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Lexus LC 500: V8-Sauger im Test Diesen Lexus gönn ich mir

— 21.11.2017

Diesen Lexus gönn ich mir

Der Lexus LC 500 hat einen Achtzylinder-Sauger mit 477 PS. Redakteur Andreas May dreht ‘ne entspannte Runde durch die Hamburger Nacht.

“Nee, Chef”, hab ich gesagt, “morgen komm ich nicht. Hab ‘ne Verabredung mit der Nacht, bisschen durch den Kosmos rauschen, mal die Lage aufm Kiez checken.” Und dass ich vorher meine Ruhe brauche und es ihm auch mal ganz guttue, mich nicht sehen zu müssen. Er hat genickt. Jedenfalls fahre ich, der May von AUTO BILD, jetzt einfach so rum. Und wie ich Hans Albers’ “Auf der Reeperbahn nachts um halb eins” pfeife, zwinkern mir zwei Blondinen zu. Aha, denke ich, Autos machen Leute. Und muss kurz juchzen: Danke, Lexus LC 500, du quietschgelbes Biest mit schlanken Scheinwerfern, tailliertem Grill, riesigem Hintern.

Beim Antrieb setzt Lexus auf klassischen Motorenbau

Ordentlich Dampf unter der Haube: Der LC 500 schöpft aus einem 5,0-Liter-V8-Sauger 477 PS und 540 Nm.

Ausgerechnet Lexus! Toyotas Edel-Marke sieht sich ja gern als Hybrid-Pionier, als Umwelt-Engel. Diesel? Pfui Teufel! Benziner? Ja! Aber bitte mit der Kraft der zwei Herzen, mit E-Motor für weniger Verbrauch. Und jetzt trete ich aufs Gaspedal dieser Coupé-Rakete und habe Gänsehaut. Fünf Liter Hubraum, acht Zylinder, 477 PS. Sauger, kein Turbo, echter Sound und kein Pseudo-Gekreische. Dass gerade Lexus so ein Auto baut, das ist so, als würde Anton Hofreiter von den Grünen abends seine Jutebeutel ins Lastenfahrrad schmeißen, vom Bundestag zur Tiefgarage strampeln und kurze Zeit später mit ’nem 67er Ford Mustang rausdonnern. Wir haben Benzin im Blut, deshalb sagen wir: Gönnen wir uns den Luxus, bevor wir bald alle in langweiligen Kisten mit kastrierten Motoren hocken. Hamburg, Silbersackstraße. Zum Glück kenn ich den Kiez genauso gut wie den FC St. Pauli, denn das Navi ist mir keine Hilfe. Lexus baut da keinen Touchscreen ein und auch keinen Dreh-Drück-Steller, sondern ein Pad, auf dem du den Finger hin- und herschieben und dann drücken musst.

Das gelbe Coupé taugt zum Cruisen und zum Heizen

Drehorgel: Der rote Bereich des V8 beginnt bei 7000/min – bei Vollgas sind maximal 270 km/h drin.

Wenn du auf dem Parkplatz stehst, dann geht das so halbgut; während der Fahrt kommt es dir vor, als hättest du drei Bier drin. Wenn du dann die Sitzheizung anstellen willst, schiebst du deinen Finger auf dem Pad nach rechts, dann hoch, dann nach links, dann bist du im Menü und denkst dir: Popotoaster? Brauch ich nicht! Ich stehe also vorm Silbersack, dieser Kiez-Kaschemme, die so herrlich abgerockt ist, dass am Wochenende die Touris in Truppenstärke einmarschieren. Da kommt Marvin (20) mit dem Mountainbike, hält an, guckt sich diesen 4,77 Meter langen Donnerkeil an und bittet mich: “Kannst du mal bis 6500 Touren drehen?” Gerne, ist ja noch nicht der rote Bereich. Der beginnt irgendwo hinter 7000 Umdrehungen pro Minute, dann hat der Lexus volle Leistung, dann rennt er 270 Sachen auf der Autobahn. Hier nicht, hier cruisen wir.

Zurück auf die Reeperbahn. Bei der Davidstraße gleich links rein, die Davidwache, Deutschlands berühmteste Polizeistation, rechts liegen lassen. Okay, das ist nur halb legal. Keine Ahnung, ob ich da langgefahren bin, glaube eher nicht, Polizei liest mit. Wenn, dann wäre ich am Schmidt-Theater vorbeigekommen, in dessen Foyer sich immer freitags ab 23 Uhr die Karaoke-Szene trifft. Die machen ganz gut Lärm, Lexus ist lauter.

