/Mercedes A-Klasse W177 (2018): Test, Preis, Innenraum, Motor Neue A-Klasse wird voll digital

Mercedes A-Klasse W177 (2018): Test, Preis, Innenraum, Motor Neue A-Klasse wird voll digital

— 23.11.2017

Neue A-Klasse wird voll digital

2018 startet die vierte Generation der Mercedes A-Klasse. Der Kompakte bekommt Features aus der Luxusklasse. AUTO BILD hat  schonmal Probe gesessen!

Vorstellung: Neue Erlkönigbilder der kommenden A-Klasse

Bei der neuen A-Klasse setzt Mercedes weiterhin auf Diesel und Benziner.

Bis April 2018 muss die neue A-Klasse fertig sein, schon jetzt durfte AUTO BILD Probe sitzen. Außerdem sind neue Erlkönigbilder aufgetaucht, die den Kompakten mit Stern ohne typisches Tarnkleid zeigen. Der in Orange lackierte Wagen lässt jede Menge Einzelheiten erkennen. An der Front findet sich ein sechseckiger, abgerundeter Diamant-Kühlergrill. Daneben sitzen die im Vergleich zum Vorgänger deutlich kleineren Scheinwerfer. Die Lufteinlässe in der vorderen Stoßstange sind ebenfalls dezenter ausgeführt. An der Seite ist die Kante des Vorgängers im Blech etwas weniger hart modelliert. Der Dachkantenspoiler lässt die Dachlinie zum Heck hin steiler abfallen, ansonsten bleibt die Grundform des Ausgangsmodells bestehen. Das Heck wirkt bis auf die Rückleuchten weitestgehend unangetastet. Die neuen Leuchteinheiten sind schmaler und etwas kantiger. Sie reichen weit in die Mitte des Kofferraumdeckels und sind zweigeteilt.

Die A-Klasse wird es weiterhin nicht als Dreitürer geben. Der angedachte Einsteiger ist damit ebenso vom Tisch wie Coupé und Roadster. So sehen die Palette und der Zeitplan aus:
• A-Klasse Fünftürer: April 2018
• A-Klasse Limousine (inklusive einer Langversion für China und USA): Oktober 2018
B-Klasse: Februar 2019
CLA: April 2019
• CLA Shooting Brake: Juli 2019
GLB (Crossover): September 2019
GLA: April 2019

Wie gehabt liefert das fünftürige Grundmodell den Grundstock für zahlreiche Ableger, wie den nächsten CLA. Das Coupé will Mercedes noch extremer anlegen, um Platz zu schaffen für die A-Klasse-Limousine, die soll vor allem in China und den USA ankommen. Der Nachfolger des Shooting Brake (X 257) wird kein kleiner Kombi, sondern ein Kurzheck mit etwas mehr Platz in Fond und Kofferraum. Völlig neu ist der GLB (X 247), der ganz anders aussehen wird als der bisherige GLA. Das Design des auf Wunsch siebensitzigen GLB nimmt Anleihen bei der kantig-rustikalen G-Klasse. Obwohl die Langversion der ersten A-Klasse ein Flop war, sind in Zukunft wieder zwei verschiedene Radstände angesagt – im GLB in Kombination mit drei Sitzreihen.

Interieur: AUTO BILD hat schon dringesessen

Statt des Dreh-Drück-Stellers setzt Mercedes bei der neuen A-Klasse auf ein Touchpad.

