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Mazda6 (GJ): Gebrauchtwagen-Test Der schöne Schein

— 25.08.2017

Der schöne Schein

Vom biederen Ruf seines Urahns 626 hat sich der Maza6 verabschiedet. Leider auch von dessen Qualität, wie der Gebrauchtwagen-Test zeigt.

Nur die wenigsten dürften einen 626, mit dem Mazda zwischen 1979 und 2002 in der Mittelklasse um Kunden buhlte, aus emotionalen Gründen gekauft haben. Vielmehr galt die Modellreihe als brave, sichere Bank. Nicht spannend, aber zuverlässig. Nicht schön, aber gut. Leider immer etwas öde. Damit sollte 2002 Schluss sein. Der nur noch auf den Namen 6 hörende Nachfolger zielte mit dynamischer Hülle direkt ins Lustzentrum und auf optikbewusste Kunden der Konkurrenz. Das funktionierte ein paar Jahre, bis die ersten Fahrzeuge mit durchgerosteten Radläufen auftauchten. Mazda hatte an der Konservierung gespart – ein Problem, dass auch den Nachfolger (2008-2012) betraf, wenn auch nicht ganz so schlimm. Mit der dritten Generation, intern GJ genannt, sollte endlich wieder alles gut werden.

Gebrauchtwagensuche: Mazda 6

Rost am Unterboden ist auch beim dritten Mazda6 ein Problem

Die Stoßdämpfer des Mazda6 sind zu hart und neigen außerdem zum Schlagen und Klappern.

Nach fünf Jahren am Markt wissen wir: Es hat nur in Ansätzen geklappt. Unser Testwagen, eine Limousine von 2013, die das Autohus in Bockel für 15.980 Euro anbietet, liefert ein zweischneidiges Bild. Während sich die verdächtigen Stellen an der Karosserie (Radläufe, Türunterkanten und Schwellerenden) noch makellos präsentieren, sind an Ecken und Falzen am Unterboden bereits Korrosionsansätze erkennbar. Wer hier nicht bald handelt und in Konservierung investiert, bekommt in ein paar Jahren bei der Hauptuntersuchung die Quittung. Unverständlich, dass sich die Japaner der lauten Kritik so nachlässig angenommen haben – zumal der 6 auch technisch nicht frei von Problemen ist. Viele Besitzer klagen über zickende Navis oder schlecht arbeitende Klimaanlagen. Bei den Dieseln kam es anfangs zu Nockenwellenschäden. Flatternde Motorhauben und nicht funktionierende USB-Buchsen fallen dagegen in die Abteilung Kleinkram. Grund zum Ärger liefert auch das Fahrwerk. Selbst wenn die Stoßdämpfer nicht, wie so oft, schlagen oder klappern, bleiben sie zu hart. Mazda deklarierte die Abstimmung als sportlich. Sind dann noch (wie beim Testwagen) üppige 19-Zöller montiert, wird Komfort endgültig zum Fremdwort.

Dem Zweiliter-Benziner fehlt beim Durchzug der Turbo

Enttäuschend ist auch die Auswahl der Innenraummaterialien. Kunststoffe mit kratzempfindlichen Oberflächen passen nicht zur Preisklasse eines Mazda6. Für den 165-PS-Skyactiv-Benziner gilt das schon eher. Ohne Turbo genießt er heute beinahe Raritätenstatus und begeistert mit feinem Lauf und homogener Leistungsentfaltung. Einzig beim schlappen Durchzug in den großen Gängen macht sich die fehlende Aufladung negativ bemerkbar – ein Defizit, das sich mit der exakten Sechsgangschaltung jedoch leicht überspielen lässt. Überhaupt passt der Fahreindruck mit direkter Schaltung und guter Sitzposition zur schicken Schale. So emotional aufgeladen, ist es auch gleich viel leichter, über die Mängel hinwegzusehen.

Technische Daten: Mazda6 2.0 Skyactiv-G
Motor Vierzylinder/vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2
Hubraum 1998 cm³
Leistung 121 kW (165 PS) bei 6000/min
Drehmoment 210 Nm bei 4000/min
Höchstgeschwindigkeit 216 km/h
0–100 km/h 9,1 s
Tank/Kraftstoff 62 l/Super
Getriebe/Antrieb Sechsgang manuell/Vorderrad
Länge/Breite/Höhe 4870/1840/1450 mm
Kofferraumvolumen 480 l
Leergewicht/Zuladung 1375/570 kg

Was beim AUTO BILD-Testwagen aufgefallen ist, und auf welche Mängel Käufer beim Mazda6 außerdem achten sollten, erfahren Sie in der Bildergalerie.

Autor:

Malte Büttner

Fazit

Nach jahrzehntelanger Langeweile ist Mazda mit dem 6 zwar ein Auto fürs Herz geglückt. Angesichts der Mängel weckt er aber nicht nur positive Emotionen. Gemessen an der Preisklasse war der Roststift zu stark angespitzt. Schade, beim 626 hat es doch auch geklappt.