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Mansory AMG S 63 Cabrio Black Edition/Siracusa 4XX Spider: Test Total abgehoben

— 08.08.2017

Total abgehoben

Lust auf 790 PS im Ferrari 488 Spider? Oder 840 PS im Mercedes-AMG S 63 Cabrio? 400.000 Euro hätten Sie auch übrig? Dann ab zu Mansory!

Dieser Kourosh Mansory kennt keine Gnade – er hat uns zwei extrovertierte Boliden angekündigt. Und wie bei unserem letzten Besuch sind es erneut ein Ferrari und ein AMG, derer sich Mansory angenommen hat. Wir nehmen uns heute den Siracusa 4XX Spider und den AMG S 63 Cabrio Black Edition im typischen Trimm des Edel-Tuners vor.

Bei Mansory darf es gerne noch viel mehr sein

S-Klasse Cabrio und 488 Spider im Tuner-Trimm: Mansory zeigt, wie man Exoten noch exotischer macht.

Als ob Mansory sie speziell für unseren Fahrvergleich präpariert hätte, erscheinen beide Autos in mattdunkler Lackierung. Der Benz, nun auf die Bezeichnung AMG S 63 Cabrio Black Edition One of One hörend, wirkt im ersten Augenblick noch etwas fetter als der Italiener nebendran. Dicke Backen und das mächtige Heckleitwerk zelebrieren die Show, unterstützt vom rot getupften “Diamantgrill”, den martialischen Lufteinlässen und schwarzen Rädern im 22-Zoll-Format. Den Aha-Effekt lässt der Ferrari 488 Spider alias Siracusa 4XX erst auf den zweiten Blick raus. Sein Collage-Carbon-Bodykit betont die schon ab Werk harmonische Formgebung. Blickfänger sind hier der in der Mitte unterbrochene Heckflügel, der weit nach unten gezogene Heckdiffusor und die wild zerklüftete Frontpartie. Von welcher Seite auch immer man sich dem Siracusa nähert: Er beeindruckt.

Nach der Kraftkur wird der AMG-V8 zum Biest

Ein Inferno zügelloser Gewalt: Der 5,5-Liter V8 des Mansory-Mercedes entfesselt 840 PS und 1150 Nm.

Die Navis sind programmiert, die Sonne hat sich durch die Wolken gekämpft: Dächer auf, unsere Tagestour durch das Fichtelgebirge kann beginnen. Mit andachtsvoller Miene entern wir die noblen Innenräume. Das Mercedes-Cockpit empfängt uns mit einer verruchten Kombination aus rotem und weißem Leder. Die Steppung der Sessel ist so filigran und extravagant ausgeführt, da kommt selbst die Designo-Abteilung von Mercedes nicht mit. Und ja, das Rot knallt schon arg, der Kontrast zum Darkbody ist heftig. Qualität und Passgenauigkeit des Lederinterieurs wirken mittlerweile aber deutlich hochwertiger als noch in früheren Mansory-Exponaten. Etwas zu hoch sitzend, scheinen sich die Abmessungen des riesenhaften Vorderwagens schemenhaft am Horizont zu verlieren. Stampfend und fauchend wie eine mächtige Dampflok schnürt der One-of-One-Benz voran. Bei Bedarf entfesselt der V8 ein Inferno zügelloser Gewalt. Unter der zusätzlich belüfteten Carbonhaube wütet der Biturbo jetzt mit 840 PS.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Der Powerzuschlag ist zwei größeren Turboladern und einer modifizierten Motorelektronik zu verdanken. Brachiale 1150 Newtonmeter bringen die Vredestein-Gummis jederzeit ins Schwitzen. Durch weite Kurven lässt sich das ausladende Cabriolet noch bereitwillig scheuchen, Spitzkehren gehen ihm dann aber gegen den Strich. Auf der Autobahn dürfte sich das Dickschiff deutlich wohler fühlen, wird reifenbedingt aber bei 300 km/h elektronisch eingebremst.

Der Siracusa entpuppt sich als gieriger Kurvenfresser

Für den sportlichen Fahrer: Querdynamik steckt beim Siracusa schon in den Genen des Technikspenders.

Fahrerwechsel: Mit dem Ferrari geht’s nun weiter. Auch hier setzen wir beim Einstieg unsere Schuhe vorsichtig auf die gesteppten Ledermatten. Wie mag der zukünftige Besitzer das wohl bei schlechtem Wetter handhaben? Wahrscheinlich wie zu Hause: Straßenschuhe aus, Autoschuhe an. Den Allerwertesten betten wir auf feinstes Alcantara, blicken auf Carbon und rotes Leder rund um die Instrumenteneinheit. Dass Mansory mehr als dicke Spoiler und gefärbte Lederhäute kann, zeigt er mit den feinen Details des Siracusa. Nicht nur die Bremssättel hinter den gold lackierten Schmiederädern sind in den italienischen Nationalfarben lackiert, auch die Ziernähte am Armaturenträger und das formschöne Getriebepanel tragen die Tricolore. Der 488 bewegt sich im Vergleich zum S 63 geradezu federleicht. Das Doppelkupplungsgetriebe zackt die Gänge knackig durch, das Fahrwerk samt Tieferlegung und leichterer Räder betätigt sich als Kurvenfresser. Wir lassen uns von einer zur anderen Kurve treiben, allein der Blick auf den Tacho bremst uns immer wieder ein.