Noch vor der offiziellen Premiere hat AUTO BILD in der neuen A-Klasse Probe gesessen, und zwar in einem äußerlich noch getarnten Vorserienfahrzeug, das im Innenraum aber auf Serienstand ist. Das optische Highlight der neuen A-Klasse ist ohne Frage das riesige Widescreen-Cockpit. Die zwei unter einem Glaspaneel positionierten, jeweils 10,25 Zoll großen Displays sind stockscharf und könnten auch glatt aus der S-Klasse stammen. Analoge Instrumente gibt es in der A-Klasse gar nicht mehr, sogar die Basisversion kommt mit voll digitalen Anzeigen. Einzig die Größen der Displays variieren je nach Ausstattungsvariante zwischen zwei Sieben-Zoll-Displays (Basis), Sieben- und 10,25-Zoll-Display in Kombination oder zwei 10,25-Zoll-Bildschirmen. Ob digitale Anzeigen der richtige Schritt sind, bleibt Geschmackssache – Fakt ist, dass diese Darstellungsart in der Kompaktklasse komplett neu ist. Erstmals kommt das Widescreen-Cockpit zudem ohne Hutze über den Instrumenten aus. Möglich macht das die steile Neigung der Displays und eine spezielle Shutterfolie. Laut Mercedes soll das zehn Zoll große Display nicht stärker spiegeln als analoge Instrumente mit Tachoabdeckung. Im dunklen Studio überzeugen die zwei zehn Zoll großen Displays mit superscharfer Auflösung und keinerlei Spiegelungen. Aber erst ein Test unter Realbedingungen kann zeigen, ob das Display weitesgehend spiegelfrei ist. Eine Neuerung gibt es auch bei der Bedienung: Der Dreh-Drück-Steller hat ausgedient. Stattdessen gibt es ein Touchpad, das auch Wisch- und Zoomgesten beherrschen soll. Wie das funktioniert? Keine Ahnung – wir durften das System zwar anschauen aber noch nicht testen. Immerhin: Die auf Wunsch belederte Handauflage hinter dem Touchpad fühlt sich gut an. Besonders stolz ist Mercedes auf das neue Ambientelicht mit 64 Farben, bei dem sogar zwei Farben gleichzeitig eingestellt werden können.

Größeres Kofferraumvolumen und bessere Beladung

Die elektrische Sitzverstellung ist weiterhin in der Tür untergebracht, wurde aber deutlich vereinfacht dargestellt.

Neben viel neuer Technik hat Mercedes aber auch das Raumangebot der A-Klasse verbessert. Die vordere Sitzposition ist sehr gut. Lenkrad und Sitze sind vielfältig einstellbar, die Kopf- (plus 7mm) und Ellbogenfreiheit (plus 35mm) ist gewachsen und die Sportsitze bieten ausreichend Seitenhalt. Allerdings konnte auch der Vorgänger-Generation in diesen Punkten keine Vorwürfe machen. Da wurde schon eher die Rundumsicht bemängelt. Der Blick nach hinten/schräg hinten ist bei der dritten Generation der A-Klasse ein großer Kritikpunkt gwesen. Die Rundumsicht will Mercedes unter anderem durch schmalere Säulen um zehn Prozent verbessert haben. Im Test mit der Virtual-Reality-Brille scheint die Übersichtlichkeit tatsächlich leicht verbessert. Ein endgültiges Urteil kann aber auch hier nur ein Test im Verkehr bringen. Dafür ist klar, dass Mercedes die bisher extra schmale Kofferraumöffnung um 20 Zentimeter verbreitert hat. Wie das möglich ist? Geteilte Rückleuchten heißt die Lösung, gleichzeitig wächst das Volumen um 29 Liter. Ebenfalls sehr störend waren die fest verbauten Kopfstützen der Rückbank, die bei normal großen Menschen oft unangenehm im Nacken hängen. Die neue A-Klasse hat zwar immer noch Integral-Kopfstützen hinten, dafür hat Mercedes die Sitzposition tiefergelegt. Das löst das Problem zwar nicht komplett, macht das Sitzen in der zweiten Reihe aber deutlich angenehmer, zumal das Platzangebot hinten generell ausreichend ist.

Ausstattung: S-Klasse-Features für die A-Klasse

Wenn die neue A-Klasse 2018 an den Start geht, wird es den Kompakten in insgesamt vier Ausstattungsvarianten geben. Neben der Basisversion gibt es auch weiterhin die Lines Style und AMG. Die ehemalige Urban-Line wird bei der neuen Generation durch die Progressive-Line ersetzt, die den Fokus mehr auf Design legen soll. Bei den Außenfarben geht Mercedes allerdings einen sehr konventionellen Weg. Zum Marktstart können Kunden aus zehn Lackfarben wählen, die sich auf zwei Schwarz-, zwei Weiß- und vier Grautöne aufteilen. Die einzigen Farben sind Jupiterrot und Sonnengelb (wird nachgeliefert). Immerhin gibt es im Innenraum ein paar Farbtupfer, allerdings kann nicht jede Außenfarbe mit jeder Innenausstattung kombiniert werden. Neu sind die aufpreispflichtigen Zierleisten im Echtholzdesign und das Lenkrad im S-Klasse-Design. Allerdings ist das Volant in der A-Klasse mit einem Durchmesser von 37 Zentimeter etwas schmaler als das in der S-Klasse (38 Zentimeter). Zudem bietet Mercedes die A-Klasse mit drei verschiedenen Lenkrädern an, die jedoch alle über die Touchflächen verfügen. Neue Features in der Kompaktklasse bei Mercedes sind: Sitzklima und Multikontursitze mit Massage-Funktion. Genau wie andere Modelle bietet Mercedes die A-Klasse zum Marktstart als “Edition”-Sondermodell an, das sich durch mattgrauen Lack, 19-Zöller und gelbgrüne Nähte auszeichnet. 