Mit seinem Klang macht der LC 500 auf sich aufmerksam

Der Lexus gefällt mit hammerhartem Bollersound, klingt aber weniger brutal als AMG und Co.

Hammerharter Bollersound! Nicht so krawallig wie die AMGs der kahlrasierten Herren mit tätowierten Stiernacken, die nicht nur zum Cruisen über die Reeperbahn fahren. Nicht Metallica, sondern was Klassisches von Leonard Bernstein. Diesen Soundtrack magst du auch, wenn sonst nur Helene Fischer auf deiner Playlist steht. Vorm Sorgenbrecher, der Bar auf dem Hamburger Berg, die eigentlich schmales Handtuch heißen müsste, weil du zwischen Wand und Tresen steckenbleibst, wenn der Typ auf dem Barhocker ‘nen Bauch hat, vor diesem Laden also treffe ich zwei Kollegen. Und protz mit meiner Karre: “Na, kleine Spritztour?”, frage ich, richte den Blick Richtung Rückbank: “Können wir aber auch morgen machen”, schieb ich noch schnell hinterher. Denn da hinten passen zwei von den sieben Zwergen rein oder einer von den Wildecker Herzbuben, quer; aber dann stellt sich die Frage, wie du den da wieder rauskriegst. Die Sitze fahren zwar elektrisch vor und zurück, aber auf die konturierten Plätze im Fond stellst du besser nur das Reisegepäck. Macht auch Sinn, denn der Mini-Kofferraum schluckt mickrige 197 Liter, vergleichbar in etwa mit dem Handschuhfach eines Renault Scénic.

Die Fahrleistungen liegen fast auf Porsche-Niveau

Spurtstarker Gran Turismo: Im Lexus LC 500 geht es in 4,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100.

Hmm, denkt sich der May, leicht belustigt von den vielen Touris, die sich von Männern in Frauenkleidern und Frauen fast ohne Kleidern die Sehenswürdigkeiten zeigen lassen. Muss so ein Achtender praktisch sein? Muss ein Gran Turismo alter Schule vernünftig sein? Nee, muss er nicht. Spaß muss er machen! Und wenn du aufs Gas trittst, dann muss die erste Zahl auf der Stoppuhr eine Vier sein, sobald die Tachonadel die 100 erreicht. Hier sind es 4,7 Sekunden, ein normaler Porsche 911 ist nur einen Wimpernschlag schneller, soundmäßig aber nicht viel geiler, denke ich so, als ich paarmal die geschlossene Eisenbahnunterführung neben dem schrägen Haus der Oberhafenkantine entlangheize; nur 200 Meter, aber immer Vollgas. Sorry, ich kann nix dafür, das Auto ist schuld, es animiert niedere Instinkte, es macht gaga. Irgendwann, wenn Anton Hofreiter uns zum Liegeradfahren verpflichtet, dann werden wir solchen Achtzylinder-Saugern hinterherheulen. Und dann werden wir an Jungs wie Hugo Egon Balder denken, der sagte: “Früher gab es Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll. Heute haben wir Frauenquote, Rauchverbot und Laktoseintoleranz.” Hugo, alte Haut, recht hast du. Und lass uns drauf anstoßen im Zwick, deiner Kiez-Kneipe. Diesen Lexus, ähm, Luxus gönn ich mir!

Fahrzeugdaten Lexus
Modell LC 500
Motor V8
Hubraum 4969 cm³
Leistung 351 kW (477 PS)
Drehmoment 540 Nm
Testverbrauch 11,8 l/100 km (Super)
Länge/Breite/Höhe 4770/1920/1345 mm
Leergewicht 1967 kg
Beschleunigung
0–100 km/h 4,7 s
0–200 km/h 15, 4 s
Zwischenspurt
60-100 km/h 2,4 s
80-120 km/h 2,8 s
Vmax 270 km/h
Bremsweg
100–0 km/h kalt 36,2 m
100–0 km/h warm 35,7 m
Preis 99.200 Euro


Andreas May

Andreas May

Fazit

Mensch, Lexus! Einen fetten V8-Sauger mit fünf Liter Hubraum, 477 PS und Mir-doch-egal-Verbrauch hätten wir euch gar nicht zugetraut. Umso schöner, dass ihr solche Autos trotzdem baut. Und in welcher Perfektion! Der LC 500 ist ein Gran Turismo, wie wir ihn haben wollen: elegant, top verarbeitet, immer genügend Leistung. Mensch, Lexus!