/Launch der Vega-Grafikkarten: Was hinter den Wartezeiten steckt (Kommentar)

Launch der Vega-Grafikkarten: Was hinter den Wartezeiten steckt (Kommentar)

Das Warten nach dem Warten

| von Rian Voß

AMD Radeon RX Vega 64 im Review

509 und 609 Euro – das sind die aktuellen Hausnummern, mit denen man rechnen muss, wenn man sich für eine Highend-Grafikkarte von AMD interessiert. Hinter dem kleineren Preis steckt die Radeon RX Vega 56 – eine Karte, die ersten Tests zufolge Nvidias Geforce GTX 1070 schlagen soll. Dazu gibt es die Spiele Sniper Elite 4 und Prey. Ähnliches gilt für den GTX-1080-Konkurrenten Vega 64: Der kostet mindestens 609 Euro (vereinzelt auch 649 Euro), kommt mit beiden genannten Spielen und Rabatt auf eine Ryzen-CPU inklusive Mainboard. In Deutschland wurde das großteils international erhältliche (und bessere) Monitor-Bundle ersatzlos gestrichen. Wer keine Angst vor Imports hat, kann aber im unmittelbaren EU-Ausland zuschlagen. Theoretisch gibt es die Karten auch einzeln für jeweils rund 100 Euro weniger. Davon fehlt bislang jede Spur.

Keine Einzelkarten, keine Partner, keine Monitore

Es gibt nun bestimmt Leute, die sich sagen: “Hey, die zwei Spiele wollte ich mir ohnehin kaufen, das Vega-56-Bundle klingt nach einem guten Deal!” Um genau zu sein: Wir wissen, dass es diese Leute gibt. Schließlich war die Karte wenige Stunden nach dem Launch ausverkauft. Nachschub gibt es eventuell in einer Woche. Wer freundlich ist, könnte sagen, dass das Angebot einfach zu gut war und deswegen ratzfatz von den Regalen flog. Allerdings gibt es viele andere Gründe für die Lieferengpässe. Es wird gemunkelt, dass AMD Probleme mit den GPU-Nachschüben hat. Bei der Produktion fallen nicht genügend gesunde Chips ab, die den Anforderungen genügen. Der Speicher HBM2 ist auch notorisch rar. Und letztendlich scheinen Radeon-Grafikkarten immer noch großen Zuspruch bei den Cryptominern zu finden. Solange die Wechselkurse nicht dauerhaft fallen, wird da wohl auch Vega aufgrund exzellenter OpenCL-Leistung von Mining-Begeisterten weggekauft werden.
 
Bislang gibt es auch nur AMDs Referenzdesign. Sapphire, MSI und Co. ziehen wahrscheinlich erst Ende September beziehungsweise Oktober nach. Auch hier sind Lieferschwierigkeiten das Problem.

Die einen lachen, die anderen weinen: Der Ethereumkurs steigt seit Anfang August. (Bild: Finanzen.net)

Schade, schade

Man sollte doch eigentlich meinen, dass die Geräte, die mit einem Jahr alten Nvidia-Grafikkarten konkurrieren, zum Launch im Übermaß verfügbar wären. Anscheinend hat sich AMD aber gewaltig verrechnet. Das Ergebnis ist ein ziemliches Debakel und gibt Nvidia die Luft, sich auf ihren GTX-Preisen auszuruhen. Vielleicht haben sich ja die Preise und die Lieferzeiten bis Weihnachten endlich beruhigt.