Motoren und Preise: Mercedes setzt auf Diesel und Benziner

Eine elektrifizierte A-Klasse wird es wohl nicht geben. Stattdessen soll die E-Technik zunächst im teureren ELC auf Basis des GLC eingeführt werden. Im nächsten Schritt will Mercedes nur GLB und GLA als Elektroversionen (als EQA und EQB) anbieten, denn die SUVs bieten deutlich mehr Platz für die Akkus. 400 Kilometer Reichweite und rund 150 kW Leistung sind so kein Problem.

Trotz Fortschritten in Sachen E-Mobilität fahren Benziner und Diesel auch in der nächsten A-Klasse vorweg. Die von Renault zugelieferten Einstiegsmotoren verteilen ihr Hubvolumen von 1,2 und 1,3 Liter über vier Zylinder, die Leistung liegt mit 109 bis 163 PS leicht über BMW-Niveau. Der 2,0-Liter-Benziner, der im A 250 der laufenden Serie für 218 PS gut ist, soll dem Nachfolger mit 231 PS Beine machen. Zwischen A 250 und dem A 50 AMG will Mercedes den A 35 positionieren, der mit 340 PS dem BMW M140i – natürlich rein zufällig – ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefert. AMG entwickelt für das A-Klasse-Topmodell derweil einen neuen Vierzylinder, der in seiner extremsten Ausprägung mit 476 PS und 500 Nm in den Ring steigen soll – Mildhybrid und E-Boost-Effekt nicht mitgerechnet.

Die Dieselmodelle erhalten eine Leistungssteigerung: Der A 200 d kommt mit 150 statt 136 PS und der A 250 d mit 194 statt 177 PS. Serienmäßig bei allen Benziner- und Dieselantrieben ist der Mildhybrid. Mit 15 kW und 70 Nm kann das System nicht nur Booten und Verbraucher wie Klimaanlage und Sitzheizung mit Strom versorgen, sondern auch elektrisch ein- und ausparken. Der Preis für die Basis-Version liegt zum Marktstart 2018 bei 25.000 Euro.

Gebrauchtwagen: Die aktuelle A-Klasse ab 12.000 Euro

Die erste A-Klasse-Generation (W176) im neuem Design wird günstiger.

Auch als Gebrauchtwagen ist die A-Klasse kein Schnäppchen. Seit 2012 ist das aktuelle Modell (Typ W 176) auf dem Markt, Exemplare mit rund 100.000 Kilometern auf dem Tacho starten bei etwa 14.000 Euro. Der Generationswechsel war ein Paukenschlag, der Sandwichboden und die hohe Sitzposition des Vorgängers W169 verschwanden, dafür aber wurde auch dessen typischstes Problem beseitigt: der Türkantenrost. Die Langzeitqualität des W176 stimmt, Fahrwerk und Lenkung sind auf Agilität getrimmt – mit dem Facelift 2015 kamen ein neues Infotainment sowie ein etwas komfortableres (und optional verstellbares) Fahrwerk hinzu. Nur mit der Übersichtlichkeit hapert es in der A-Klasse. Ansonsten nerven nur Kleinigkeiten wie die billige Kofferraumabdeckung, undichte Xenon-Scheinwerfer oder klappernde Glasdächer – gut so, denn Ersatzteile sind teilweise atemberaubend teuer (Generator für 1320 Euro). Bei den Motoren kommen Benziner und Diesel mit einer Leistung zwischen 90 und 381 PS beim sportlichen AMG A 45 zum Einsatz. Für Traditionalisten sind die 160er und 180er Diesel mit Renault-Technik und Zahnriemen (Wartungsintervall: alle 200.000 Kilometer oder alle zehn Jahre) ein Stilbruch, doch das umgearbeitete Aggregat leistet gute Arbeit in der A-Klasse.

Autoren: Georg Kacher, Jan Götze