/Mehr Android-Updates durch länger gepflegte Linux-Kernel

Mehr Android-Updates durch länger gepflegte Linux-Kernel

(Bild: dpa, Christoph Dernbach)

Ein neuer Linux-Kernel mit sechs Jahren Langzeit-Support soll helfen, dass Android-Smartphones vier bis bis fünf Jahre lang Updates erhalten. Aber: Solche Kernel sind ein alter Hut, den Hardware-Hersteller bislang nicht zu ihrem Vorteil genutzt haben.

Android-Geräte sollen ab dem Auslieferungszeitpunkt viermal ein Update auf neue Android-Versionen erhalten, damit Smartphones während ihres “typischen Nutzungszeitraums” mit Updates versorgt werden – letztlich also zirka vier bis fünf Jahre. Diese Wunschvorstellung von “Google und seinen Partnern” umriss ein Mitarbeiter des Unternehmens kürzlich auf einer Entwicklerkonferenz. Eine dabei angekündigte Linux-Version mit besonders langer Pflege soll helfen, dieses Ziel zu erreichen.

Diesen Longterm-Kernel wollen die Entwickler rund um Linus Torvalds nicht wie üblich nur zwei, sondern insgesamt sechs Jahre pflegen – also mit kleinen Verbesserungen sowie Korrekturen für schwere Fehler und Sicherheitslücken versorgen. Was er dabei aber nicht erwähnte: Fünf und mehr Jahre gepflegte Versionslinien des Linux-Kernels gibt es schon seit Jahren – die Hersteller von Android-Hardware haben sie nur nicht eingesetzt.

Iliyan Malchev hat das Ganze in einem Vortrag auf der Linaro Connect San Francisco 2017 umrissen. Dieser drehte sich um das im Mai vorgestellte Projekt Treble. Herstellern sollen dadurch weniger Auwand haben, Updates von Android 8 (Oreo) auf spätere Android-Versionen zu erzeugen. Vereinfacht gesagt gelingt das mit einer definierten und testbaren Abstraktionsschicht zwischen dem Kernel und der damit ausgeführten Software (dem “Userland”).

Das Ganze erleichtert Herstellern einen Versionssprung beim Kernel, um beispielsweise ein mit Linux 4.4 ausgeliefertes Gerät später auf Linux 4.9 zu hieven. Beide Versionen sind Longterm-Kernel: Solche pflegen die Kernel.org-Entwickler nicht nur rund drei Monate, sondern mindestens zwei Jahre; sie gelten gemeinhin daher oft als Releases mit “Long Term Support” (LTS).


Screenshot der Video-Aufzeichnung auf connect.linaro.org.

Die Pflege der bei Android-Hardware eingesetzten Linux-Versionen endet meist schon weniger Monate, nachdem die Geräte in den Handel kommen.

(Bild: Screenshot der Video-Aufzeichnung auf connect.linaro.org.
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Durch die Vorlaufzeiten bei der Entwicklung neuer Android-Smartphones endet der Support laut Malchev aber selbst mit Glück aber oft bereits ein Jahr, nachdem die Geräte in den Handel kommen kommen. Weil die Hersteller auch nicht selbst für eine längere Pflege sorgen, ist das letztlich einer der Hauptgründe, warum Android bei vielen Smartphones keine Updates bekommt. Manche Geräte haben dadurch sogar bekannte und vom Hersteller nie korrigierte Sicherheitslücken, während sie noch in den Verkaufsregalen liegen.


Der Langzeitpflege für ausgewählte Linux-Versionen verspricht Hersteller von Android-Geräten mit Sicherheits- und Fehlerkorrekturen versorgen, die diese leicht in ihre auf dieser Version aufbauenden Kernel integrieren können.

Der Langzeitpflege für ausgewählte Linux-Versionen verspricht Hersteller von Android-Geräten mit Sicherheits- und Fehlerkorrekturen versorgen, die diese leicht in ihre auf dieser Version aufbauenden Kernel integrieren können.

(Bild: Screenshot der Slides auf connect.linaro.org.
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Auch wenn Treble den Wechsel auf neue Linux-Versionen leichter macht: Viele Hersteller dürften diese weiter scheuen. Solche ein Schritt zieht nämlich viel Arbeits- und Testaufwand nach sich, weil die Hersteller typischerweise proprietäre Treiber einsetzen und die als Basis eingesetzten Linux-Version teilweise heftigst verändern. Eine sechs Jahre gepflegter Kernel-Version kann hier helfen, denn so bekommen die Hersteller Sicherheitskorrekturen und kleine Verbesserungen frei Haus, die sie recht einfach und gefahrlos in ihre modifizierten Kernel-Quellen einbauen können.

Die Möglichkeit hätten die Hersteller aber schon immer gehabt. Das im Dezember 2009 erschienene Linux 2.6.32 haben die Kernel.org-Entwickler beispielsweise bis Anfang 2016 gewartet. Auch Linux 3.2 und 3.16 bekommen jeweils ungefähr sechs Jahre Support: Die ersten beiden Jahre liegt die in den Händen des bekannten Kernel-Entwicklers Greg Kroah-Hartman, der danach an den Kernel- und Debian-Entwickler Ben Hutchings abgibt. Der sorgt für besonders lange Pflege, weil die Kernel von Debian GNU/Linux 7 respektive 8 auf diesen Versionen aufbauen, die er betreut. Auf Kernel.org ist es zwar noch nicht verzeichnet, aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird er aus den selben Gründen auch die Pflege des in Debian GNU/Linux 9 verwendetenf Linux 4.9 auf fünf oder mehr Jahre ausdehnen.


Fünf oder sechs Jahre gepflegte Linux-Versionen sind ein alter Hut, den viele Hersteller von Android-Hardware nicht für sich zu nutzen wissen.

Fünf oder sechs Jahre gepflegte Linux-Versionen sind ein alter Hut, den viele Hersteller von Android-Hardware nicht für sich zu nutzen wissen.

(Bild: 
Screenshort von kernel.org.
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Kurioserweise ist es aber nicht diese Linux-Version, die laut Google-Entwickler Iliyan Malchev sechs Jahre Support erhalten soll; ihm zufolge würde Kroah-Hartman vielmehr Linux 4.4 vier Jahre länger als bislang geplant pflegen. Dieser pflegt derzeit auch schon den Longterm-Kernel 3.18 länger als die vorgesehen zwei Jahre, weil er bei einer Reihe von Android-Geräten im Einsatz ist.

Weitere Hintergründe zu der Idee und dem Stand von Treble liefert Malchev in einem Vortrag, von dem es eine Video-Aufzeichnung auf den Webseiten der Linaro Connect San Francisco 2017 gibt; die Passage zum Linux-Kernel mit sechs Support-Jahren beginnt beim Zeitstempel 21:07.

Vortrag von Google-Entwickler Iliyan Malchev zu Treble.


(thl)