 304 km/h • Gewicht: 1615 kg (Leergewicht inkl. Fahrer) • Verbrauch: 9,3 l/100 km • Preis 117.280 Euro.

Mercedes-AMG GT Roadster • Motor: V8-Biturbo • Hubraum: 3982 ccm • Leistung: 350 kW (476 PS) bei 6000 U/min • max. Drehmoment: 630 Nm bei 1700 bis 5000 U/min • Beschleunigung: 0-100 km/h in 4,0 s • Topspeed: 302 km/h • Gewicht: 1670 kg (Leergewicht inkl. Fahrer) • Verbrauch: 9,4 l/100 km • Preis: 129.180 Euro.

Mercedes-AMG GT S • Motor: V8-Biturbo • Hubraum: 3982 ccm • Leistung: 384 kW (522 PS) bei 6250 U/min • max. Drehmoment: 670 Nm bei 1700 bis 4750 U/min • Beschleunigung: 0-100 km/h in 3,8 s • Topspeed: 310 km/h • Gewicht: 1645 kg (Leergewicht inkl. Fahrer) • Verbrauch: 9,4 l/100 km • Preis 136.201 Euro.

Gebrauchtwagen: AMG GT fahren für unter 100.000 Euro

Bisher hat der AMG GT 462 PS geleistet, ab 2017 stehen 476 PS und somit genauso viel wie im C 63 zur Verfügung.

Das Angebot an gebrauchten AMG GT und GT S ist üppig. Der bisher 462 PS starke GT beginnt als Gebrauchter bei gut 90.000 Euro. Die meisten Modelle haben geringe Laufleistungen und stehen beim Mercedes-Vertragshändler. Für knapp unter 100.000 Euro gibt es 2015er AMG GT mit jungfräulichen Kilometerständen und sehr guter Ausstattung wie Magno-Lackierung Keramikbremse. Der 510 PS starke GT S ist im Basisneupreis knapp 20.000 Euro teurer und diese Preisdifferenz passt auch bei den Gebrauchtwagen.

Ab etwa 105.000 Euro gibt es gebrauchte AMG GT S, die Laufleistungen sind bei diesem Preis jedoch eher hoch. Lieber ein paar Tausend Euro mehr investieren und einen vernünftig ausgestatteten GT S mit gut 20.000 Kilometer auf der Uhr für 113.000 Euro nehmen. AUTO BILD Tipp: den Aufpreis sparen und auf das “S” verzichten. Der AMG GT bietet fast die gleichen Fahrleistungen wie der GT S, kostet aber auch gebraucht zwischen 15.000 Euro und 20.000 Euro weniger. Probleme sind beim noch jungen AMG GT selten, dennoch beschweren sich einige Besitzer über schwächelnde Getriebe, die zum Teil mit der Serienleistung überfordert sind. Auf Mehrleistung vom Tuner können die Schaltboxen besonders allergisch reagieren.


Autor:

Andreas Huber

Fazit

Der GT S ist nicht die pure Unvernunft. Möchte man genüsslich über die Landstraße cruisen kann er das nämlich auch gut. Er läd immer wieder zu schnellen Kurven ein, ohne dabei dem Fahrer das Gefühl zu geben, er würde die Kontrolle verlieren. Trotzdem liefert der Sportwagen viel Performance wenn der Fahrer das möchte.

Autoren: Peter R. Fischer, Jan Götze, Andreas Huber