Bei den Preisen fällt den meisten die Kinnlade herunter

Wahnsinn: Das neue Interieur im Benz kostet satte 53.500, das Bodykit des Ferrari gar 165.000 Euro.

Der Achtzylinder-Biturbo, mit Begriffen wie kernig oder röhrend nur ansatzweise beschrieben, geht wie die Pest; dank gestiegener Ladedrücke röchelt er noch erheblich krasser als in der Serie. Der Nachschlag von 670 auf 790 PS bewirkt Dauergänsehaut. Wie der Siracusa durch den fränkischen Wald knallt, das muss man erlebt haben. Immer wieder regeln wir am Manettino nach, in Ortschaften auf das softe “Wet” und dann wieder gleich auf “Race”. Rumrollen im Automatikmodus? Never! Wir halten die Nadel des Drehzahlmessers immer schön bei 7000, ein wahres Festspiel. Schnell die Stoffmütze und das Hardtop aufgesetzt, auf dem Rückweg nach Brand wollen wir noch ein paar Kilometer der A9 mitnehmen. Hier schieben die beiden ähnlich mächtig an, zumindest bis Tempo 200 – der Siracusa mit 600-Kilo-Vorteil gegenüber dem Benz, der S 63 hält mit 1,6 Litern mehr Hubraum dagegen. Erst wenn es auf die 250, 300 km/h zugeht, zieht ihm der Ferrari davon. Kotflügelverbreiterungen und die mächtige Front stehen im Vergleich zum schlanken 488 wie die Schrankwand im Wind. Jammern auf hohem Niveau nennt man das wohl, die Kunden dürften sich weniger daran stören.

Vielleicht aber dann doch an den Preisen: Nicht wegen der 11.000 Euro teuren Räder des Siracusa oder der 53.500 Euro für das Interieur des Mercedes – das lässt sich für den durchschnittlichen Superreichen wohl noch gerade so akzeptieren. Doch wie in aller Welt begründen sich die 165.000 Euro für das 488er-Bodykit? Da fehlen ja nur noch 40.000 Euro bis zum Neupreis des Basisautos! Bei aller Exklusivität, lieber Herr Mansory, das finden wir dann doch zu abgehoben.

Fahrzeugdaten* S 63 Black Edition Siracusa 4XX
Motorbauart V8 V8
Aufladung/Ladedruck Biturbo/k. A. Biturbo/k. A.
Einbaulage vorn längs Mitte hinten längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder / 4 4 pro Zylinder / 4
Hubraum 5461 cm³ 3902 cm³
Bohrung x Hub 98,0 x 90,5 mm 86,5 x 83,0 mm
Verdichtung 10,0:1 9,4:1
kW (PS) b. 1/min 618 (840)/5500 568 (790)/8000
Literleistung 154 PS/l 202 PS/l
Nm b. 1/min 1150/4500 870/3000
Antrieb Allrad Hinterrad
Getriebe 7-Stufen-Automatik 7-Gang-Doppelkupplung
Bremsen vorn 390 mm/innenbel./gel. 398 mm/innenbel./gel.
Bremsen hinten 360 mm/innenbel./gel. 360 mm/innenbel./gel.
Bremsscheibenmaterial Carbon-Keramik Carbon-Keramik
Radgröße vorn – hinten 9,0 x 22 – 10,5 x 22 9,0 x 20 – 12,0 x 21
Reifengröße vorn – hinten 255/30 R 22 – 295/25 R 22 255/30 R 20 – 325/25 R 21
Reifentyp Vredestein Ultrac Sessanta Michelin Pilot Super Sport
Länge/Breite/Höhe 5027/2108/1417 mm 4568/1952/1211 mm
Radstand 2945 mm 2650 mm
Leergewicht/Zuladung 2185/450 kg 1525 kg/k. A.
Leistungsgewicht 2,6 kg/PS 1,9 kg/PS
Tankvolumen 80 l 78 l
Kofferraumvolumen 400 l 230 l
0-100 km/h 3,5 s 3,0 s
Vmax 300 km/h (abgeregelt) 339 km/h
Testwagenpreis 382.713 Euro 457.325 Euro
*Herstellerangaben

Autor:

Guido Naumann

Fazit

Sieht man vom Finanziellen ab, ist der Siracusa 4XX Spider ein Traumauto. Der Biturbo-V8 fungiert als Serotonin-Beschleuniger, aufregende Carbonhaut und die Tricolore gibt’s obendrauf. Der Breitbau des AMG S63 Black Edition schlägt in mancher Hinsicht arg über die Stränge, das Interieur stellt unsere Geschmacksnerven ebenfalls auf eine harte Probe. Aber: Der Motor schiebt brachial an, der Sound ist gewaltig.